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Es werden Posts vom Januar, 2016 angezeigt.

Samstagsfragmente #28 - Tiefsttemperaturen und Theater

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Gestern
habe ich abends vollkommen vergessen, die Samstagsfragmente hier abzuliefern. Irgendwann war der Tag einfach zu Ende, mein Bett so gemütlich und am Ende bin ich auch noch auf der Suche nach dem ultimativen Purimkostüm, das "dieses Jahr gekauft sein soll, Mama!", im Internet versackt. Aber ein schöner Samstag war's. Am Vormittag gingen wir auf einen Spaziergang in den Hügeln in unserer Nähe mit allerlei interessanten Informationsstationen und Aktivitäten der israelischen Naturschutzgesellschaft. Das Wetter war dafür ganz ideal, Hund und Mensch hatten Freude daran, die Seele ein bisschen auszulüften und das Gesicht in die Sonne zu halten.

Die Woche
war nämlich nass und außergewöhnlich kalt für israelische Verhältnisse. Ich erinnere mich jedenfalls nicht, dass es jemals über mehrere Tage so kalt, grau und ungemütlich gewesen wäre. In Jerusalem gab es Temperaturen deutlich unter 0 Grad und sogar bei uns zeigte das Thermometer an einem Morgen 1 Grad an. Fröstel. Zum…

[Buch] Dorit Rabinyan: Gader Chaya / Borderlife

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גדר חיה by Dorit Rabinyan
My rating: 4 of 5 stars

Romeo und Julia im Nahostkonflikt.

An einem kühlen Herbstnachmittag lernen sich Liat und Chilmi in New York kennen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und so werden aus dem kurzen Treffen mehrere Stunden, am Abend landen beide in Chilmis Wohnung in Brooklyn, wo Liat am nächsten Morgen aufwacht. Eigentlich der klassische Auftakt zu noch einem beliebigen Liebesroman, einer romantischen Komödie vielleicht. Doch Gader Haya ist anders, denn Liat ist eine Jüdin aus Tel Aviv, Chilmi ein palästinensischer Künstler aus Ramallah. Ihre Liebesgeschichte, die so unkompliziert beginnt, ist nur möglich, weil beide sich fernab der Heimat begegnen, wo sie ihr kulturelles und historisches Gepäck zwar nie ganz ablegen, es aber immerhin erfolgreich verdrängen können. Durch die kalten New Yorker Wintermonate hindurch leben die beiden in einer Realität auf Zeit, einem Traum, in dem die Frage nach der Zukunft niemals konkret ausgesprochen wird, obwohl bei…

Nicht auf dem Schirm

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Ich kann nicht mit Regenschirmen. Es nervt mich nämlich kolossal, sperrige Gegenstände mit mir rum zu schleppen, die nur vielleicht jemals zum Einsatz kommen werden.
So wie Schirme eben: Nehme ich einen mit, weil Regen angesagt war, huschen die dunklen Wolken weiter, bevor ich ihn aufspannen kann. Oder es regnet tatsächlich, aber bei so starkem Wind, dass ich trotzdem nass werde und der Schirm innerhalb kürzester Zeit als trauriges Gerippe im Straßengraben landet. 
Habe ich den Schirm aber vergessen, regnet es ganz sicher. Heftig. (Meistens ist dann auch noch Wäsche auf dem Balkon, wenn schon, denn schon.) 
Und wenn ich alles richtig gemacht und morgens bei Regen einen Schirm mitgeschleppt habe, scheint nachmittags garantiert die Sonne und ich lasse ihn im Büro stehen, weswegen ich am nächsten Morgen (Nachtrag: oder eine Busstunde später), wenn es natürlich regnet, keinen Schirm mehr parat habe.
Seufz.

[Lieblingsrezept] Cranberry-Apfel-Muffins

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Wer hier öfter mitliest weiß, dass ich mit der Zeit eine richtige Muffinstante geworden bin. Seit ich gelernt habe, dass man Muffins nicht mit dem Rührgerät, sondern mit einem großen Löffel rühren, aber keinesfalls totrühren darf, damit sie nicht zäh werden, habe ich eigentlich immer Muffins im Haus, entweder frisch oder als Frühstück to-go im Gefrierfach. Rezepte setze ich mittlerweile nur noch selten 1:1 um, denn bei Muffins kann man richtig gut rumprobieren. Meistens schreibe ich nicht auf, was ich letztlich in welcher Menge reingerührt habe, dieses Mal aber doch, voilà: 
Cranberry-Apfel-Muffins
Zutaten für 12 Stück: 1 Becher* kernige Haferflocken1 Becher Mehl2 TL Backpulver 1/2 TL Natron1 TL Vanille oder Zimteine Handvoll Cranberries1/3 Becher Öl 1 Becher brauner Zucker 1 Ei1 Becher Buttermilch2 kleine Äpfel entkernt und klein geschnitten
*amerikanisches Bechermaß


Zubereitung: Haferflocken und Mehl mit Backpulver und Natron mischen. Vanille/Zimt und Cranberries untermischen.In einer…

Samstagsfragmente #27

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Heute
war mal wieder so ein nasskalter stürmischer Tag, wie wir sie diesen Winter schon einige Male am Wochenende hatten. Mir ist das ja sehr recht, ekliges Wetter unter der Woche, wenn ich früh aus dem Bett und mit Bus und zu Fuß zur Arbeit muss, finde ich wesentlich unangenehmer. Da das Mädchen über Nacht bei einer Freundin war, hatten der Gatte und ich den Vormittag noch für uns, das war sehr entspannt. Ich war ein Stündchen beim Pilates und danach sind wir vor einem Film versackt. Dabei musste das Hundeding ausgiebig gestreichelt werden. Ein bisschen gelesen habe ich, ein bisschen gebacken auch, zum Abendessen gab es Spaghetti Alfredo und jetzt wird es gleich wieder gemütlich, bevor mich dann mein Federbett ruft. 
Die Woche
Erfreulichkeiten:
Das Mädchen hat ein gutes Halbjahreszeugnis bekommen. Jetzt müssen wir nur noch das Kind überzeugen, dass das Zeugnis wirklich gut ist und dass 'gut' auch gut genug ist.Mitten in der Woche einen Bus erwischt, den ich eigentlich hätte v…

[Buch] Emily St. John Mandel: Station Eleven / Das Licht der letzten Tage

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Station Eleven by Emily St. John Mandel
My rating: 5 of 5 stars

20 Jahre nach unserer Zeitrechnung befindet sich die Erde in einer Realität, in der die technischen Errungenschaften unserer Gegenwart unwiderruflich vergangen sind. Ein Wimpernschlag der Geschichte hat die moderne Zivilisation, von der keiner gedacht hätte, wie zerbrechlich sie ist, zum Zusammenbruch gebracht. Nur noch rund ein Prozent der Weltbevölkerung ist übrig  - Überlebende, für die jeder Tag voller Ungewissheit und Risiken steckt, auf die man früher keinen Gedanken verschwendet hätte. Es gibt keinen Strom mehr, kein Benzin, keine Medikamente, kein Telefon und kein Internet. Regierungen und Städte sind untergegangen, Menschen wandern rastlos durch die gesetzlose Wildnis oder lassen sich in Gruppen in Siedlungen nieder, denn Gefahren lauern überall. Und dennoch gibt es noch Schönheit und Licht in dieser tristen neuen Welt, denn die Menschen halten mit aller Kraft an den Resten der Zivilisation fest und suchen zu bew…

#BloggerAlphabet - A wie Arbeit

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Bloggen ist nicht mein Beruf und auch nicht mein Broterwerb.

Der hat nämlich mit Schreiben überhaupt nichts zu tun, sondern ist ziemlich "square" und lässt wenig Raum für Kreativität und freie Interpretation des vorgegebenen Rahmens: Ich verdiene meine Brötchen als Buchhalterin. Bei einem spannenden Arbeitgeber, in toller Atmosphäre, mit lieben Kollegen, von denen ich viele Freunde nennen darf, aber ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich schon immer davon geträumt habe, Buchhalterin zu werden. (Selbst wenn es so wäre, würde ich das nie zugeben. Das Klischee des Hosenträger tragenden Buchhalters mit Hornbrille ist doch ziemlich uncharmant ... *lach*)
Mein Blog bietet mir einen kreativen Ausgleich zu meinem Tagesgeschäft. Diese virtuelle Ecke gehört nur mir und ich kann sie genau mit den Dingen füllen, die mir wichtig sind. Ich kann bunt, provokativ, nachdenklich, kindisch, ernst, belanglos und manchmal auch albern sein und muss nur vor mir selbst dafür gerade stehe…

Samstagsfragmente #26

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Gestern
begann der Tag mit Pancakes, spät, denn wir haben alle richtig gut ausschlafen können. Ich stelle fest, dass der Januar ein gemütlicher Monat ist, was unsere Samstage angeht..  Lesen, spielen, malen, ein bisschen Hausaufgaben, ein kleiner Spaziergang, eine warme Suppe - viel mehr war da nicht gestern. Und es war sehr gut.


Die Woche Erfreulichkeiten 
1. Endlich, endlich, endlich ist der neue Computer hier eingetroffen und der Haussegen wieder gerade. Der Gatte hatte richtig schlechte Laune, seit sich Ende November der alte verabschiedet hat.

2. Wieder mal eine herausragende BBC-Produktion gesehen, die Krimiverfilmung von Agatha Christie's Meisterwerk "And then there were none".

3. Ein tolles Buch gelesen.

4. Das Mädchen mit einem tollen Strickkleid aus dem Sale glücklich gemacht..

5. .. und mich selbst mit einem Paar schicker Ankle Boots :) 

Erlesenes 
Station Eleven von Emily St. John Mandel - Außergewöhnlich gut. Sollte man eigentlich gleich im Dutzend kaufen u…

Flüchtlingshilfe aus Israel

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Tausende Flüchtlinge erreichen täglich mit ihren Booten die Küste der griechischen Insel Lesbos, in der Hoffnung, in Europa ein neues Leben beginnen zu können. Erwartet werden sie von medizinischen Rettungsteam der israelischen Hilfsorganisation IsraAid. (Ich hatte die hier schon einmal erwähnt)

Hier eine Minidoku über die Arbeit am Strand von Lesbos, wo Juden und Araber gemeinsam anpacken, Flüchtlingen aus einem Land zu helfen, das sich offiziell mit Israel im Krieg befindet. Ein Video, das das furchtbare Gesicht der Krise zeigt, aber auch die Hoffnung ausdrückt, dass in der Not Herkunft, Religion und Politik keine Rolle spielen und ein Mensch für den anderen einfach nur Mensch sein kann. Ein Mensch, der hilft, der heilt, der Trost gibt.


The Island of Tears from CBN Documentaries on Vimeo.


Because we come from a country where a lot of people suffer trauma because of the conflict and what's happening, we have a lot of experience with trauma and how to deal with the conflict and this…

[12von12] Januar 2016 - auf ein Neues !

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Da ist er wieder, der 12. des Monats, und ich habe mir vorgenommen, an diesem schönen Fotoblogritual in diesem Jahr wieder regelmäßig(er) teilzunehmen. 2015 war das irgendwie nix und ich habe es doch ziemlich vermisst.  
Heute war ein unspektakulärer "Gemischtwarentag", die Bilder erzählen davon:
Ich war arbeiten, habe im Bus ein bisschen Vokabeln gepaukt und dabei arabisches Radio gehört (nicht, dass ich viel verstehen würde, aber "immersion" und so), im Büro die letzten Weihnachtsplätzchen aus der Heimat weggeputzt und am Kiosk mit ein paar Kollegen einen Kaffee getrunken, nach Feierabend mit Hund und Mädchen im Park gewesen, später Matheübungen ausgedacht, gleichzeitig gekocht (und einen Topf voll Bohnen anbrennen lassen) und schließlich im warmen Bett ein bisschen gelesen. 
Und ihr so?




// Die "12 von 12" sind ein Projekt, das Caro auf Draußen nur Kännchen einmal im Monat ausrichtet. Jeweils am Monatszwölften lädt sie die Teilnehmer dazu ein, 12 Fotos …

Die Sprache der anderen ...

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Ana a'eish fi Israil -

Ich lebe in Israel, seit über 10 Jahren. Ich habe geheiratet, mich assimiliert, wurde schließlich eingebürgert, habe eine Familie gegründet, arbeite und zahle Steuern, aber die Landessprache beherrsche ich nicht.

Ivrit schon, ja. Sehr gut sogar inzwischen, aber von der zweiten Amtssprache Arabisch, die immerhin jeder fünfte Israeli als Muttersprache spricht, hatte ich bis vor kurzem keinen blassen Schimmer. Dass ich damit bei meinen jüdischen Landsleuten in guter Gesellschaft bin, ist zwar einerseits beruhigend, andererseits aber auch furchtbar peinlich. Denn während die arabische Bevölkerung mehrheitlich fließend Hebräisch spricht, kann der Durchschnittsisraeli gerade mal ein paar Brocken und die meist auch nur, weil sie mit der Zeit in die israelische Umgangssprache eingeflossen sind. Arabisch ist in der jüdischen Schulbildung kein Pflichtfach und selbst wer es in der Mittelstufe als zweite Fremdsprache wählt, lernt nicht den gesprochenen Dialekt der hier …

[Buch] Literarischer Jahresabschluss #BSBP

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80 gelesene Bücher habe ich für 2015 bei Goodreads verzeichnet. Gute, miese, aber auch einige herausragende. Die ganze Übersicht ist hier zu finden und in meinem Jahresrückblick habe ich die monatlichen Lesehighlights aufgeführt.

Bei der Blogparade von BuchSaiten (2014 habe ich auch mitgemacht) geht es darum, das Lesejahr jenseits der absoluten Lieblingsbücher an ein paar Eckdaten festzumachen:

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? Da gab es einige, am meisten überrascht haben mich aber The Glass Castle von Jeannette Walls (Rezension) und der Leitfaden für britische Soldaten (Rezension), die ich beide für die Leserlieblingsbücherchallenge lesen "musste" :)
Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? Das war eindeutig Layers, denn Ursula Poznanski gehört zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Ich habe alle ihre Bücher …

[Buch] Benjamin A. Saenz: Aristotle and Dante discover the Secrets of the Universe #LLBC

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Mit ein paar Tagen Verspätung bringe ich hiermit meine Leserlieblingsbücher-Challenge zu ihrem Abschluss. Das Lieblingsbuch für den Monat Dezember wurde mir von Janina vorgeschlagen.


Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe by Benjamin Alire Sáenz
My rating: 4 of 5 stars

Obwohl beide mexikanische Wurzeln haben, könnten Ari und Dante verschiedener kaum sein. Ari ist introviert und lebt als jüngster Sohn alleine mit seiner Mutter und einem Vater, der emotional kaum für Ari da sein kann. Seine großen Schwestern sind längst aus dem Haus und über seinen Bruder wird nicht gesprochen. Niemals. Denn der ist seit 10 Jahren im Gefängnis. Dante ist selbstbewusst, liebt Kunst und Poesie und wächst als Einzelkind mit sehr zugewandten Akademikereltern auf. Beide Jungen sind Einzelgänger, doch aus einer zufälligen Begegnung im Freibad, bei der Dante auf Ari zugeht, entwickelt sich allmählich eine tiefe Freundschaft, die beiden hilft, ihre Identität zu ergründen und ihren Platz im Leb…

Samstagsfragmente #24

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Gestern
war Winter. Das ganze Wochenende lang. Kalt, grau, feucht und ungemütlich. Das Mädchen und ich hatten unsere Erkältungen gerade überwunden, als der Gatte mit Schnupfen und Halsweh anfing. Also blieben wir gemütlich im Warmen, machten Hühnersuppe und tranken literweise heißen Tee mit Honig.

Die Woche
durfte ich wieder einmal ein Paradebeispiel für israelischen Balagan erleben. Wie aus heiterem Himmel wurde ab 1. Januar eine landesweite Reform im öffentlichen Nahverkehr ausgerollt, nach der man, anders als bisher, mit einer Monatskarte alle Verkehrsmittel in einem bestimmten Gebiet nutzen können soll. Das ist tatsächlich revolutionär, denn bisher gab jede Transportgesellschaft eigene Tickets aus, Kombikarten waren selten und lohnten sich kaum. Außerdem, so heißt es, könne man jetzt seine ÖV-Karte online zu Hause mithilfe eines Lesegeräts aufladen, das in den ÖV-Büros zu erwerben sei. So trabte ich also mit großer Begeisterung am 31.12. am frühem Nachmittag zu unserem städtische…