Sonntag, 31. Januar 2016

Samstagsfragmente #28 - Tiefsttemperaturen und Theater



Gestern


habe ich abends vollkommen vergessen, die Samstagsfragmente hier abzuliefern. Irgendwann war der Tag einfach zu Ende, mein Bett so gemütlich und am Ende bin ich auch noch auf der Suche nach dem ultimativen Purimkostüm, das "dieses Jahr gekauft sein soll, Mama!", im Internet versackt. Aber ein schöner Samstag war's. Am Vormittag gingen wir auf einen Spaziergang in den Hügeln in unserer Nähe mit allerlei interessanten Informationsstationen und Aktivitäten der israelischen Naturschutzgesellschaft. Das Wetter war dafür ganz ideal, Hund und Mensch hatten Freude daran, die Seele ein bisschen auszulüften und das Gesicht in die Sonne zu halten.

Die Woche


war nämlich nass und außergewöhnlich kalt für israelische Verhältnisse. Ich erinnere mich jedenfalls nicht, dass es jemals über mehrere Tage so kalt, grau und ungemütlich gewesen wäre. In Jerusalem gab es Temperaturen deutlich unter 0 Grad und sogar bei uns zeigte das Thermometer an einem Morgen 1 Grad an. Fröstel. Zum befürchteten Schneechaos kam es dann in Jerusalem aber doch nicht, sehr zum Frust der Kinder und zur Erleichterung der Eltern.


Erfreulichkeiten 



  1. Das Wochenhighlight war für mich ganz klar "Nathan der Weise" auf der Bühne des Jaffa Theaters. Das wohlbekannte und von mir immer wieder gerne zur Hand genommene Stück von Lessing wurde dort als szenische Lesung in drei Sprachen von Schauspielern aus Israel und Deutschland aufgeführt. Eine Originalversion mit Untertiteln sozusagen, denn parallel lief der hebräische Text auf einer Leinwand immer mit. Es war toll zu verfolgen, wie die Schauspieler in ihren jeweils eigenen Sprachen miteinander interagierten, nahtlos zwischen Hebräisch, Arabisch und Deutsch wechselten, je nachdem wer gerade an der Reihe war. Klar im Vorteil sind dabei natürlich Zuschauer, die den Text grundsätzlich kennen und mindestens zwei der Sprachen beherrschen, aber auch meine hebräischsprachige Freundin konnte dem Geschehen folgen und war ziemlich beeindruckt. 
  2. Das Prequel zum Theaterhighlight war das Treffen mit meiner begleitenden Freundin im trendigen Café Puaa im Herzen des Jaffaer Flohmarkts. Im Puaa, das eine bunte Mischung aus Leuten anzieht, steht die gesamte Inneneinrichtung jederzeit zum Verkauf, trotzdem wirkt alles in sich stimmig - ein Konzept zwischen Vintage und Kitsch. Empfehlenswert :) 
  3. Seit einer gefühlten Ewigkeit mal wieder mit dem Gatten auswärts gefrühstückt. 
  4. Entdeckt, dass die Preise für die ÖV-Monatskarten drastisch gesenkt worden sind. Ich musste dreimal nachhaken, ob das wirklich stimmt, so surreal wirkt das in diesem Land, in dem sonst alles immer nur teurer wird. 
  5. Die Kaltwetterfront scheint vorbei zu sein. Der Hund sonnt sich jedenfalls schon wieder mit Genuss auf den Fliesen in der Sonne. 




Erlesenes 


Gader Chaya von Dorit Rabinyan habe ich ausgelesen und bereits rezensiert.

Die Analphabetin, die rechnen konnte von Jonas Jonasson ist mir als (gekürztes) Hörbuch zugelaufen und unterhält mich bisher prächtig.


Webfragmente 


Schnee in Jerusalem - Video

Jüdischer Rap - Israel / New York - Musikvideo

Hebräische Wörter und Redewendungen, die nicht wörtlich übersetzbar sind - Auflistung (Englisch)

Juna vom Blog Irgendwie Jüdisch hat seit einiger Zeit einen Podcast. Diese Woche hat sie über das jüdische Neujahrsfest der Bäume "Tu B'Schwat" gesprochen - Podcast



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu.//


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Freitag, 29. Januar 2016

[Buch] Dorit Rabinyan: Gader Chaya / Borderlife

גדר חיהגדר חיה by Dorit Rabinyan
My rating: 4 of 5 stars

Romeo und Julia im Nahostkonflikt.

An einem kühlen Herbstnachmittag lernen sich Liat und Chilmi in New York kennen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und so werden aus dem kurzen Treffen mehrere Stunden, am Abend landen beide in Chilmis Wohnung in Brooklyn, wo Liat am nächsten Morgen aufwacht. Eigentlich der klassische Auftakt zu noch einem beliebigen Liebesroman, einer romantischen Komödie vielleicht. Doch Gader Haya ist anders, denn Liat ist eine Jüdin aus Tel Aviv, Chilmi ein palästinensischer Künstler aus Ramallah. Ihre Liebesgeschichte, die so unkompliziert beginnt, ist nur möglich, weil beide sich fernab der Heimat begegnen, wo sie ihr kulturelles und historisches Gepäck zwar nie ganz ablegen, es aber immerhin erfolgreich verdrängen können. Durch die kalten New Yorker Wintermonate hindurch leben die beiden in einer Realität auf Zeit, einem Traum, in dem die Frage nach der Zukunft niemals konkret ausgesprochen wird, obwohl beiden vor der unausweichliche Trennung graut.

Dorit Rabinyan ist es mit ihrem Roman gelungen, ein, wie ich finde, realistisches Szenario zu zeichnen, wie eine Liebesbeziehung zwischen Israelis und Palästinensern aussehen könnte. Die Konflikte und Krisen, denen sich Liat und Chilmi in Gader Haya stellen müssen, sind für mich absolut vorstellbar, obwohl die beiden Protagonisten alles andere als (religiöse) Fanatiker sind. Getragen wird die Geschichte aber nicht von den Konflikten, sondern der Beschreibung dieser großen, mühelosen Liebe, die das Feindbild, das beide vom Volk des anderen haben, überwindet. Unüberwindbar scheint dagegen die Realität in der Heimat, nach der sich beide in diesem kalten Winter sehnen, und in der sie so nah und doch so weit voneinander entfernt aufgewachsen sind.

(Spoiler)

Ich habe Gader Haya wie viele Israelis dieses Jahr aus Protest und Neugierde gelesen, nachdem das Erziehungsministerium verlauten ließ, dass der Roman entgegen einer Empfehlung von Literaturexperten nicht in die Lektüreliste für die israelische Oberstufe aufgenommen wird, weil er Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden ermutige. (Mehr dazu) Außerdem, so legte man als Erklärung nach, nachdem ein Sturm der Entrüstung losgebrochen war, käme darin die israelische Armee schlecht weg und könnte Oberschüler so kurz vor ihrem Wehrdienst verunsichern. Beides kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil finde ich es unheimlich wichtig, dass Schüler auf beiden Seiten des Konflikts Geschichten wie diese lesen und vielleicht daraus mitnehmen, den anderen zuerst als Menschen zu sehen, der leben und lieben will.

Auf Deutsch wird Gader Chaya Mitte August im KiWi-Verlag erscheinen. 



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Montag, 25. Januar 2016

Nicht auf dem Schirm

Ich kann nicht mit Regenschirmen. Es nervt mich nämlich kolossal, sperrige Gegenstände mit mir rum zu schleppen, die nur vielleicht jemals zum Einsatz kommen werden.

So wie Schirme eben: Nehme ich einen mit, weil Regen angesagt war, huschen die dunklen Wolken weiter, bevor ich ihn aufspannen kann. Oder es regnet tatsächlich, aber bei so starkem Wind, dass ich trotzdem nass werde und der Schirm innerhalb kürzester Zeit als trauriges Gerippe im Straßengraben landet. 

Habe ich den Schirm aber vergessen, regnet es ganz sicher. Heftig. (Meistens ist dann auch noch Wäsche auf dem Balkon, wenn schon, denn schon.) 

Und wenn ich alles richtig gemacht und morgens bei Regen einen Schirm mitgeschleppt habe, scheint nachmittags garantiert die Sonne und ich lasse ihn im Büro stehen, weswegen ich am nächsten Morgen (Nachtrag: oder eine Busstunde später), wenn es natürlich regnet, keinen Schirm mehr parat habe.

Seufz.

Sonntag, 24. Januar 2016

[Lieblingsrezept] Cranberry-Apfel-Muffins

Wer hier öfter mitliest weiß, dass ich mit der Zeit eine richtige Muffinstante geworden bin. Seit ich gelernt habe, dass man Muffins nicht mit dem Rührgerät, sondern mit einem großen Löffel rühren, aber keinesfalls totrühren darf, damit sie nicht zäh werden, habe ich eigentlich immer Muffins im Haus, entweder frisch oder als Frühstück to-go im Gefrierfach. Rezepte setze ich mittlerweile nur noch selten 1:1 um, denn bei Muffins kann man richtig gut rumprobieren. Meistens schreibe ich nicht auf, was ich letztlich in welcher Menge reingerührt habe, dieses Mal aber doch, voilà: 

Cranberry-Apfel-Muffins


Zutaten für 12 Stück:

  • 1 Becher* kernige Haferflocken
  • 1 Becher Mehl
  • 2 TL Backpulver 
  • 1/2 TL Natron
  • 1 TL Vanille oder Zimt
  • eine Handvoll Cranberries
  • 1/3 Becher Öl 
  • 1 Becher brauner Zucker 
  • 1 Ei
  • 1 Becher Buttermilch
  • 2 kleine Äpfel entkernt und klein geschnitten

*amerikanisches Bechermaß


Zubereitung:

  1. Haferflocken und Mehl mit Backpulver und Natron mischen. 
  2. Vanille/Zimt und Cranberries untermischen.
  3. In einer separaten Schüssel das Ei leicht verquirlen und mit Zucker, Öl und Buttermilch gut verrühren. 
  4. Trockene und feuchte Zutaten mit einem Holzlöffel mischen bis alles gut befeuchtet ist (nicht mehr als 20 Rührbewegungen)
  5. Äpfel vorsichtig unterheben
  6. Teig auf 12 Muffinsformen verteilen und bei 200° ca. 25 Minuten backen




Zum Kaffee sehr lecker, als Frühstücksmuffins vielleicht ein bisschen zu süß, aber die Zuckermenge lässt sich ja variieren. 


Mehr bewährte Muffinsrezepte gibt es hier: 







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Samstag, 23. Januar 2016

Samstagsfragmente #27


Heute


war mal wieder so ein nasskalter stürmischer Tag, wie wir sie diesen Winter schon einige Male am Wochenende hatten. Mir ist das ja sehr recht, ekliges Wetter unter der Woche, wenn ich früh aus dem Bett und mit Bus und zu Fuß zur Arbeit muss, finde ich wesentlich unangenehmer. Da das Mädchen über Nacht bei einer Freundin war, hatten der Gatte und ich den Vormittag noch für uns, das war sehr entspannt. Ich war ein Stündchen beim Pilates und danach sind wir vor einem Film versackt. Dabei musste das Hundeding ausgiebig gestreichelt werden. Ein bisschen gelesen habe ich, ein bisschen gebacken auch, zum Abendessen gab es Spaghetti Alfredo und jetzt wird es gleich wieder gemütlich, bevor mich dann mein Federbett ruft. 

Die Woche


Erfreulichkeiten:


  1. Das Mädchen hat ein gutes Halbjahreszeugnis bekommen. Jetzt müssen wir nur noch das Kind überzeugen, dass das Zeugnis wirklich gut ist und dass 'gut' auch gut genug ist.
  2. Mitten in der Woche einen Bus erwischt, den ich eigentlich hätte verpassen müssen.
  3. Dank Netflix einen Lieblingsfilm wieder entdeckt und dabei ein bisschen in London-Erinnerungen geschwelgt. 
  4. Freitags mit dem Gatten sturmfrei gehabt und noch ein bisschen mehr Netflix verfallen. (Netflix ist ganz übles Suchtmittel).
  5. Gelernt, wie die Abflussrohre in unserer Wohnung miteinander zusammenhängen und dass man den Klempner sparen kann, wenn man selber ein bisschen im Abwasserschlamm wühlt.


Erlesenes:


Fahrenheit 451 von Ray Bradbury - habe ich fertig und mich gefragt, warum ich das nicht schon früher zur Hand genommen habe. Ein sehr guter Roman, bei dem man fast Gänsehaut bekommt, weil der Autor manches so treffend vorausgesehen hat. 

Der Wunschpunsch von Michael Ende -  den habe ich als Hörbuch diese Woche neu entdeckt - herrlich irrwitzig :) 

A Pony for Christmas von Bev Pettersen - das lag noch auf meinem Kindle aus einem Give-Away von vor Weihnachten. War nett aber etwas sehr süß. Wie ein 1950er-Jahre Weihnachtsfilm.



Webfragmente: 


66 Dinge, die man unbedingt sofort wegwerfen sollte: Krautreporter 

Ein israelischer Auschwitz-Überlebender ist wahrscheinlich der älteste Mann der Welt: Jerusalem Post (Englisch)

Satire über die Oxfam-Studie zur Verteilung des Weltvermögens: Der Postillion

Eine Palästinenserin aus Haifa hilft arabischen Frauen das Schweigen über sexuelle Gewalt zu brechen: die Welt






// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu.// 

Dienstag, 19. Januar 2016

[Buch] Emily St. John Mandel: Station Eleven / Das Licht der letzten Tage

Station ElevenStation Eleven by Emily St. John Mandel
My rating: 5 of 5 stars

20 Jahre nach unserer Zeitrechnung befindet sich die Erde in einer Realität, in der die technischen Errungenschaften unserer Gegenwart unwiderruflich vergangen sind. Ein Wimpernschlag der Geschichte hat die moderne Zivilisation, von der keiner gedacht hätte, wie zerbrechlich sie ist, zum Zusammenbruch gebracht. Nur noch rund ein Prozent der Weltbevölkerung ist übrig  - Überlebende, für die jeder Tag voller Ungewissheit und Risiken steckt, auf die man früher keinen Gedanken verschwendet hätte. Es gibt keinen Strom mehr, kein Benzin, keine Medikamente, kein Telefon und kein Internet. Regierungen und Städte sind untergegangen, Menschen wandern rastlos durch die gesetzlose Wildnis oder lassen sich in Gruppen in Siedlungen nieder, denn Gefahren lauern überall. Und dennoch gibt es noch Schönheit und Licht in dieser tristen neuen Welt, denn die Menschen halten mit aller Kraft an den Resten der Zivilisation fest und suchen zu bewahren, was für immer verloren scheint.

Eine Musik- und Theatergruppe zieht durch das post-apokalyptische Nordamerika, Gaukler gewissermaßen, aber mit höchstem Anspruch an ihre künstlerischen Darbietungen mit denen sie ihr Publikum verzaubern. Die Reise der "Travelling Symphony" bildet den Rahmen für Mandels atmosphärischen Roman, der von den Erzählungen und Erinnerungen ihrer Personen lebt, die zunächst fast willkürlich angeordnet erscheinen, bis klar wird, wie kunstvoll sie miteinander verflochten sind. 

Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, das mich so fasziniert und verzaubert hat, wie Station Eleven. So viel Weisheit und Philosophie steckt darin, dass ich ihn wohl noch einige Male lesen werde, um alle Facetten zu erfassen. Die Vorstellung des Lebens nach der Apokalypse ist düster, wird aber durch die wunderbaren Menschen in dieser Geschichte erhellt, die überlebt haben, die füreinander einstehen und an den guten Dingen der Vergangenheit festhalten, während sie an einer lebbaren Zukunft bauen. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger erinnert die Autorin daran, wie viel wir heute als selbstverständlich hinnehmen, wie glücklich wir uns schätzen müssen, dass wir gerade in diesem Kapitel der Weltgeschichte in diesem westlichen Überfluss leben dürfen. Sie zeigt auch, dass es viele Möglichkeiten gibt, ein anständiger Mensch zu sein, ungeachtet der Umstände, und dass auch kleine Entscheidungen einen großen Unterschied machen können.

Wenn man betrachtet, wie grausam der Menschheit in Station Eleven mitgespielt wurde, muss man den Roman wohl als Dystopie bezeichnen. Dennoch schimmern immer wieder fast utopische Momente hindurch, die bei mir ein sehr hoffnungsvolles Gefühl hinterlassen haben.


Auf Deutsch ist Station Eleven letzten Herbst unter dem Titel "Das Licht der letzten Tage" im Piper-Verlag erschienen



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Sonntag, 17. Januar 2016

#BloggerAlphabet - A wie Arbeit


Bloggen ist nicht mein Beruf und auch nicht mein Broterwerb.

Der hat nämlich mit Schreiben überhaupt nichts zu tun, sondern ist ziemlich "square" und lässt wenig Raum für Kreativität und freie Interpretation des vorgegebenen Rahmens: Ich verdiene meine Brötchen als Buchhalterin. Bei einem spannenden Arbeitgeber, in toller Atmosphäre, mit lieben Kollegen, von denen ich viele Freunde nennen darf, aber ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich schon immer davon geträumt habe, Buchhalterin zu werden. (Selbst wenn es so wäre, würde ich das nie zugeben. Das Klischee des Hosenträger tragenden Buchhalters mit Hornbrille ist doch ziemlich uncharmant ... *lach*)

Mein Blog bietet mir einen kreativen Ausgleich zu meinem Tagesgeschäft. Diese virtuelle Ecke gehört nur mir und ich kann sie genau mit den Dingen füllen, die mir wichtig sind. Ich kann bunt, provokativ, nachdenklich, kindisch, ernst, belanglos und manchmal auch albern sein und muss nur vor mir selbst dafür gerade stehen, das gefällt mir. 

Manchmal treibt mich ein Thema um, das einfach raus muss, und sei es nur, um es irgendwo virtuell abheften zu können. Das passiert weniger oft, als ich es mir wünschen würde, denn diese Beiträge bedeuten für mich immer richtig viel Arbeit: Der Prozess, die wirren Gedanken in meinem Kopf umzusortieren und in einen lesbaren Fluss zu bringen, ist bei mir bei den Themen, die mir am wichtigsten sind, immer ziemlich zäh und anstrengend, und am Ende fühle ich mich oft richtig leergebloggt - ein erleichterndes Gefühl, das mitunter aber auch ein komisches Vakuum hinterlässt.

Gemessen an der Arbeit, die ich tatsächlich in mein Blog investiere, ist es, obwohl ich es nicht professionell betreibe, also mehr als ein lustiger Zeitvertreib. Mein eigener Anspruch an Qualität und Kontinuität zwingt mich dazu, in einem einigermaßen geregelten Rahmen zu bloggen, nicht nur nach Lust und Laune. Das kann manchmal sogar in Stress ausarten, wenn der schnöde Alltag gerade sehr intensiv ist und mir unterschwellig im Hinterkopf kreist: "Du hast diese Woche noch überhaupt nicht gebloggt, es wird mal wieder Zeit!"


Was andere Blogger zum Thema Arbeit zu sagen haben, könnt ihr hier nachlesen. Das nächste Thema lautet B wie Bloggertreffen und gilt ab morgen.



// 52 Wochen – 26 Buchstaben – 26 Themen. Alle zwei Wochen stellt Anne auf neontrauma.de ein neues Stichwort in den Raum, das mit dem Bloggen verknüpft ist. //



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Samstagsfragmente #26



Gestern


begann der Tag mit Pancakes, spät, denn wir haben alle richtig gut ausschlafen können. Ich stelle fest, dass der Januar ein gemütlicher Monat ist, was unsere Samstage angeht..  Lesen, spielen, malen, ein bisschen Hausaufgaben, ein kleiner Spaziergang, eine warme Suppe - viel mehr war da nicht gestern. Und es war sehr gut.


Die Woche

Erfreulichkeiten 


1. Endlich, endlich, endlich ist der neue Computer hier eingetroffen und der Haussegen wieder gerade. Der Gatte hatte richtig schlechte Laune, seit sich Ende November der alte verabschiedet hat.

2. Wieder mal eine herausragende BBC-Produktion gesehen, die Krimiverfilmung von Agatha Christie's Meisterwerk "And then there were none".

3. Ein tolles Buch gelesen.

4. Das Mädchen mit einem tollen Strickkleid aus dem Sale glücklich gemacht..

5. .. und mich selbst mit einem Paar schicker Ankle Boots :) 


Erlesenes 


Station Eleven von Emily St. John Mandel - Außergewöhnlich gut. Sollte man eigentlich gleich im Dutzend kaufen und an alle Freunde verschenken. Wirklich, wirklich besonders. Ausführlichere Rezension folgt.


Fahrenheit 451 von Ray Bradbury - lese ich im Rahmen der Challenge 150 Bücher, die man gelesen haben sollte in einer Leserunde seit gestern.


Webfragmente 


Campino zum Flüchtlingsthema. Das Interview ist schon etwas älter, lohnt sich aber trotzdem.

Die A-Capella Gruppen The Maccabeats und Naturally 7 performen ein herausragendes Tribute für Martin Luther King - Gänsehaut! (Video)

Eine Umfrage ist im Nahen Osten der Frage nachgegangen, wie muslimische Jugendliche in der Region zum IS stehen. (Haaretz, Englisch)

Nach den Übergriffen in der Silvesternacht haben Flüchtlinge in Hamburg ihren Respekt vor Frauen mit einer schönen Aktion demonstriert: Video

Ach, und das:



Habt's gut!



Die Samstagsfragmente schicke ich noch ganz schnell zu Karminrot :) 





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Samstag, 16. Januar 2016

Flüchtlingshilfe aus Israel

Tausende Flüchtlinge erreichen täglich mit ihren Booten die Küste der griechischen Insel Lesbos, in der Hoffnung, in Europa ein neues Leben beginnen zu können. Erwartet werden sie von medizinischen Rettungsteam der israelischen Hilfsorganisation IsraAid. (Ich hatte die hier schon einmal erwähnt)

Hier eine Minidoku über die Arbeit am Strand von Lesbos, wo Juden und Araber gemeinsam anpacken, Flüchtlingen aus einem Land zu helfen, das sich offiziell mit Israel im Krieg befindet. Ein Video, das das furchtbare Gesicht der Krise zeigt, aber auch die Hoffnung ausdrückt, dass in der Not Herkunft, Religion und Politik keine Rolle spielen und ein Mensch für den anderen einfach nur Mensch sein kann. Ein Mensch, der hilft, der heilt, der Trost gibt.


The Island of Tears from CBN Documentaries on Vimeo.


Because we come from a country where a lot of people suffer trauma because of the conflict and what's happening, we have a lot of experience with trauma and how to deal with the conflict and this is a knowledge that we need to pass on to other people, to other countries so we can help to make their suffering less or to support them or to show them a different way ... I think this is our duty.  

- Manal Shehade, Teamleiterin 

Der Filmemacher Lior Sperandeo hatte vor einiger Zeit schon einmal ein Video über die Flüchtlinge von Lesbos veröffentlicht, ebenfalls sehenswert.




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Dienstag, 12. Januar 2016

[12von12] Januar 2016 - auf ein Neues !

Da ist er wieder, der 12. des Monats, und ich habe mir vorgenommen, an diesem schönen Fotoblogritual in diesem Jahr wieder regelmäßig(er) teilzunehmen. 2015 war das irgendwie nix und ich habe es doch ziemlich vermisst.  

Heute war ein unspektakulärer "Gemischtwarentag", die Bilder erzählen davon:

Ich war arbeiten, habe im Bus ein bisschen Vokabeln gepaukt und dabei arabisches Radio gehört (nicht, dass ich viel verstehen würde, aber "immersion" und so), im Büro die letzten Weihnachtsplätzchen aus der Heimat weggeputzt und am Kiosk mit ein paar Kollegen einen Kaffee getrunken, nach Feierabend mit Hund und Mädchen im Park gewesen, später Matheübungen ausgedacht, gleichzeitig gekocht (und einen Topf voll Bohnen anbrennen lassen) und schließlich im warmen Bett ein bisschen gelesen. 

Und ihr so?





// Die "12 von 12" sind ein Projekt, das Caro auf Draußen nur Kännchen einmal im Monat ausrichtet. Jeweils am Monatszwölften lädt sie die Teilnehmer dazu ein, 12 Fotos aus ihrem ganz normalen Alltag zu fotografieren und mit der Bloggerwelt zu teilen. Ich nehme seit 2012 regelmäßig an diesem Projekt teil. //

Sonntag, 10. Januar 2016

Die Sprache der anderen ...

Ana a'eish fi Israil -

Ich lebe in Israel, seit über 10 Jahren. Ich habe geheiratet, mich assimiliert, wurde schließlich eingebürgert, habe eine Familie gegründet, arbeite und zahle Steuern, aber die Landessprache beherrsche ich nicht.

Ivrit schon, ja. Sehr gut sogar inzwischen, aber von der zweiten Amtssprache Arabisch, die immerhin jeder fünfte Israeli als Muttersprache spricht, hatte ich bis vor kurzem keinen blassen Schimmer. Dass ich damit bei meinen jüdischen Landsleuten in guter Gesellschaft bin, ist zwar einerseits beruhigend, andererseits aber auch furchtbar peinlich. Denn während die arabische Bevölkerung mehrheitlich fließend Hebräisch spricht, kann der Durchschnittsisraeli gerade mal ein paar Brocken und die meist auch nur, weil sie mit der Zeit in die israelische Umgangssprache eingeflossen sind. Arabisch ist in der jüdischen Schulbildung kein Pflichtfach und selbst wer es in der Mittelstufe als zweite Fremdsprache wählt, lernt nicht den gesprochenen Dialekt der hier lebenden Muttersprachler, sondern standardisiertes Schriftarabisch, das auf der Straße kaum zu gebrauchen ist. Oder extrem ausgedrückt: Selbst Schüler, die einen guten Schulabschluss in Arabisch hinlegen, können möglicherweise nicht einmal eine Portion Falafel in der Jerusalemer Altstadt bestellen, ohne auf Englisch oder Hebräisch auszuweichen.

Natürlich hat Arabisch lernen in Israel auch eine gewisse politische Komponente. Viele jüdische Israelis wollen die Sprache überhaupt nicht hören, geschweige denn erlernen, und sehen dazu auch überhaupt keine Veranlassung. Fluchen und Schimpfen auf Arabisch geht gerade noch, aber Arabisch lernen, um womöglich mit einem Palästinenser kommunizieren zu können - wozu? Die Sprache ist durch Jahrzehnte der Auseinandersetzungen und Kriege mit dem "arabischen Feind" weitgehend negativ besetzt, möglicherweise ähnlich wie Deutsch in Holland oder Dänemark, wo man die Sprache des großen Nachbarn zwar lernt, sie aber deswegen noch lange nicht mag, weil sie, zumindest in den ersten Jahrzehnten nach dem zweiten Weltkrieg, unweigerlich auch mit Nazi-Deutsch verbunden wurde.

Für mich, in meiner eingeheirateten Naivität war eigentlich von Anfang an der Wunsch da, wenistens rudimentär Arabisch - die Sprache der Nachbarn, nicht der Feinde - zu lernen. Allerdings erst nachdem mein Ivrit so stabil verankert wäre, dass mir das nah verwandte Arabisch keinen "Salat" machen könne im Kopf. An diese Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich schon immer ein Faible für Fremdsprachen hatte und ein Talent. Es ist mir nicht lästig, mich mit einer neuen Sprache auseinanderzusetzen, im Gegenteil: Es macht mir Spaß und war für mich bisher in jedem der von mir "erlebten" Länder ein wichtiger Schlüssel zur Identifikation mit den Menschen und der Kultur.

Arabisch also. 



In unserer Stadt bietet der Sprachzweig der "Open University" Kurse für gesprochenes Arabisch nach palästinensischem Dialekt an, der auch dem jordanischen, libanesischen und syrischen ziemlich ähnlich sein soll, also genau was ich suche. Ich sehe keinen Sinn darin, zuerst mühsam das ganze arabische Alphabet und dann die Standardsprache zu lernen - ich möchte Falafel bestellen, "Hallo" und "auf Wiedersehen" sagen, meiner arabisch-israelischen Lieblingsserie folgen und einfache Alltagskonversation machen können. So gerne ich auf Facebook und Co. all die arabischen Beiträge mitlesen würde - das ist ein Fernziel, das ich zumindest am Anfang realistischerweise ausblenden muss.

Erstaunlicherweise hat der Kurs eine so hohe Nachfrage (ermutigend eigentlich), dass ich vor rund einem Jahr schon mal vergeblich versucht hatte, mich anzumelden. Zum Wintersemester hat es nun endlich geklappt, gerade als mein Arbeitgeber beschlossen hat, Arabischunterricht der Mitarbeiter zu fördern - danke dafür! Die Klasse ist zum Sprechen üben eigentlich fast zu groß, dafür haben wir einen sehr erfahrenen Muttersprachler als Lehrer, der aktuell den allerersten Kurs für Knessetabgeordnete überhaupt unterrichtet, uns mit Vokabeln überhäuft und in der Grammatik streng vorangeht. Vermutlich sagt er sich, dass man Israelis auf keinen Fall unterfordern darf, weil sie einem sonst das Heft aus der Hand nehmen. Unrecht hat er damit ja nicht und so gibt es immer mal wieder Gejammer, er solle nicht so schnell machen, aber insgesamt sind alle zufrieden und eifrig bei der Sache.

Außer mir sind fast nur Ivrit-Muttersprachler im Kurs, die es einerseits ein wenig leichter haben, weil sie die Hebräisch transliterierten Wörter nicht noch im Kopf in lateinische Buchstaben umwandeln müssen, wie ich. Andererseits habe ich durchaus Vorteile bei der Grammatik, die der neu-hebräischen so ähnlich ist, dass ich die im Kopf abgespeicherten Schablonen aus meiner Ulpanzeit leicht angepasst auch hier anwenden kann.

Richtig verzwickt finde ich die Aussprache und die Art und Weise, wie Wörter beim Sprechen zu einer "Melodie" zusammengezogen werden, das braucht Übung und ein Gefühl, das hoffentlich mit der Zeit kommen wird. Einstweilen verbeiße ich mich in den Vokabeln und der Grammatik, höre bei jeder Gelegenheit arabisches Radio und sperre überall wo ich Arabisch höre, die Ohren weit auf. In meinem Umfeld leider selten, denn wenn man nicht gerade in einer gemischten Stadt lebt, kommt man problemlos ohne Berührungspunkte mit seinen arabischen Landsleuten durch den Alltag. Es sei denn, man sucht die Begegnung bewusst, das kann also noch kommen. Denn am besten lernt man Sprachen immer noch durch Immersion :)




Soundtrack (ohne Gewähr, was davon in Deutschland abrufbar ist....):

A-Wa - Habib Galbi (Liebe meines Herzens)

Mira Awad - Bukra (Morgen)

Amal Murkus - Keber elAlb (Herz an Herz)

Souad Massi - Mesk Elil (Honeysuckle)

Mira Awad - Yousef


Mittwoch, 6. Januar 2016

[Buch] Literarischer Jahresabschluss #BSBP



80 gelesene Bücher habe ich für 2015 bei Goodreads verzeichnet. Gute, miese, aber auch einige herausragende. Die ganze Übersicht ist hier zu finden und in meinem Jahresrückblick habe ich die monatlichen Lesehighlights aufgeführt.

Bei der Blogparade von BuchSaiten (2014 habe ich auch mitgemacht) geht es darum, das Lesejahr jenseits der absoluten Lieblingsbücher an ein paar Eckdaten festzumachen:

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Da gab es einige, am meisten überrascht haben mich aber The Glass Castle von Jeannette Walls (Rezension) und der Leitfaden für britische Soldaten (Rezension), die ich beide für die Leserlieblingsbücherchallenge lesen "musste" :)

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Das war eindeutig Layers, denn Ursula Poznanski gehört zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen. Ich habe alle ihre Bücher gelesen und mich daher auf Layers sehr gefreut. Leider konnte der Roman die Spannung über die ersten Kapitel hinaus nicht halten, und am Ende habe ich mich eigentlich nur noch gelangweilt und über die vielen Logikbrüche geärgert. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass mir das mal mit einem Poznanski passieren würde und war richtig enttäuscht. (Rezension)

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Robert Galbraith !  Anfang des Jahres bin ich mit The Cuckoo's Calling eingestiegen, weil es das als Kindle-Angebot gab, und habe danach erfolgreich den Gatten angefixt, damit er The Silkworm auf Audible runterlädt. Career of Evil haben wir dann direkt bei Erscheinen gezogen und beide befunden, dass sich die Serie kaum noch steigern kann. Natürlich hoffen wir trotzdem auf viele weitere Fälle für Cormoron Strike und Robin Ellacott :)

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Layers. Der mehrlagige Einband zum Aufklappen ist genial gemacht und passt hervorragend zum Titel.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2016 lesen und warum?

Als allererstes "Gader Chaya" von Dorit Rabinyan. Das werden 2016 wohl sehr viele Israelis lesen, denn um die Liebesgeschichte zwischen einer Jüdin und einem Palästinenser gab es dieser Tage hier einen kleinen Skandal.

Fest auf meiner Leseliste steht auch Station Eleven von von Emily St. John Mandel. Das wurde mir schon sehr oft empfohlen und da mir die dystopische Thematik liegt, habe ich große Erwartungen.

Außerdem hoffe ich dringend auf einen weiteren Galbraith, Gründe siehe oben.


// Der literarische Jahresabschluss wurde 2015 schon zum siebten Mal von BuchSaiten ausgerichtet. Danke dafür :) //



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Montag, 4. Januar 2016

[Buch] Benjamin A. Saenz: Aristotle and Dante discover the Secrets of the Universe #LLBC

Mit ein paar Tagen Verspätung bringe ich hiermit meine Leserlieblingsbücher-Challenge zu ihrem Abschluss. Das Lieblingsbuch für den Monat Dezember wurde mir von Janina vorgeschlagen.


Aristotle and Dante Discover the Secrets of the UniverseAristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe by Benjamin Alire Sáenz
My rating: 4 of 5 stars

Obwohl beide mexikanische Wurzeln haben, könnten Ari und Dante verschiedener kaum sein. Ari ist introviert und lebt als jüngster Sohn alleine mit seiner Mutter und einem Vater, der emotional kaum für Ari da sein kann. Seine großen Schwestern sind längst aus dem Haus und über seinen Bruder wird nicht gesprochen. Niemals. Denn der ist seit 10 Jahren im Gefängnis. Dante ist selbstbewusst, liebt Kunst und Poesie und wächst als Einzelkind mit sehr zugewandten Akademikereltern auf. Beide Jungen sind Einzelgänger, doch aus einer zufälligen Begegnung im Freibad, bei der Dante auf Ari zugeht, entwickelt sich allmählich eine tiefe Freundschaft, die beiden hilft, ihre Identität zu ergründen und ihren Platz im Leben zu finden.

Ich bin an dieses Jugendbuch ohne jegliche Vorkenntnisse herangegangen und konnte mich daher ganz unvoreingenommen auf die Thematik einlassen, die sich doch ein wenig von der gängigen Jugendliteratur unterscheidet. Ein bisschen hatte ich eine amerikanische Variante von "Tschick" erwartet, aber Aristotle und Dante ist dann doch wieder ganz anders. Mir hat gefallen, wie der Autor die Geschichte aus Sicht des in sich gekehrten, zornigen Ari erzählt, der anfangs von Dante gleichermaßen fasziniert und in seinen selbst gebauten emotionalen Wänden bedrängt ist. Die Entwicklung dieser besonderen Freundschaft und die Suche der beiden Jungen nach den entscheidenden Antworten auf die Fragen in ihrer Welt hat mich berührt.

Mit dem Ende bin ich zwar nicht komplett "rund", beziehungsweise hätte es mir auch ein bisschen anders vorstellen können, aber das ändert an meinem Gesamteindruck wenig.

***

Damit geht die Jahreschallenge also zu Ende. Ich habe genau die 12 Bücher gelesen, die ich mir vorgenommen hatte, für Bonusbücher fehlte am Ende die Zeit. Aber auch unter den 12 waren einige dabei, auf die ich sonst wohl nie aufmerksam geworden wäre und die mich bereichert und herausgefordert haben.

Jan - Elif Shafak: The Bastard of Istanbul
Feb - Theodor Storm: Der Schimmelreiter
Mrz - Alex Capus: Léon und Louise
Apr - Jeannette Walls: The Glass Castle
Mai - Douglas Adams: The Hitchhiker's Guide to the Galaxy
Jun - Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher
Jul - Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel
Aug - Annemarie Selinko: Désirée
Sep - Susanna Kearsley: Mariana
Okt - Roald Dahl: The BFG
Nov - Leitfaden für britische Soldaten in Deutschland 1944
Dez - Benjamin Alire Saenz: Aristotle and Dante discover the secrets of the universe

Von den ursprünglich gestarteten Teilnehmern sind leider nicht alle langfristig bei der Stange geblieben, vermutlich bin ich nicht die einzige mit chronischem Zeitmangel und viel zu vielen Büchern, die gelesen werden wollen. Der letzte Punktestand soweit ich ihn nachvollziehen konnte (hoffentlich richtig) ist hier zu finden. Janina (cherry and bones) ist die Lieblingsbücherkönigin, denn sie hat außer den 12 Pflichtbüchern noch 4 Bonusbücher geschafft und rezensiert. Herzlichen Glückwunsch, liebe Janina :)

Ich hoffe sehr, dass ihr ein wenig Spaß daran hattet, "fremde" Lieblingsbücher zu lesen und dass euch meine Challenge vielleicht herausgefordert hat, öfter mal zu einem Buch zu greifen, das euch sonst vielleicht nicht direkt angesprochen hätte.

Frohes Lesen 2016 ! 



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Sonntag, 3. Januar 2016

Samstagsfragmente #24


Gestern


war Winter. Das ganze Wochenende lang. Kalt, grau, feucht und ungemütlich. Das Mädchen und ich hatten unsere Erkältungen gerade überwunden, als der Gatte mit Schnupfen und Halsweh anfing. Also blieben wir gemütlich im Warmen, machten Hühnersuppe und tranken literweise heißen Tee mit Honig.

Die Woche


durfte ich wieder einmal ein Paradebeispiel für israelischen Balagan erleben. Wie aus heiterem Himmel wurde ab 1. Januar eine landesweite Reform im öffentlichen Nahverkehr ausgerollt, nach der man, anders als bisher, mit einer Monatskarte alle Verkehrsmittel in einem bestimmten Gebiet nutzen können soll. Das ist tatsächlich revolutionär, denn bisher gab jede Transportgesellschaft eigene Tickets aus, Kombikarten waren selten und lohnten sich kaum. Außerdem, so heißt es, könne man jetzt seine ÖV-Karte online zu Hause mithilfe eines Lesegeräts aufladen, das in den ÖV-Büros zu erwerben sei. So trabte ich also mit großer Begeisterung am 31.12. am frühem Nachmittag zu unserem städtischen ÖV-Büro, um ein Lesegerät zu erwerben. Easy, dachte ich...

Es tue ihr Leid, sagt die Dame, Kartenleser seien aus, sie hätte zwar welche bestellt, könne aber leider nicht sagen, wann sie sie rein bekommt. Alles klar, sage ich, dann könne SIE mir ja vielleicht die neue Monatskarte auf meine Smartcard laden. Sagt sie, das gehe auch nicht, da sie bereits die Kasse zum Jahresabschluss auf Null gesetzt hätte, ich solle doch morgen wiederkommen. Oder aber einen der zahlreichen Kartenautomaten nutzen. Nun muss ich an dieser Stelle anmerken, dass die Automaten meist entweder außer Betrieb sind oder aber wahlweise nur Bargeld (in kleinen Scheinen) oder nur Kreditkarten annehmen, je nachdem, was man gerade nicht dabei hat. Aber gut. Trabe ich weiter zum Automaten (er ist in Betrieb!) und will schon die Kreditkarte zücken, als mir auffällt, dass mir der alte (teurere) Preis für die Monatskarte angezeigt wird. 

Ächz. 

Am nächsten Tag stehe ich also zum zweiten Mal bei selbiger Dame im Büro auf der Matte. Ja, sie könne mir eine Monatskarte aufladen, aber nur Bargeld annehmen, keine Kartenzahlung. Potzwellenblech und Stacheldraht: In Israel kann man sogar am Kiosk mit Karte zahlen, das ist echt nicht zu fassen. Als ich ihr verzweifelt erkläre, dass ich gestern vergeblich am Automaten versucht habe, die Karte zu kaufen, wird sie stinkig. Das sei natürlich noch nicht der neue Preis, wo denke ich hin?, und überhaupt seien die neuen Kombikarten natürlich noch nicht an den Automaten erhältlich (wir reden von Chipkarten, die elektronisch aufgeladen werden!), so eine große Reform, das sei doch wohl klar, geht schließlich nicht von heute auf morgen. Und warum ich mich überhaupt bei ihr beschwere, sie hätte damit rein gar nichts zu tun, ich solle doch bitteschön beim Kundenservice ihrer Firma anrufen. Meine Frage, was denn dann eigentlich ihre Aufgabe sei, Servicedienstleisterin ja wohl nicht, beantwortet sie mir nicht mehr. 

Das Happy End dieser aberwitzigen Geschichte erlebe ich schließlich am Bahnhof. Dort kennt man sich aus in Sachen Reform und lädt mir unkompliziert eine Monatskarte auf meine Smartcard. Ich bezahle mit Kreditkarte. Natürlich. (Und wenn jetzt einer fragt, warum ich nicht gleich zum Bahnhof bin, beiße ich in die Auslegeware!)

Erfreulichkeiten 


1. Eine ÖV-Monatskarte gekauft ^^

2. Silvester frei gehabt (und nicht gefeiert, Silvester war mir schon immer egal)

3. Schon wieder im Kino gewesen. Diesmal in "Suffragettes" - heftig zum Teil, aber sehr gut. Und beleuchtet eine Zeit über die man sich viel zu wenig Gedanken macht (ich jedenfalls), obwohl sie kaum 100 Jahre her ist

4. Das alte Jahr gelassen abgeschlossen

5. Bei IKEA gewesen und das Kinderzimmer noch ein bisschen mehr optimiert in Sachen Stauraum


Erlesenes 


The Catcher in the Rye von J. D. Salinger stand schon lange auf meiner Liste, und ich finde, er liest sich erstaunlich modern. Aber deprimiert irgendwie. 


Nathan der Weise von Lessing, auch als Vorbereitung auf einen Theaterbesuch, denn Ende des Monats soll der Nathan hier als szenische Lesung in drei Sprachen aufgeführt werden 


Webfragmente 


Sibylle Berg hat den Terroranschlag in Tel Aviv an Neujahr aus nächster Nähe miterlebt.

Die Geschichte der Australierin Sonia Singh, die letztes Jahr zur Internetsensation wurde, weil sie abgelegten Bratz-Puppen neues Leben einhaucht und sie mit diesen "Makeunders" viel liebenswerter und natürlicher macht, ist herzerwärmend. Sehr empfehlenswert für Momente allgemeiner Trübsinnigkeit.

Carrie Fisher reagiert verletzlich auf gehässige Kommentare zu ihrem Aussehen in "The Force Awakens" 30 Jahre nach ihren letzten Star Wars Film. Sie sei schlechter gealtert als ihre männlichen Kollegen. Uff.

Die 18-jährige Angela Clayton entwirft und näht wahnsinnig tolle und detaillierte Kostüme, da kommt man sich gleich wieder total untalentiert vor, aber auf eine überwältigte Art.



Die Samstagsfragmente schicke ich noch ganz schnell zu Karminrot :) 



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