Freitag, 30. September 2016

Ein Frohes Neues Jahr 5777 (Lied)

Ich habe die Tage so viele Gedanken gewälzt, zum Neuen Jahr, zum Wahlkampf in den USA, zum Tod von Shimon Peres und würde sie gerne ordentlich ausformulieren, nur komme ich einfach nicht dazu.

Einen kurzen Segensgruß will ich aber auf jeden Fall mal kurz hier hinlegen, denn das jüdische Neue Jahr beginnt am Sonntagabend. Möge es viel Gutes bringen. Nicht nur für Israel und das jüdische Volk.





Geschickt hat mir diese wunderschöne Lied eine arabische Freundin, das macht es besonders süß für mich.


Sonntag, 25. September 2016

Samstagsfragmente #59 - Hochzeit, Höhlen, Hipster

Regen? Eher noch nicht...

Gestern


waren wir in Tel Aviv unterwegs. Erst bei den Schwiegereltern zum Mittagessen, danach in der wahrscheinlich schicksten Wohnung der ganzen Stadt zum Kaffee. Und damit meine ich richtig stylisch, so wie man es aus Magazinen kennt, dabei aber unheimlich individualistisch und geschmackvoll. Also nicht die Sorte "Ich hol mir jetzt mal einen Innenarchitekten, lege richtig viel Geld hin und lass den mal meine Wohnung durchstylen", sondern ein gewachsener, eigener Stil. Ich weiß, dass der Bewohner dieses Schmuckstücks hier mitliest, deshalb kann ich es ja ruhig sagen: Der Besuch bei dir hat mich einigermaßen sprachlos zurück gelassen, mein Lieber, obwohl ich durchaus auf einiges gefasst war! (Danke noch mal für die Einladung)

Danach ging es zu Fuß weiter zu einem Beach-Berlin-Club-Event in unserem alten Kiez (hier hab ich mal über unsere erste Wohnung geschrieben), bei dem Kollegen von mir mitgewirkt haben. Auch ein typisches Tel Aviver Ding dieses Club-Restaurant in einer runtergekommen Seitenstraße mit Innenhof, der für das Event zu einem Urban Beach umfunktioniert worden war. Mit Kunstrasen, Palmen, Sand, lauter Musik und einem riesigen Planschbecken, das am späten Nachmittag noch voller Kleinkinder war, während die Hipster Crowd sich mit Drinks und Snacks schon mal auf das Abendprogramm einstimmten. Und nein, dieses Event war natürlich nicht als Familienfest ausgeschrieben oder beworben, trotzdem schien sich die eigentliche Zielgruppe nicht daran zu stören, dass sich Kinder und der eine oder andere Hund mit in das Gesamtflair mischten. Nach Einbruch der Dunkelheit waren ohnehin ziemlich schnell die Jüngsten (und Ältesten, der Gatte fühlte sich jedenfalls so!) von der Bildfläche verschwunden. Leider, leider konnten wir die kleinste Disco der Welt nicht mehr ausprobieren, da es damit technische Probleme gab, die wohl erst nach unserem Aufbruch behoben werden konnten.

Nach unserer Rückkehr aus Tel Aviv ging es dann aufs Sofa, ganz altersgerecht, wie es sich für gestandene Eltern gehört, zurück nach Downton Abbey. Staffel 3, letzte Folge. Ich glaube, ich kann nie wieder Downton sehen! Nie, nie wieder!


Die Woche


ging gefühlt noch schneller rum als sonst, weil sie voll gepackt war mit interessanten Ereignissen, so lässt sich's leben :)


Erfreulichkeiten


  1. Meir Shalev bei einem Autorentreff zugehört und gleich mal wieder eins seiner Bücher rausgekramt, das ich immer noch nicht gelesen habe. 
  2. Mit den Kollegen uralte Höhlen erkundet und leckere Weine verkostet
  3. Eine Hochzeit in wunderschöner Location besucht mit einer richtig romantischen Geschichte dazu *hach*
  4. Mit der Familie einen Kindheitsklassiker von mir angeschaut - iTunes macht's möglich :)
  5. den Elternabend überlebt 

Erlesenes


Before I go to sleep von S.J. Watson hat bei seinem Erscheinen vor 5 Jahren ziemlich Wirbel gemacht, aber ich hatte keine Gelegenheit es zu lesen. Der Gatte hat es in seiner Audible-Bibliothek und da ich gerade wieder gerne Hörbücher höre, habe ich es mir gerne auf die Ohren genommen. Richtig mitgerissen hat es mich aber nicht, und die Auflösung war mir ein bisschen sehr weit hergeholt.

Aus dem Leben einer Matratze bester Machart von Tim Krohn lag schon länger bei mir und ist mir beim Aufräumen heute wieder in die Hände gefallen. Da es nur geliehen ist und wohl mal wieder zu seiner Besitzerin zurück sollte, habe ich es dann mal schnell gelesen und ziemlich gemocht. Dabei fand ich den Titel etwas irreführend, denn humorig-witzig sind die Erinnerungen der Matratze eigentlich nicht.

Jetzt lese ich gerade Meir Shalev - Judiths Liebe und immer noch Five Quarters of the Orange von Joanne Harris, das mittlerweile etwas an Fahrt aufgenommen hat. Ein Herzensbuch wird es wohl trotzdem nicht.


Foto der Woche


Ein Archivfund von letztem Winter hat diese Woche am meisten Insta-Herzchen generiert :)





Webfragmente


Nice: Eine Reportage über die Hunde von Tel Aviv im Nahost ganz nah - Videoblog

Stark: Zum ersten Mal wird Israel sich mit einem Film in ausschließlich arabischer Sprache bei den Oscars bewerben. Der Film hat gleich sechs Preise beim israelischen Filmpreis "Ophir" gewonnen und setzt sich mit Frauen in der beduinischen Gesellschaft auseinander. Artikel (Englisch) / Trailer (Englische UT)

Allerliebst: Kleine Kinder und große Hunde (Fotostrecke)

Kurios: Die israelische Post liefert zu den Hochfeiertagen Briefe an Gott aus, während der israelische Bürger nach einer neuen Datenerhebung nur 30% der Post zeitnah (oder überhaupt) bekommt. (Englisch)


Puh, das hat jetzt eine Weile gedauert, diese Woche zu Papier zu bringen - läuft manchmal besser mit der Schreiberei. Wie war's bei euch? 



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Donnerstag, 22. September 2016

Neuschwanstein, Baby!

oder: Urlaubserinnerung aus der Konserve 

DAS Bild. Von der Marienbrücke aus
In unseren Sommerurlaub versuchen wir immer richtig viel Programm zu packen, damit wir das Gefühl haben, auch ein bisschen touristisch unterwegs gewesen zu sein. Nur gemütlich ausspannen bei der lieben Familie ist zwar auch sehr schön und wichtig, aber man will ja daheim in Israel auch was erzählen können, außer "ach, wir haben halt so rumgehangen, die Wolken beobachtet und DVDs mit Oma und Opa geschaut … "

Als eine der touristischen Aktionen nahmen wir uns für diesen Sommer - vom Gatten gewünscht - einen Ausflug nach Neuschwanstein vor. Die wahrscheinlich berühmteste Sehenswürdigkeit Deutschlands war sogar für mich Neuland und nachdem ich im Internet gelesen hatte, dass dort immer Besucherwahnsinn ist und am meisten im August, wollte ich eigentlich am liebsten direkt wieder einen Rückzieher machen. Das konnte ja heiter werden. Gut, dass ich dazu neige, solche Dinge penibel zu recherchieren, denn das Internet wusste auch, dass man die Eintrittskarten vorab online reservieren kann, damit man vor Ort nicht ewig auf eine Schlossführung warten muss. Und in das Schloss hinein wollten wir unbedingt, wenn man sich schon auf den Weg dorthin macht, nicht zuletzt, weil der Gatte doch so ein Musikfan ist und sich auch mit Wagner ziemlich gut auskennt. 

Märchenschloss
Das liebe Angebot einer Schulfreundin von mir, diesen Sommer ein Wochenende bei ihr in Bayern zu verbringen, passte perfekt zu unseren Neuschwansteinplänen und so reservierte ich schließlich Karten für einen Montagvormittag, in der Hoffnung, die schlimmsten Massen dadurch (vielleicht) zu umgehen.

Die Reservierung kostet €1,80 pro Karte zusätzlich zum Eintrittspreis von €12. (Kinder unter 18 sind frei). Das lohnt sich, um sich eine fixe Einlasszeit zu sichern. Stornieren kann man bis zu 2 Stunden vorher und muss dann nicht mal die Reservierungsgebühr bezahlen. 

An einem der schönsten Sonnentage in diesem Urlaub machen wir uns also schon frühzeitig auf den Weg Richtung Füssen und erreichen gegen 9 das Örtchen Hohenschwangau, das komplett auf den Burgentourismus ausgerichtet ist. Den Gatten lasse ich aussteigen, damit er schon mal zum Ticketcenter gehen und die Karten abholen kann, biege in den ersten ausgeschilderten Parkplatz ein und ergattere einen Schattenplatz.

(6 Euro Parkgebühr wird für den ganzen Tag fällig).  

Hohenschwangau
Unsere Führung soll pünktlich um 10:30 beginnen, wir haben noch etwa eine Stunde bis dahin, genug Zeit, um den Aufstieg zum Schloss zu meistern - nur wie am besten? Zu Fuß soll es etwa 40 min. dauern, das scheint mir fast ein bisschen zu streng, zumal der Gatte eh schon nervös ist wegen der Zeit und vermutlich im Laufschritt voraus stürmen würde. Die Pferdegespanne scheiden aus, 6 Euro pro Person für 20 min. träges Gezuckel und danach trotzdem noch 10 min. bergauf zu Fuß verweigere ich, letztlich nehmen wir den günstigen Linienbus, der einen zügig den Berg hinauf bringt und über dem Schloss, nur 5 min. von der Marienbrücke hält, von der aus man die schönsten Fotos des Schlosses machen kann. Vorausgesetzt, man hat nichts dagegen, den Moment (und die schmale Brücke) mit dutzenden anderen Besuchern und ihren Selfiesticks zu teilen. Wir hatten besonders Glück, denn die Brücke war über ein Jahr lang für Renovierungsarbeiten gesperrt und erst wenige Tage vor unserem Besuch neu eröffnet worden.

Sobald wir die obligatorischen Fotos im Kasten und dreimal nachgeprüft haben, dass sie auch wirklich instapretty genug sind, eilt der Gatte voraus zum Schloss. Denkt er jedenfalls, denn er eilt genau in die falsche Richtung, biegt in einen verwunschenen Waldweg ein, und erst als ich - hinterher hastend - bemerke, wie seltsam es mir vorkommt, dass die Massen auf der Brücke uns nicht folgen, realisiert er seinen Irrtum. Stress kommt auf, ich beruhige ihn, wir korrigieren unsere Route und kommen schließlich trotzdem noch 10 Minuten vor unserer Führung am Haupteingang an.

Innenhof Neuschwanstein

Die Führung durch die inneren Räume des Schlosses ist interessant, obwohl ich viel lieber in meinem eigenen Tempo umher gestreift wäre. In jeder Ecke der detailversessen eingerichteten Wohnräume glaube ich zu erkennen, wie nah bei Ludwig Genie und Wahnsinn wohl beieinander lagen. Gleichzeitig spüre ich einen gewissen Respekt für den Märchenkönig dafür, wie er die Visionen seiner Bauprojekte akribisch geplant und umgesetzt hat, so größenwahnsinnig sie auch gewesen sein mögen. So sinniere ich vor mich hin, fotografieren ist in den Innenräumen verboten, da hat man Zeit seinen Gedanken nachzuhängen, während unser Führer, langhaarig, lispelnd, die Fakten zu den verschiedenen Räumen abspult. Ludwigs Thronsaal, Ludwigs Schlafzimmer, Ludwigs Venusgrotte mit Geheimgang (abgefahren!), Ludwigs Wohnzimmer, Ludwigs Sängerzimmer, Ludwigs Küche und Ludwigs Souvenirshop, durch den man natürlich auch geschleust wird. Diesen Trick kennen wir schon aus London und er wirkt, denn als wir durch sind, hat das Mädchen einen schneeweißen Schwan aus Plüsch unter dem Arm, sicher made in China und schrecklich überteuert, aber vom eigenen Taschengeld. Immerhin.

Spartipp von mir: Neuschwanstein hat zwei Shops, im ersten gibt es hochpreisige Edelware und Plüschschwäne. Der zweite ist im Vergleich dazu ein richtiger Kramladen mit einer wesentlich größeren Auswahl auch an günstigerem Souvenirtand. Perfide daran: Wenn man nicht weiß, dass nach dem Edelshop noch der Kramladen kommt, erliegt man natürlich schon im ersten Shop dem Konsumrausch. Oder aber man macht vorher aus, dass nichts, aber auch gar nichts ,gekauft wird und geht zügig an all den Auslagen vorbei. Das ist unbestritten die königlichste Option, gleichwohl nicht immer ganz einfach umzusetzen.  

Im Anschluss an die Führung kann man noch eine interessante Multi-Media-Präsentation ansehen, die die Entstehung von Neuschwanstein und weitere architektonische Visionen Ludwigs zeigt. Oder von einem Balkon aus die Aussicht genießen, noch mehr Fotos machen und sich freuen, dass man nach der Führung durch die stickigen Räume wieder frische Luft atmen darf. Wir haben wirklich einen ganz herrlichen Tag erwischt, können uns gar nicht recht losreißen und sind insgesamt sehr überrascht, wie stressfrei unser Besuch hier abgelaufen ist.

Es wird wohl zum Teil daran gelegen haben, dass wir eine Reservierung für den Vormittag hatten, denn auf dem Abstieg zum Parkplatz durch einen kühlen Laubwald kommen uns die Besucherhorden entgegen. Auf der beschaulichen Zubringerstraße nach Hohenschwangau hat sich seit heute Morgen ein kilometerlanger Rückstau gebildet, weil die Parkplätze voll ausgelastet sind. Wir winken fröhlich und machen uns auf die Fahrt Richtung Allgäu.

Schön war's beim Märchenkönig!


Blick auf Hohenschwangau von Neuschwanstein aus

Website Neuschwanstein
Ticket-Center


Samstag, 17. September 2016

Samstagsfragmente #58 - Chillen und Child Sharing

Hausaufgaben

Heute


war das Mädchen in Jerusalem im Israel Museum und hat uns Eltern entspannt zurück gelassen. Wir wollten eigentlich letzte Woche schon gehen, aber das ist - wie oft - daran gescheitert, dass das Mädchen überhaupt keine Lust hatte, als einziges Kind mit den öden Eltern durch ein Museum zu ziehen. Eine Freundin von ihr hat ein ähnliches Problem, weswegen wir hocherfreut, aber nicht richtig überrascht waren, als heute aus dieser Richtung ein Anruf kam. Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns die Kinder gegenseitig für gemeinsame Samstagsaktivitäten ausleihen - eine klassische Win-Win-Situation :)

Vorher musste sie aber noch schnell ihre Hausaufgaben in "Tanach" machen. Letztes Jahr hatten sie nur "Torah", also die 5 Bücher Mose, ab diesem Jahr steigen sie weiter in die jüdischen Schriften ein, die dem Urtext für das christliche alte Testament entsprechen. Der Text bleibt dabei unberührt in seiner althebräischen Urform, denn das Judentum sieht für die Heiligen Schriften keine vereinfachte Übersetzung in modernes Hebräisch vor. Das ist für Grundschüler natürlich ziemlich heavy und ich bezweifle insgeheim auch ein wenig den Sinn, schon Acht- und Neunjährige mit derart sperrigen Texten arbeiten zu lassen, aber wir leben nun mal im Land des Buches und da ist das eben so. Womöglich liegt es an mir, aber ich komme mir immer ziemlich beschränkt vor, wenn ich bei den Aufgaben helfen soll, weswegen ich mich meistens davor drücke. Jedenfalls wenn ich es auch auf den Gatten schieben kann.

Die Woche


5 Erfreulichkeiten


  1. lecker bei einer Familienfreundin gegessen und einen gemütlichen Freitagabend verbracht
  2. die ersten dunkelroten Granatäpfel genossen  
  3. zum Ende einer hektischen Arbeitswoche in Downtown Tel Aviv mit netten Kollegen bei einem Bierchen versackt  
  4. außer der Reihe mit dem Gatten auf einen Kaffee getroffen
  5. die Vorräte in der Küche mit einem Großeinkauf zum ersten Mal nach den Ferien wieder so gefüllt, dass auch für spontan ausgedachte Mahlzeiten immer genug Grundlagen da sind. Das beruhigt mich ungemein, denn an einer richtigen Wochenplanung scheitere ich immer wieder


Erlesenes


Das Paradies der Damen von Émile Zola war ein erstaunlicher "leichter" Klassiker :)

The Widow von Fiona Barton, ein Hörbuchfund in des Gatten Audible-Bibliothek, dagegen richtig harte Kost. Ein Psychothriller in der Machart von Gone GirlThe Girl on the train und What she knew - vielleicht sollte ich mal genauer nachspüren, warum der Gatte diese Sort kaputter Ehethriller so faszinierend findet.. obwohl... vielleicht besser nicht. Sonst kann ich womöglich nachts nicht mehr ruhig schlafen ;-)  (Auf Deutsch ist Die Witwe bei rororo erschienen)

Jetzt lese ich einen 2nd-Hand-Fund: Five quarters of the orange von Joanne Harris. Ich hab mit Frankreich nicht sooo viel am Hut und deswegen auch Chocolat von ihr nicht gelesen, aber ich lasse mich jetzt mal darauf ein. (Ursprünglich auf Deutsch im Ullstein-Verlag erschienen)


Foto der Woche


die oben erwähnten Granatäpfel, vom Biobauern :)



Webfragmente


In Japan kann man in einem Bücherregal übernachten - im "Book and Bed Hostel" :)  (Video)

Kersten Augustin schreibt in der Zeit einen offenen Brief an Ingvar und beklagt, dass er mit IKEA nicht mehr so richtig viel anfangen kann. (Artikel)

Im "Nahost ganz nah"-Videoblog der ARD gab es diese Woche ein Interview mit Dorit Rabinyan. (Vorsicht Spoiler, wer das Buch noch lesen will!) (Video)

Christiane Amanpour von der CNN zerlegt in einem bissigen Video-Kommentar die unfairen Versuche, Hillary Clinton wegen ihres kurzzeitigen krankheitsbedingten Ausfalls zu diskreditieren. (Englisch)


Was sagt ihr zum amerikanischen Präsidentschaftsrennen? Verfolgt ihr das?


// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Freitag, 16. September 2016

[Buch] Lesesommer - Auslese

Über den Sommer habe ich ziemlich viel gelesen, dafür sind ja Urlaube und lange Reisen geradezu ideal :)

Rezensiert habe ich davon aber nur "Wir sehen uns am Meer" von Dorit Rabinyan und die neue Serie von Sarah J. Maas, die anderen Bücher liste ich mal knapp auf:

My Sister's Keeper

My Sister's Keeper by Jodi Picoult

My rating: 3 of 5 stars

Von Jodi Picoult habe ich and früher schon manches gelesen, diesen vielleicht bekanntesten Roman von ihr kannte ich aber noch nicht. Gelesen habe ich ihn gerade jetzt, weil er auf der Gegenwartsliste der Bücherkultur-Challenge steht, und fand die darin aufgeworfenen moralischen und ethischen Fragen sehr herausfordernd. Aus Muttersicht ist das beschriebene Szenario nur schwer auszuhalten, finde ich. Eine Verfilmung soll es auch geben, aber ich bin nicht sicher, ob ich die sehen muss, dem Gatten brauche ich mit so schrecklichen Themen gar nicht erst kommen.
Deutsch: Beim Leben meiner Schwester, Piper


Paper and Fire (The Great Library, #2)

Paper and Fire by Rachel Caine

My rating: 3 of 5 stars

Den ersten Teil "Ink and Bone" fand ich richtig gut, Teil 2 blieb hinter meinen Erwartungen zurück, denn es war für meinen Geschmack zu offensichtlich, dass es der Mittelteil einer Trilogie ist und einige Wendungen/Lösungen waren mir zu einfach, nachdem im ersten Teil eine so überzeugende Prämisse aufgebaut wurde, wie mächtig und unbesiegbar die Bibliothek ist. Dennoch unterhaltsam.
auf Deutsch noch nicht erschienen


Die Chemie des Todes (David Hunter, #1)

Die Chemie des Todes by Simon Beckett

My rating: 5 of 5 stars

Das steht auch auf der Gegenwartsliste der Bücherkultur-Challenge. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, warum ich von Simon Beckett noch nie was gelesen habe, denn eigentlich ist diese Art Psycho-Krimi genau meine Kragenweite. Wahnsinnig spannend, spielt in England und mit einem sehr interessanten Protagonisten. Wie ein Krimi sein soll, fundiert mit faszinierenden Fakten unterfüttert (Verwesung ist schon was ekliges...) und mit einigen unvorhergesehenen Wendungen. Hat mir richtig gut gefallen.
rororo

Der letzte Zug nach Istanbul

Der letzte Zug nach Istanbul by Ayşe Kulin

My rating: 2 of 5 stars

Ich wollte dieses Buch mögen. Istanbul fasziniert mich schon länger und die Verknüpfung zum Nationalsozialismus - wer hätte gedacht, dass die Türkei ihre und andere Juden aus Europa gerettet hat? - fand ich sehr interessant. Leider hat mir der Schreibstil überhaupt nicht zugesagt und auch mit den Protagonistinnen konnte ich nur wenig anfangen. Einige abstruse Wendungen und immer wieder ziemliche Längen waren auch dabei, Fazit: Ich fand's insgesamt eher mäßig.
AmazonCrossing

The White TigerThe White Tiger by Aravind Adiga

My rating: 4 of 5 stars

Dieser Man Booker Preisgewinner hat mich einigermaßen umgehauen. Ich konnte die packende Geschichte des indischen Fahrers, der in einem Brief in mehreren Nächten eine Lebensbeichte ohne Reue ablegt, kaum aus der Hand legen. Gleichzeitig hat mich überrascht und erschüttert, wie elend und hoffnungslos das Leben in Indien für die Menschen der unteren Kasten auch in Zeiten des Wirtschaftsbooms und der Globalisierung immer noch ist. Keine einfache Lektüre, aber sie hat mich mal wieder aufgerüttelt und dankbar darüber gemacht, wie viel Glück wir haben, die wir sicher und satt in Europa aufwachsen durften.
Deutsch: Der weiße Tiger, C.H. Beck Verlag


Nenn mich einfach Superheld

Nenn mich einfach Superheld by Alina Bronsky

My rating: 4 of 5 stars

Das habe ich sehr gerne gelesen. Es geht um einen nach einer Kampfhundattacke schwer entstellten Jugendlichen, der von seiner Mutter in eine Selbsthilfegruppe geschickt wird. Sehr bissig, sehr ehrlich, aber auch sehr emotional. Ich mag Bronskys ungewöhnliche Helden. (andere Rezis ihrer Bücher hier)
KiWi-Verlag


Shadow and Bone (The Grisha, #1)

Shadow and Bone by Leigh Bardugo

My rating: 4 of 5 stars

In einer fantastisch-russischen Welt kämpfen zwei Armeen einen nicht enden wollenden Krieg um Grenzen und Territorien. Alina und Mal sind in einem Waisenhaus aufgewachsen und nun Rekruten in der ersten Armee. Er als Fährtenleser und sie als Kartographin.  Die zweite Armee besteht aus den Grischa, Menschen, die mit besonderen  Fähigkeiten ausgestattet sind, und dafür verehrt und gefürchtet werden. Als der Anführer der Grischa entdeckt, dass Alina eine besonders seltene Gabe besitzt, muss sie von heute auf morgen ihr gewohntes Leben und ihren Kindheitsfreund Mal aufgeben. Diese Trilogie hat mich auf dem Kindle nach Thessaloniki begleitet und äußerst gut unterhalten, ohne in ihrer Story überragend "neu" zu sein.
Deutsch: Grischa: Goldene Flammen, Carlsen


Das Glücksbüro

Das Glücksbüro by Andreas Izquierdo

My rating: 4 of 5 stars

Die Geschichte über den trockenen Verwaltungsangestellten, der tagaus, tagein immer die gleichen Anträge stempelt und seit Jahrzehnten das Amt nicht mehr verlassen hat, wo er, von allen unbemerkt, ein bescheidenes, vollkommen voraussehbares Leben lebt, wollte ich vor ein paar Jahren schon mal lesen und kam dann nicht dazu. Jetzt ist es mir wieder begegnet, und ich habe es kurzerhand verschlungen. Ein bisschen "Projekt Rosie" steckt drin und ganz viel Beamtenhumor. Mochte ich.
Dumont

Das Paradies der Damen

Das Paradies der Damen by Émile Zola

My rating: 4 of 5 stars

Zola hat diesen Roman über die Entstehung eines Pariser Luxuskaufhauses gegen Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben, und ich muss gestehen, dass ich ihn ziemlich lange im Regal stehen hatte und mich nicht so recht darauf einlassen wollte. Meine Sorge, dieser alte Schinken könnte sperrig und langatmig sein, hat sich dann aber gar nicht bewahrheitet, im Gegenteil: Das Paradies der Damen liest sich viel moderner und aktueller als angenommen und hat mich mit seiner scharfsinnigen Beobachtung und Analyse der beginnenden Konsumgesellschaft fasziniert. Chauvinistisch ohne Ende, aber wenn man darüber hinwegsieht, durchaus zu empfehlen.
dtv 


Das war mein Sommerlesestoff - kennt ihr den einen oder anderen Titel? 

Dienstag, 13. September 2016

#12von12 ... ähem ... 12 Nachzügler am Dreizehnten

Ich habe bei den 12 von 12 noch nie geschummelt. Echt. Ok, vielleicht hatte ich ein oder zweimal nur 11 Fotos, aber sie waren immer vom 12. des Monats. Bis auf gestern. Gestern hatte ich, nachdem ich morgens mit großer Motivation aufgewacht war, einen richtig krassen Tag, an dem ich kaum zum Durchatmen, geschweige denn zum mal nebenher was fotografieren kam. Da ich aber nicht aussetzen wollte, weil ich ja eigentlich richtig Lust drauf hatte, habe ich beschlossen, die Fotos ausnahmsweise heute zu machen.

1+4 - Aussicht vom Bahnhof Tel Aviv am Morgen
2 - "Mind the gap" - auch in Israel
3 - Nervennahrung am Arbeitsplatz (den Riegel habe ich tatsächlich gestern schon fotografiert, da hatte ich ihn nötig)




5 - nach der Arbeit durchs Baustellenfenster geschaut, hier soll die Tel Aviver U-Bahn entstehen
6 - und mal wieder die gleißend-glänzende Fassade am Azrieli-Center hinaufgesehen. Das hatte ich vor zwei Jahren beim 12-tel Blick sehr intensiv beobachtet



7 - zuhause Wäsche gefaltet, aufgehängt ...
8 - und einen Blick ins Kalenderchen geworfen, wann wir an Sukkot vielleicht ein bisschen wegfahren können



9 - Abhängen mit Büchern, nur welches lese ich als nächstes von den letzten 2nd Hand-Funden?
10 - auf dem Heimweg hatte ich Lust auf Eis und konnte mir ein Quietschen darüber kaum verkneifen, dass unser Mini-Markt Ben&Jerry's im Angebot hat. (Ich bin da ja so ein Snob geworden, dass ich fast nichts anderes mehr essen kann..) New York Super Fudge Chunk und Peanut Butter Cup durften mit nach Hause - yummy!
11 - das Mädchen zu den Pfadfindern geschickt und dann ab aufs Sofa mit Peanut Butter Cup
12 - Füße hoch :)








// Die "12 von 12" sind ein Projekt, das Caro auf Draußen nur Kännchen einmal im Monat ausrichtet. Jeweils am Monatszwölften lädt sie die Teilnehmer dazu ein, 12 Fotos aus ihrem ganz normalen Alltag zu fotografieren und mit der Bloggerwelt zu teilen. Ich nehme seit 2012 regelmäßig an diesem Projekt teil. //


Sonntag, 11. September 2016

Samstagsfragmente #57 - Stauben und Schmökern

Tagwerk

Gestern


habe ich am Nachmittag spontan entschieden, mein Bücherregal mal wieder schnell - ha! - aufzuräumen und gründlich abzustauben. Das Mädchen war bei einer Schulfreundin, der Gatte brachte eine Folge Downton Abbey als Rahmenprogramm an den Start und ich schnappte mir hochmotiviert meine Putzutensilien. Stunden später, die Sonne war schon längst untergegangen, hatte ich eine Staublunge und noch immer nicht alle 25 Expedit-Würfel geschafft. *hust* Ich unterschätze nämlich jedes Mal, wie schnell und wie viel Staub, Sand und Dreck sich in diesem Land überall festsetzen und wie viele Bücher ich tatsächlich immer noch aufbewahre, trotz aller guten Vorsätze. Englische Bücher habe ich erst neulich wieder in den Charity-Buchladen gebracht, dafür wurden es gestern zwei große Tüten mit deutschen Büchern, die ich, wenn ich ehrlich bin, wohl eher kein zweites Mal lesen werde. Da lasse ich sie doch lieber frei. Jedenfalls habe ich es am Ende dieses staubigen Tages gestern dann nicht mehr geschafft, die Samstagsfragmente rechtzeitig einzureichen, sondern mich nur noch aufs Sofa geworfen. 

Die Woche


musste ich mich wieder an meinem Schreibtisch im Büro einleben und habe mich gefreut, dass insgesamt weniger liegen geblieben ist, als befürchtet. Aber ich hatte auch wilde Befürchtungen! Außerdem ist natürlich das Schuljahr noch ganz neu und muss sich noch ein bisschen zurecht ruckeln.

5 Erfreulichkeiten



  1. gesund zurück in Israel und jetzt erstmal für länger. Man kann ja nicht immer nur reisen. ;-)
  2. leckeren griechischen Feta-Käse importiert und diese Woche weggeschleckt. (der Ouzo wartet auf einen besonderen Anlass.) Auch die anderen Mitbringsel (Geldbeutel für beide, das war gewünscht) waren gern genommen.
  3. Einen ganzen Sack voll Bücher für lau erstanden. Das ist die "dunkle" Seite des Charity-Buchladens - man spendet Bücher hin und schleppt gleich wieder neue nach Hause. 
  4. ein Termin bei der sehr freundlichen Augenärztin hat nichts bedenkliches ergeben.
  5. ich halte mich erfolgreich von Nachrichten und anderen schrecklichen Dingen fern und lebe ganz gut im Lalaland. (Obwohl.. Meck Pomm und einstürzende Parkhäuser... aber lassen wir das.)

Erlesenes


Ruin und Rising, den letzten Teil der Grischa-Trilogie von Leigh Bardugo habe ich zufrieden zugeklappt und fand das Ende, obwohl manche Rezensenten das ganz anders sehen, sehr stimmig. Mochte ich, trotz mancher Längen zwischendurch, aber die Welt ist faszinierend ausgedacht und ich werde mir auch "Six of Crows" - selbe Autorin, selbe Welt - auf die Wunschliste nehmen.

Das Glücksbüro von Andreas Izquierdo wollte ich schon länger lesen. Diese Woche ist es mir unverhofft in der Bibliothek begegnet, just an einem Tag, an dem mir mein eigenes Verwalterdasein ein bisschen auf den Keks ging, und las sich dann fix weg. Schöne, herzerwärmende Lektüre :)

Aktuell bin ich tief eingetaucht in Das Paradies der Damen von Émile Zola. Ich wollte länger nicht dran, weil "klassischer Wälzer, der sicher sperrig zu lesen ist", und bin jetzt sehr froh, dass ich es endlich in die Hand genommen habe, denn es liest sich überraschend modern. Hochspannend auch, wie Zola die Anfänge der Konsumgesellschaft schildert!

Foto der Woche


nicht nur das Foto der Woche, sondern das Foto aller meiner bisherigen Instagram-Fotos - #StreetArt und #Graffiti sind scheinbar sehr beliebt in der Community. Und ja, dieses Kunstwerk mitten in Thessaloniki verdient die Ehre durchaus:



Webfragmente


Witzig: Der Postillon hat mich mit dem "Selfie-Automaten" zum Lachen gebracht.

Wichtig: Hillary Clinton hat bei Humans of New York wichtige Dinge gesagt, die auch mich nachdenklich in Bezug auf meine Wahrnehmung von Frauen und Männern in Machtpositionen gemacht haben. Konkret: Wie schwer es durch stereotype Rollenbilder und daraus begründete Erwartungen für solche Frauen ist, Sympathien zu gewinnen. Hier und hier (Englisch)


Und bei euch so die Woche? 


// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Freitag, 9. September 2016

Hallo vierte Klasse !

"Shalom Kita Aleph! - Hallo, erste Klasse!" so werden hier in Israel die Schulanfänger an ihrem ersten Schultag begrüßt. Mit einer Zeremonie, vielen mutmachenden Worten und ganz viel guten Wünschen nimmt man sie in den Schoß der Einrichtung "Schule" auf. Das ist natürlich sehr aufregend und ein einmaliges Ereignis für die Erstklässler.

Bei uns hingegen war der erste September in diesem Jahr fast schnöde Routine. Als Viertklässlerin hat man schon einen ganzen Regenbogen voll Schul-Shirts in der Schublade, einen Rucksack auch, der zwar geschrubbt, aber halt nicht mehr brandneu ist. Sogar Hefte, Stifte, Etiketten und vieles andere liegt zuhause vorrätig und muss nur um Einzelteile ergänzt werden, man weiß nämlich schon ziemlich genau, was für ein Heft man für jedes Fach braucht, was unbedingt nötig ist und was nicht. Klar, ein paar "nice-to-haves" gab es neu - schicke Federmäppchen und ein Timer von der Savta und ein neues Sortiment an Filz- und Buntstiften. (Die ausgemusterten habe ich mir für meine Malbücher unter den Nagel gerissen.)




Eine große Veränderung brachte in diesem Jahr die Entscheidung, das Mädchen aus dem Hort zu nehmen und nachmittags zum Schlüsselkind zu machen. Die meisten ihrer Klassenkameraden gehen schon lange nicht mehr in den Hort, und obwohl es vor allem uns sorgenden Eltern sehr schwer fiel, denn sie war bei einer ganz außergewöhnlich liebevollen Mama hier um die Ecke untergebracht, fanden wir, dass man mit neun durchaus schon einige Stunden alleine zuhause sein kann. (Außerdem ist das Hundeding ja auch noch da, so können sie sich gegenseitig Gesellschaft leisten.) 

Die konkrete Ausgestaltung der Nachmittage üben wir noch, denn unser Idealmodell - 1. Hunderunde, 2. Essen, 3. Hausaufgaben und erst danach 4. Spaß - stößt naturgemäß auf etwas Unmut und klappt noch nicht reibungslos. Die ersten zwei Tage verschwand das Mädchen direkt nach der Schule zu einer Freundin und ward bis zum Abend nicht mehr gesehen. Aber es wird sich schon alles einpendeln, wir haben uns vorgenommen, an jedem Wochentag ein anderes Schulfach etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, damit auch wir Eltern nicht den Anschluss an den Stoff verlieren. Mal sehen, ob das so läuft, wie wir uns das vorstellen.

Zweimal die Woche wird sie nach dem Unterricht in der Schule bleiben und eine AG besuchen. Sie hat sich Basteln mit Perlen und Elektronik ausgesucht und letzteres hört sich besonders spannend an, weil man mit Stromkreisen tüftelt und elektronische Zusammenhänge verstehen lernt. Außerdem bekommt man einen kleinen Werkzeugkasten wie ein echter Elektriker. Sehr cool.

Das Reiten werden wir im kommenden Jahr - das war gar keine Frage - auch weiter verfolgen und die örtlichen Pfadfinder rühren zur Zeit kräftig die Werbetrommel, um viele neue "Stammesmitglieder" aus den vierten Klassen der Gegend zu rekrutieren. Auch das gehört wohl zu einer israelischen Kindheit irgendwie dazu und wir halten es grundsätzlich für keine schlechte Sache, nur müssen wir mal sehen, wie wir all die Termine koordiniert bekommen. Ich frage mich mal wieder, wie das Familien mit 3, 4 oder 7 Kindern alles auf die Reihe kriegen. Puh.




Wie läuft das bei euch? Hattet ihr Kinder einzuschulen, beziehungsweise wieder aufs richtige Gleis für das neue Schuljahr zu bringen? Erzählt doch mal..

Samstag, 3. September 2016

Samstagsfragmente #56 - Tourist in Thessaloniki


Heute


Diesen Samstag verbringe ich noch in Thessaloniki, heute Abend geht es dann wieder zurück zu meinen Lieben. Es wird Zeit obwohl es hier wirklich sehr, sehr nett ist. Den Entwurf für diesen Artikel schreibe ich, in einem kleinen netten Café sitzend, mit Blick auf die Reste des römischen Forums, das, wie so viele Sehenswürdigkeiten hier, mitten ins Stadtbild integriert einfach vor sich hin existiert. Aufgemacht habe ich mich heute mit der “Monuments Map”, einer Stadtkarte, auf der alle wichtigen historischen und modernen Bauwerke verzeichnet sind, und an manchen Stellen hat man das Gefühl, man stolpert förmlich über eines am anderen. Hier am römischen Forum befinden sich auf einem knappen Quadratkilometer noch eine byzantinische Kirche, ein osmanisches Bad und eine Moschee - wirklich faszinierend. Im Augenblick gönne ich meinen Füßen eine kleine Pause und trinke einen Frappé, bevor ich mir dann - als wahrscheinlich letzte Station - die große Kirche des Heiligen Dimitrious ansehen werde. Gegen Abend sollte ich mich dann wieder in den Bus zum Flughafen setzen und dann dann geht es nach Hause, über Athen, und ich hoffe sehr, dass die Verbindung gut klappt. Auf dem Hinflug klappte sie nämlich nur, weil eine große Reisegruppe weiter nach Thessaloniki wollte und der Anschlussflieger daher fast 45 Minuten auf uns wartete. Aber alles wird gut.




Die Woche


war intensiv mit Seminarinhalten vollgepackt, die Abende gehörten mir und den Kollegen aber ganz allein. Und wer darf schon auf Fortbildung wo andere Urlaub machen? 

5 Erfreulichkeiten


1. gut in Thessaloniki gelandet und ein sehr schönes Hotelzimmer bezogen

2. ausnahmslos freundliche Menschen getroffen

3. die Bekanntschaft mit Ouzo gemacht. Wer hätte gedacht, dass ich fast 40 werden musste, um diese Bildungslücke zu schließen. (Obwohl ich das jetzt erst mal nicht mehr brauche… ähem)

4. gleich zweimal mit dem Schiff gefahren

5. immer wieder sehr lecker gegessen

Erlesenes


Kurz vor knapp habe ich mir die Grischa-Trilogie von Leigh Bardugo auf den Kindle geladen. Leichte Kost für die Reise, Teil 1 habe ich praktisch schon im Flieger auf dem Weg hierher verschlungen, Teil 2 kriege ich sicher auf dem Rückflug fertig. Gut zu lesende YA-Fantasy angesiedelt in einem alternativen, mystischen Russland, gefällt mir. 

Foto der Woche


mein erster Sonnenuntergang hier ist diese Woche am besten angekommen, aber den habe ich ja schon vor ein paar Tagen auch auf dem Blog gezeigt. (Klick)

Zweiter wurden die Regenschirme des Künstlers Giorgos Zogolopoulos, die hätte ich ja noch 27x fotografieren können, so gut sehen sie aus.


Webfragmente


IKEA-Werbung!! Muss ich dazu noch was sagen? (Video, englisch mit israelischem Humor)




// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Donnerstag, 1. September 2016

Thessaloniki - unverhofft nice

Ja... da sitze ich nun also in Thessaloniki und musste ein paar Tage nach meiner Ankunft erstmal nachsehen, wo genau ich mich eigentlich auf der Karte befinde. Denn wenn ich von Griechenland höre, dann meistens nur von Kreta, Santorini, selten Athen, Mykonos - den Lieblingsurlaubsorten der Israelis und Europäer eben. Als es hieß, ich solle zu einem Seminar nach Thessaloniki, dachte ich an ein kleines, unbedeutendes Städtchen ohne größeren Unterhaltungswert. Hier vor Ort fällt auf: Thessaloniki ist nicht nur total nett, sondern vielleicht sogar ein Geheimtipp.

Einen Strand gibt es halt nicht. Wer Strandtourismus sucht, muss auf die Inseln oder anderswo an die Küste, in Thessaloniki ist das Erlebnis urban und weitgehend unverfälscht vom Tourismus. Die lebhafte Hafenstadt hat aber eine endlos lange Promenade, die am Abend so belebt und voll wird, dass es rund um den Aristotelous Square, an dem ich direkt untergebracht bin, bis spät in die Nacht förmlich vibriert.



Typisch blau-weiß griechisch, also so, wie ich Lieschen mir Griechenland immer vorgestellt habe, ist Thessaloniki aber auch nicht - mein spontaner Eindruck war, dass es sich eher um eine Mischung aus Lemesos und Tel Aviv handelt. Eine lebendige Handels- und Universitätsstadt, in der echte Griechen das Stadtbild bestimmen, nicht Strandbuden und Touristenentertainment.

Dabei hat Thessaloniki historisch ziemlich viel zu bieten - das hellenistische, römische, byzantinische und osmanisches Reich haben alle ihre Spuren hinterlassen und im “Kulturbus” der Stadt kann man für 2 Euro an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei, bis auf die Hügel der Stadt fahren, von wo aus man einen tollen Blick auf die Bucht hat.

Wenn man ein bisschen mehr Zeit hat, und nicht wie ich den lieben langen Tag in Vorträgen ausharren muss (aber ich beschwer mich gar nicht, echt nicht!), kann man sich mit diesen vielen verschiedenen Bauwerken und Museen locker mehrere Tage beschäftigen. Auch die lange Geschichte des jüdischen Lebens in Thessaloniki ist unheimlich faszinierend und ruft danach, weiter erkundet zu werden.


Gut essen kann man in Griechenland natürlich auch. Überrascht war ich darüber, wie moderat die Preise auch mitten im schicken Stadtzentrum sind - vom günstigen Mittagstisch, den wir ein wenig ab vom Zentrum in kleinen, netten Lokals nehmen, ganz zu schweigen. Das eine Abendessen, das ich mit Kollegen auf der poshen Dachterrasse unseres kontinental-angepassten Hotels serviert bekam, war dagegen nur mäßig und rund dreimal so teuer.

Angeblich soll es ein bewegtes Nachtleben geben, das glaube ich sofort, obwohl ich es selbst nicht ausprobieren werde. Offensichtlich ist aber, dass Thessaloniki voller junger Leute ist, die Spaß zusammen haben. Auf der Promenade, auf den Straßen, dem Square, am Hafen - überall tobt das Leben.

Und freundlich sind sie hier, diese Menschen, auch wenn viele kein oder nur sehr wenig Englisch sprechen. Freundlich, hilfsbereit und entspannt, das ist das Bild, das ich von den Thessaloniken gewonnen habe. (Außerdem folgen sie einem gern auf Insta, wenn man Fotos mit #thessaloniki hochlädt.)

Ich fühle mich jedenfalls sehr wohl und kann mir gut vorstellen, dass ich eines Tages mal "richtig" Urlaub in dieser Gegend machen werde.




Nachtrag: Ouzo ist mit Vorsicht zu genießen. Apéritif heißt in diesem Fall nicht leichtes alkoholisches Getränk. You have been warned.