Dienstag, 28. Juni 2016

Unser Garten... (oder: Frauen und Fußball ?!!?!!)


... ist derzeit unser Stadtpark. Dort wird auf großer Leinwand die Europameisterschaft übertragen und das macht richtig viel Spaß, denn man trifft dort immer ein paar Freunde und Bekannte.

Jeder bringt eine Decke mit und dann lümmelt man sich auf dem Rasen und schaut nach Frankreich, während im Hintergrund langsam die Sonne untergeht und - vielleicht sogar - ein kühles Abendlüftchen über den Hang weht. Jeder hat was dabei - einer eine aufgeschnittene Wassermelone oder gemischte Obstschnitze, ein anderer Nüsse oder Popcorn, eine unterwegs abgeholte Pizza aus dem Karton - jeder darf von allen was haben, alle lästern gemeinsam über das Gequatsche der Kommentatoren und alle haben Spaß. Ein paar Bierchen kommen aus den Kühltaschen und werden gerecht in Plastikbecher aufgeteilt, dass alle was davon haben.

Die Kinder bringen natürlich auch einen Fußball mit, und wenn das Spiel zur Halbzeitpause etwas langweilig wird, verziehen sie sich und kicken lieber selbst. Nach dem 19:00-Spiel (hier ist ja alles eine Stunde später als in Mitteleuropa) bringt man die Kinder nach Hause und zieht um kurz vor 22:00 noch mal los. (Jedenfalls, wenn man dann immer noch nicht genug hat.) Herrlich entspannt ist das, man ist an der frischen Luft und alles für umsonst. Schönes Sommerentertainment Israel-Style.




Nicht ganz ohne Fallstricke allerdings, denn wenn man als Frau zu so einem 22:00-Spiel gehen will, muss man ein kleines bisschen Chutzpe mitbringen, wie ich heute erleben durfte. Ich hab's ja schon geahnt: Frauen und Fußball geht hierzulande scheinbar nicht wirklich zusammen. Ich weiß nicht so genau, woran das liegt, vielleicht daran, dass Israel es international beim Fußball zu nichts bringt? Oder daran, dass es in Israel doch noch mehr "echte" Machos gibt, als im zivilisierten Mitteleuropa? Ich hab dieses Rätsel noch nicht entschlüsseln können, aber als der Gatte letzte Woche in eine Herren-only WhatsApp-Gruppe zum "Rudelkucken" eingeladen wurde, musste ich herzlich lachen. Der hat nämlich mit Fußball ungefähr so viel am Hut, wie ich mit Kochsendungen - gar nichts. Ging dann aber doch aus Geselligkeit mit und fand es ganz nett, während ich mich zuhause grämte, dass ich nicht eingeladen worden war. Nun kann man sich bei den 19:00-Spielen noch recht unauffällig unter's Volk mischen, es sind ja Kinder und sogar vereinzelt ganze Familien dabei. Um 22:00 sieht das ganz anders aus, und als ich mich heute (auf Einladung immerhin, aber trotzdem) in die Herrenrunde drängte, fühlte ich mich wieder ein bisschen wie früher, als ich lieber mit den Jungs im Dreck wühlte, statt mit den Mädels feine Bastelarbeiten zu machen. Hm....  Dabei durfte ich mir dann ein ums andere Mal anhören, dass das eben so die Art Freizeitbeschäftigung ist, die Männer mögen, Bier trinken, Nüsschen knabbern und eben.. ja ... Fußball kucken. Können viele Frauen einfach nicht verstehen offenbar.

(Ich sei aber trotzdem jederzeit wieder willkommen. Wegen meiner guten deutschen Fußballwurzeln.)


Samstag, 25. Juni 2016

Samstagsfragmente #48 - Kurz vor knapp um 23:59




Heute


werde ich es mal wieder schaffen, die Wochenfragmente tatsächlich noch am Samstag abzuschicken. Aber nur weil ich noch ein bisschen runter kommen muss nach einem Frauen-Date ("Ein ganzes halbes Jahr", hach) und einem Abstecher zu IKEA direkt danach. (Lag auf dem Weg). Man sollte es ja nicht glauben, aber IKEA ist auch abends um 22:15 an einem ordinären Samstagabend brechend voll. Aber ich brauchte dringend Muffinförmchen und Holundersirup. Ganz dringend.


Die Woche


war geprägt von dem wohl bisher wichtigsten Ereignis in des Mädchens Leben. Ein eigenes Smartphone! Ihr werdet das wahrscheinlich für ziemlich verrückt halten, aber ihr kennt die israelische Handymentalität nicht. Bereits in der ersten Klasse haben viele der Kinder ein eigenes (und sei es nur zur Beruhigung der Eltern, die so immer nachfragen können, ob das Kind noch lebt, beziehungsweise wo es sich aufhält..). Drei Jahre später sieht es so aus, dass die große Mehrheit der Klasse tatsächlich Smartphones hat und über WhatsApp und co. miteinander kommuniziert. Wir haben uns lange gesperrt, sehr lange, aber es wurde zunehmend schwerer und da das Mädchen immer selbstständiger wird und in Zukunft wahrscheinlich immer häufiger alleine oder mit Freunden losziehen wird, haben wir uns jetzt doch dazu durchgerungen. Reglementiert natürlich, aber die ersten Tage waren trotzdem sehr aufregend. Und ich fürchte, ich habe eine aufstrebende Vloggerin in die Welt gesetzt - das Kind dreht seit Tagen Videos a la "Hallo ich bin die Soundso und ich zeige euch jetzt mal mein Zuhause .......... also dann, bis zum nächste Mal! Tschüß!" , von mir hat sie das nicht. Essen fotografieren schon eher, das hatten wir heute auch schon. Wie gut, dass sie das mit den sozialen Netzwerken noch nicht weiß. Dafür mussten wir ihr erklären (zum Glück bevor sie es ausprobiert hat), dass man Oma und Opa nicht mit dem Handy anrufen soll, weil das richtig teuer wird.... ächz.

Da das Kind jetzt plötzlich so groß geworden ist, dass es Erwachsenenspielzeug braucht, habe ich mich schweren Herzens von einigen geliebten Kindersachen getrennt. Besonders hart war es mit dem Laufrad - damit geht wirklich eine Ära zu Ende, denn als wir das damals hierher importiert haben, waren wir damit absolute Exoten, inzwischen sind sie richtig "in". Und die schönen Holzsachen von HABA, die sie seit Jahren nicht mehr anschaut, aber es schmerzt halt trotzdem, wenn man sie hergibt.


Erfreulichkeiten


  1. die Sommerbetreuung wird an der Schule stattfinden. Das war echt meine gute Nachricht der Woche, denn obwohl sich nicht genügend Kinder angemeldet haben, hat man eine Lösung gefunden, sie in einer anderen Gruppe zu integrieren. 
  2. Dinge verkauft und ein bisschen Urlaubsgeld verdient. 
  3. Den Kontakt mit alten Freunden wieder aufleben lassen - mit Erfolg :) 
  4. Im Büro ein paar Dinge abschließen können, an denen ich schon länger laboriere. 
  5. die Woche überlebt, obwohl unsere Klimaanlage hin ist und der Vermieter (mal wieder) nicht in die Pötte kommt.... 


Erlesenes


S. von J.J. Abrams und Doug Dorst hat mich diese Woche ziemlich intensiv beschäftigt. Das Buch ist sehr dicht mit Randnotizen und eingelegtem Zusatzmaterial versehen, eine Art des Lesens, in die man sich ein bisschen reinfuchsen muss. Ich habe zuerst versucht, den Roman "Das Schiff des Theseus" und die Anmerkungen simultan zu lesen, dann aber schnell gemerkt, dass mir das zu kompliziert wird und erstmal nur den Roman gelesen, ohne die Notizen zu beachten. Das kommt dann im nächsten Durchlauf.

Als Hörbuch habe ich Der Schieber von Cay Rademacher angefangen. Vor Jahren hat mich Der Trümmermörder von ihm sehr überzeugt. 



Bestes Foto


Eine Palme.


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Webfragmente


Ich hatte die Woche wenig Zeit für das Internet. (Außer für Brexit, aber das interessiert euch nicht wirklich.) Aber der augenzwinkernde Blogartikel einer 70er-Jahre-Mutter hat mich doch amüsiert, obwohl ich nicht alle (amerikanischen) Anspielungen verstanden habe. (Englisch)




// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //


Sonntag, 19. Juni 2016

Samstagsfragmente #47 - Hundshitze




Gestern


abend waren wir auf einen kleinen Samstagskaffee bei lieben Freunden. Solchen, bei denen es immer nett ist, vor allem weil es viel zu selten klappt, dass wir uns treffen, weil wir alle so eingespannt sind, dass langfristige Planungen eh schwierig sind. Ein gemütlicher Ausklang zu einem guten, aber intensiven Wochenende, das ich mit einer meiner Frauengruppen unweit von Bethlehem verbracht habe.

Leider reichte es am Ende des Tages nicht mehr für die Samstagsfragmente, daher liefere ich sie jetzt nach. Das Hundefoto entstand heute Nachmittag auf dem Reitplatz, dort habe ich heute nämlich den Großteil dieses Beitrags zusammengeschrieben, während das Hundeding etwas unentspannt neben mir ausharrte. Irgendwas ist ihr an diesem Hof nicht geheuer - die Gerüche, die Geräusche, die Tatsache, dass das Mädchen auf einem so großen, unheimlichen Wesen hockt - ich weiß es nicht so genau.. Aber das Unbehagen ist so eindeutig, dass ich das Hundeding meistens lieber zu Hause lasse :) 


Die Woche



Erfreulichkeiten


  1. Ein lang ersehntes Buch bekommen und gleich vor allen Kollegen damit angegeben :)  Ich bin da vor einiger Zeit mal drauf gestoßen und habe es mir dann eine ganze Weile tapfer verkniffen, weil ich eigentlich nie so viel Geld für ein Buch ausgeben würde, aber neulich hat Book Depository mir einen 10%-Rabatt für die Teilnahme an einer Umfrage geschenkt, und da habe ich es mir dann einfach gegönnt.
  2. Eine spannende Ausstellungseröffnung über das Leben der Schauspielerin Hanna Maron besucht. Maron spielte schon als Kind das "Pünktchen" im Berliner Theater, bevor sie Anfang der 1930er Jahre nach Israel emigrierte und dort eine der bedeutendsten Schauspielerinnen des jungen Israels wurde. Beeindruckend. 
  3. Eine Farbberatung gemacht und gelernt, dass meine praktische Hauptkleidungsfarbe Schwarz meinen Typ leider überhaupt nicht optimal unterstreicht. Da muss ich wohl mal in mich gehen.
  4. Von Bekannten ein Lieblingsspiel meiner Kindheit "Kuhhandel" weitergereicht gekommen, die mit dem deutschen Regelwerk nichts anfangen können (es liegt leider keine Übersetzung bei, obwohl in Israel gekauft - typisch). Ich freue mich und werde Mädchen und Gatten demnächst einweisen.
  5. Mit der offiziellen Jahresabschlussfeier in der Klasse wieder einen Schritt weiter zum Schuljahresende geschafft. Bald ist's rum. 


Erlesenes


Das Manuskript einer Freundin aus den USA ist auf meinen Kindle geflattert. Sie bastelt an einer romantisch-fantastischen Abenteuertrilogie mit Piraten der Karibik im 17. Jahrhundert. Das Manuskript für Band 1 habe ich kürzlich schon gelesen und gemocht, weil sie auch den historischen Rahmen recht gut recherchiert hat, wie ich finde. Mit Band 2 ist sie selber noch nicht ganz rund und ich hoffe, dass ich ihr vielleicht ein bisschen hilfreichen Input geben kann. 

Auf meiner Leseliste für 2016 steht "ein Gedichtband". Ich habe mir einige auf den Kindle geladen, aber bin am Ende doch wieder bei meiner Lieblingspoetin Hilde Domin gelandet und lese aus ihren gesammelten Werken den Band  Nur eine Rose als Stütze

S. von J.J. Abrams und Doug Dorst habe ich erst angekratzt. Ich werde weiter berichten. 



Bestes Foto


Mein Schnappschussbeweis dafür, wie gern das Mädchen Oliven isst (und in welchen Mengen!), kam diese Woche am besten an.


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Webfragmente


Dieser Tage konnte dank der Organisation SACH im Wolfson-Krankenhaus bereits zum 4000. Mal eine lebensrettende Herzoperation an einem Kind aus einem Entwicklungsland durchgeführt werden. Sanusey bleibt noch eine Weile zur vollständigen Genesung im Kinderhaus in Holon. (Englisch)

Israelis wünschen allen Muslimen Ramadan Kareem. (Video)

Van Gogh auf Wasser gemalt - meditativ und bestaunenswert: Ebru Art

Hübsch und bestaunenswert auch die Hutsammlung der Ascot-Gängerinnen - hier im Video.

Ein Mann, ein Geek (!) schreibt tacheles über Hate Speech gegenüber Frauen in der Öffentlichkeit - lesenswert.



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //


Sonntag, 12. Juni 2016

#12von12 im Juni - an dem wir, außer für Fußball, kaum aus dem Haus sind

Gestern war der 12. - Wahnsinn, dass seit den letzten 12 von 12 schon wieder ein ganzer Monat vergangen ist!

Auf den 12. Juni fiel dieses Jahr auch das Erntefest Shawuot und so hatten wir alle frei und konnten uns weitgehend dem faulen Nichtstun hingeben :)

Ein bisschen leckeres Essen machen, ein bisschen (ok, richtig viel!, lesen), gemütlich ausruhen und spielen. 

lecker essen, lecker abhängen - so gehört sich das am Feiertag 


Das Haus habe ich nur für eine kleine Hunderunde in der goldenen Nachmittagssonne verlassen, ansonsten die laue Brise und den Balkonblick von innen genossen...


mit dem Hund muss man natürlich mal raus, sonst reicht der Balkonblick


... und abends haben wir dann in unserem Stadtpark Public Viewing ausprobiert. DAS werden wir in den nächsten Wochen sicher noch öfter machen, denn da hat sich unsere Stadtverwaltung mal richtig sinnvolle Gedanken gemacht. 


Public Viewing in Israel so


Wie waren eure 12? Ich muss gleich mal nachschauen gehen. 


// Die "12 von 12" sind ein Projekt, das Caro auf Draußen nur Kännchen einmal im Monat ausrichtet. Jeweils am Monatszwölften lädt sie die Teilnehmer dazu ein, 12 Fotos aus ihrem ganz normalen Alltag zu fotografieren und mit der Bloggerwelt zu teilen. Ich nehme seit 2012 regelmäßig an diesem Projekt teil. //


Samstag, 11. Juni 2016

Samstagsfragmente #46 - Wissenschaft und Wochenfest



Heute


ist Shabbat, der heute Abend aber nicht "richtig" zu Ende geht (normalerweise beginnt er freitags bei Sonnenuntergang und endet am Samstagabend), sondern direkt in den Vorabend des Shawuot-Festes übergeht. Am Vormittag besuchten wir das Science Museum in Jerusalem, das erfreulich schwach besucht war, und so hatten wir alle Zeit der Welt, durch die faszinierenden Ausstellungen zu streifen und bei einigen interessanten Einführungen zuzuhören. Zur Zeit läuft im Museum der BBC Earth Film "Tiny Giants" - die Doku-Abenteuer einer Wüstenmaus und eines Streifenhörnchens in 3D. Toll gemacht und sehr spannend.

Jetzt kommen wir gerade vom Festessen bei Freunden zurück. Die Gastgeberin hat sich selbst übertroffen und so ziemlich alles gekocht, was man aus Milchprodukten machen kann - Verschiedene Quiches, Auflauf, Pasta, Käseplatten, Lachs, zig verschiedene Aufstriche, Tiramisu, Mousse und Torte. Wie gut, dass wir zu Fuß unterwegs waren und anschließend einen Verdauungsspaziergang nach Hause machen konnten.

Die Woche


Erfreulichkeiten


obwohl ich es diese Woche mal so richtig satt hatte, gab es einige erfreuliche Momente. Wie immer eigentlich, wenn man sich darüber ein bisschen Gedanken macht :)

  1. schöne Nachrichten von einer lieben Freundin erhalten
  2. mit den ersten Planungen für den Urlaub begonnen 
  3. rausgefunden, dass es in meiner popeligen Stadt Public Viewing für die EM gibt   
  4. das Mädchen hat die letzte Mathearbeit des Schuljahres überstanden und ...
  5. ... beim fiesen Sturz auf dem Schulhof Gott sei Dank nur eine fette Beule eingefangen

Erlesenes


Für die Klassiker-Challenge Virginia Woolf:  A Room of one's own - Sehr interessant, sehr wichtige philosophische Gedankenspiele (nicht nur für die damalige Zeit), die zumindest für mich, bei der das Schreiben nicht am fehlenden Zimmer oder Einkommen, sondern hauptsächlich an meiner eigenen Faulheit scheitert, überhaupt nicht offensichtlich waren. Lohnt sich.

Uwe Tellkamps fast-100-Seiten-Wälzer Der Turm habe ich gestern Nacht endlich zuklappen können und das ist gut so. Ich mochte viel an diesem Roman über die letzten Jahre der DDR, aber ich fand ihn zu lang und ab und an fehlte mir ein wenig der rote Faden. Dazu kam, dass die Formatierung des eBooks nicht wirklich toll war, das hat mich mitunter zusätzlich verwirrt.

Under the Sheets von Shirley Hailstock. Schon lange habe ich mich nicht mehr so geärgert. Dieser "Thriller" war nicht mehr als ein billiger, blöder Romantikscheiß, der noch dazu völlig unglaubwürdig war. Also nicht im Sinne von kitschig-unglaubwürdig, das ist ja bei fast allen Schmonzetten so, aber ein Mann, der nach fünf Jahren Trennung seine Frau nicht wieder erkennt, ist für mich vollkommen hanebüchen.


Foto der Woche


eine blaue Distel :)



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Webfragmente


Die Sängerin und Schauspielerin Mira Awad hat vor einiger Zeit einen TED-Talk über Identitätsfindung und Selbstbewusstsein gegeben. Fand ich sehr sehenswert. (Video, Englisch)

Über 17 deutsche Schimpfwörter, die man laut Buzzfeed unbedingt auch auf Englisch braucht, musste ich herzlich lachen. (Englisch)

Frau Pimpinella hat eine ganze Reihe natürlicher Peelings vorgestellt. Das mit den Haferflocken habe ich schon einige Male mit Erfolg durchgeführt. (Liste)





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Freitag, 10. Juni 2016

Manchmal habe ich es echt satt...

Erst vor ein paar Tagen habe ich mich hier lang und breit darüber ausgelassen, warum ich hier lebe und warum ich hier gerne lebe. Dass man unheimlich schnell lernt, um den Konflikt und seine Risiken herum zu leben und sich nicht davon beeindrucken zu lassen. Aber manchmal da habe ich es wirklich satt. Heute habe ich es satt. Ich habe es satt, dass ich den furchtbaren Terroranschlag mitten in Tel Aviv, in der derzeit wohl angesagtesten Meile Israels - dem hippen Sarona Markt - zwar betroffen zur Kenntnis genommen, aber bis zum Morgen schon wieder in einer hinteren Ecke meines Bewusstseins verstaut hatte. 

Vier Menschen sind bei dem kaltblütigen Anschlag ums Leben gekommen, 16 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Ein Professor der Ben Gurion Universität, ein Familienvater, der mit Frau und Kindern zum Abendessen in Sarona war, eine 32-jährige, die auf ihren Verlobten wartete, und eine Mutter von vier Kindern, die mit Freunden ihren Geburtstag feierte. Es ist schrecklich, wenn man sich vorstellt, wie grausam diese vier mitten aus ihrem Alltag gerissen wurden und wie das Leben für ihre Hinterbliebenen nun weitergehen muss. Und man muss den Gedanken aushalten, dass so etwas in Israel jeden treffen kann, so lange wir Menschen keinen anderen Weg finden


Sarona, Tel Aviv (Foto: Schwiegervater)

Aber man ist so schnell dabei, zu verdrängen. Auf dem Weg zur Arbeit gestern, weil mein Bus unmittelbar an Sarona vorbei fährt, habe ich noch mal kurz daran gedacht, danach ging ich zur Tagesordnung über. Wie die allermeisten Israelis. Ein Schutzmechanismus, klar, aber auch ein Zeichen dafür, wie die Gesellschaft zunehmend abstumpft und hinnimmt, dass es keinen Ausweg aus dieser unendlichen Spirale der Gewalt gibt. Resignation darüber, dass der Konflikt seit Jahrzehnten besteht - unlösbar, ohne Perspektive für eine bessere Zukunft. 

Und das habe ich so satt. 

Ich habe es satt, wenn man mir erklärt, dass man als Israeli einfach so wird, werden muss, wenn man sein ganzes Leben hier verbracht hat. Dass ich das nicht verstehen kann, weil ich hier nicht aufgewachsen bin. 

Ich habe es satt zu hören, dass die Attentäter vom Mittwoch mancherorts als Helden gefeiert und von der PA ab jetzt ein monatliches Gehalt für ihre Taten beziehen werden, so wie ich es satt habe zu hören, dass man Terroristen niemals festnehmen oder gar in einem israelischen Krankenhaus behandeln, sondern gleich an Ort und Stelle erschießen sollte. 

Ich habe es satt zu hören, dass es vollkommen legitim, logisch und sogar notwendig ist, als Reaktion auf den Anschlag die Häuser der Familien der Attentäter zu zerstören und über 80.000 Palästinensern ihre besonderen Reisegenehmigungen für den Ramadan zu entziehen. Kollektive Rache, die Feindbilder zementiert und garantiert nicht dafür sorgen wird, dass das Leben in Israel sicherer wird. Ich will nicht, dass in Ramallah eine Mutter ihren Kindern erklären muss, warum sie von heute auf morgen nicht zu den Cousins nach Jerusalem fahren können. Oder nach Jaffa ans Meer, vielleicht zum ersten Mal überhaupt.

Ich will auch meinem Mädchen nicht erklären müssen, was in Tel Aviv passiert ist - denn wie kann man das "richtig" erklären? Wie ein Kind beruhigen, wenn es realisiert, dass die Welt draußen gefährlich ist, dass Bushaltestellen und Cafés gefährlich sein können? 

Und ich habe es satt und bin furchtbar wütend auf mich selbst, dass ich dieser Tage im Bus jeden zusteigenden Araber von oben nach unten "scanne" und mit Gewalt die fiese Stimme im Ohr unterdrücken muss, die mir sagt "was wäre, wenn das jetzt ein Terrorist wäre?" Oder dass ich mich frage, worüber sich der arabisch sprechende Busfahrer wohl am Telefon unterhält, während ich mich in normalen Zeiten einfach freue, die Sprache zu hören und ab und an etwas aufschnappen zu können. 

Ich habe es so satt. 
  

Sonntag, 5. Juni 2016

Samstagsfragmente #45 - Spargel und Schauspiel



Gestern


Wenn ihr meinen Beitrag vom Freitag gelesen habt, wisst ihr, wie es um mich und meine (Blogger-)Energie bestellt ist, weswegen ich mit den "Samstags"fragmenten schon wieder zu spät dran bin. Sie ausfallen zu lassen, geht aber auch gar nicht, daher jetzt spät, aber von Herzen :)

Gestern war es so heiß, dass wir uns tagsüber verschanzt haben - gut, dass wir keine Verpflichtungen hatten. Erst am späten Nachmittag machten wir uns auf Richtung Jerusalem zu einem Grillfest, das sich in gemütlicher Runde bis in den Abend hinein zog.


Die Woche


5 Erfreulichkeiten


  1. Echten deutschen Spargel bekommen und mit der Familie zelebriert (Dabei hatte ich insgeheim darauf spekuliert, dass die ihn gar nicht mögen). Weißer Spargel ist auch eines der Dinge, die ich hier vermisse, weil es den in Israel überhaupt nicht gibt.
  2. Ein außergewöhnliches Gastspiel des Theater Thikwa aus Berlin gesehen. Das Theater, das seit über 25 Jahren behinderte und nichtbehinderte Schauspieler gemeinsam auf die Bühne bringt, gab "Verflucht das Herz", eine Tanzperformance basierend auf Shakespeares Sonetten. Eine ambitionierte ausdrucksstarke Produktion, die mich berührt und aufgewühlt hat.
  3. Blumensamen aus dem Allgäu bekommen! Echt wahr, das Oberstaufener Tourismusbüro ist in den sozialen Netzwerken sehr gut dabei und hat neulich auf Facebook Allgäuer Blumengrüße verschenkt. Ich war ja ein bisschen skeptisch, ob es die Post tatsächlich bis hierher schafft, aber tatsächlich. Sähen werde ich auf dem Balkon, aber erst nach den Sommerferien, sonst verpassen wir am Ende die Blüte. Und warm genug bleibt es bei uns ja noch lange....
  4. Gleich zwei Einladung zum Grillen und eine zu Shawuot bekommen - ein dreifacher Ausgleich dafür, dass der Yom Atzmaut dieses Jahr buchstäblich ins Wasser gefallen ist?
  5. Ein harmonisches Abendessen bei den Schwiegereltern erlebt. Entspannt und angenehm. 

Foto der Woche 


Essen kommt bei Instagram immer gut und so wurde meine angebissene Falafel diese Woche das beliebteste Foto :)


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Webfragmente


Stephen Spielberg, über dessen Privatleben ich so gut wie gar nichts weiß, wie ich festgestellt habe, hat eine sehr sehenswerte Rede in Harvard gehalten. (Video, Englisch)

Über die UN habe ich mich mal wieder schwer aufregen müssen. Es ist unglaublich, was da abläuft und alle machen mit. (Artikel)

Momondo hat ein interessantes DNS-Experiment gestartet, um der ethnischen Herkunft einer internationalen Gruppe junger Menschen auf den Grund zu gehen. Taschentücher bereithalten! (Video mit deutschen UT)

Und ein bisschen Tier-Content, der kommt ja auch immer gut, wenn man ein bisschen Aufheiterung braucht: Labradorleben und Stepan der russische Hausbär (Sache gibt's, die gibt's nicht)



So, das war diesmal eine schwere Geburt, ich hoffe ihr habt trotzdem Spaß an meiner wöchentlichen Fragmentsammlung und startet morgen wieder gut durch :) 



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu.// 



Freitag, 3. Juni 2016

This time of year... (Jammerbeitrag)

Die Jahreszeit zwischen Pessach und unseren Sommerferien, ist für mich die ätzendste im israelischen Jahr.

Es fängt schon damit an, dass ab März/April die Regentage immer weniger werden, während man zeitgleich fast zusehen kann, wie das Thermometer klettert. Heute Nachmittag zeigte es im Auto 40° an - verlässt man den klimatisierten Raum schlägt einem der Wind wie aus einem Ganzkörperfön entgegen. Nimmt die Luft, legt den Kreißlauf lahm (meinen jedenfalls) und macht jeden Schritt zur Anstrengung.

Es ist die Zeit der trockenen Wüstenstürme, die Staub, Sand und Smog mit sich bringen, und die Zeit der gleißenden Sonne, gegen die selbst meine sehr dunkle Sonnenbrille nur wenig ausrichten kann. Die Landschaft stirbt, die Natur wird braun, Disteln und trockenes Gestrüpp bleiben übrig. Im Gegensatz zum Spätsommer und Herbst kann man sich nicht mal auf den ersten Regen freuen, sondern weiß ganz genau, dass noch rund ein halbes Jahr der Dürre und Gluthitze vor einem liegt. Wenn es nicht trocken ist, haben wir Luftfeuchtigkeit, in Tel Aviv oft über 70%, die ist fast noch schwerer auszuhalten, als der Wüstenwind, weil man die ganze Zeit das Gefühl hat, schon wieder duschen zu wollen.

Zuhause geht es einigermaßen, jedenfalls wenn man mich fragt, der Gatte leidet furchtbar und würde die Klimaanlage und sämtliche Ventilatoren rund um die Uhr durchlaufen lassen, wenn es nach ihm ginge.

Mich macht dieses Wetter antriebsschwach, ich kann mich nach der Arbeit gerade so für das Minimum aufraffen, alles was darüber hinaus geht muss liegen bleiben. Obwohl, vor ein paar Tagen hat mich der Rappel gepackt und ich habe unser Bunkerzimmer, das bei uns normalerweise als Mehrzweckrumpelkammer fungiert, gründlich ausgemistet. Schwitzend und schimpfend und danach war ich fix und fertig.

In der Schule geht es auf das Jahresende zu, und alles was die Lehrer bisher nicht geschafft haben, wird in die letzen Wochen gepresst, damit man dann auf den letzten Drücker noch eine Prüfung über den Stoff des ganzen Jahres durchziehen kann. Muss ich erwähnen, wie ätzend es ist, ein unwilliges Kind zu Matheaufgaben zu motivieren, wenn man sich selbst kaum zum Wäsche zusammenfalten aufraffen kann? (Abgesehen davon, dass ich es ohnehin unsinnig finde, Drittklässler mehrseitige Mathearbeiten schreiben zu lassen, aber das ist mein rebellischer Geist, schätze ich.)

Schwer gestresst sind wir in den letzten Wochen auch über das leidige Thema der Ferienbetreuung. Wie alle berufstätigen Eltern stehen wir jährlich vor der Herausforderung, das Mädchen vor und nach unserem Sommerurlaub irgendwo unterzubringen. Die brennende Frage bei uns: Kommt unsere präferierte Lösung - ein Sommerprogramm in der Schule - dieses Jahr zustande? Das zieht sich immer ewig hin und macht mich wuschig, weil ich nicht fassen kann, wie Behörden so schlecht organisiert sein können. Die Erfahrung zeigt ja ein ums andere Mal, dass am Ende meistens alles gut wird, aber ich kann nicht aus meiner Haut und reibe mich jedes Jahr wieder daran auf. Sollen wir optimistisch abwarten oder auf Nummer sicher gehen und sie in ein externes Programm mit einigen Freundinnen einschreiben? Oder was ganz anderes? Der Gatte hat ein Ferienlager gleich neben seinem Arbeitsplatz, DAS wäre bequem, aber wenn sie da gar keinen kennt? Man wälzt so alles mögliche hin und her und wird nervöser, je näher der Juli rückt. Aber alles wird gut, wie gesagt. Und im Moment bin ich schon allein dafür dankbar, dass meine Neurodermitis still hält. Die meldet sich in dieser Jahreszeit nämlich auch oft, aber (und das muss mal gesagt werden!) mit der Basispflege von Avène (Trixéra) bin ich offenbar echt gut eingestellt.

So geht mein Frühsommer mit allerlei lästigem Alltagskram dahin, im Büro ist es auch recht intensiv zur Zeit, und sogar zum Lesen fehlt mir die Lust. Ich müsste mich dringend wieder richtig hinter meinen Arabischkurs klemmen (oder wenigstens mal meine Vokabelkärtchen sortieren), damit es da ein bisschen vorwärts geht und vom Bloggen will ich gar nicht erst reden. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten.

Spätestens wenn wir in ein paar Wochen auf einer grünen Wiese im Allgäu stehen.