Donnerstag, 3. November 2016

Stimmungsaufheller im Jahresabo




Neulich an Simchat Torah, dem zweiten Sukkot-Feiertag, war bei uns nach einem Monat voller Feiertage irgendwie die Luft raus: Wir wussten nicht, was wir mit dem Tag anfangen sollten, hatten keine Lust auf nichts, stattdessen alle drei schon morgens richtig schlechte Laune.


Während ich also an jenem ätzenden Morgen meinen Kaffee trinke, stiere ich in mein MacBook und klicke mich durch die Angebote unserer Kreditkarten, ohne so genau zu wissen, was ich eigentlich suche, und will schon ernüchtert aufgeben, als mir ein 1+1 Ticketdeal des Safariparks ins Auge springt. "Toll!", denke ich, im Zoo waren wir schon ewig (lies: mindestens ein halbes Jahr) nicht mehr, und als ich dann auch noch sehe, dass es dort heute sogar eine Sonderführung gibt, ist für mich die Sache klar. Das Mädchen freut sich spontan, der Gatte ist weniger begeistert. Er fürchtet einen Massenandrang, lässt sich aber zähneknirschend überzeugen mitzukommen als ich ihm drohe, zur Not auch ohne ihn zu fahren.

Eine knappe Stunde später fahren wir in den großen Afrikabereich des Safariparks ein. Der Andrang hält sich augenscheinlich Grenzen und als wir einen Moment später eine Nashornmama mit ihrem Jungen im Schlepptau sehen breiten sich erste Glücksgefühle im Auto aus.

Auf dem weitläufigen Gelände können sich Zebras, Nashörner, Gazellen, Antilopen, Nilpferde, Strauße und andere Tiere der afrikanischen Savanne frei bewegen und vom Auto aus beobachtet werden. Füttern und Aussteigen streng verboten, obwohl es natürlich immer irgendwelche Idioten gibt , die es trotzdem tun. 

Nur die Löwen haben einen ganz eigenen Bereich, der mit Hochsicherheitsschleusen an der Ein- und Ausfahrt geschützt ist. Dort fühle ich mich irrationalerweise jedes Mal wieder an Jurassic Park erinnert, dabei taugt der Umweg nicht wirklich für "Thrills". Die Löwenfamilie liegt nämlich meist gut versteckt im hohen Gras irgendwo im Schatten und ist vom Auto aus kaum zu erkennen.

Im Zoobereich begeistern wir uns über die Fledermäuse, die wir das erste Mal sehen, bestaunen das Wolfsrudel beim Mittagschlaf und schauen lange zwei kleinen Äffchen zu, die sich durch ihr neu renoviertes Gehege jagen und um einen alten Socken streiten. Gute Laune pur.





Später lassen wir uns von einem jungen Zoomitarbeiter, der sogar echte (!) Felle und Schädelknochen als Anschauungsmaterial dabei hat, die Flora und Fauna in den verschiedenen Klimazonen Afrikas erklären. An einem anderen Stand lernen wir, dass israelische Raubvögel in Aufzuchtprogrammen ein Gipsei bebrüten, damit sie nicht aus Versehen ihr kostbares echtes Ei verlieren -spannend! 

Einen Stand weiter lässt sich das Mädchen eine zünftige Körperbemalung verpassen, inspiriert von der Bemalung australischer Ureinwohner. Ein ausgestopftes Känguru darf gestreichelt werden, aber nicht am Kopf (!), weil das Präparat schon bessere Tage gesehen hat und bereits ziemlich abgeschabt aussieht.

Das Highlight unseres Besuches ist dieses Mal aber ganz klar die Führung im Krankenhaus. Dort werden neben den Zootieren verletzte Wildtiere aus ganz Israel behandelt und wir hören viele Geschichten aus dem Alltag des Krankenhauses - manche tragisch, aber viele mit Happy End. Wichtiges Fazit: Wildtiere gehören nicht in den eigenen Garten, auch dann nicht, wenn man meint, ihnen damit helfen zu können, das geht nämlich meist gründlich schief.

In einem großen Bogen an den Giraffen, Elefanten, Riesenschildkröten und dem neuen Gehege des Sumatratigers vorbei erreichen wir schließlich wieder den Eingangsbereich. An unsere schlechte Stimmung vom Morgen können wir uns nicht mal mehr vage erinnern. Und weil dieser Effekt immer eintritt, wenn wir uns zu einem Besuch in den Zoo aufraffen, erneuern wir kurzerhand unsere Jahreskarte. Beim nächsten Besuch kommen wir dann aber wohl eher zur Stimmungsprophylaxe, man muss ja nicht jedes Mal auf so einen schlechte-Laune-Tag warten...



Kommentare:

  1. Das hast du toll geschrieben! Einen solchen Park würde ich auch gerne mal besuchen. Der Berliner Zoo ist zwar auch schön, aber Tiere fast frei zu sehen, ist schon toll.
    Wie gut, dass du deinen Kerl überzeugen konntest.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Klima und Gehegegröße scheinen zu stimmen, was dann der guten Laune bestimmt auch noch Auftrieb gegeben hat.
    Heute hätte ich auch einen Zootag gebraucht...
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Danke ihr beiden Andreas :)

    Bei mir hat die große Zooliebe angefangen, als ich vor bald 20 Jahren in Rotterdam den ersten Zoll bestaunen durfte, der mit richtig großen Gehegen versucht hat, so tiergerecht wie möglich zu operieren. Mein damaliger Chef hat mich hingeschleppt, weil der im Förderverein des Zoos war und quasi jedes Tier beim Namen kannte, das hat mich beeindruckt und ich habe mir damals die erste Jahreskarte für einen Zoo machen lassen. Seither bin ich sehr gerne in Zoos, die den Tieren eine gute Umgebung bieten oder sich zumindest sichtbar bemühen, nach und nach bessere Standards umzusetzen.

    Ganz liebe Grüße euch,
    Hadassa

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  4. toll, Deinen Besuch im Zoo mit erleben zu dürfen, danke dafür
    auch ich hatte erst kürzlich das Vergnügen in Wuppertal dort im Zoo, gewesen zu sein.
    einen offenen Zoo, wie Du ihn beschreibst, gibt es in Hodenhagen, dort kann man mit einem Bus, oder dem eigenen Auto fahren. Allerdings auf eigene Gefahr, wenn ein Tier, z.b.ein Affe, die Spritzdüse, Gummimaterial, abgeklaubt hat. Wir fanden das erschreckend lustig.Gerne lese ich jetzt in Deinem Blog, danke für Deine Offenheit.
    LG Roa (Kürzel)

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    1. Danke für deinen Besuch bei mir Roa :)

      Bei uns ist die Fahrt durch den Safaripark auch auf eigene Haftung. Wenn man die Tiere nicht mit irgendwelchen Snacks anlockt halten sie von den Autos aber in der Regel Abstand.

      Liebe Grüße,
      Hadassa

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  5. Der Zoo sieht richtig interessant aus, den würde sogar ich freiwillig besuchen.
    Fledermäuse gibt es hier bei uns in freier Wildbahn und zwei von denen haben sich Nachts ein Mal in unser Schlafzimmer verirrt. Wir machen nämlich immer ein Fenster im Sommer ganz auf, normalerweise ist da ein Insektengitter davor, welches ich aber im Zuge der Sanierung der Außenwand entfernt hatte. War schon ein weinig gruselig, wach zu werden mitten in der Nacht und dann diese beiden Mäuse im Zimmer kreisen zu sehen.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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    1. Ich bin so neidisch auf alLe die Fledermäuse in ihrem Garten oder der näheren Umgebung haben! Das würde unser Mückenproblem sicher nennenswert eindämmen, aber wenn man sie plötzlich im Schlafzimmer hat und dann auch noch nachts, ist sicher ziemlich creepy :)

      VG,
      Hadassa

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