Samstag, 29. Oktober 2016

Samstagsfragmente #62 - Hummus in der Heiligen Stadt

Santa kommt bald...

Heute


waren wir in Jerusalem und haben einen Abstecher in die Altstadt zum Hummus-Essen gemacht. Dabei haben wir diesmal gar nicht groß darüber gemacht, dass wir über Jahrtausende gepflasterter Religions- und Weltgeschichte stolpern, denn wir waren viel zu sehr in die Gespräche mit unterwegs aufgegabelten Freunden vertieft und gleichzeitig schwer beschäftigt, in den verwinkelten Gassen die eine richtige zum Hummus-Laden zu finden, dass für andächtige Gedanken keine Gelegenheit blieb. Fast ein bisschen erschreckend, wie "normal" die Altstadt für mich geworden ist, denn ich erinnere mich noch lebhaft an meine ersten staunenden Streifzüge - fast, als wäre es gestern gewesen.

Das Essen bei "Lina" war wie gewohnt fantastisch - Hummus mit wahlweise gerösteten Pinienkernen, Bohnen, scharfer Soße oder Tehina, Salate, Falafel und Tee mit Minze oder arabischen Kaffee zum Abschluss, bei Lina wird auch der hungrigste Pilger für kleines Geld satt, ich kann den Besuch nur empfehlen. Leider habe ich, vor lauter Gequatsche und Selfies für gemeinsame ferne Bekannte knipsen, versäumt vom Essen ein Foto zu machen, dafür habe ich eins von einem verwunschenen Gässchen:

Altstadtgassen

Unterwegs fiel uns auf, dass es hier im christlichen Viertel schon weihnachtet. Ein Laden hatte offenbar erst kürzlich die Weihnachtsware hereinbekommen, man konnte den Eingang jedenfalls vor lauter Lametta kaum noch sehen und die riesigen braunen Versandkartons standen auch noch rum... Außerdem hat mich gerätselt, ob die Gerippe der Leuchtdekoration, die wir vom Weihnachtsabend schon kennen, wohl ganzjährig hier hängen und nur keinem auffallen, weil sie außerhalb der Saison nicht beleuchtet werden? Muss ich mal eine Freundin fragen, die im christlichen Viertel arbeitet.

Die Woche

Erfreulichkeiten


  1. Den letzten Sukkot-Feiertag spontan im Zoo verbracht. Gute Entscheidung. 
  2. Bei der Veröffentlichung des ersten Ink Rebels mitgefiebert.
  3. Tolle Winterstiefel für das Mädchen entdeckt und gleich zugeschlagen. Vielleicht lässt sich so ja auch der Regen zu einem Wiederholungsbesuch locken... 
  4. ... denn geregnet hat es diese Woche tatsächlich zum ersten Mal diesen Herbst "richtig". Jedenfalls so richtig, dass es mir die erst kürzlich geputzten Fenster versaut hat. Leider war nach einer Viertelstunde alles wieder vorbei. 
  5. Einen Weihnukka-Kurzurlaub klargemacht :) 

Erlesenes


Es war einmal Aleppo von Jennifer Benkau ist ein tolles Buch, meine Rezension dazu lest ihr hier. Anlässlich der Erstveröffentlichung für Kindle kann man mit dem Kauf sogar etwas für eine guten Zweck tun: Für jedes bis zum 1.11.2016 gekaufte Exemplar spendet die Autorin 0,50 Euro an Autoren helfen.  

Mit Judiths Liebe von Meir Shalev  bin ich länger nicht richtig warm geworden. Mir waren die vielen Einzelgeschichten anfangs ein bisschen zu viel und der rote Faden dazu ein wenig zu dünn, erst in der zweiten Hälfte konnte ich die aufwändige Erzählkunst richtig würdigen und sogar genießen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass zwei Drittel des Romans als Kurzgeschichtenband besser funktionieren würde.

Corpus Delicti von Juli Zeh fand ich von der Idee her spannend, blieb aber letztlich mit einem eher mäßigen Eindruck zurück. Ich bin nicht ganz sicher, ob es daran lag, dass ich nur die gekürzte Hörbuchversion gehört habe, oder am fehlenden Tempo, aber insgesamt wurde hier Potenzial verschenkt, finde ich.


Foto der Woche


Ein mittelmäßiger Schnappschuss von einem tollen Motiv aus dem Zoo :)




Webfragmente


Zwei Videos über Erzieherinnen mit Down-Syndrom sind die Woche fast zeitgleich in meiner Timeline gelandet. Gaza und Argentinien.



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Donnerstag, 27. Oktober 2016

[Buch] Jennifer Benkau: Es war einmal Aleppo

"Es war einmal Aleppo", der Erstling von Jennifer Benkau unter dem neuen Label INK REBELS, wurde mir als Vorabexemplar zur Verfügung gestellt. Er spielt im Sommer 2015, als die Flüchtlingskrise über Deutschlands Grenzen schwappte und in der Bevölkerung eine großartige Welle der Hilfsbereitschaft aber auch feindselige Skepsis auslöste.

Als Antonia mit ihren Eltern und ihrem Bruder aus einem handy- und internetfreien Sommerurlaub in Dänemark zurück kommt, fällt die Familie aus allen Wolken: Der ehemalige Tennisclub direkt gegenüber wurde von der Stadt in ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge umfunktioniert. Ihr Vater ist außer sich vor Wut und verfällt in kleinbürgerlichen Aktivismus, doch auch Toni macht das Lager Bauchschmerzen. Bis ihre beste Freundin sie als freiwillige Helferin einspannt und Toni auf Shirvan trifft. Je mehr sie dem in sich gekehrten Syrer zuhört, je mehr sie über den Krieg und seine Opfer lernt, desto komplizierter wird es..
***

Jugendbücher gehörten schon immer zu meinem liebsten Lesestoff, weil sie sich wunderbar dazu eignen, reale Problematiken so aufzubereiten, dass junge Menschen einen Zugang dazu finden, ohne sich belehrt zu fühlen. 

Jennifer Benkau, die sonst eher in der Urban Fantasy zu Hause ist, begibt sich mit "Es war einmal Aleppo" auf ungewohntes Terrain mitten in der Realität: Toni, ein ganz normaler deutscher Teenie, gerät unverhofft in eine Situation, die ihr eigentlich viel zu groß ist, und lässt den Leser an ihrem Erleben und ihrem Gedankenchaos teilhaben. Das liest sich gerade deshalb so authentisch und als Szenario absolut vorstellbar, ohne reißerisch zu sein, weil Jennifer Benkau für diese Geschichte nicht nur monatelang Schicksale und Hintergründe recherchiert hat, sondern auch persönliche Erfahrungen aus der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit einfließen lässt.

Das Ergebnis ist ein gesellschaftskritischer All Age-Roman über Zivilcourage und den Mut, über den eigenen Tellerrand zu sehen, der wachrüttelt und Mitgefühl auslöst: "Es war einmal Aleppo" hat mich berührt und in seiner unaufgeregten Schlichtheit umso mehr von seinem Anliegen überzeugt. Unbedingt lesenswert, nicht nur für Jugendliche.


"Es war einmal Aleppo" ist ab sofort als Kindle-Ausgabe für 3,99 Euro bei Amazon bestellbar, eine ausführliche PDF-Leseprobe gibt es hier. Übrigens: Für jedes bis zum 1.11.2016 verkaufte Exemplar werden 0,50 Euro an Autoren helfen gespendet - also ran! 





Ebenfalls lesenswert: Dieser Artikel in dem die Autorin und ihre Kolleginnen ein schwieriges Dilemma thematisieren: Darf man überhaupt einen Roman über das unfassbare echte Leid von Kriegsopfern und Flüchtlingen schreiben? Und wenn ja, wie?

Sonntag, 23. Oktober 2016

Samstagsfragmente #61 - Wasser in der Wüste



Gestern


haben wir einen Ausflug ans Tote Meer gemacht, das heißt, nicht direkt ans Wasser, sondern in den Nationalpark Ein Gedi. Vor zwei Jahren sind wir genau dort schon einmal gewandert (klick), und es war auch dieses Mal wieder sehr beeindruckend, die hohen Felswände und Wüstenlandschaft zu sehen und dann - kaum zu glauben - den frischen Wasserlauf durch diese Landschaft und die grüne Vegetation am Ufer entlang zu entdecken.




Die Woche


(die letzten Wochen vielmehr...)

Erfreulichkeiten


  1. viele geruhsame Feiertage und dadurch verkürzte Arbeitswochen erlebt
  2. israelisches Camping überstanden 
  3. einen lang gehegten Wunsch erfüllt bekommen 
  4. vorausschauende Urlaubspläne gemacht    
  5. nach einer gemeinen Erkältung mit im-Bett-liegen-müssen jetzt wieder fit  




Erlesenes


bei mir herrscht aktuell etwas Leseflaute....

Once on a time von A.A. Milne, dem Erfinder von Winnie the Pooh, habe ich gerne gelesen, obwohl der skurrile Humor sicher nicht jedem zusagt. Definitiv eine Geschichte, die Erwachsenen wahrscheinlich besser gefällt als Kindern, obwohl sie als Märchen deklariert ist.


Foto der Woche


Ein Foto von einem kurzen Spaziergang im Nachal Amud in Galiläa.







// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Freitag, 21. Oktober 2016

Camping. Meh.



Ich werde in diesem Leben kein Camper mehr. Nicht, dass ich es nicht immer mal wieder versucht hätte, aber wir scheinen einfach nicht kompatibel zu sein. So wie eine Android-App niemals auf des Gatten iPhone laufen wird, werde ich mich niemals wirklich entspannen können, wenn ich auf trockenem israelischen Boden, unter einer dünnen Decke, Zeltwand an Zeltwand mit massenhaft lärmenden Menschen kampieren muss.

Dabei bin ich unseren kleinen Kurztrip in den israelischen Norden letzte Woche wirklich sehr motiviert und (vorsichtig) optimistisch angegangen, weil die Location sich, im Vergleich zu anderen Zeltplätzen hier, nachgerade zauberhaft angehört hat. Die Fotos in diesem Beitrag zeigen meine positive Einstellung und das Bemühen, die Realität so schön wie möglich abzubilden.



Aber allein das ganze Gerät und Geraffel, das man mitschleppen muss, selbst wenn man Zelt und Matratzen vor Ort mietet und es dort sogar Kühlschränke, Kochstellen und ordentliche sanitäre Anlagen gibt (und das waren sie wirklich!), steht doch in keinem Verhältnis zu knapp 48 Stunden reiner Camping-Zeit. Vor allem der typisch israelische Zwang, immer Lebensmittel für mindestens dreimal so viel Personen einzuplanen, als faktisch mitessen werden, führte dazu, dass unser kleiner Yaris auf der Hinfahrt bis unter das Dach beladen war und wir auf der Rückfahrt das meiste davon wieder mit nach Hause nehmen mussten.

Die ersten 24 Stunden waren noch richtig nett. Wir waren mit einer befreundeten Familie unglaublicherweise in der ersten Nacht die einzigen Gäste auf diesem wirklich nett gelegenen Platz in einem kleinen Weingut hoch oben in Galiläa. Nach einer ätzenden Autofahrt mit Staus und zähem, stressigen Verkehr herrlich entspannt. Der Gatte schleppte zwar leider eine fiese Erkältung mit, die er später noch an mich weitergeben sollte, aber Menschen- und Hundemädchen hatten richtig viel Freude und wir Erwachsenen genossen die Ruhe.



Ein Ausflug mit der Gondel auf die beeindruckende Felswand Tzuk Manara bei etwas diesiger Sicht rüber in den Libanon und auf die Golanhöhen, dafür aber frischem Wind und wenig Menschenaufkommen, war ebenfalls sehr nett. Eine richtig tolle Schienenrodelbahn konnten wir dort auch runtersausen, fast wie in Deutschland - fehlt nur noch ein Kletterwald :)




Zurück im Basislager holte uns dann die Realität ziemlich kalt ein: Der zuvor menschenleere Zeltplatz pulsierte vor Leben, Zelt an Zelt wuselten Kinder in verschiedenen Größen herum, Eltern waren mehr oder weniger ausgeglichen mit dem Aufbau von Zelten, ebenfalls in verschiedenen Größen, beschäftigt. Auch unsere Gruppe hatte sich mit dem Eintreffen einer weiteren Großfamilie verdoppelt und ich musste ziemlich schnell feststellen, dass die Konstellation aus überwiegend Alpha-Israelis und deren Kindern für die Freizeitgestaltung und Mahlzeitenplanung fatal ist. Da kann man sich noch so sehr zurücknehmen, man hat dennoch das Gefühl Sand im Getriebe zu sein und zusätzlich das schlechte Gewissen, man tue womöglich nicht genug dafür, das ganze Rudel satt zu bekommen, obwohl hinterher viel zu viel Essen übrig bleibt. Anstrengend.

Und was für eine Energie die alle haben! Für mich ist Camping ja eigentlich auch, gemütlich im und ums Zelt abhängen, lesen, ausruhen, die Natur genießen, aber nein - man muss Wanderungen und Ausflüge mit einbauen, wenn man schon in den Norden gefahren ist. Natürlich kann man auch nicht zum nächstbesten Ziel fahren, sondern muss erstmal stundenlang im Kreis diskutieren, um dann am Ende kaum noch Zeit für die eigentliche Aktivität zu haben. Oder kurzfristig was ganz anderes zu machen, wie beispielsweise schnell mal in den Jordan hüpfen, weil - hey! - das ist der Jordan, das ist doch cool, egal wie suboptimal die Uferstelle oder die Umgebung (ich sag nur Staub, Müll und Schlamm) sind.

Sehr schön war, eine persönliche Führung durch das Weingut mit Verkostung der neuen Weine zu bekommen und zu sehen, was für einen Wahnsinnsspaß die Kinder in dieser freien, natürlichen Umgebung haben. Beim nächsten Mal suche ich aber doch wieder vier befestigte Wände für uns, die können ja durchaus einfach gestaltet sein, aber diese Zelterei ist nichts für mich.



Sonntag, 16. Oktober 2016

Neues Buchprojekt - INK REBELS

Ich bewundere Menschen, die einen mutigen Schritt gehen, um ihre Träume zu verwirklichen, so verrückt die auch sein mögen. Wie viele coole Initiativen, Unternehmen und Produkte wären niemals entstanden, wenn nicht eine Person etwas riskiert und den ersten Schritt getan hätte? Ich selbst bin dazu viel zu bequem geworden, ich brauche das Sicherheitsnetz, das mir mein geregelter Job garantiert, so wenig inspirierend er mir auch manchmal erscheinen mag.

Als Lesemensch bewundere ich ganz besonders Geschichtenerzähler, die nicht aufgeben bis ihr Buch veröffentlicht ist - oft gegen massive Widerstände (Harry Potter wurde von 12 Verlagen abgelehnt!) - und lese daher auch sehr gern unveröffentlichte Manuskripte, wenn es der Sache dient. (Obwohl mir die Kritik solcher Herzensbücher immer schwer fällt, aber das ist ein anderes Thema, ich übe noch.)

Aktuell begeistere ich mich sehr für das neue Projekt von fünf deutschen Autorinnen, die den Schritt gewagt haben, ein eigenes Label zu gründen: Für all jene Geschichten, die bei den Verlagen aus den verschiedensten Gründen nicht reinpassen, aber unbedingt erzählt werden wollen. Ink Rebels nennen sich diese Geschichten, die Jennifer Benkau, Kira Minttu, Julia Dibbern, Daniela Ohms und Franziska Fischer einfach keine Ruhe lassen, der Internetauftritt dieses Zusammenschlusses ist vor einer guten Woche online gegangen:

INK REBELS - Bücher ohne Wenn und Aber

Als erstes wird das Jugendbuch Es war einmal Aleppo von Jennifer Benkau am 1. November unter dem neuen Label erscheinen. Ich habe ein Vorableseexemplar ergattert, das mir vorhin auf meinen Kindle geflattert ist. Zum Erscheinungstermin am 1. November kommt meine Rezension dazu, ich bin schon sehr gespannt, denn Jugendbücher zum Thema Flucht und Flüchtlinge kann Deutschland aktuell gut gebrauchen, finde ich.



Zunächst ist geplant, dass jeden Monat ein weiteres Buch erscheinen wird. Am 1.12. kommt Keep on dreaming, der Erstling meiner Freundin Kira, im Januar Wenn ich dich nicht erfunden hätte von Julia Dibbern - ich bin gespannt.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

#12von12 im Oktober - an dem ein kleiner roter Hund die Welt nicht mehr verstanden hat

Heute war Jom Kippur. Der höchste Feiertag im jüdischen Jahr und der Tag, der sich wohl am deutlichsten von den Traditionen, mit denen ich im guten alten Deutschland aufgewachsen bin, abhebt. Ein Tag, an dem sehr viele, auch säkulare Israelis, für 24 Stunden fasten, beten und um Vergebung für die Sünden des vergangenen Jahres bitten. Der Straßen- und sogar der Flugverkehr kommt an diesem Tag komplett zum Erliegen, israelische Fernseh- und Radiosender gehen auf Sendepause, das Land wird gespenstisch still, oder? Nein, denn während Jom Kippur für die Erwachsenen ein ernster Tag sein sollte, machen die Kinder daraus ein fröhliches Straßenfest - mit ihren Fahrrädern, Rollern, Inlinern, Dreirädern und Skateboards bevölkern sie lärmend die Straßen und Kreuzungen, Jugendliche fahren oft kilometerweit die leeren Autobahnen entlang.

Die Eltern harren derweil bangend aus, ob sie wohl alle gesund und munter wieder zurück kommen, denn bei so viel nicht-motorisiertem Verkehr kommt es natürlich auch zum einen oder anderen Zusammenstoß. Bei uns nicht, zum Glück. Gestern Abend und heute Morgen hängte sich das Mädchen an die Radtour mit einer Freundin und deren Vater an und wollte später nur noch für eine Stunde mit den Inlinern vor's Haus, danach bastelte sie lieber mit einer Freundin in der klimatisierten Wohnung.

Der Gatte und ich haben das Haus heute kaum verlassen. Ihn hat eine böse Erkältung erwischt und ich verschanze mich an Jom Kippur am liebsten zu Hause, wenn wir schon nicht weg fahren, wie in den letzten Jahren...

12 Fotos habe ich gemacht und dabei gemerkt, dass unsere Sally-Maus doch ein wenig verwirrt war, über die Geschehnisse. Hunde haben so feine Antennen für Änderungen in der Routine, das überrascht mich immer wieder.


1. Was'n los? 


2. Blick vom Balkon 


3. Gammeln zwischen Bett...


4.  ... und Sofa


5. zweite Runde 


6. so kommen die Inliner auch mal zu ihrem Recht 


7. an der Ampel 


8. schön in der Spur bleiben 


9. ein bisschen das Blog füttern  


10. Fahrräder ohne Ende


11. wo kommen die bloß alle her? 


12. und wieder auf's Sofa*




*was ich da gerade auf dem Schirm habe erkläre ich später... morgen oder so.



// Die "12 von 12" sind ein Projekt, das Caro auf Draußen nur Kännchen einmal im Monat ausrichtet. Jeweils am Monatszwölften lädt sie die Teilnehmer dazu ein, 12 Fotos aus ihrem ganz normalen Alltag zu fotografieren und mit der Bloggerwelt zu teilen. Ich nehme seit 2012 regelmäßig an diesem Projekt teil. //

Freitag, 7. Oktober 2016

Mal wieder: Lied zum Wochenende - Mira Awad

Brandneu erschienen ist das neue Video von Mira Awad. Ich liebe ihre klare, reine Stimme und höre mir sehr gerne ihre Musik an.

"Think of others" basiert auf einem Gedicht von Mahmoud Darwish und passt in die heutige Zeit, als hätte er es erst gestern geschrieben. Ich habe es schon seit einigen Wochen ständig auf den Ohren, das Video dazu wurde jetzt per Crowdfunding von mir mitfinanziert. Ich mache das in letzter Zeit sehr gern, denn es ist eine tolle Sache, um unabhängige Projekte oder Anliegen, die ich unterstützenswert finde, mit einem kleinen Beitrag zu fördern. 




Englische Übersetzung des Texts: 

As you prepare your breakfast, think of others
(do not forget the pigeon’s food).
As you wage your wars, think of others
(do not forget those who seek peace).
As you pay your water bill, think of others
(those who are nursed by clouds).
As you return home, to your home, think of others
(do not forget the people of the camps).
As you sleep and count the stars, think of others
(those who have nowhere to sleep).
As you express yourself in metaphor, think of others
(those who have lost the right to speak).
As you think of others far away, think of yourself
(say: If only I were a candle in the dark.)
Mahmoud Darwish 

Sagt ihr mir nur kurz Bescheid, ob das Video auch im Rest der Welt läuft? 

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Das neue Jahr...

Jetzt ist es also da. Das jüdische Jahr 5777. 

Das alte Jahr ging mit der Beerdigung unseres früheren Präsidenten Shimon Peres zu Ende. Der unermüdliche Optimist und Friedensnobelpreisträger hatte sich noch im hohen Alter aktiv für die Verständigung zwischen Palästinensern und Israelis eingesetzt und die Hoffnung auf eine Zwei-Staaten-Lösung niemals aufgegeben. Er ist einer der wenigen Politiker in Israel, der von Menschen im gesamten politischen Spektrum geliebt und verehrt wurde. Eine Führungspersönlichkeit, der in der israelischen Politik seit Yitzhak Rabin keiner das Wasser reichen konnte, und die ein Vakuum hinterlässt, das keiner füllen können wird. Oder wie Amos Oz in seiner Rede an der Beerdigung fragte: 
"Wo sind die mutigen Anführer, die aufstehen und das (die Zwei-Staaten-Lösung) wahrmachen können? Wo sind Shimon Peres' Nachfolger?" 
Wie geschätzt Peres auch international war, zeigt, neben den berührenden Beileidsbekundungen aus aller Welt, wie viele Staatsoberhäupter zum Begräbnis anreisten. Da im Judentum die Beisetzung so schnell wie möglich stattzufinden hat, lagen zwischen Peres' Tod und der Trauerfeier gerade mal 48 Stunden, das heißt Präsident Obama, Bill Clinton, Justin Trudeau, Prince Charles, Joachim Gauck und all die anderen mussten ihr Tagesgeschäft buchstäblich stehen und liegen lassen, um rechtzeitig in Jerusalem sein zu können. Dazu Regierungsvertreter aus Ägypten und Jordanien, sogar Präsident Abbas kam aus Ramallah, zum ersten Mal seit 6 Jahren, obwohl er genau wissen musste, dass ihm das in den eigenen Reihen nichts als Ärger (um es mild auszudrücken) einbringen würde. Es war sehr bewegend zu sehen, wie Vertreter der ganzen Welt einem jüdischen Staatsmann in seinem jüdischen Heimatland die letzte Ehre erweisen. 

Das neue Jahr wird ärmer sein, ohne diesen Menschen, Israel wird leerer sein, ohne seine Präsenz, seine Weisheit und seinen Optimismus. 

Was wird es bringen? In Israel wird sich vermutlich vorerst nicht ändern, da bleibt uns Zeit, mit Spannung nach Amerika zu sehen, wo Wahlkampf-TV dieser Tage gleichzeitig unterhaltsamer und ekelhafter ist, als manches Reality-Format. Wo es scheint, als hätte ein Medienmogul beschlossen, die für den Präsidentenjob vermutlich am besten qualifizierteste Frau der Welt gegen den am wenigstens qualifizierten Mann der Welt antreten zu lassen und zu sehen, wie dieses Duell ausgeht. Dass die Meinungsumfragen noch immer so knapp sind, macht mich krank und lässt mich an allem zweifeln, was wir in Sachen Gleichberechtigung und Gleichwürdigung der Geschlechter im letzten Jahrhundert erreicht haben. Anstrengend und wenig hilfreich für den Ausgang dieser Wahl finde ich aber auch manche Vertreter des links-intellektuellen Spektrums, vor allem außerhalb der USA, die nicht müde werden, auf Clintons Fehlern herumzureiten und immer wieder herauszustellen, dass sie ja eigentlich auch überhaupt nicht wählbar oder höchstens das kleinere Übel sei - hallo? Haben die Trump jemals ernsthaft zugehört? Aber ich reibe mich unnötig auf, es hat ja keinen Sinn, man muss es abwarten. Insgesamt würde ich mir sehr wünschen, dass die Welt ein kleines bisschen besser wird im Jahr 5777. Nur sieht es leider nicht so richtig danach aus, wenn ich mir ansehe, dass nicht nur in den USA, sondern auch in good old Europe die Fanatiker in letzter Zeit am lautesten brüllen. 

Privat haben wir den Übergang in das neue jüdische Jahr entspannt im Familienkreis begangen. Das leckere Festessen zu Erev Rosh HaShana fand bei meinen Schwiegereltern mit insgesamt 13 Personen statt - ich hatte, zugegeben, Vorbehalte, weil ich in engen Räumen mit vielen Menschen leicht unentspannt werde, aber es war wirklich sehr nett. Den ersten Feiertag verbrachten wir still und friedlich zu Hause und verschickten abends das Mädchen zu ihrer Cousine zum Übernachten. Der Gatte und ich nutzten die Chance, um uns im Kino "Sand Storm" anzusehen. Ein starker Film über zwei Beduinenfrauen, der wohl für Israel bei den Oscars antreten wird. Nicht ganz einfach zu verdauen. Tags darauf holten wir das Mädchen mittags wieder ab, blieben ein bisschen zum Quatschen und fuhren schließlich noch zum Sonnenuntergang an unseren Lieblingsstrand.

Gute Entscheidung. 




Sonntag, 2. Oktober 2016

Samstagsfragmente #60 - auf Achse..

Har Eitan / Sataf

Gestern


dachte ich, ich hätte den ganzen Tag Zeit zum Bloggen. Ha! Weit gefehlt. Es fing schon damit an, dass uns spontan Freunde zu einer kleinen Wanderung in den Hügeln von Jerusalem einluden. Eine kleine Runde, ideal für die Hunde und die Mädels, und nur acht unaufgeregte Kilometer um den Har Eitan. Früh um Viertel vor 9 ging's los, die Sonne stand schon recht hoch, aber es wehte ein frischer Wind um den Hügel, so ließ es sich eigentlich ganz gut wandern. Trotzdem brauchten wir für die 8km letztlich wesentlich mehr als anderthalb Stunden und gegen Ende waren wir dann doch alle ziemlich erhitzt und staubig. Außerdem hungrig, und da wir gerade in der Gegend waren, fuhren wir nicht direkt wieder nach Hause, sondern machten einen Abstecher in das wunderschöne alte Örtchen Ein Karem zum Mittagessen. Oft ist es dort sehr überlaufen, gestern wirkte es dagegen fast verschlafen, möglicherweise weil sich ganz Israel auf die kommenden Feiertage vorbereitet.

Wieder zu Hause legten wir uns ein bisschen hin - das ist der Vorteil, wenn man frühzeitig loszieht, man kann später einen Mittagsschlaf machen - bis mich eine Freundin raus klingelte und mich einlud, mit ihr zu einem Event nach Jerusalem zu fahren. So spontan bin ich sonst eigentlich oft nicht, aber es hat sich gelohnt und danach versackten wir noch bis spät abends bei einer anderen Freundin auf der Terrasse, bei Sangria und Käse, den jene gerade von einem Kurzurlaub aus Barcelona mitgebracht hatte.

Und auf dem Weg nach Hause fanden wir sogar noch einen Supermarkt, der noch geöffnet hatte, um einige letzte Besorgungen für das Fest zu machen. Dabei lernten wir: Nach 23:00 darf in Israel kein Alkohol mehr im Supermarkt verkauft werden. Auch dann nicht, wenn man dringend noch eine Flasche Wein für das große Festessen kaufen muss, da gibt es keine Ausnahmen. Ich lerne doch immer noch was dazu, auch nach fast 14 Jahren!


Die Woche


Erfreulichkeiten


  1.  den Monat zu einem guten Ende gebracht 
  2. wenig Vorbereitungsstress für das Neujahrsfest gehabt, weil wir mit der ganzen Familie zusammen, aber nicht bei uns feiern 
  3. ein schönes Lied gehört 
  4. einen neuen Sonnenhut bekommen, der schöne bunte war leider doch sehr aus der Form
  5. Gute (!) Falafel ganz nah am Arbeitsplatz entdeckt :) 

Erlesenes


Five Quarters of the Orange von Joanne Harris ist, wie schon vermutet, nicht Teil meiner Seele geworden. So poetisch der Schreibstil auch sein mag, fand ich die Geschichte zu düster, die Charaktere blieben mir durchweg gleichgültig oder unsympathisch und der Spannungsaufbau zu schwach, um mich richtig darauf einzulassen.

The 33rd Marriage of Donia Nour von H.Z. Ilmi (eine Leserempfehlung, danke dafür!) ist abgefahren, bedrückend und spannend. Ich lese es gerne, habe aber auch ein bisschen Mühe damit. Zum einen weil es eine Zukunftsgesellschaft zeichnet, die in vielen Aspekten der heutigen Realität in muslimischen Ländern sehr nahe kommt, und zum anderen weil für mich der abgefahrene Humor, der mich an Douglas Adams erinnert, nicht so recht zu dieser düsteren Vision passen mag. Aber diese Mischung macht es dann auch wieder sehr außergewöhnlich. Ein mutiger Indie, der sorgsam lektoriert und überarbeitet sicher noch mehr Erfolg haben könnte, und dessen Autor ich wünsche, dass er noch lange schreiben darf.

Meir Shalev - Judiths Liebe liegt auf dem Nachttisch und wird immer mal wieder weitergelesen, Shalev ist für mich nicht literarischer Fastfood.



Foto der Woche


Ein Schnappschuss am Freitagabend.


A photo posted by Hadassa Levy (@photo_fragment) on



Webfragmente


Nachruf: Shimon Peres, der unverbesserliche Optimist




// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //