Sonntag, 19. März 2017

Samstagsfragmente #80 - Mittags im Museum









Gestern


haben wir den Nachmittag im Israel Museum in Jerusalem verbracht. Ich hatte das schon länger auf dem Zettel, weil dort aktuell eine Ausstellung über Jesus in der israelischen Kunst gezeigt wird (Behold the man - Jesus in Israeli Art), die mich sehr interessiert. Trotzdem war ich dann überrascht, wie viele Künstler sich tatsächlich mit diesem Mann, diesem Juden Jesus in ihrem Werk auseinandergesetzt haben und wie unterschiedlich sie sich diesem Thema angenähert haben. Ein wiederkehrendes Motiv ist Jesus im Zusammenhang mit dem Holocaust, eindrücklich ein Bild, in dem ein SS-Offizier Jesus vom Kreuz zerrt, um ihn einen Strom jüdischer Gefangener zu stoßen, ebenso die lebensgroße Darstellung eines ikonenartigen Jesusgesichtes auf einem nur abstrakt in den blauen Streifen der KZ-Kleidung dargestellten Körper. Aber auch ein Gemälde von Chagall, der - das war mir neu - Jesus oft aufgegriffen hat, eine Marmorstatue, die den jüdischen Jesus vor dem römischen Gericht zeigt und ein monumentales klassisches Gemälde des lehrenden Jesus in jüdisch-orthodoxem Gewand vor Zuhörern verschiedener Herkunft und Religion in der Synagoge von Kapernaum. Viel Anklage gegen die Kirche, gegen das Kreuz, das den Juden über die Jahrhunderte so oft zum Symbol des Unheils und Unrechts geworden ist, steckt in dieser Ausstellung, aber nicht nur. Mehrere Stunden kann man dort locker verbringen und über die Werke sinnieren, aber das Mädchen wollte noch die spannende Mumie sehen *grusel* und ich einige andere Ausstellungen wenigstens streifen.




Besonders haben es mir die farbenprächtigen Werke des Künstlers Otto Freundlich angetan, die derzeit ebenfalls in einer temporären Ausstellung gezeigt werden. Freundlich war ein Pionier der abstrakten Kunst, sein Werk wurde von den Nazis als "entartete Kunst" gebrandmarkt und zu großen Teilen zerstört bevor der Künstler selbst 1943 im KZ Majdanek hingerichtet wurde. In den großformatigen Gemälden hätte ich mich noch lange verlieren können. Die Werke, der mit ihm unter "The Shadow of Colour" ausgestellten Künstler, fand ich ebenfalls sehr faszinierend.

Otto Freundlich


Eine weitere temporäre Ausstellung ist ebenfalls auf ihre Art spannend und sehenswert: Unter dem Namen "No place like home" (gesponsert unter anderem von IKEA Israel) kann man Werke internationaler Künstler sehen, die von Alltagsgegenständen inspiriert ist. Die Galerie ist in verschiedene Räume aufgeteilt, der Besucher spaziert quasi durch eine Wohnung mit Eingang, Wohnzimmer Küche, Bad, Schlafzimmer, Garage etc... -  von überdimensionierten Löffeln und Gemüsereiben über ein verkehrtes Stockbett bis hin zu einem täuschend echt wirkenden Müllsack aus Bronze ist hier eine Bandbreite zeitgenössischer Kunst vertreten.


Wenn ich jetzt noch erwähne, dass neben dem dauerhaften Kunstbestand, den wir diesmal gar nicht angesehen haben, im Israel Museum auch die Qumran-Rollen gelagert und ausgestellt werden sowie eine ganze archäologische Abteilung israelischer Geschichte und mehrere Hallen über das jüdische Leben über Jahrhunderte und Landesgrenzen hinweg, könnt ihr euch vorstellen, dass man hier niemals alles an einem einzigen Tag ansehen kann.



die Woche

Erfreulichkeiten


viele tolle Dinge mit Oma und Opa unternommen:
  1. im Sachne schwimmen gewesen und belgische Waffel gegessen
  2. auf der Farm des Mädchens Reitkünste gewürdigt
  3. einen langjährigen Herzenswunsch erfüllt und Ohrlöcher stechen lassen (mit fast 10 und so...)
  4. kurz vor Feierabend den Zoo besucht und die Tiere mal ganz anders erlebt 
  5. die Planung für die diesjährige Mädchenparty größtenteils abgeschlossen 

Erlesenes


Dazwischen: Ich von Julya Rabinowich habe ich gern gelesen. Die Autorin, die selbst als Kind entwurzelt wurde, versetzt sich darin in ein junges Flüchtlingsmädchen, das seit etwa zwei Jahren mit seiner Familie in einer Unterkunft für Asylsuchende in Österreich lebt und zwischen dem Wunsch nach Integration und der Verpflichtung zu Tradition und Familie hin- und hergerissen ist.

Das Pubertier von Jan Weiler war wie erwartet witzig und hat mich erfrischt auflachen lassen, weil mich so viel an meine eigene Pubertät erinnert hat. Gleichzeitig hat es mich mit Grauen erfüllt, was da wohl bald alles auf uns zukommen wird, oh Schreck.

Foto der Woche


entspannte Zootiere am späten Nachmittag

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Jetzt geht es fix in die Geburtstagswoche des Mädchens. Marathon trifft es wohl eher, aber das wird auch alles echt schön, glaub ich.

Habt es gut :)



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Kommentare:

  1. Ich bin schon ein bisschen zu müde für besonders sinnvolle Kommentare, aber: "Freundlich" ist ein wunderschöner Nachname.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. Das finde ich auch :) Danke für deinen Besuch,
      Hadassa

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  2. Danke für die interessanten Museumsberichte. Ich hab mir gleich noch ein paar Fotos der Bilder von Fröhlich angeschaut. Mir gefallen sie auch ausnehmend gut!
    Nein, Du brauchst Dich vor der Tochterpubertät zu gruseln. Vielleicht gibt es beim Eurem Pubertier auch so relaxte Momente wie bei Zootier. ;-)
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Danke, das sind die Aussagen, die ich zur Zeit bezüglich Pubertät gerne hören möchte :)

      Die Bilder von Freundlich sind wirklich eine Offenbarung für mich gewesen.

      Viele Grüße,
      Hadassa

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  3. Was für ein Museum.
    Die Nazis hatten doch keine Ahnung damals, was wirklich gute Kunst ist.
    Deine Woche gefällt mir. In den Zoo zu gehen, plane ich auch schon länger.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Das Museum ist wirklich klasse. Nur muss man wie gesagt viel Zeit mitbringen. Ich hatte zu meiner Schande früher immer angenommen, dass es dort außer den Schriftrollen (Standard-Israel-Touri-Programm) nichts spannendes zu sehen gibt - weit gefehlt.

      Viele Grüße,
      Hadassa

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