Samstag, 25. Februar 2017

Samstagsfragmente #78 - Leben und Lesen

Fensterladen in Jerusalem 

Heute


war ein guter Shabbat. Kein Ärger, kein Unmut, schönes Wetter, Familienfrieden. Alles rund.


die Woche


war farbtechnisch herausfordernd - Pastell ist nicht meins und die genauen Schattierungen für die Farbspirale zu finden, fiel mir ganz schön schwer.

Ansonsten habe ich mich gegen Mitte der Woche trotz schönstem Frühlingswetter mal wieder in allerlei Grübeleien über den Sinn des Lebens ergangen und darüber gebrütet, was man in meinem Alter realistischerweise noch vom Leben erwarten kann. (Das kommt davon, wenn man zu viele Geschichten von scheinbar ganz normalen Überfliegerleuten im Internet liest.) Blöde Selbstmitleidsfalle. Passiert mir manchmal, dass ich mich in solchen Gedankenspielen verliere, vielleicht sollte ich mir tatsächlich mal eine Liste erstellen, was ich alles konkret reißen möchte in den nächsten Jahren und wenn ich gerade dabei bin auch gleich eine Liste der Dinge, die ich irgendwann mal erreichen wollte und tatsächlich schon erreicht habe. Da kommt sicher bisschen was zusammen, das ich später nach Bedarf in solchen Phasen als Erinnerungskrücke aus der Schublade ziehen kann, damit mich die graue Stimmung nicht runter zieht.

Habt ihr das auch manchmal? Oder ist das ein Defekt von mir?


Apropos positive Dinge auflisten, hier sind die Erfreulichkeiten der Woche:

Erfreulichkeiten


  1. im Zoo gewesen und endlich mal wieder Erdmännchen gesehen (Erdmännchen machen immer gute Laune!)
  2. einige größere Entscheidungen im Hinblick auf den Mädchengeburtstag getroffen
  3. Flüge für die Sommerferien klar gemacht
  4. Spaß bei der Arbeit gehabt 
  5. viel Qualitätszeit mit der Familie verbracht  

Erlesenes


Meine geniale Freundin von Elena Ferrante hat mir gut gefallen, aber ich habe nicht den Drang, jetzt unbedingt sofort die Fortsetzung lesen zu müssen. Schöner Gesellschaftsroman im Neapel der 1950er Jahre.

Elanus von Ursula Poznanski habe ich die Woche innerhalb von zwei Tagen inhaliert - die Frau schreibt einfach wahnsinnig gute Jugendbücher, die man kaum weglegen kann.

Über die Hälfte bin ich mit Das Geräusch des Lichts von Katharina Hagena, die ich liebe, seit ich damals Der Geschmack von Apfelkernen gelesen habe. Diesmal ist es ein Roman aus einer Reihe von Einzelgeschichten, wieder sehr atmosphärisch und tiefgründig geschrieben - ich mag in Hagenas Bücher immer am liebsten selbst vor Ort sein.

Im Jugendroman Dazwischen: Ich von Julya Rabinowitch geht es um eine Flüchtlingsfamilie und deren Schwierigkeiten in ihrem neuen Alltag im fremden Land zurecht zu kommen. Im Mittelpunkt steht die 15-jährige Ich-Erzählerin Madina.

Zero von Marc Elsberg ist mir überraschend zugelaufen und will auch demnächst gelesen werden, allerdings war ich unmittelbar nach Elanus nicht bereit, mich gleich wieder in so was spannendes reinsaugen zu lassen und habe es daher noch mal kurz zur Seite gelegt.


Foto der Woche


es ist amtlich: Instagram liebt Türen. Nachdem ich letzte Woche noch beglückt über die vielen Likes für die lila Turnmatten war, hat die gelbe Londontür gleich noch mal einen drauf gesetzt. Ein bisschen kekst es mich an, dass ich erst hinterher gemerkt habe, dass das in Wirklichkeit ein vom Gatten fotografiertes Motiv ist, aber es bleibt ja immerhin in der Familie. :)


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Webfragmente


Richtiggehend festgelesen habe ich mich diese Woche an dem Reisebericht eines jungen Dresdners, der vor Monaten in Berlin aufbrach, auf dem Landweg nach Indien zu reisen: Der lange Weg nach Indien

Sehr schön fand ich ein Tanzvideo, bei dem mir erst mittendrin klar wurde, wohin das führen wird: 1+1=3 💕

Und weil uns beim Thema Trump zur Zeit offenbar nur die Wahl zwischen "in Weltuntergangsstimmung verfallen" und "das Übel weglachen" bleibt, habe ich hier eine witzige Sammlung für euch: Nobody does things better than Trump



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Kommentare:

  1. Nein, das ist kein persönlicher "Defekt", sondern etwas, was einen normalen Menschen ab und an befällt. Im günstigsten Fall kommt man darauf, was wirklich im Leben zählt. Das ging mir unlängst auch durch den Kopf (gerade da ich mich nächste Woche ins Krankenhaus begeben muss und durchlas, was im ungünstigsten Fall einem so zustossen kann,argh...). Und natürlich nimmt man dann ständig Bücher zur Hand, in denen irgendwelche Protagonisten leider mit ähnlichen Symptomen die Handlung verlassen müssen.
    Genau, es ist wichtig, sich auf Erfreuliches im Leben zu besinnen und sich klar zu machen, dass zu Zeiten des "Twitterman" Mut und Widerstand gefragt sind.
    Herzliche Grüße
    Andrea

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    1. Bore da, Andrea.
      "Von mir an Dich, der Wunsch..." (um Sir Ulrich von Liechtenstein, alias William, zu zitieren)...
      ...dass Dir alles Gute wiederfährt!

      bonté

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    2. ach Mensch, Andrea, das klingt aber nicht so gut. Gib bitte bald Laut, wenn du es überstanden hast, ja?

      Ganz liebe Grüße,
      Hadassa

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  2. Dia dhuit, Hadassa.
    Eigentlich ist der Frühling ideal, um über die Dinge ins Brüten zu geraten; idealer zumindest als die dunkle Zeit des Jahres. Das Lebensblühen bringt einem schnell(er) wieder die Schönheiten dessen ins Gemüt.
    Irgendwie sagt einem jeder Tag was dir dein Leben bedeutet, denke ich.

    "Wir leben um der Schönheit willen. Der Schönheit des Augenblicks. Der Schönheit der Ewigkeit. Lebe!"
    (Florance Ippdit)

    Ja, der Minority Elect...würde mich nicht verwundern wenn sein willfähriger Adlatus alsbald verkündet, dass die Erde wieder zur Scheibe deklariert & the Donald morgen um 16.00 Uhr über den Potomac schreiten wird...

    bonté

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    1. Ja, da hast du wohl recht... Die schönen Blumen können einem viel aufwerten :)

      Viele liebe Grüße,
      Hadassa

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  3. Guten Morgen,
    ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. ich grüble zwar weniger darüber, was ich noch erreichen will oder wie mein Leben anders sein könnte, aber seitdem ich über 30 bin, immer mehr darüber, was eigentlich der Sinn meines Lebens ist. Seit es bei uns mit den Kindern nicht geklappt hat, fragt man sich halt: Wofür lohnt es sich zu leben? Müsste ich mich sozial engagieren? Reicht es, "einfach so" vor sich hin zu leben? Ganz schwierige Gedanken, die mich ab und an überrollen.
    Aber, ich liebe das Leben ganz grundsätzlich, irgendwofür wird es schon gut sein :-)
    LG und hab einen schönen Sonntag
    Yvonne

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    1. Oh, was für ein grandioser Name für ein Buchblog! Gefällt mir sehr.

      Ja, genau diese Art Gedanken sind es, die mich mitunter überrollen und dann auch meist überfordern. Es tut gut zu lesen, dass ich damit nicht allein bin.

      Ganz liebe Grüße und danke für deinen Besuch,
      Hadassa

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