Samstag, 14. Oktober 2017

Wüstenfragmente #101 - Sonderausgabe aus den Ferien (mit Bildern!)



Heute


war nach einer langen Serie jüdischer Hochfeiertage der letzte Ferientag bevor morgen die Schule und der ganz normale Alltag wieder losgehen. Außerdem haben die Pfadfinder mit großem Aufwand bombastisch das neue Jahr eingeläutet - unsere Fünftklässler haben ein neues Halstuch bekommen und sind damit jetzt nicht mehr die jüngsten im Stamm. (Natürlich finden sie sich extrem cool.)

Die Woche


haben wir in der Wüste begonnen. Auf einer Ökofarm unweit des großen Kraters bei Mitzpe Ramon kamen wir mit einer befreundeten Familie in einer gemütlichen Hütte für zwei Tage unter.




Spätestens seit unserem anstrengenden Camping-Trip vor genau einem Jahr weiß ich zweifelsfrei, dass ich und meine Familie eigene vier Wände, so einfach sie auch sein mögen, immer einem Zelt vorziehen werden. Die Succah in the desert ist verglichen mit Camping beinahe Luxus: Die Hütten, wir teilten unsere mit noch zwei Erwachsenen und vier Kindern, sind ausgestattet mit richtigen Matratzen,  Solarlampen, warmen Bettdecken, Wasserfass und einer Gaskochplatte, die wir hauptsächlich zum Teekochen nutzten.

Duschen und Toiletten stehen der Gemeinschaft etwas abseits der Hütten zur Verfügung und es gibt sogar ein kleines Schwimmbecken. Frühstück und Abendessen, bestehend aus verschiedenen vegetarischen Gerichten, teilweise aus eigenem Gemüseanbau, werden in der Gemeinschaftshütte eingenommen. Das ganze Erleben wirkte auf uns sehr familiär, schlicht und naturverbunden, was für uns gestresste Städter aber gerade den Reiz dieses Ortes ausmachte. 






Am ersten Abend spazierten wir alle auf einen der Hügel und beobachteten den Sonnenuntergang, später blickten wir mit und ohne Teleskop staunend in den klaren Sternenhimmel, bevor der volle Mond aufging und uns die Sicht nahm. Im Morgengrauen weckte das Mädchen den Papa vor Sonnenaufgang und überredete ihn zu einem Spaziergang - ich blieb lieber noch ein bisschen unter der warmen Decke, in der Wüste wird es empfindlich kalt über Nacht.

Glückliche Tiere gibt es auf der Farm zu unser aller Freude auch! Wachhunde, die sich tagsüber überall da ausstrecken, wo es ihnen gerade gemütlich ist, eine Herde Kamele benachbarter Beduinen, Esel und einige Pferde aus schlechter Haltung, die hier einen glücklichen Lebensabend verbringen dürfen - ein wirklich friedlicher Ort an den wir gerne einmal zurückkehren werden.






Unser zweiter Wüstentag führte uns nach dem Frühstück mit den Mädels zum Abseilen an den Ramon Krater. Immerhin 17 Meter geht es dort am nackten Fels in die Tiefe, sehr abenteuerlich also, und wir waren froh, als beide heil unten angekommen waren :)

Anschließend machten wir eine kleine Tour durch den Krater selbst und begeisterten uns über die Aussicht und die vielen verschiedenen Farben der Wüste an diesem faszinierenden Ort.



(Sonstige) Erfreulichkeiten der letzten beiden Wochen


  • nur ein Arbeitstag in dieser Woche - wer will da meckern? 
  • das Laubhüttenfest mit lieben Menschen genossen 
  • an einer ermutigenden Friedensveranstaltung der "Women wage Peace" teilgenommen
  • mit dem Gatten im Theater gewesen - die Inszenierung von 1984 war dann aber doch eher enttäuschend, zu sehr geriet der ernste Stoff zur Komödie, das war fast schon "doppelplusungut" ...
  • in fernen Reiseplänen geschwelgt 


Erlesenes


Ich habe tatsächlich einiges zu lesen gefunden in letzter Zeit..

Der Tod in Venedig von Thomas Mann wollte ich schon lange mal lesen, das gehört zu den Klassikern, die man auf dem Schirm haben sollte, finde ich. Hat mich erwartungsgemäß persönlich nicht sehr angesprochen, aber ich kann es als großes literarisches Werk durchaus respektieren, doch. 

Die anonymen Tagebuchaufzeichnungen Eine Frau in Berlin habe ich schon lange im Regel stehen und konnte mich bisher nicht so richtig dazu aufraffen. Jetzt habe ich es aber doch in die Hand genommen und mehr oder minder in einem Rutsch durchgelesen. Ein beeindruckendes Zeitdokument, das sicherlich keine leichte Kost ist, aber für mich wichtig als Annäherung an die Nachkriegsgeneration, die so viel verdrängt hat, was mich im Umgang mit meinen Großeltern immer frustriert hat.

Der neueste Ink Rebel London Heist von Jonna McKay ist eine witzige und spannende Gangsterromanze, die als eBook-Serie aufgezogen ist, weswegen ich leider, leider auf die Auflösung des Cliffhangers bis Dezember warten muss, arrrrgh. Wer was lockeres für zwischendurch sucht, macht mit dieser Geschichte nichts falsch :)

Richtig gefrustet und enttäuscht hat mich aber Der Turm der Welt von Benjamin Monferat!  Ich habe mir von dem historischen Thriller vor dem Hintergrund der Weltausstellung 1889 in Paris wirklich viel versprochen. Stattdessen kam überhaupt keine Spannung auf, keiner der Charaktere konnte so richtig mein Interesse wecken und der Schreibstil war mir auch nichts. Eines der wenigen Bücher, die ich abbrechen musste, weil es mich so geärgert hat.

Foto der Woche 


Der schräge Wüstenvogel wurde von vielen gemocht, kein Wunder !


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Webfragmente 


Fürs Auge: die Tochter von alten Freunden meiner Schwiegereltern ist Artistin und trat diese Woche mit ihrem Mann bei einem hiesigen Zirkusfestival auf. Die Trapeznummer habe ich hinterher auf YouTube entdeckt und seither noch einige Male gesehen - schwindelerregend! (Video)

Für die Aktivistenseele: ein kleines Video über die Friedensbewegung israelischer und palästinensischer Frauen, die derzeit für viel Medienaufmerksamkeit sorgt (Englisch)



Kommentare:

  1. Das waren bestimmt spannende Tage in der Wüste! Danke für die tollen Fotos!
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. sehr gerne :) Ja, es war eine gute und entspannende Zeit !

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  2. Kia ora, Hadassa.
    Camping ist jetzt auch nicht mein Ding, ich mag nicht einmal das Reisen per se. Die eigenen, vertrauten Wände eben! :-)
    Die Wüste scheint es Deiner Tochter angetan zu haben, wenn sie schon vor Sonnenaufgang aktiv ist. Ich habe mir sagen lassen, die Luft sei in der Wüste eine besondere.

    "1984" mit komischen Elementen...ein satirischer Ansatz etwa?!
    Hm...magst Du Ernst Lubitschs 'Sein Oder Nichtsein', den er im Exil 1940 drehte?
    Chaplins 'The Great Dictator'?

    Der Wüstenvogel wirkt fast als wäre er eben von Epsilon Eridiani gekommen...

    Als Ausklang, mein Link zu einem japanischen Song; ist ein schöner Trailer zu einem aktuellen Anime...musikalisch nichts schräges, diesmal. :-)
    For your consideration.

    https://www.youtube.com/watch?v=xXDCFJ6xPx4

    bonté



    bonté

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    1. wow, tolles Lied und scheint super zu dem zarten Anime zu passen, danke dafür!

      Herzliche Grüße,
      Hadassa

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    2. ...ich bin bei der Suche nach einem passenden Trailer (für eine japanophile Bloggerin) auf besagtes Kleinod gestoßen. Nimmt einen innerhalb von Sekunden mit in die Welt & Zeit.

      "Viel zu oft ist der Schmerz das einzige, das uns mit der Welt verbindet."
      (Gaelle Mutin-Mutisme)

      bonté

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  3. Was für tolle Einblicke!
    Und ja, Wüste ist heiss und vielleicht auch unheimlich. Aber ehrlich - ich empfinde es trotzdem als phantastisch.

    Sei lieb gegrüsst
    Susi

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    1. Ich liebe die Wüste auch - sie ist immer wieder für ein Erlebnis gut :)

      Viele Grüße,
      Hadassa

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  4. Ich freue mich immer sehr über die Einblick in Euren Alltag. Israel ist ein Land, dass ich unbedingt mal bereisen möchte, nicht immer diese Touristendinge, sondern dass, was man eben so macht, wenn man dort lebt. Vielen Dank für die schönen Bilder!

    Viele Grüße aus "good old Germany"!

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    1. Liebe Svalin,

      Danke für deinen Besuch, ich freue mich immer zu hören, wenn jemand sich über meine Bilder und Beiträge freut :)

      Israel ist nicht so weit weg, in rund vier Flugstunden bist du aus Deutschland mitten im Land, ich glaube, dass Israel so vielen "unerreichbar" erscheint, ist eher ein psychologisches Ding ;)

      Viele Grüße nach good old Germany,
      Hadassa

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  5. Liebe Hadassa,

    beim Bloglesen per Neugier hier gelandet - ohne zu wissen, was und wer hinter dem 12er Blick steckt. Sehr spannend und eine ungewohnte Perspektive.

    Die Anonyma habe ich auch gelesen. Das war gut.

    Vielen Dank für die Einblicke in Deinen - doch sehr fernen :-) - Alltag.

    Liebe Grüße
    Stefanie

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    1. Liebe Stefanie, wie schön, dass es dich hierher verschlagen hat! Leider liegt das Blog gerade etwas brach, aber schau gerne wieder vorbei, ich hoffe, demnächst das Bloggen wieder etwas regelmäßiger aufnehmen zu können :) Viele liebe Grüße, Hadassa

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