Donnerstag, 26. Januar 2017

Israel will syrische Kriegswaisen aufnehmen

Es ist ein big deal: 

Unser Innenminister hat gestern verlauten lassen, dass Israel 100 Kriegswaisen aus Syrien aufnehmen wird. Der Plan sieht vor, die Kinder zunächst einige Monate in einem Erstaufnahmeheim unterzubringen und später in arabische Pflegefamilien zu integrieren. Innerhalb von vier Jahren im Land sollen sie einen Aufenthaltsstatus auf Lebenszeit erhalten.

Das ist deshalb so eine große Sache, weil sich Israel mit Syrien noch immer im Kriegszustand befindet und keinerlei diplomatische Beziehungen zu den Nachbarn im Norden unterhält. Im andauernden Bürgerkrieg hält Israel, abgesehen von der Sicherung der eigenen Grenzen, eine neutrale Position, bietet aber humanitäre Hilfe in Form von medizinischer Behandlung von bislang über 2500 verwundeten Syrern an. Organisation wie Amaliah und eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne "just beyond our border", die innerhalb von einer Woche rund eine Viertelmillion Euro an Spenden erzielt hat, versorgen syrische Zivilisten mit Lebensmitteln, Medikamenten, warmer Kleidung, Decken und Babynahrung.

Die Bereitschaft zu helfen ist dabei für viele Israelis auch darin begründet, dass das jüdische Volk selbst über Jahrhunderte Verfolgung, Angriffen und Not ausgesetzt war - "Never again" hat man sich nach dem Holocaust geschworen und sich dabei auch die Pflicht zur Hilfe am Nächsten auferlegt - über die eigenen Grenzen hinaus.

Syrische Flüchtlinge in Jordanien / Bild: Russell Watkins (Quelle)

Dass Israel syrischen Flüchtlingen Asyl gewähren könnte, schien mir bisher dennoch immer reduziert auf edles Wunschdenken einiger Politiker in der Opposition, die schon länger darauf drängen, dass Israel dem Beispiel anderer Länder folgen und Verantwortung übernehmen soll. Jetzt scheint genau das in greifbare Nähe gerückt und ich nehme freudig (und ein bisschen beschämt) zur Kenntnis, dass mich unser Innenminister mit dieser Entscheidung positiv überrascht hat.

100 Kinder aus dem Kriegsgebiet zu retten mag auf den ersten Blick wie ein Tropfen auf den heißen Stein wirken, aber es ist ein wichtiges Zeichen, das Israel mit dieser Entscheidung setzt. Ein Ausdruck menschlicher Solidarität in einer Zeit, in der egoistischer Nationalismus auf dem Vormarsch scheint.


Quellen: Haaretz, Times of Israel

Kommentare:

  1. Es wäre ein wichtiges Zeichen, wenn es dazu käme. In so finsteren Zeiten ist doch jedes Licht, jeder Tropfen wichtig.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Sali, Hadassa.

    "Einem Einzigen zu helfen ist besser getan, als dem Leid jedes Feld ganz überlassen zu haben."
    (Eliette Dahrtobe)

    Deine nachfolgenden Worte könnten sich die Extremisten jedweder Couleur kräftig zu Herzen nehmen, denke ich. Sind sie allerdings nicht gewillt zu tun...
    Der Mensch guten Willens fühlt sich nicht selten wie Sancho Panza & sein Herr.

    Eine universelle Wahrheit zeigt übrigens das Foto - dass alle Kinder der Welt gern ein hübsches Bild malen.

    Schönen Vorfrühling; hier in Schwaben frostet es ausgiebig.

    bonté

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    1. Genau so ist es :)

      Bei uns ist der Winter auch zurück gekehrt - Schnee auf den hohen Gipfeln..

      VG,
      Hadassa

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  3. Bonté hat das passende Zitat dafür! Ganz Sinsheim Ichbewusstsein auch.
    Bon week-end!
    Astrid

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    1. ...merci pour votre paroles.

      bonté

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