Samstag, 30. Juli 2016

Samstagsfragmente #52 - Urlaubsedition


Heute


haben wir unseren ersten Urlaubstag in Deutschland verbracht. Mit meiner Schwester und ihrer Familie und so haben wir es eher gemütlich und entspannt angehen lassen. Den Vormittag verbrachten die Kinder damit, sich wieder aufeinander einzulassen, was fantastischerweise absolut problemlos funktionierte. Trotz recht großer Altersspanne. Toll, dass das Mädchen so gut auch auf Deutsch kommuniziert, das hätte ich in all den frühkindlichen Jahren echt nicht gedacht,  als sich das mit der bilingualen Erziehung so anfühlte, als rede ich in ein schwarzes Loch. :)

Später am Tag machten wir uns auf zu einem außergewöhnlichen Barfußpfad, der sich mit vielen Stationen über 3,5 Kilometer durch eine grüne Landschaft schlängelt. Durch Schlamm, Sand und Gras, über Gestein und Rindenmulch, durch eiskaltes Wasser und eine Furt in einem Fluss, über Balancierbalken und Hängebrücken - bei strahlendem Wetter ein echtes Erlebnis. Ein leckeres Grillen auf der Terrasse rundete diesen Tag perfekt ab. 


Die Woche


war sehr intensiv, wie es letzte Vorurlaubswochen oft so an sich haben. Umso besser, dass sie jetzt rum ist und wir erstmal eine Pause vom Alltag haben dürfen :)


5 Erfreulichkeiten


1. das Mädchen gesund vom Sommerlager zurück bekommen 
2. das Hundeding bei liebevollen Leuten untergebracht
3. weitgehend komplikationslos geflogen und angekommen
4. 'weitgehend' deshalb, weil leider eine der Mitbringselweinflaschen das ruppige Handling nicht überstanden hat. Wie gut, dass wir bei der Schwester gleich waschen konnten und hauptsächlich dunkle Wäsche betroffen war
5. zwei weitere Weinflaschen und das Olivenöl sind heil geblieben


Erlesenes


A court of mist and fury von Sarah J. Maas  hat mich Anfang der Woche in einen ganz grässlichen Lesekater gestürzt. Ich glaube, darüber muss ich noch ausführlicher schreiben. 

My sister's keeper / Beim Leben meiner Schwester von Jody Picoult 
lese ich aktuell für die Buchkultur-Challenge Gegenwartsliteratur. Interessant bisher.


Foto der Woche


Das Cover von "a court of mist and fury" kam diese Woche gut an. Lese-Hashtags gehen immer :)

Klick


Webfragmente


Ich habe eine Schwäche für amerikanischen Pathos und eloquente Redner. Auf dem Parteitag der Demokraten in Amerika waren die besten diese Woche versammelt - Michelle und Barrack Obama, Bill Clinton, Meryl Streep, u.a  - ein Fest der Redekunst, alle auf YouTube :)

Von den Obamas bin ich ja eh Fan. Michelle hat derletzt erst Karaoke mit einem Late-Show-Host gemacht: Video

Und meine Freundin Kira  gibt weiterhin Schöne Sache im Rahmen ihrer Spendenaktion für Ärzte ohne Grenzen ab - lohnt sich: Kiras Goodytales



Bei euch auch alles gut?



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Freitag, 29. Juli 2016

#BloggerAlphabet - O wie Organisation


Ziemlich lang habe ich beim Bloggeralphabet ausgesetzt. Teils, weil viele Themen halt doch eher an Profiblogger gerichtet sind und teils, weil mir wahrscheinlich tatsächlich ein bisschen die Organisation fehlt. :) 

Ich habe mir schon oft vorgenommen, vorausschauender zu schreiben, damit ich immer einen oder zwei Beiträge in petto habe, falls das Leben 1.0 regelmäßiges Echtzeit-Bloggen mal wieder nicht zulässt. Aber das klappt nicht so wirklich, denn wenn ich was zu sagen habe, Zeit und Gedanken in einen Artikel stecke, dann will ich den in der Regel auch sofort veröffentlichen und nicht erst in einer Woche. Also klappt das eher nicht so gut.

Was ich wohl immer mal wieder versuche, sind feste Tage für bestimmte Themen einzuplanen. Irgendwann habe ich mal mittwochs Buchbeiträge geplant und das auch eine Weile durchgezogen. Sollte ich vielleicht mal wieder probieren, die Bücher kommen ja gerade ein wenig zu kurz bei mir. 

Außerdem  halte ich mich einigermaßen strikt an die Samstagsfragmente, nicht zuletzt, um wenigstens einmal die Woche einen festen Termin mit meinen Blog zu haben. Aber insgesamt, so merke ich, bin ich wohl zu sehr Chaot, um richtig organisiert zu bloggen. 

Ist so. 

Ich könnte jetzt weiter ausholen und euch erzählen, dass es auch jenseits des Blogs mit mir immer ein Abenteuer ist, was Organisation betrifft, weil ich allein und für mich selbst zwar sehr exakt auf den Punkt organisieren kann, aber sobald mehrere involviert sind (etwa ein nervöser Gatte, der pünktlich am Flughafen sein will), wird es mitunter haarig.


Was andere Blogger zum Thema Organisation zu sagen haben, könnt ihr hier nachlesen. Das nächste Thema lautet P wie Promotion und gilt ab dem 1. August.


// 52 Wochen – 26 Buchstaben – 26 Themen. Alle zwei Wochen stellt Anne auf neontrauma.de ein neues Stichwort in den Raum, das mit dem Bloggen verknüpft ist. //


Sonntag, 24. Juli 2016

Samstagsfragmente #51 - Grillen am Geburtstag



Gestern


haben wir uns an Resten gelabt, die vom Geburtstagsbarbecue des Gatten am Freitag übrig geblieben sind, und uns still gefreut, dass dieses Familienfest harmonisch und glücklich verlaufen ist. Es war eine kleine Gesellschaft, weil der Schwiegervater sich nach seinem Krankenhausaufenthalt noch ausruhen muss, aber es war einigermaßen entspannt und kein übermäßig großer Stress im Vorfeld. Ein Sekt, den wir für besondere Gelegenheiten aufgehoben hatten, wurde zu leckeren Hugos zum Anstoßen (das kennt man hier in Israel nämlich überhaupt gar nicht!), auf den Grill kamen die bewährten Geflügelspieße und Hamburger, dazu zwei Salate, Knoblauchbrot, Hummus, scharfe Dips und Pita - mehr braucht es nicht, um ein leckeres Essen auf den Tisch zu bringen. (Ich merke gerade, dass wir das letztes Jahr fast exakt genauso schon mal durchgezogen haben, aber es bewährt sich halt einfach). Zum Nachtisch eine Streuselkirschtarte (letztes Jahr war Pflaumenkuchen) mit Vanilleeis. Im Hochsommer hat keiner wirklich Lust auf schwere Schokoladentorten oder so.. 


Die Woche


verging wie im Fluge... Am Mittwoch haben das Mädchen und ich das Sommerfest zum Abschluss des Ferienprogramms in der Schule besucht und hatten, trotz Bastelhölle, ziemlich viel Spaß. Wahrscheinlich, weil ich immer noch so schrecklich dankbar bin, dass das tolle Ferienprogramm auch dieses Jahr wieder zustande gekommen ist.


5 Erfreulichkeiten


1. Richtig viel gelesen
2. Das Kinderzimmer mal wieder ein bisschen hin und her gerödelt und am Ende alle Platzbedürfnisse auf diesem kleinen Raum befriedigt
3. Auf der Urlaubszielgeraden angekommen
4. Den Gatten mit seiner Geburtstagsfeier richtig glücklich gemacht
5. Den Mietvertrag für das kommende Jahr endlich vernünftig und sachlich eingetütet bekommen, geht doch.


Erlesenes


"Ink and Bone" von Rachel Caine gibt es noch bis Ende Juli für 99 Cent für Kindle. Dachte ich mir, das lieste jetzt halt mal. Es geht um die große Bibliothek von Alexandria, die in Caines alternativer Realität aber nicht zerstört, sondern zum Machtzentrum der ganzen Welt wurde. Im Mittelpunkt steht eine Gruppe junger Studenten, die für den Bibliotheksdienst ausgebildet werden sollen. Ein bisschen Dystopie, gute Charaktere, ein wenig Steampunk, komplizierte Liebe, ein Hauch Harry Potter - ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und Teil 2 "Paper and Fire" schon auf dem Kindle. Ob eine deutsche Übersetzung geplant ist, weiß ich leider nicht.


A court of thorns and roses von Sarah J. Maas wurde mir von Caro die Tage wärmstens ans Herz gelegt, zu Recht: Die Geschichte spricht voll mein Märchengen an und hat mir richtig Spaß gemacht. An Teil 2 schlinge ich im Moment. 


Foto der Woche


Montagabend hatte ich gerade noch rechtzeitig die Fotoidee für den Buchstaben "R". Scheinbar haben einige eine Schwäche für Bahngleise, denn es wurde wider Erwarten ziemlich erfolgreich.


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Webfragmente


Meine Freundin Kira lebt in München und hat ihre Erlebnisse und Gedanken zu Freitagnacht in ihrem Blog niedergeschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen.



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Freitag, 22. Juli 2016

Rede und Antwort - 10 Fragen zu meinen Urlaubsgewohnheiten

Über mein liebes Holunder-Blog bin ich auf die nette Urlaubsfragerunde von Lotta aufmerksam geworden und mache gerne mit. Ich bin nämlich ziemlich urlaubsreif zur Zeit...

Urlaubspost einwerfen, Greenwich, England (2015)

In welcher Jahreszeit verreist Du am liebsten?


Wenn es nicht zu heiß und nicht zu kalt ist - Frühling ist toll! Seit das Mädchen ein Schulkind ist, machen wir unseren Jahresurlaub aber in den Sommerferien, also im israelischen Hochsommer, der wirklich schwer auszuhalten ist. Angelegentlich freue ich mich aber auch über einen Winterurlaub in Deutschland, Schnee vermisse ich doch ziemlich.

"Blaues Haus", Oberstaufen, Deutschland (2014)

Unabhängig vom Kontostand…Bereist Du lieber ferne Länder oder bleibst Du gern im eigenen Land?


Wir verreisen fast immer ins Ausland. Nicht dass es hier in Israel nicht auch schöne Ecken gäbe, (die Wüste, das Tote Meer, der Norden,...), aber man kennt sie halt nach einiger Zeit fast alle und wenn man nicht den Luxus hat, außerhalb der Schulferien verreisen zu können, findet man kaum einen einigermaßen hübschen Ort, der nicht rettungslos mit Menschenmassen überfüllt ist...


Khan Beerotayim, Israel (2013)


Abgesehen davon, also wenn Geld wirklich keine Rolle spielen würde, gäbe es noch so viele Länder und Kulturen, die ich gerne kennenlernen würde :) 

Fährst Du lieber in die Berge oder ans Meer?


Auf jeden Fall in die Berge. Ich mag die Luft und die Natur und die Aussicht, und mir sind Seen schon immer lieber gewesen, als das offene Meer. Mittelmeerstrand hasse ich (außer am Abend oder im Winter). Ich bin hellhäutig und leide, wenn ich stundenlang im gleißenden Sonnenlicht ausharren soll.

Fellhorn, Deutschland (2014)

Magst Du lieber Sightseeing-Touren oder Naturerlebnisse?


Ich mag beides. Städtereisen so wie Berlin 2013 und London 2015 müssen natürlich mit Sightseeing verbunden sein, aber ich lasse mich auch in Städten sehr gerne einfach treiben und sauge die Umgebung ein. Die Natur hilft mir dagegen, meine innere Ruhe zu finden und mich zu entspannen. Das Gemüt leer werden zu lassen von all den Themen, die mich im Alltag pausenlos umtreiben. Das friedliche, gemütliche Allgäu ist mir dafür in den letzten Jahren besonders lieb geworden.



Alpsee, Deutschland (2015)

Bereitest Du Deinen Urlaub akribisch vor oder lässt Du Dich treiben?


Ich plane nicht alles bis ins letzte Detail durch. Klar, so besondere once-in-a-lifetime Trips wie London letztes Jahr schon ziemlich akribisch, weil man einfach von vornherein weiß, dass man nur sehr begrenzt Zeit hat, die es auszukaufen gilt. Aber in unseren normalen Urlauben lasse ich viel Zeit zum Ausruhen und in den Tag hinein Leben. 

Was darf nie im Koffer fehlen?


Abgesehen von so schnödem Kram wie Herztabletten und Kulturbeutel natürlich mein Android, der quasi mein ganzes virtuelles Leben in sich trägt und alle Erlebnisse fotografisch festhält. Im Urlaub essentiell, denn ich habe nur diese eine Kamera. Mein Kindle muss auch immer mit dabei sein. Und ein Ladegerät.

Welche Urlaubslektüre hast Du in Deinem Gepäck?


Meinen Kindle mit elektronischen Vorrat. Meist mache ich mir vorher ein paar Gedanken, welche Bücher ich mir für den Urlaub vornehmen möchte mit einem Schwerpunkt auf Kindle-Titeln, damit mehr Platz im Koffer bleibt und ich nicht so viele "echte" Bücher rumschleppen muss.

Bekommst Du schnell Heimweh?


Eigentlich nicht. Ist aber auch kein Wunder - ich reise in der Regel mit meiner Familie und einmal im Jahr eh in die Heimat. 


Was war bisher Deine schönste Urlaubsreise?


Das war wohl eine Kanureise durch ein unberührtes schwedisches Seengebiet mit Wildniszelten, waschen im See und so. Werde ich nie vergessen.

Zypern war dieses Jahr aber auch (wieder) sehr schön :)


Skarinou, Zypern (2016)

Hast Du einen Reisewunsch, den Du Dir bisher noch nicht erfüllt hast?


Neuseeland! Und in Afrika war ich auch noch nie. Also in keinem afrikanischen Land, ich weiß schon, dass Afrika ein Kontinent ist. Südafrika würde mich reizen oder die Ökolodge unserer Freunde in Tansania



Jerash, Jordanien (2015)



// Lottas schönes Fotoblog Heute macht der Himmel blau ist in der deutschen Bloggerwelt mit ihrer regelmäßigen Fotoserie "Bunt ist die Welt" eine feste Größe.  //

Montag, 18. Juli 2016

S. - eine Schiffsreise für Bibliomanen



"Wie geht es deinem Zauberbuch?" 


fragt mich ein lieber Kollege regelmäßig, denn er hat miterlebt, wie andächtig ich dieses Schätzchen aus seinem Versandkarton hob, irgendwann Anfang Juni. Seither habe ich mich intensiv damit beschäftigt und werde es sicher immer wieder zur Hand nehmen.

S. - Das Schiff des Theseus von J.J. Abrams und Doug Dorst ist nämlich kein gewöhnliches Buch, sondern ein analoges Abenteuerspiel. Erlebnis-Lesen sozusagen.

Nichts ist zufällig an diesem Werk, das in einem soliden Fake-Leineneinband daher kommt. Ein Siegel muss aufgebrochen werden, bevor man es aus dem Schuber nehmen kann, aber unberührt scheint das Buch nicht zu sein: Es wirkt abgegriffen, hat einen Fettfleck und riecht, als hätte es länger in einer muffigen Kiste auf irgendeinem Dachboden gelegen. Schlägt man es auf, fallen einem Zettel, Postkarten, Fotos und Notizen entgegen und die vergilbten Seitenränder sind dicht mit Notizen und Unterstreichungen versehen. Wenn man am Anfang beginnt und versucht, den gedruckten Text, die Einleger und Anmerkungen simultan zu lesen, merkt man schnell, dass sich in den Randnotizen ein Dialog zwischen dem Literaturdoktoranden Eric und der Bachelorstudentin Jen abspielt und dass die beiden versuchen, zwischen den Zeilen das Rätsel um die Identität des Autors zu entschlüsseln, die über ein halbes Jahrhundert nach Erscheinen des Romans ungeklärt ist.




S. ist kein Buch, das man einfach so von Anfang bis Ende durchliest. Ich habe meine Lesestrategie mehrmals anpassen müssen, bis ich den Dreh für mich raus hatte. Anfangs dachte ich nämlich tatsächlich, ich könnte alles simultan lesen und aufnehmen. Das stellte sich aber schnell als höchst impraktikabel heraus, denn es verwirrte mich heillos.

Der eigentliche Roman "Das Schiff des Theseus" von V.M. Straka ist nämlich schon komplex-surreal genug (stellenweise fühlte ich mich wie bei Kafka, nur gruseliger), wenn man dann noch gleichzeitig Fußnoten und Randnotizen mitlesen und nachvollziehen soll überfordert das schnell. Dazu kommt, dass es mehrere Sets von Randnotizen gibt, die Eric und Jen zeitlich versetzt verfasst, sich dabei aber nicht zwingend an eine strenge Chronologie gehalten haben. Schlussendlich habe ich den Wälzer (bisher) vier Mal durchgearbeitet:


  1. Den Romantext "Das Schiff des Theseus" ohne Randnotizen und Einleger, Fußnoten nur überflogen
  2. Die Randnotizen in Bleistift, blauem Kugelschreiber und schwarzem Fineliner, Fußnoten, passende Einleger
  3. Randnotizen in Gelb und Grün, passende Einleger
  4. Randnotizen in Violett, Rot, Schwarz und schwarz, passende Einleger


Die Einleger habe ich jeweils angeschaut, geprüft, ob sie gerade zum Text passen und dann entweder mitgelesen oder bis zur nächsten Runde beiseite gelegt. Hilfreich war eine Liste, an welche Stelle im Buch die Einleger hingehören, sie sind mir nämlich öfter mal rausgefallen...

Wäre ich ein scharfsinniges Mastermind, hätte ich möglicherweise versucht, die versteckten Codes, die Jen und Eric hauptsächlich in den - auf den ersten Blick unsinnigen - Fußnoten finden, selbst zu entschlüsseln. Stattdessen habe ich mich darauf beschränkt, jedes Mal andächtig "aaaaah" zu machen, wenn die beiden wieder einen geknackt hatten. Am Ende waren einige Rätsel gelöst, viele Fragen blieben aber offen, und noch immer stecken im Bauch des Schiffes (sorry, der musste sein) zahlreiche Codes und Hinweise, die Jen und Eric nicht entdeckt oder entschlüsselt haben, mit denen sich der geneigte Leser weiter beschäftigen darf. Woher ich das weiß? Na, auf einen davon bin ich tatsächlich selbst gestoßen, entschlüsselt habe ich ihn aber (noch) nicht. Hinweise, Lösungen und "Walkthroughs" gibt es auf Fanseiten wie Who is Straka? und Sfiles22 wo zusätzliches Material verlinkt ist, wie ein "original" Tondokument, auf das sich Jen und Eric immer wieder beziehen und "alte" Zeitungsartikel. Man kann sich verlieren, in diesem Werk, und ich kann daher nicht sagen, dass ich wirklich durch bin damit.




Meine Meinung dazu?


Jetzt wird es kompliziert.. Ich liebe die Idee dieses Werkes, das Konzept, die detailversessene Aufmachung, die Haptik und das liebevoll erdachte Zubehör. Der Roman und die Rahmenhandlung um Jen und Eric sind zwar auch interessant, vom Hocker gerissen haben sie mich aber nicht und die Spannung hielt sich über weite Strecken eher in Grenzen. Nun kann man sagen, dass das Tempo zu der langsamen, analogen Kommunikation der beiden passt und dass dem Leser gar nichts anderes übrig bleibt, als sich viele Ereignisse und Spannungsmomente selbst zusammen zu reimen, aber ich hätte mir dennoch mehr roten Faden gewünscht. Stattdessen bleibt ein bisschen Ernüchterung darüber, dass ich wohl selber nachforschen und Theorien aufstellen muss, wenn ich mich nicht mit Jens und Erics Erkenntnissen zufrieden geben will. Aber auch das ist ja irgendwie genial: ein Buch, das der Leser weiterspinnen muss.


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S. ist bereits 2013 von mir unbemerkt in den USA erschienen. Aufmerksam wurde ich auf dieses Zauberbuch erst nach der Veröffentlichung der deutschen Übersetzung im KiWi-Verlag. Die deutsche Ausgabe ist limitiert.


Samstag, 16. Juli 2016

Samstagsfragmente #50 - Warmes Wochenende



Heute


ist wieder mal so ein ganz ordinär Samstag. Feuchtwarm, faul, ohne Termine, ätzend langweilig eigentlich. Und dann auch wieder nicht, denn im Hinterkopf habe ich den schrecklichen Anschlag in Nizza und den blutigen Putschversuch in der Türkei und all die anderen schrecklichen Dinge, die in der Welt zur Zeit vor sich gehen. Und ich frage mich einmal mehr, wo das alles noch hinführen soll. Was aus dieser Welt noch werden soll. Was für eine Zukunft haben unsere Kinder auf diesem Planeten, und wann merken wir endlich, dass wir als Menschen zusammen stehen müssen, wenn es hier einigermaßen lebenswert für alle weitergehen soll?        

Ein Martin Luther King Zitat ist mir immer gegenwärtig:

We must learn to live together as brothers or perish together as fools. // Wir müssen lernen, gemeinsam als Brüder  zu leben, oder als Narren gemeinsam untergehen. 


Die Woche


war ähnlich unspektakulär. Ich ärgere mich ein wenig, dass ich die "12 von 12" verpasst habe, aber als ich mich nachmittags erinnert habe, dass ich eigentlich Fotos machen sollte, war der Zug irgendwie schon abgefahren, denn ich kriegte einfach keine 12 mehr zusammen.


Erfreulichkeiten


  1. mit dem Mädchen nächtens im hippen Sarona spaziert, zum ersten Mal überhaupt, und eine schöne Qualitätszeit verbracht.
  2. dem Schwiegervater geht's wieder besser 
  3. mit Begeisterung in einige neue Jugendbücher getaucht  
  4. Stella Artois war pünktlich zum Wochenende im Sonderangebot (nein, Alkohol ist keine Lösung, aber ein Bierchen hier und da hat noch keinem geschadet, gell?) 
  5. die neue Klimaanlage (courtesy of our Vermieter) kam gerade zur rechten Zeit, vor allem der Gatte liebt sie sehr

Erlesenes


S. von J.J. Abrams und Doug Dorst habe ich nach dem vierten Durchgang zur Seite gelegt, obwohl immer noch Fragen offen sind. Ich werde die Tage mein Leseerlebnis hier auch noch verarbeiten *lach*

These broken stars von Amie Kaufman hat mir eine kurze Nacht beschert und jetzt will ich Band 2 natürlich unbedingt auch lesen.. bin nur gerade zu geizig dafür :)

Zehn Tipps, das Morden zu beenden und mit dem Abwasch zu beginnen von Hallgrimur Helgason war kurzweilig, ziemlich kurios und sehr, sehr schwarzhumorig. Hat mich streckenweise an Pulp Fiction erinnert und ist nichts für schwache Mägen.

Bestes Foto


mein drittes Sauerteigbrot ever, es wird besser...


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Webfragmente


Ahmad Mansour mit einem hochaktuellen Essay darüber, wie sich die politische Linke in Deutschland zum Beschützer des konservativen Islam aufschwingt und dabei Muslime erst zu Opfern macht. (TAZ-Artikel)

Meine Freundin Kira hat auf ihrem Blog Kiras Goodytales eine einmalige Spendenaktion für Ärzte ohne Grenzen gestartet: jeden Tag veröffentlicht sie eines von 100 Dingen, die man gegen einen selbst gewählten Spendenbeitrag erwerben kann. Finde ich gut.

Sarah Tuttle-Singer schreibt mal wieder darüber, dass Israel einfach nicht normal ist. (Englisch)

Herzlich gelacht habe ich über das Adele-Cover in deutscher Übersetzung - witzig deshalb, weil die Übersetzung mit Google Translate gemacht wurde (Video)



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //


Samstag, 9. Juli 2016

Samstagsfragmente #49 - Brillen und Backwaren



Heute


melde ich mich nach einer Woche Pause wieder mit den Wochenfragmenten und sogar pünktlich am Samstag :)  Bei uns ist heiß-klebriges Wetter, man will am liebsten den ganzen Tag in Unterwäsche rumrennen (das hat meine Oma im Sommer manchmal gemacht) oder in so hauchdünnen Wallekleidern, die man manchmal in der Waschmittel- oder Kosmetikwerbung sieht. Ich besitze leider keins. Leider mussten wir uns heute aber anziehen, denn mein Schwiegervater ist im Krankenhaus (was genau er hat, weiß man noch nicht, aber es geht ihm schon wieder einigermaßen gut) und wir haben ihn zusammen mit der Schwiegermutter dort besucht. Danach ein kleines Mittagessen bei ihr eingenommen und dann einen ausgiebigen Mittagschlaf gemacht. Am späten Nachmittag hat sich der Gatte mit dem Mädchen ins Freibad verabschiedet, der Gute.


Die Woche


beziehungsweise die letzten zwei Wochen, gingen sehr schnell vorbei. Die großen Ferien haben begonnen und das Mädchen ist zu unserer Erleichterung im Ferienprogramm der Schule untergekommen, denn für uns läuft der Alltag einstweilen natürlich weiter wie üblich. Die wichtigen Fußballspiele haben wir im Park auf der großen Leinwand angesehen, natürlich auch das tragische Ausscheiden der Mannschaft *schnüff*, ansonsten haben wir nicht allzu viel erlebt. Für eine verreiste Freundin gebe ich seit letztem Wochenende die Sauerteig-Babysitterin und habe schon zweimal versucht, Brot damit zu backen, aber das muss ich noch ein bisschen üben. So richtig fluffig wird das nicht.

Erfreulichkeiten


  1. eine neue Brille bestellt (die Beschichtung bei meiner alten war einfach hin..) und innerhalb von drei (!) Tagen geliefert bekommen - das ist für Israel echt ein Wunder! 
  2. erfolgreich zum ersten Mal herzhafte Muffins gebacken (aus der Not für ein gemeinsames Mittagessen mit den Kollegen)
  3. die beste Falafel in Tel Aviv genossen 
  4. leckere hausgemachte Oliven aus dem Garten der Sauerteig-Freundin bekommen 
  5. der Gatte hat Urlaubsgeld bekommen und ich einen Teil davon schon direkt für den Sommer verplant - wie es sich gehört :) 

Erlesenes


Das Graphic Märchen-Novel The Sleeper and the Spindle von Nail Gaiman war ein Geschenk von einer lieben Freundin und ist wunderschön aufgemacht. Die Story ist für Kinder wohl ein bisschen zu gruselig, ich fand sie erfrischend anders mit einem witzigen Twist am Ende.

Mit S. von J.J. Abrams und Doug Dorst bin ich immer noch nicht ganz durch. Das ist wirklich ein Werk, das man nach und nach aufzwiebeln und studieren muss. Gefällt mir von der Idee her immer noch gut, aber die Story kann mit dem genialen Rahmenkonzept nicht ganz mithalten, finde ich.

Ich hatte spontan mal wieder Lust auf Jugendliteratur und habe mir gestern gleich zwei auf den Kindle geladen. These broken stars von Amie Kaufman ist kürzlich auf Deutsch erschienen, so wurde ich überhaupt darauf aufmerksam, und ist irgendwo zwischen Sci-Fi, Dystopie und Romeo und Julia angelegt. Mir gefällt's bisher.

Eine weitere Jugendfantasy ist im englischen Kindle-Deal zur Zeit für kleines Geld zu haben: In Ink and Bone schreibt Rachel Cane die Geschichte um die große Bibliothek von Alexandria neu - Was wäre aus ihr geworden, wenn sie 48 v. Christus nicht zerstört worden wäre? Klingt vielversprechend.



Bestes Foto


Ein hektisch auf dem Weg zum Bus fotografierter Tel Aviver Hibiskus in Fuchsiarot für die Photo-a-Day-Challenge, bei der ich diesen Monat mal wieder mitmache:


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Webfragmente


Wie viele andere auch, mochte ich die Isländer bei dieser EM am liebsten :)  Ihre Heimkehr feierten sie mit dem Wikingergruß im großen Stil. Video

Der offene Brief einer Palästinenserin zu den jüngsten Terroranschlägen hat mich berührt. (übersetzt aus dem Englischen)

Eine Bildersammlung weckt warme Kindheitserinnerungen bei meiner Generation.



Und bei euch so? Ich höre, der Sommer ist angekommen? 




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Freitag, 1. Juli 2016

[Buch] Halbjahresabschluss - 6 Lesehighlights 2016

Ich habe schon ewig nicht mehr so richtig ein Buch rezensiert, einfach, weil mir meist die Zeit dafür fehlt. Letztes Jahr waren es noch rund 25 Buchbeiträge, dieses Jahr komme ich gerade mal auf vier, wenn man die kurzen Erwähnungen in den Samstagsfragmenten nicht mitzählt. Das ist natürlich sehr, sehr mager, um nicht zu sagen peinlich für eine Bloggerin, die sich explizit als biblioman bezeichnet. Da wird es allerhöchste Zeit, wenigstens meine bisherigen Lesehighlights von 2016 zusammen zu fassen.

Ein bisschen Statistik vorweg: Ich habe mir dieses Jahr vorgenommen, insgesamt 70 Bücher zu lesen und bin mit knapp 35 genau im Zeitplan. 16 Titel stehen für die thematische Reading Challenge noch aus und für die Buchkulturchallenge, die zeitlich allerdings nicht befristet ist, habe ich dieses Jahr schon 5 Bücher der Gegenwart und 4 der Klassik gelesen. Mein Bücherstapel wird trotzdem nicht kleiner, denn dauernd laufen mir neue Titel zu, die ich irgendwann unbedingt lesen will. *seufz*


6 Lesehighlights


"Das Licht der letzten Tage" von Emily St. John Mandel 

(Originaltitel: Station Eleven)

Der literarische Roman über ein post-apokalyptisches Amerika hat mich begeistert und nachhaltig berührt. Ausführlich rezensiert habe ich ihn hier.

"Tausend strahlende Sonnen" von Khaled Hosseini

(Originaltitel: A thousand splendid suns)

Khaled Hosseini hat mich schon mit dem Drachenläufer unheimlich in seinen Bann gezogen. Das Afghanistan, das er beschreibt, bringt einem die Menschen und das Leben dort schmerzhaft nahe, denn man spürt zwischen den Zeilen, wie schwer es ihm fällt, über die Schrecknisse zu berichten, die seinem Heimatland im Laufe der Jahrzehnte widerfahren sind. Während er in seinem Debütroman das Schicksal zweier Jungen verfolgte, stellt er in "Tausend strahlende Sonnen" Frauen in den Mittelpunkt. Dadurch konnte ich mich noch besser in die Charaktere einfühlen, es hat mich emotional aber auch noch mehr aufgerieben und mitgenommen, als der Drachenläufer. Die zentrale Warnung einer Mutter an ihre Tochter
"So wie eine Kompassnadel immer nach Norden zeigt, wird der anklagende Finger eines Mannes immer eine Frau finden."
zieht sich durch den ganzen Roman und zeigt die hässliche Realität einer patriarchalen Gesellschaft, in der Frauen vollständig von Männern und deren Wohlwollen abhängig sind. Schmerzhaft, brutal und deprimierend liest sich "Tausend strahlende Sonnen" zu weiten Teilen, aber der menschliche Überlebenswille und die Schönheit wahrer Freundschaft schimmert immer wieder hindurch und hat mich als Leserin auch durch die furchtbarsten Szenen getragen.

"Das Rosie-Projekt" von Graeme Simsion

(Originaltitel: The Rosie Project)

Lange habe ich mich geziert, dieses vielfach gehypte und hochgelobte Buch in die Hand zu nehmen, bis ich es von einer Freundin quasi aufgedrängt bekam. Es kam, wie es kommen musst: Einmal angelesen, konnte ich es praktisch nicht mehr aus der Hand legen. Die Geschichte des Aspergerautisten Don, der, auf der Suche nach einer perfekt mit seinem doch recht speziellen Lebensstil kompatiblen Frau, zufällig auf die chaotische Rosie trifft und eine aberwitzige Kooperation mit ihr eingeht, ist urkomisch und rührend zugleich. Für mich war der Blick in das Leben eines Menschen aus dem Autismusspektrum sehr augenöffnend dahingehend, wie ungeheuer schwierig es für diese Menschen ist, im sozialen Miteinander zurecht zu kommen. Beziehungsweise wie sehr ich mein Gespür für menschliche Befindlichkeiten und Zwischentöne als Selbstverständlichkeit hinnehme, während jemand wie Don sich ständig vor sozialen Fallstricken in Acht nehmen muss. Absolut lesenswert mit  - Vorsicht Spoiler! -                                Happy End-Garantie

"Der Schieber" von Cay Rademacher

(als Hörbuch)

Ich lese gerne gute Krimis. Am liebsten solche mit interessanten Schauplätzen und Ermittlern, die Ecken und Kanten und dadurch Charakter haben. Cay Rademacher hat mich vor Jahren schon einmal mit "Der Trümmermörder" überzeugt - einem Krimi über eine Serie von Mordfällen im Nachkriegshamburg 1947. In "Der Schieber" ermittelt Oberinspektor Frank Stave erneut, diesmal in einem grausamen Mordfall an einem Teenager, der wohl in Schwarzmarktgeschäfte verwickelt war. Mich fasziniert an dieser Krimiserie das Setting: Cay Rademacher erweckt die deutsche Nachkriegszeit regelrecht zum Leben: Ich sehe beim Lesen die zerstörten Straßen, den Schwarzmarkt und die ständig müden, erschöpften Menschen beinahe vor mir und meine, dadurch ein besseres Bild vom Leben nach dem Krieg zu bekommen, von dem mir meine Großeltern manchmal erzählten. Dazu kommen glaubwürdig herausgearbeitete Charaktere und ein spannender Aufbau. Im Hörbuch gewinnt "Der Schieber" noch durch den herausragenden Vorleser Burghart Klaußner. Mir ist beim Hören nicht mal aufgefallen, dass das Hörbuch gekürzt ist. 

"Gader Haya" von Dorit Rabinyan 

(erscheint im August unter dem Titel "Wir sehen uns am Meer" im KiWi-Verlag)

Die "Romeo und Julia"-Geschichte um einen Palästinenser und eine israelische Jüdin war Anfang des Jahres nicht nur in Israel in den Schlagzeilen, weil das Erziehungsministerium sie mit fadenscheinigen Begründungen aus der Lektüreliste der Oberstufe nahm. Da musste ich das ja lesen und wurde sehr berührt. Ausführlich besprochen habe ich den preisgekrönten Roman hier.

"Soldier" von Julie Kagawa 

(Drachenherz Teil 3, auf Deutsch noch nicht erschienen)

Ich mochte Märchen schon immer. Die Grimms waren eine feste Größe meiner Kindheit und vor einiger Zeit habe ich mir ein eigenes Grimms-Märchenbuch angeschafft, denn ich finde, es gehört in jeden Haushalt.

Julie Kagawa schreibt auch Märchen, beziehungsweise Urban Fantasy. Eigentlich für Teenies und Jugendliche, aber ich lese sie für mein Leben gern. Über ihre Feen und Vampire habe ich hier recht ausgiebig gebloggt, ihre neue Serie "Talon" kam bisher ein wenig zu kurz, dabei ist auch ihr Drachenmärchen sehr lesenswert. Der Hintergrund: Drachen in Menschengestalt unterwandern unsere Gesellschaft und verfolgen den perfiden Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Unerbittlich verfolgt und bekämpft werden sie nur vom Orden des Heiligen Georg, der mit erstklassig ausgebildeten Soldaten Jagd auf die Reptilien macht. Es kommt, wie es kommen muss: Ein Soldat des Ordens und ein Drachenmädchen verlieben sich und stellen alles in Frage, was sie ihr Leben lang geglaubt haben. 

Den dritten Band der Reihe "Soldier" habe ich direkt nach Erscheinen fast fiebrig verschlungen und kann nicht richtig erklären, warum diese Geschichte, die literarisch ganz sicher nicht wertvoll ist, so eine Sogwirkung auf mich hat. Julie Kagawa kann scheinbar einfach gut erzählen, mit einem "Nachteil": Ihre Cliffhanger sind extrem fies, vor allem, wenn man weiß, dass man mindestens ein Jahr auf die Fortsetzung warten muss. 






Auch überaus lesenswert... 


"Geschenkt" von Daniel Glattauer 


Von Daniel Glattauer habe ich letztes Jahr beinahe manisch "Gut gegen Nordwind" und "Alle sieben Wellen" mehr oder minder in einem Rutsch durchgehört. "Geschenkt" - die unglaubliche Geschichte eines erfolglosen Journalisten, der durch eine anonyme Spendenserie ungewollt ins Rampenlicht rückt und dabei sogar den Respekt seines pubertierenden Sohnes gewinnen kann, fand ich ebenfalls sehr unterhaltsam. Ich habe mich jedenfalls köstlich amüsiert, denke aber, dass man den speziellen Humor, die Wortspielchen und Kalauer mögen muss, sonst kann es leicht nervig werden.

"Die Analphabetin die rechnen konnte" von Jonas Jonasson 

(als Hörbuch)

Aberwitzig komisch und mit Katharina Thalbachs trocken-lakonischer Lesestimme genial besetzt. Mich hat es noch besser unterhalten, als "der Hundertjährige", obwohl es manche Länge hat. Ich vermute, dass dieses Werk in der gekürzten Version an Schwung und Tempo gewinnt und könnte mir vorstellen, dass ich bei der Originalversion ab und an quergelesen hätte, um voran zu kommen. Trotzdem unbedingt empfehlenswert für alle die den "Hundertjährigen" auch mochten.

"Die Herrlichkeit des Lebens" von Michael Kumpfmüller 


Franz Kafkas letztes Jahr - einfühlsam und vorstellbar rekonstruiert. So könnte es wirklich gewesen sein, ein schreckliches und zugleich herrliches Jahr, denn der damals weitgehend unbekannte Autor hatte endlich die große Liebe gefunden. Mir hat diese ruhige Erzählung Kafka überhaupt zum ersten Mal etwas näher gebracht, denn ich wusste über seine Person und sein Leben bisher so gut wie nichts.


"Nachtzug nach Lissabon" von Pascal Mercier


Das Leben eines Altphilologen, der in Bern als ein von Kollegium und Schülern geschätzter Lehrer tätig ist, gerät durch eine Zufallsbegegnung aus den Fugen. Er lässt alles hinter sich und bricht nach Lissabon auf, wo er den Spuren eines unbekannten Schriftstellers folgt, dessen philosophische Gedanken ihn aufwühlen und dazu bringen, immer tiefer in dessen Umfeld und Vergangenheit einzutauchen. Das Tempo dieses Romans ist wechselhaft: Mal wollte ich unbedingt ganz schnell wissen, was hinter der nächsten Wegbiegung auf Merciers gutmütigen Helden wartet, mal musste ich mir Zeit lassen, einer der philosophischen Ideen zu folgen - der Nachtzug braucht Muße, man kann ihn nicht zwischendurch lesen und man muss bereit sein, sich darauf einzulassen. Für mich hat dafür wohl gerade alles gepasst, denn ich habe diesen Roman wirklich gemocht.


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So, das war jetzt gar nicht sooooo schwer. Ich sollte wirklich wieder öfter was über Bücher schreiben. Habt ihr einen oder mehrere der Titel gelesen? Wenn ja, wie war euer Eindruck?