Freitag, 2. Dezember 2016

Nasse Füße

Der Wecker hatte nicht geklingelt.

Als der Gatte um Viertel vor acht aus dem Schlaf schreckt, rücken das Mädchen und ich unter der warmen Decke enger zusammen, wo wir gestern nach dem kuscheligen Vorlesen in der Ungemütlichkeit des verregneten Abends beide eingeschlafen waren. Der Frieden währt nur kurz, denn nur Sekunden später hören wir ihn im Wohnzimmer erst innehalten, dann unflätig schimpfen - Flur und Küche sind überschwemmt, dabei hatte er die Woche unter der Balkontür extra noch neues Silikon verlegt, wo es in den Vorjahren öfter mal reingeregnet hatte. Eine nähere Katastrophenuntersuchung ergibt dann auch, dass es dort zwar staubtrocken ist, die Suppe aber unter einer anderen Balkontür reinläuft, weil dort der Abfluss zur Regenrinne verstopft ist. Das hat man davon, wenn man in einem Land lebt, in dem es fast ein Dreivierteljahr gar nicht regnet und Staub und Dreck sich in jeder Ritze (oder Regenrinne) festsetzen. Da um acht die Schule los geht und das Mädchen eh schon zu spät dran ist, kümmere ich mich erstmal darum, dass sie sich anzieht, ein Pausenbrot bekommt und die Zähne putzt. Normalerweise macht das der Gatte, der Gute, aber der ist damit beschäftigt das Wasser aus der Wohnung zu bekommen. Der Schulrucksack ist natürlich auch nicht fertig gepackt, das übernehme ich eben schnell, danach werfe ich mir meinen warmen Mantel über, stecke meine Schlafanzughosenbeine in die hohen Stiefel, das Mädchen in die Regenjacke, suche und finde das Hundemäntelchen und einen Regenschirm und treibe Kind und Hund aus der Wohnungstür.




Nach der friedlichen Hunderunde in der frischen Herbstluft komme ich zurück zu einem ratlosen Gatten. Er kriegt den Abfluss nicht frei, hat aber einen Nachbarn alarmieren können, der handwerklich begabter und besser ausgerüstet ist als mein Feinmotoriker. Der kommt auch prompt, hat keine Angst vor Regen und schafft es innerhalb von Minuten, die Rinne frei zu legen. Außer einem großen Dankeschön und einem guten Kaffee können wir ihm leider nichts anbieten, aber wir überlegen uns was, denn ob heute bei diesem Wetter am Freitag ein Klempner gekommen wäre ist fraglich. So einen Nachbarn kann man wirklich nur jedem wünschen ♡ 

Positiv an der ganzen Geschichte: Die Wohnung ist mal wieder gründlich sauber gewischt worden, sogar unter dem Kühlschrank und hinter der Spülmaschine.


(Jetzt sind wir wieder unter Decke. Das Mädchen mit dem iPad, der Gatte mit dem Kindle und ich am Bloggen - gemütlich.)

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