Sonntag, 25. Dezember 2016

Samstagsfragmente #70 - Feiertagsedition

über den Wolken

Gestern 


hatte ich ein bisschen die Illusion, dass ich die Samstagsfragmente noch irgendwie in den Tagesablauf integriert bekomme, aber zwischen last-minute Besorgungen, Geschenke einpacken, Gottesdienst, Abendessen, Geschenke auspacken und bespielen, mit Abba telefonieren, Loriots "Weihnachten bei Hoppenstedts" sehen und schließlich müde ins Bett fallen, blieb zum Bloggen gar keine Zeit mehr. Das Mädchen und ich, ihr habt es schon erraten, sind zum Fest in die Heimat geflogen, denn in diesem Jahr fallen die Chanukka-Ferien genau zwischen Weihnachten und Neujahr und es wäre doch schade gewesen, sie nicht zu einem kleinen Urlaub nach "Chul" zu nutzen. Unsere Reise mit Swiss über Zürich verlief, wie gewohnt bei Swiss, komfortabel und nach etwas Umsteigestress in Zürich weitgehend ereignislos, bis wir bei unserer Ankunft feststellen mussten, dass unsere Koffer leider in der Schweiz geblieben sind. Hmpf. Wie gut, dass wir bei Oma und Opa zu Besuch sind und nicht sofort weiterreisen müssen, da kann man schon mal ein paar Stunden ohne eigene Zahnbürste überbrücken.

Heiligabend haben wir im kleinen Familienkreis mit meinen Eltern und meiner Tante verbracht, heute waren wir zum Eislaufen in Stuttgart und haben die sonst wild wuselnde Innenstadt mal ganz entspannt erlebt. Am Neuen Schloss steht der große Chanukkaleuchter der Stadt, der macht sich vor der barocken Kulisse gegen den grauen Himmel sehr edel. Leider konnten wir nicht bis zum Sonnenuntergang bleiben, um die Entzündung der zweiten Kerze zu beobachten. Aber bei Oma und Opa wartet ja die Chanukkia schon am Fenster auf uns.



die Woche 

Erfreulichkeiten


  1. die letzte intensive Woche vor den Ferien überstanden - in der Schule und im Büro
  2. noch mal Luxus-Sufganiot...
  3. ... und vor unserer Reise leckeres asiatischen Take-Away gegessen 
  4. gut in Deutschland gelandet
  5. in der Kirche ein paar alte Bekannte getroffen

Erlesenes 


Six of Crows hat zur Mitte hin an Fahrt aufgenommen und spannend geendet. Den zweiten Teil muss ich jetzt trotzdem nicht unbedingt sofort lesen, obwohl mich das Universum von Leigh Bardugo immer noch fasziniert.

Als (vermutlich) letztes Buch des Jahres habe ich jetzt Edge of Eternity, den dritten Teil der Jahrhunderttrilogie von Ken Follett, angefangen. Er gehört ja zu meinen all-time Lieblingsautoren und obwohl ich lange keine richtige Lust auf diesen Wälzer hatte, hat mich Ken gleich wieder voll reingenommen. Er ist und bleibt einfach ein toller Geschichtenerzähler.

Foto der Woche


des Gatten Pfefferminzkasten am Küchenfenster war diese Woche am erfolgreichsten auf Instagram:


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Webfragmente


Ein starkes Video über einen Ex-Neonazi zeigt wieder einmal, dass es jeder schaffen kann, sich von Gewalt und Hass abzuwenden. (Englisch)

In New York gibt es eine Vorschrift, nach der Hunde in der U-Bahn nur mitfahren dürfen, wenn sie in eine Tragetasche passen. Einige Besitzer und ihre großen Vierbeiner, lassen sich davon nicht beeindrucken. (Fotosammlung)

Ahmad Mansour mal wieder mit einem klugen Interview im Deutschlandfunk über Radikalisierung von Jugendlichen und dass es in Deutschland viel mehr Programme zur Prävention braucht. (Interview hören oder Transkript lesen)


Wie waren Weihnachten und/oder Chanukka bei euch? Ich wünsche euch und euren Lieben erholsame Feiertage 😘


// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //


Samstag, 17. Dezember 2016

Samstagsfragmente #69 - Kalt.

Israelischer Winterabendhimmel

Heute 


verbringen wir den Shabbat mal wieder zuhause. Der Regen hat aufgehört, es ist ein klarer Wintertag und die Sonne schaut immer wieder freundlich zu unseren Fenstern herein. Wir hängen hauptsächlich rum, richtig Motivation heute irgendwas zu reißen, hat keiner von uns. Gerne hätte ich einen Spaziergang auf unserem Hügel gemacht, aber zwischen Pancakes backen, Hausaufgaben machen, darüber streiten, sich wieder vertragen, spielen, ausgiebig duschen, Wäsche versorgen und im Internet Zeit verschwenden blieb dafür letztlich keine Gelegenheit mehr.


die Woche 


war mir das Herz schwer. Der Krieg in Syrien hat mit #Aleppo einen neuen unmenschlichen Höhepunkt erreicht und niemand kommt mehr daran vorbei. Endlich. Aber sobald man das Elend und die Schrecknisse an sich heranlässt, trifft einen unmittelbar die damit verbundene eigene Hilflosigkeit. Zu wissen und mitzuverfolgen, dass nur wenige Autostunden von hier Menschen wie du und ich in ihren ausgebombten Häusern niedergemetzelt werden, ist für mich schwer auszuhalten und ich kann tatsächlich nicht fassen, wie im 21. Jahrhundert ein Konflikt, in den so viele militärische Großmächte involviert sind und der schon jahrelang so viele unschuldige Menschenleben fordert, derart lange andauern kann. Besonders schwer fällt mir in diesem Zusammenhang der Glitzer-Konsum so kurz vor Weihnachten, der die gesamte westliche Welt auf Trab hält (ich nehme mich da gar nicht aus) - Black Friday, Super Sale, Winterschlussverkauf - sogar in Israel drehen alle am Rad, obwohl hier bekanntlich weder Thanksgiving noch Weihnachten stattfinden und Chanukka eigentlich überhaupt keine Geschenkeflut vorsieht. Ach Mensch.

Erfreulichkeiten


  1. Ein leckeres Abschiedsabendessen mit den Kollegen und spanischen Tapas genossen, vielen Dank für den schönen Abend G., wir werden dich vermissen 😊  
  2. Mit den Schwiegereltern ein vorgezogenes Chanukkafest gefeiert - 
  3. - und dabei die leckersten Sufganiot gegessen,  die es im Land zu kaufen gibt 
  4. Vanillekipferl gebacken 
  5. Mit der Familie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" auf YouTube gesehen und wieder begeistert gewesen, wie toll der Film einfach ist

Erlesenes 


beim Lesen ist zur Zeit ein bisschen Flaute, ich habe einfach nicht so richtig viel Muße dafür und vielleicht auch nicht den richtigen Stoff im Moment.

Der Ink Rebel war aber richtig spannend, zum Erscheinungstermin kommt hier die Rezension dazu.

Dann habe ich mit Six of Crows von Leigh Bardugo angefangen. Es fesselt mich aber nicht so sehr, wie ich erwartet hätte, und ihre Schreibe ist sehr düster und brutal, das ist mir im Moment ein bisschen anstrengend.

Foto der Woche


Wir hatten diese Woche mal wieder "Wetter". Mein Blick aus dem Bus mit sturzbachartigem Regen am Fenster kam gut an:


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Webfragmente


Viel Aleppo diese Woche... 😢

Die israelische Nachrichtensprecherin Lucy Aharish hat diese Woche im hiesigen Fernsehen auf Englisch klare Worte gefunden: Video

Ein Israeli im Norden holt mit einem Bus syrische Zivilisten zur medizinischen Versorgung nach Israel (Video) - seine Hilfsorganisation Amaliah setzt sich auch für die Errichtung einer Sicherheitszone im Süden Syriens ein.

Eine Auflistung von weiteren Hilfsorganisation über die man die Bevölkerung in Syrien mit Spenden unterstützen kann (Liste).

Wer Interesse hat, etwas mehr über den Konflikt und die Schicksale in Syrien zu erfahren, aber keine Analysen und Reportagen lesen möchte, dem sei hier noch einmal das Jugendbuch "Es war einmal Aleppo" von Jennifer Benkau empfohlen. Meine Rezension ist hier, eine ausführliche Leseprobe gibt es hier zum Download.


// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //


Mittwoch, 14. Dezember 2016

Zwischen Traditionen - Zwischentraditionen

Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit darf ich als Zaungast beobachten, wie meine Freunde weltweit instapretty und facebook-witty ihre diversen Traditionen ausleben: Lebkuchen ab September, Adventskalender, Adventskranz, Wichteln, Plätzchen backen, Weihnachtskarten scrappen, Tannenbaum kaufen, Lichterketten entwirren, zu viele Dominosteine essen, etc. - während in meiner jüdisch-israelischen Alltagswelt Weihnachten auch im Jahre 2016 einfach nicht existiert. 

Um den Stress beneide ich allerdings keinen meiner Freunde in den Weihnachtsländern, im Gegenteil, mich packt das kalte Grausen, wenn ich mir vorstelle, dass ich im ohnehin stressigsten Monat des Jahres in meiner Freizeit auch noch den Vorweihnachtsstress jonglieren müsste, so wie es Millionen berufstätiger Mütter weltweit heldenhaft tun. Bittersweet ist der Advent für mich also, denn einerseits vermisse ich das flauschige Gefühl der Vorfreude auf Weihnachten, das ich von früher kenne, andererseits bin ich total froh, diesen Zirkus nicht mitmachen zu müssen. Genauso wie ich jedes Jahr vor Pessach froh bin, dass ich nicht das ganze Haus von oben bis unten putzen und auf Krümel untersuchen muss, weil ich diese Tradition für mich nicht als bindend ansehe. (Matzen esse ich aber trotzdem gern.)


Weihnachtsbaum in Haifa

Ich habe es also ziemlich gut, denn ich kann mir für meine Familie die Rosinen aus dem Traditionenkuchen picken. Möglicherweise beschere ich dem Mädchen damit einen kleinen Identitätssalat (ich bin aber zuversichtlich, dass sie das packen wird) und wirklich koscher ist das natürlich auch nicht, aber letztlich ist es nun mal eben so, dass wir eine interkulturelle Familie mit unterschiedlicher traditioneller Prägung sind. Sowieso sind der Gatte und ich in der Hinsicht ziemliche Stoffel: Wir brauchen beide für unsere eigene Spiritualität keine religiösen Rituale oder Traditionen, es ist uns eher lästig, eine Laubhütte zu bauen nur weil das alle zu Sukkot machen und es würde mir nicht einfallen, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, nur "weil Mama das aus Deutschland so gewohnt ist". Andererseits finde ich es nett, manche Traditionen aufzugreifen und damit auch einigermaßen konsequent zu sein, damit sich so etwas wie eine Familientradition entwickeln kann. Daher bemühen wir uns, uns freitags beim Abendessen auf die Besonderheit des Shabbats zu besinnen und den traditonellen Tischsegen zu sprechen. An Purim investiere ich natürlich Zeit und Kreativität in ein Kostüm für das Mädchen, wir backen Hamanohren und schenken auch meistens welche davon her. Den Sederabend an Pessach feiern wir im Familienkreis, lesen die Haggadah und achten darauf, bei diesem Essen nichts gesäuertes auf den Tisch zu bringen. Am Unabhängigkeitstag wird gegrillt, Shavuot backe ich eigentlich immer einen Käsekuchen und zu Rosh HaShana tobe ich mich kulinarisch am Apfel-Granatapfel-Honig-Thema aus. Unsere Laubhütte ist meist ein Provisorium, da sollten wir vielleicht noch ein bisschen üben, denn dem Mädchen ist es in den letzten Jahren sehr wichtig geworden, dass wir eine haben, weil alle eine haben, auch wenn wir sie dann nicht wirklich nutzen. Im Advent backen wir stur mindestens einmal Plätzchen, Vanillekipferl meistens und Ausstecher, wenn ich dafür genug Nerven habe, hören zusammen "Ritter Rost feiert Weihnachten" oder lesen eine weihnachtliche Geschichte. (Ich knipse Weihnachtsliederplaylists auf YouTube an, wenn sonst keiner hinhört). Seit einigen Jahren treffen wir uns am 24. Dezember gerne mit Freunden zu einem leckeren Essen und besuchen einen Weihnachtsgottesdienst in Jerusalem. Meist fällt die Chanukkahwoche ja auch in den Advent, das wird das allabendliche Kerzenanzünden, das wir alle lieben, einfach mit integriert. Adventskalender gibt es dieses Jahr zum ersten Mal nicht, das ist uns irgendwie durchgerutscht und wirklich vermisst wird er nicht. (Vielleicht von mir, ein bisschen.)  Hocherfreut habe ich neulich "Tatsächlich Liebe" auf Netflix entdeckt und zu Weihnachten bekommt das Mädchen die DVD von "Der kleine Lord". Wenn wir dann noch irgendwo "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" auftreiben, können wir künftig einen richtig gediegenen Weihnachtsfilmeabend in unsere Familientradition aufnehmen. 


Vanillekipferl

Klingt das jetzt sehr meschugge? Sagt mal..

Montag, 12. Dezember 2016

Die letzten #12v12 für dieses Jahr - Dezember 2016

Mein Fototag beginnt erst in Tel Aviv...

.... weil ich mal wieder auf dem Weg hierher vergessen habe, dass 12v12 ist... (1)



Immerhin habe ich nicht vergessen...

... die Dose mit den Vanillekipferln mit ins Büro zu nehmen. Die werden immer gerne genommen. (2)




Die festliche Deko im Büro bewundert (3&4)




Ein bisschen Festlichkeit auch bei der Verabschiedung einer Kollegin (5)



Bei Einbruch der Dunkelheit bin ich fast daheim (5)



Noch schnell in den Minimarkt um Sahne für das Abendessen zu kaufen... (6)



... und dabei einem unwiderstehlichen Sonderangebot aufgesessen (7)



Zuhause leider festgestellt...

dass es die Tiefkühlschnitzel und Falafelbällchen nach dem Mittagessen nicht wieder ins Gefrierfach geschafft haben, weswegen es heute Abend keine Spaghetti mit Pilz-Sahne-Soße geben wird, sondern Schnitzel und Falafel mit Tahinisoße ... (9&10)


 

Jetzt noch schnell diesen Beitrag fertig machen...

... und dann kann ich irgendwann vielleicht endlich mal wieder lesen... (11&12)




Tja, das war's für dieses Jahr mit den 12 von 12. Ich hatte mir im Januar vorgenommen, dieses Jahr wieder öfter teilzunehmen und das ist mir gelungen: Lediglich im Juli habe ich, warum auch immer, ausgesetzt.

Danke Caro, das du uns wieder eingeladen hast, unseren Alltag mit dir zu teilen 😊


// Die "12 von 12" sind ein Projekt, das Caro auf Draußen nur Kännchen einmal im Monat ausrichtet. Jeweils am Monatszwölften lädt sie die Teilnehmer dazu ein, 12 Fotos aus ihrem ganz normalen Alltag zu fotografieren und mit der Bloggerwelt zu teilen. Ich nehme seit 2012 regelmäßig an diesem Projekt teil. //

Samstag, 10. Dezember 2016

Samstagsfragmente #68 - entschleunigtes Wochenende

Haustür in der Jerusalemer Altstadt, Christian Quarter

Heute 


waren wir wieder in der Jerusalemer Altstadt, diesmal mit einer Bestellung aus der Heimat: ein kleiner Schnitzengel aus Olivenholz, vorzugsweise aus Bethlehem, wird gewünscht. Derart typische Heiliges Land-Artikel finden sich weder in Tel Aviv, wo ich arbeite, noch in der homogen-jüdischen Kleinstadt in der ich wohne, aber wir hatten heute sowieso einen Termin in Jerusalem, das ließ sich ganz gut mit dieser Mission verbinden. Im ersten Laden wollte man mir für teures Geld ein absolut kitschiges Exemplar von einem pausbäckigen Engel, wahlweise mit Harfe oder Trompete, andrehen. "Good price lady, only 60 shekels, if you want I give it for 50!" - falls ihr schon mal hier gebummelt habt, kennt ihr das sicher. Eine Ecke weiter wurde ich dann aber fündig: Weniger gelackt und touristisch hochglanzpoliert, mehr schummrig-rummeliges Lädchen mit einem freundlichen älteren Gentlemen hinter dem Tresen, der mir für 35 Schekel gleich zwei Engelchen verkaufte. Noch ein bisschen die engen Gassen auf und ab spaziert und beobachtet, wie der gigantische Weihnachtsbaum geschmückt wird, von dem letztes Mal nur das Gerüst zu sehen war, danach ging es wieder nach Hause. Zu Hund und Hausaufgaben. Ich hasse es wenn das Mädchen über das Wochenende Hausaufgaben machen muss. Überhaupt hat sich an meiner negativen Grundhaltung gegenüber Hausaufgaben seit meiner eigenen Grundschulzeit nichts geändert. Bäh.


Weihnachtsbaum am "New Gate"


die Woche 


zur Zeit fliegt eine Woche wie die andere dahin. Kaum ist man sonntags gestartet, ist es auch schon wieder Donnerstag.... Ich komme kaum zum Luft holen, hoffentlich wird 2017 etwas geruhsamer.   


Erfreulichkeiten


  1. die ganze Woche wunderschönes Winterwetter gehabt
  2. leckere Pizza aus perfekt gelungenem Hefeteig gebacken (mit Hefeteig verbindet mich schon immer eine gewisse Hassliebe...)
  3. ein Treffen mit einer lange nicht gesehenen Freundin ausgemacht 
  4. beim gift-exchange letzten Samstag leckeren Tee aus London und eine tolle Elvis-Tasse gewonnen (wusstet ihr, dass es in Jerusalem ein Diner gibt, das Elvis gewidmet ist? Sogar mit überlebensgroßer Elvis-Statue davor?)
  5. nur noch 2 Wochen bis zu unserem Urlaub 🎄

Erlesenes 


Fremd von Ursula Poznanski und Arno Strobel wollte ich schon ewig lesen, denn von Poznanski muss ich ja eigentlich immer alles lesen. Als es kürzlich endlich in der hiesigen Bibliothek auftauchte, musste ich mich natürlich sofort darauf stürzen. Die beiden Autoren dieses Thrillers wechseln sich mit den Kapiteln und zwei Erzählperspektiven ab, das funktioniert erstaunlich gut und erzeugt einen überzeugenden Spannungsbogen. Die Auflösung fand ich dann allerdings ein wenig lau und es gab ein paar Logikbrüche, die mich genervt haben. Trotzdem lesenswert.

Jetzt freue ich mich auf ein weiteres Vorablesebuch der Ink Rebels. Diesmal ist es ein Young Adult-Roman, ich bin sehr gespannt :)

Foto der Woche


Fotos von Büchern gehen auf Instagram immer. Das Mitnehmbücherregal am Bahnhof hat diese Woche bei mir am meisten 💙 generiert:


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Webfragmente


Im Advent höre ich gerne Weihnachtslieder. Aus der Playlist mit Frank Sinatra und Dean Martin knödelt es besonders schön :)

Über der neuen Schmuckausgabe von Herr der Ringe habe ich diese Woche virtuell geschwelgt, aber nein, ich brauche Herr der Ringe nicht auf Deutsch im Regal.

Spaß hat mir auch ein Freitext auf der ZEIT über Weihnachtsplätzchen gemacht: Makronen! Meine Fresse!

Und zum Brüllen komisch fand ich das Video "Wenn Männer stillen würden" (Englisch)



Wie war eure Woche? 


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Samstag, 3. Dezember 2016

Samstagsfragmente #67 - Warm bleiben im Winter

ein Hundeleben...

Heute 


genießen wir die Gemütlichkeit, die so ein paar Tage "richtiger" israelischer Winter mit sich bringt. Der Regen hat zwar nachgelassen und die Sonne hat sich heute sogar schon kurz gezeigt, aber es ist noch knackig frisch und außer dem Gatten, dem bekanntlich immer ein paar Grad zu heiß ist, suchen wir alle die Kuscheligkeit von warmen Pullis, Socken und Decken. Bei mir brechen zum Wintereinbruch ja jedes Jahr die Steinzeitgene durch: Zuerst sorge ich für eine warme Höhle und ziehe die dicken Federbetten und das Flanelllaken auf. Dann stürze ich mich in die Lebensmittelversorgung: Gestern habe ich außer einer mächtigen Lasagne fürs Abendessen einen Riesentopf Hühnersuppe gekocht, rund 3 Kilo Tomaten zu Soße verarbeitet und für schlechte Zeiten eingefroren, danach Haferbrei für unser Frühstück heute vorbereitet. Brot hatte ich schon am Donnerstagmorgen gebacken, sonst wäre das gestern sicher auch noch dran gewesen. Im Sommer ereilen mich solche Kochflashs so gut wie nie, es muss also was mit dem strengen Wetter zu tun haben, das mich dazu bringt, dafür zu sorgen, dass, komme was da wolle, die Familie nicht verhungern muss.

Später gehen wir die Quasitante des Gatten besuchen, die gerade eine Hüft-OP hinter sich hat. Da das Krankenhaus in unmittelbarer Nähe zum Meer liegt, werden wir uns danach vielleicht ein bisschen Seeluft um die Nase wehen lassen. Am Abend habe ich ein Treffen mit meiner Frauengruppe zum gift-exchange, das ist wohl sowas wie Wichteln auf Amerikanisch, ich bin gespannt :) 


die Woche 


hielt uns wie gewohnt gut auf Trab mit dem zweifelhaften Action Highlight am Dienstagabend, als ich mir mit Wucht selbst eins auf die Zwölf verpasste, weil mir beim Bücken im Halbdunkel eine Massivholzstuhllehne in die Quere kam. *autsch*


Erfreulichkeiten


  1. Regen!
  2. nicht in der eigenen Wohnung ertrunken
  3. selbst ausgeknockt, aber alles wieder gut
  4. echten deutschen Stollen gegessen, courtesy eines lieben Kollegen
  5. Kiras Buch ist erschienen! (Rezi

Erlesenes 


Mighty be our powers von Leymah Gbowee beeindruckt mich sehr und hält mir eindrücklich vor, wie wenig wir von unserem sicheren Wohnzimmer aus tatsächlich über die Schrecknisse in vielen Ländern dieser Welt wissen (wollen?). Horror und Hoffnung liegen in Gbowees Autobiographie über Jahre nah beieinander und dennoch findet sie die Kraft, für Frieden und Gemeinschaft vor allem unter Frauen zu kämpfen, 2011 erhielt sie für ihre unermüdliche Arbeit den Friedensnobelpreis. Ich bin beschämt, dass ich vorher nichts von ihr gehört hatte und empfehle ihr Buch hiermit ganz explizit. Auf Deutsch ist es unter dem Titel "Wir sind die Macht" bei Klett-Cotta erschienen, scheint aber aktuell leider vergriffen und für Kindle gar nicht erhältlich zu sein. *grummel*


Foto der Woche


Lecker Stollen in Nahaufnahme....


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Webfragmente


Meine Freundin Elie, die ein Curriculum für Friedenserziehung in Schulen erarbeitet, hat einen weisen Blogartikel als Nachlese zu den Großbränden der letzten Woche verfasst (Englisch)

Ein witziges Zeichentrickfilmchen kam diese Woche von der Jerusalemer Stadtverwaltung, Thema "Bereit für den Winter". Wer die Serie "Game of Thrones" kennt, wird hier auch ohne Ivritkenntnisse schmunzeln :) 
Winter kommt nach Jerusalem


Wie wichtig es ist, in den social media Fakten zu prüfen, bevor man alles weiterteilt, was einem so unterkommt, zeigt diese Präsentation (Englisch)


Wie war eure Woche? 


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Freitag, 2. Dezember 2016

Nasse Füße

Der Wecker hatte nicht geklingelt.

Als der Gatte um Viertel vor acht aus dem Schlaf schreckt, rücken das Mädchen und ich unter der warmen Decke enger zusammen, wo wir gestern nach dem kuscheligen Vorlesen in der Ungemütlichkeit des verregneten Abends beide eingeschlafen waren. Der Frieden währt nur kurz, denn nur Sekunden später hören wir ihn im Wohnzimmer erst innehalten, dann unflätig schimpfen - Flur und Küche sind überschwemmt, dabei hatte er die Woche unter der Balkontür extra noch neues Silikon verlegt, wo es in den Vorjahren öfter mal reingeregnet hatte. Eine nähere Katastrophenuntersuchung ergibt dann auch, dass es dort zwar staubtrocken ist, die Suppe aber unter einer anderen Balkontür reinläuft, weil dort der Abfluss zur Regenrinne verstopft ist. Das hat man davon, wenn man in einem Land lebt, in dem es fast ein Dreivierteljahr gar nicht regnet und Staub und Dreck sich in jeder Ritze (oder Regenrinne) festsetzen. Da um acht die Schule los geht und das Mädchen eh schon zu spät dran ist, kümmere ich mich erstmal darum, dass sie sich anzieht, ein Pausenbrot bekommt und die Zähne putzt. Normalerweise macht das der Gatte, der Gute, aber der ist damit beschäftigt das Wasser aus der Wohnung zu bekommen. Der Schulrucksack ist natürlich auch nicht fertig gepackt, das übernehme ich eben schnell, danach werfe ich mir meinen warmen Mantel über, stecke meine Schlafanzughosenbeine in die hohen Stiefel, das Mädchen in die Regenjacke, suche und finde das Hundemäntelchen und einen Regenschirm und treibe Kind und Hund aus der Wohnungstür.




Nach der friedlichen Hunderunde in der frischen Herbstluft komme ich zurück zu einem ratlosen Gatten. Er kriegt den Abfluss nicht frei, hat aber einen Nachbarn alarmieren können, der handwerklich begabter und besser ausgerüstet ist als mein Feinmotoriker. Der kommt auch prompt, hat keine Angst vor Regen und schafft es innerhalb von Minuten, die Rinne frei zu legen. Außer einem großen Dankeschön und einem guten Kaffee können wir ihm leider nichts anbieten, aber wir überlegen uns was, denn ob heute bei diesem Wetter am Freitag ein Klempner gekommen wäre ist fraglich. So einen Nachbarn kann man wirklich nur jedem wünschen ♡ 

Positiv an der ganzen Geschichte: Die Wohnung ist mal wieder gründlich sauber gewischt worden, sogar unter dem Kühlschrank und hinter der Spülmaschine.


(Jetzt sind wir wieder unter Decke. Das Mädchen mit dem iPad, der Gatte mit dem Kindle und ich am Bloggen - gemütlich.)

Donnerstag, 1. Dezember 2016

[Buch] Kira Minttu: Keep on Dreaming

Seit Jahren warte ich auf diesen Moment! Ok, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen dramatisch, aber es ist tatsächlich so, dass ich dieses Buch und seine Entstehungsgeschichte schon eine gefühlte Ewigkeit lang gespannt verfolge ...




Katinka führt ein Leben um das sie mein 16-jähriges Ich glühend beneidet: Ihr erfolgreiches Musikblog "Listen up!" verschafft ihr Backstagepässe zu Konzerten und Interviewtermine mit den angesagtesten Bands, ihr bester Kumpel wird von der halben Schule angehimmelt und sie hat eine Freundin, die immer für sie da ist. Außerdem ist sie auch noch nett und keineswegs zickig oder überheblich, wie man es vielleicht erwarten würde, wenn jemand so lässig unterwegs ist. Aber nicht alles läuft locker und cool, denn in der Rockmusikwelt, in der Musiker sich selbstverständlich mit Groupies umgeben, entstehen oft blöde Situationen, die Katinka zweifeln lassen, ob man sie und ihr Blog überhaupt ernst nimmt. Richtig kompliziert (und aufregend!) wird ihr Leben, als sie James McMillan kennenlernt, den unverschämt gutaussehenden Frontman der Band Keep on Dreaming..

***

Ich habe diese Buch verschlungen! Vom ersten Satz an fühlte ich mich als Leserin in die Welt von Katinka und ihren Bloggerfreunden eingesaugt und konnte den Kindle kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Kira Minttu trifft mit ihrem Schreibstil den Ton ihrer Zielgruppe und beschreibt authentisch den Alltag von ganz normalen Jugendlichen zwischen Schule, Abhängen und Ausgehen. Ihre Protagonisten und deren Realität baut sie so sympathisch und echt auf, dass man kaum glauben mag, dass es sich hier um reine Fiktion handelt. Neben der Haupthandlung hat mich besonders die Freundschaft zwischen Katinka und Juli sehr berührt - jedes Mädchen sollte so eine beste Freundin haben! - und ihre Mutter, die in ihrer Rolle ebenfalls absolut glaubwürdig daher kommt, wurde für mich zur heimlichen Heldin in der Geschichte (und taugt mir zum Vorbild für des Mädchens kommende Teeniejahre).

Aber Keep on Dreaming ist nicht nur ein realistischer High School-Roman, denn Kira lässt ihre Charaktere in der berüchtigten Backstagewelt der Rockszene mitspielen. Welcher Teenie träumt nicht davon, nach einem mitreißenden Rockkonzert einmal hinter die Bühne zu dürfen und und seinem Idol in Echt gegenüber zu stehen? Im Roman kann man als Leser einen Blick riskieren, denn für Katinka ist das durch ihr Blog fast schon ein Teil ihres Alltags. Sie koordiniert die Termine der Plattenlabels und wickelt Interviews mit Musikern meist professionell und souverän ab. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl mitten im Geschehen zu sein - mit ihr zu albern, mich zu ärgern, aufzuregen und - als McMillan auf der Bildfläche erscheint - kurz den Atem anzuhalten.

Eine Bloggerkollegin von mir hat neulich einmal zu mir gesagt, ein guter YA-Roman sei für sie einer in dem man sich "mitverlieben" kann, und das ist auch Kira mit ihrem Erstling gelungen. Obwohl man dem keine Sekunde anmerkt, dass er ein Erstling ist, dazu erzählt Kira schon viel zu lange Geschichten, auf ihrem eigenen Blog und anderswo. Man fragt sich eher, warum es so lange bis zum ersten Roman gedauert hat.


"Keep on Dreaming" ist ab sofort als Kindle eBook für 3,99 Euro erhältlich. Als Taschenbuch erscheint es im Amrun-Verlag und kann dort, bei Amazon oder im Buchhandel bestellt werden. Eine ausführliche PDF-Leseprobe gibt es hier

Und wem das alles noch nicht reicht, kann sich das erste Kapitel sogar von Kira vorlesen lassen - hier



Vielen Dank an die Ink Rebels, dass ich die überarbeitete Geschichte vor allen anderen noch einmal lesen durfte 💙