Freitag, 27. Januar 2017

#WeRemember - vielleicht mehr denn je


Heute jährt sich die Befreiung von Auschwitz zum 72. Mal - es ist der internationale Holocaustgedenktag. Im Internet hatte der World Jewish Congress schon vor einigen Wochen zu einer bisher einmaligen Selfie-Aktion aufgerufen (mehr lesen), das Ziel: weltweit mindestens 6 Millionen Menschen zu finden, die mit dem Hashtag #weRemember ein Zeichen gegen das Vergessen setzen wollen. Denn die Zeitzeugen des Holocausts, die vom Leben in den Ghettos, unmenschlichen Todesmärschen und den Grauen in Konzentrations- und Vernichtungslagern berichten können, werden mit den Jahren immer weniger. Wenn die letzten Zeugen des Holocaust einmal nicht mehr sind, wird es es an ihren Nachkommen und an jedem einzelnen von uns sein, die historischen Fakten und Erinnerungen der Überlebenden für die Zukunft zu bewahren. Ich erinnere mich an einige bewegende Gespräche mit Holocaustüberlebenden, die sich mir tief in die Seele gebrannt haben und der grauenhaften Geschichte ein Gesicht gegeben. Sie ein ganz klein wenig begreifbarer gemacht.

In den letzten Tagen und Wochen, in denen es scheint, als seien Fakten verhandelbar geworden, wenn es um politische Ziele geht, in denen Nationalismus und Rechtsextremismus überall auf der Welt ihre hässliche Fratze zeigen und in denen ein deutscher Politiker dafür Applaus bekommt, dass er eine erinnerungspolitische Wende und eine neue, positive Beziehung der Deutschen zu ihrer Geschichte fordert, ruft diese Aktion Menschen weltweit nachdrücklich dazu auf, aktiv Stellung zu beziehen und zur kollektiven Erinnerung beizutragen. Ich hoffe sehr, dass wir niemals an den Punkt kommen, an dem der Holocaust in seinem ganzen grauenhaften Ausmaß verleugnet wird, aber falls doch, werde ich sagen können: Doch, ich erinnere mich, ich kannte Miriam und Rivka und Moshe, die den Lagern entkommen sind und mir ihre Geschichte erzählt haben.






Webfragmente:

Eine Überlebende warnt vor Hassrede: Beware hate speech (BBC)

Kommentar des Deutschen Botschafters in Israel zum Holocaustgedenken: Es ist unsere Pflicht zu gedenken, wachsam zu sein unsere Verantwortung

Ein Artikel über eine Ausstellung in einer New Yorker Synagoge, die Muslime ehrt, die während des Holocausts Juden gerettet haben: The Forgotten Stories of Muslims Who Saved Jewish People During the Holocaust

Kommentare:

  1. Ich finde diese Aktionen so wichtig - gerade im Moment. Es macht mich fassungslos, dass schon wieder darüber nachgedacht wird, Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit zu registrieren; dass es wieder salonfähig wird, sich der Erinnerung zu verweigern. Gerade dann erkenne ich: "Nee, wir reden nicht zu viel darüber. Solange man es so sehr nicht kapieren kann, reicht es auf keinen Fall."

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. Absolut. Ich hatte bisher Holocaustleugner und -verharmloser immer für irre Freaks gehalten, aber in letzter Zeit bin ich ein wenig ins Zweifeln gekommen. Danke für deine Gedanken dazu :)
      Hadassa

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  2. Es macht auch mir Angst, wenn das Leugnen solcher grausamer Tatsachen, wie des Holocausts und des Pogroms an den Armeniern, das Lügen und Faktenverdrehen salonfähig werden. Aber neben der Angst ist da die Wut und das Empören. Das ist wichtig.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Genau. In gewissem Sinne müssen wir auch zu Wutbürgern werden, damit wir dem einen Gegenpol setzen können.

      LG,
      Hadassa

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  3. Dia dhuit, Hadassa.

    "Erinnern an Wahrheit bedeuted, nicht zu vergessen. Vergessen ist die Glut aller Hassisten. Negieren, die Fackel in Händen der Brandstifter."
    (Myrelle Minotier)

    bonté

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