Samstag, 17. Dezember 2016

Samstagsfragmente #69 - Kalt.

Israelischer Winterabendhimmel

Heute 


verbringen wir den Shabbat mal wieder zuhause. Der Regen hat aufgehört, es ist ein klarer Wintertag und die Sonne schaut immer wieder freundlich zu unseren Fenstern herein. Wir hängen hauptsächlich rum, richtig Motivation heute irgendwas zu reißen, hat keiner von uns. Gerne hätte ich einen Spaziergang auf unserem Hügel gemacht, aber zwischen Pancakes backen, Hausaufgaben machen, darüber streiten, sich wieder vertragen, spielen, ausgiebig duschen, Wäsche versorgen und im Internet Zeit verschwenden blieb dafür letztlich keine Gelegenheit mehr.


die Woche 


war mir das Herz schwer. Der Krieg in Syrien hat mit #Aleppo einen neuen unmenschlichen Höhepunkt erreicht und niemand kommt mehr daran vorbei. Endlich. Aber sobald man das Elend und die Schrecknisse an sich heranlässt, trifft einen unmittelbar die damit verbundene eigene Hilflosigkeit. Zu wissen und mitzuverfolgen, dass nur wenige Autostunden von hier Menschen wie du und ich in ihren ausgebombten Häusern niedergemetzelt werden, ist für mich schwer auszuhalten und ich kann tatsächlich nicht fassen, wie im 21. Jahrhundert ein Konflikt, in den so viele militärische Großmächte involviert sind und der schon jahrelang so viele unschuldige Menschenleben fordert, derart lange andauern kann. Besonders schwer fällt mir in diesem Zusammenhang der Glitzer-Konsum so kurz vor Weihnachten, der die gesamte westliche Welt auf Trab hält (ich nehme mich da gar nicht aus) - Black Friday, Super Sale, Winterschlussverkauf - sogar in Israel drehen alle am Rad, obwohl hier bekanntlich weder Thanksgiving noch Weihnachten stattfinden und Chanukka eigentlich überhaupt keine Geschenkeflut vorsieht. Ach Mensch.

Erfreulichkeiten


  1. Ein leckeres Abschiedsabendessen mit den Kollegen und spanischen Tapas genossen, vielen Dank für den schönen Abend G., wir werden dich vermissen 😊  
  2. Mit den Schwiegereltern ein vorgezogenes Chanukkafest gefeiert - 
  3. - und dabei die leckersten Sufganiot gegessen,  die es im Land zu kaufen gibt 
  4. Vanillekipferl gebacken 
  5. Mit der Familie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" auf YouTube gesehen und wieder begeistert gewesen, wie toll der Film einfach ist

Erlesenes 


beim Lesen ist zur Zeit ein bisschen Flaute, ich habe einfach nicht so richtig viel Muße dafür und vielleicht auch nicht den richtigen Stoff im Moment.

Der Ink Rebel war aber richtig spannend, zum Erscheinungstermin kommt hier die Rezension dazu.

Dann habe ich mit Six of Crows von Leigh Bardugo angefangen. Es fesselt mich aber nicht so sehr, wie ich erwartet hätte, und ihre Schreibe ist sehr düster und brutal, das ist mir im Moment ein bisschen anstrengend.

Foto der Woche


Wir hatten diese Woche mal wieder "Wetter". Mein Blick aus dem Bus mit sturzbachartigem Regen am Fenster kam gut an:


A photo posted by hadassale (@photo_fragment) on



Webfragmente


Viel Aleppo diese Woche... 😢

Die israelische Nachrichtensprecherin Lucy Aharish hat diese Woche im hiesigen Fernsehen auf Englisch klare Worte gefunden: Video

Ein Israeli im Norden holt mit einem Bus syrische Zivilisten zur medizinischen Versorgung nach Israel (Video) - seine Hilfsorganisation Amaliah setzt sich auch für die Errichtung einer Sicherheitszone im Süden Syriens ein.

Eine Auflistung von weiteren Hilfsorganisation über die man die Bevölkerung in Syrien mit Spenden unterstützen kann (Liste).

Wer Interesse hat, etwas mehr über den Konflikt und die Schicksale in Syrien zu erfahren, aber keine Analysen und Reportagen lesen möchte, dem sei hier noch einmal das Jugendbuch "Es war einmal Aleppo" von Jennifer Benkau empfohlen. Meine Rezension ist hier, eine ausführliche Leseprobe gibt es hier zum Download.


// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //


Kommentare:

  1. Hyvää päivää, Hadassa.
    Wintersonne vermag einem die Seele zu streicheln...denke ich.

    Viel hat der Mensch, seit Guernica (79 Jahre her) nicht angenommen; außer wohl Hass, Verachtung, Selbstsucht gepflegt. Abgestumpfte Männer oft, die sich in Macht suhlen wollen, mit Krallen an ihr festhalten, oder korrupt danach trachten. Egal ob global (Großmacht-Gehabe), oder lokal (Wächter einer Rocklänge). Unterdrückung ist Werkzeug & Folge.
    Aufbegehren dagegen ist eine Antwort, wie sich das Herz nicht bleischwer machen zu lassen. Jedem ist sein Teil in die Hand gegeben.

    "Resistance lies in every beauty found"
    (Samaire & Saoirse O'Boinor)

    Temps de paix!

    bonte

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  2. Auch mir war diese Woche das Herz schwer und das Präteritum ist eigentlich falsch, denn der Zustand dauert an. Ich darf inzwischen hauptberuflich meinen kleinen Teil dazu tun, dass die Kinder und Jugendlichen der "Sprachfördergruppen" in meinem Sprengel eine möglichst gute Zukunft bekommen. Gerade in dieser Woche trafen die Ereignisse in Aleppo zusammen damit, dass sich ein Geschwisterpaar meiner Schüler mir "geöffnet" hat und die eigene Fluchtgeschichte aus Aleppo erzählt. Das ist schwer zu ertragen, alle Professionalität hilft dabei wenig.

    Das Versagen der Weltgemeinschaft, speziell in der Flüchtlingsfrage des UNHCR, vor Augen - schaue ich mich um in den politischen Entwicklungen in der westlichen Welt, so sehe ich nicht, von wo künftig mehr Hilfe zu erwarten sein könnte.

    Dabei die Hoffnung zu behalten ist mir diese Woche nicht gelungen.

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    1. Ach du, ich kann mir nur in Ansätzen vorstellen, wie schwer das sein muss, diese Schicksale anvertraut zu bekommen - habt ihr irgendeine (psychologische/seelsorgerlich) Begleitung oder müsst ihr diese Last ganz allein tragen? Ich denke sehr an dich und wünsche dir viel Kraft. Mut hat mir gestern gemacht, dass eine israelische Spendenaktion innerhalb kürzester Zeit fast 100.000 Euro für syrische Kinder und Familien sammeln konnte, es sind diese kleinen Lichtschimmer, die mich die Hoffnung an die Menschheit nicht ganz verlieren lassen. <3

      LG,
      Hadassa

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  3. Ja, mich fasziniert es, dass die Hilfs- und Spendenbereitschaft auch nach so langer Zeit diesmal nicht wegbröselt (und ich hoffe, das liegt nicht bloß an meiner Wahrnehmung). Das war bei anderen kriegerischen auseinandersetzungen ja durchaus anders. Aber der Krieg in Syrien ist dauerhafter präsent, wenn auch u.U. aus zweifelhaften Gründen.
    Wir haben eine fest zu unserer Schule gehörende Schulsozialpädagogin, die den Schüler*innen wie den Lehrer*innnen zur Seite steht und ziemlich patent und schnell und unbürokratisch mehr Hilfe organisieren kann, wenn nötig. (Und das ist dauernd und immer wieder nötig).
    Trotzdem bin ich glücklich und dankbar, dass mir gerade diese Aufgabe zugefallen ist und ich wirklich jeden Tag nach Hause gehe und weiß, das ist absolut SINNVOLL, womit ich den Tag verbracht habe. Ich muss noch lernen, diese Dinge nicht so sehr mit nach Hause zu nehmen.

    LG
    Christa

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