Samstag, 12. November 2016

Samstagsfragmente #64 - I was with her ...


Heute 



war 12v12, aber die Fotos muss ich noch in Ruhe sortieren. Wir haben unser neues Jahresabo genutzt, um mit Familie Chutzpi in den Zoo zu gehen. Es war stimmungsmäßig auch nötig, denn...


Die Woche 



... war für mich nicht leicht. Ich habe praktisch jede freie Minute online verbracht und schaffe es immer noch nicht, mich von all den Analysen, klugen Blogbeiträgen und aufgebrachten Diskussionen zur Wahl in den USA zu lösen. Ich habe riesigen Redebedarf und wälze so viele Gedanken, dass mir der Kopf raucht. Da kann man sich jetzt fragen, warum sich eine Deutsche in Israel an einer Wahlentscheidung am anderen Ende der Welt so aufreiben kann, ich habe mich das auch schon gefragt!, aber so ist es nun. Ich schiebe es auf die Globalisierung der Medien, die uns wichtige Informationen der Weltpolitik geradezu aufzwingen, und darauf, dass mir die USA und die Menschen dort sehr am Herzen liegen. In den letzten Monaten habe ich unzählige Artikel und Meinungen gelesen und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich Hillary für eine Kandidatin halte, die ich guten Gewissens wählen würde. Emailaffäre hin oder her.

Als ich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch mit CNN auf dem Macbook und meinem fiebernden Mädchen neben mir im Bett lag und die allerersten Ergebnisse reinkamen, war ich noch überzeugt, dass sie es schaffen wird. Dem Mädchen, das immer mal wieder wach wurde, erklärte ich in dieser Nacht das Wahlsystem in den USA und steckte sie mit meiner Begeisterung darüber an, dass wohl zum ersten Mal in der Geschichte dieses riesigen Landes eine Frau zur Präsidentin gewählt wird. Eine Frau, die für eine Politik steht, in der alle Menschen gleich behandelt werden, Mädchen und Frauen die gleichen Chancen im Leben haben wie Männer und die dafür sorgen will, das sich irgendwann alle Amerikaner eine Krankenversicherung leisten können.

In den frühen Morgenstunden wurde die Hoffnung immer leiser, die Kommentatoren bei CNN gedämpfter in ihren Prognosen, und als ich gegen 5:00 beim besten Willen nicht mehr länger wachbleiben konnte, schlief ich mit bösen Vorahnungen ein. Der Morgen brachte die endgültige Ernüchterung und auf einmal war ich sehr froh, dass ich mit dem kranken Mädchen zu Hause bleiben musste, denn auf der Arbeit hätte ich wahrscheinlich nichts auf die Reihe bekommen. Ich war derart fassungslos und enttäuscht, schlimmer war es nicht mal letztes Jahr bei den Knessetwahlen. Was mich daran auf einem persönlichen Level besonders enttäuscht hat, sind die vielen Frauen, die für Trump gewählt haben und die Wählerstimmen der christlich-evangelikalen Wähler. Während sie sich gerne als moralische Instanz sehen, wenn es beispielsweise um den Schutz ungeborenen Lebens geht, haben sie dieses Mal mit großer Mehrheit einen Kandidaten unterstützt, der nichts der christlichen Werte verkörpert, die sie propagieren.

Aber es hilft ja nichts. Jetzt hoffe ich, dass es Trump entgegen seiner "Versprechen" nicht schafft, Obamas politisches Erbe komplett in die Tonne zu kippen.


Erfreulichkeiten


  1. mal wieder das schokoladige Blumenbrioche gebacken und auf Insta sogar einen Kommentar von Steve Owens persönlich dafür kassiert :)
  2. das Mädchen ist wieder fit 
  3. der Vermieter hat ein paar kleine Reparaturen gemacht
  4. das Schulfest ist gut verlaufen und mein Standdienst hat sogar ein bisschen Spaß gemacht 
  5. online nach dem Wahldisaster in den USA gut aufgefangen worden

Erlesenes


Und da war Finsternis von Faye Kellermann liest sich spannend. Ich habe früher von ihr mehrere Titel aus der Decker/Lazarus-Reihe verschlungen und hatte ganz vergesse, wie gern ich sie lese.

The devil wears Prada dümpelt so vor sich hin. Der Gatte und ich haben den Film aber mal wieder angesehen ;)

Foto der Woche






Webfragmente


Ich habe tatsächlich nicht nur miese Dinge im Web gefunden diese Woche: 

Im Zoo gibt es junge Wüstenfüchse - soooo süß! (Video)

Eine jüdische Familie hat in Berlin einen jungen syrischen Flüchtling "adoptiert" (Video)

Die Sicherheitsnadel wird zum Symbol der Solidarität und Zivilcourage gegen Gewalt (Englisch)

Frau Merkel hat ein fantastisches Statement zum Wahlsieg Trumps abgegeben. (Womöglich werde ich nächstes Jahr zum CDU-Wähler, wenn sie noch mal antritt...)



Wie war eure Woche?  Habt ihr die Wahl in den USA verfolgt? Tangiert euch das? 



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu. //

Kommentare:

  1. Ich habe die tatsächliche Wahl nicht gesehen. Es hat mir nur gereicht, was ich am Morgen mitbekam. Wir werden sehen, was da raus kommt.
    Genieße dein Wochenende.
    Andrea

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    1. Danke Andrea, dir auch einen schönen Sonntag!

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  2. Diese Wahl lässt einen fassungslos und sehr wütend zurück. Ich hab meine Tochter gefragt, wie sie die Situation in ihrem Bundesstaat (der ganz klar Hillary wählte) empfindet. Noch scheint es dort eine Art Schockstarre zu sein, aber auch eine Bereitschaft zu zivilen Ungehorsam...
    Ja, die Reaktion von Fr. Merkel verdient Respekt. Politische Alternativen zu ihr sehe ich hier gerade nicht. Das ist auch etwas, was mir Sorgen bereitet. Wo sind die engagierten, demokratischen, authentischen Politiker von Format? Ich bin ja schon froh, jemanden wie Kretschmann in BaWü zu haben, so jemand ist heutzutage Mangelware.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Über Vermont habe ich mich ja sehr gefreut Andrea, natürlich mit dem Gedanken an deine Tochter :) Ich wusste nicht, dass Vermont klassisch demokratisch ist, denn zumindest Teile des Staates sind doch auch eher ländlich, oder? Gibt es dort die wirtschaftlich Abgehängten nicht so oder sind die Menschen in Vermont einfach weniger empfänglich für platte Parolen und unrealistische Wahlversprechen?

      Mich macht auch sehr unruhig, was die alternativlose politische Stimmung in vielen Ländern angeht. In Israel fehlt uns ja auch eine engagierte Schlüsselfigur, die eine realistische Chance hätte, Netanyahu das Mandat abzunehmen. Da schwanke ich zwischen Wut und Resignation und in Deutschland sieht es ja ähnlich aus. Bawü ist da echt eine positive Ausnahme zur Zeit. Mensch!

      LG,
      Hadassa

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    2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    3. Dort gibt es viele Nonkonformisten... Schau mal hier: www.burlingtonfreepress.com/story/news/local/vermont/2015/07/24/vermont-remains-hippie-epicenter/30564907
      LG
      Andrea

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    4. Spannend! Klingt nach einer hübschen Ecke zum Leben (aber das sagen ja auch die Fotos, die wir immer mal bei dir zu sehen bekommen :))

      LG,
      Hadassa

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  3. Yum tuv, Hadassa.
    Ich denke der reaktionäre Rechtsruck - & es ist ja nicht wirklich der übliche Pendelschlag von Links nach Konservativ - in Europa bis in die Staaten geht einen tatsächlich wirklich an; denn der Gang von Ausgrenzung, zur Hetze bis hin zur Verfolgung(*) kann auch ein Triple-Schritt sein.
    Die "Wasserstandsmeldungen" aus den Staaten (**) habe ich mir erspart. Als ich gegen 6 Uhr mitbekam, daß selbst der "Blue-Belt" Löcher ansetzte, kam mir Green Day & Ihr Song "American Idiot" in den Sinn...

    Nicht nur in den Staaten sollte so mancher "fromme Christ" hinterfragen, wie Hass, Verachtung & Niedertracht im Angesicht des Postulats "Nächstenliebe" zu rechtfertigen sind. Inbrünstig in der Kirche zu singen macht eben per se noch keinen guten Menschen aus.

    Zunächst ist Donald offensichtlich damit beschäftigt Mitglieder seiner Familie im Washingtoner Machtapparat zu platzieren. Losgelöst von Qualifikationen oder Fähigkeit.

    Freut mich, daß Deine Tochter wieder wohlauf ist!

    bonté


    (*)siehe "Seine selbstherrliche Sultanhaftigkeit"!
    (**)mit eine der vielen offenen Fragen, zu den us-amerikanischen Wahlgewohnten, bleibt für mich, warum die Ergebnisse einzelner Staaten noch während der Wahl in anderen Staaten verkündet werden

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    1. Ja, es kann einem wirklich sehr ungemütlich werden, wenn man sieht, wer in Zukunft die Schlüsselstaaten regieren wird, die Europa und auch Israel unmittelbar betreffen und wie diese Machthaber sich in letzter Zeit aufeinander einstellen. Bäh.

      Ich verstehe auch nicht, warum Wahlergebnisse der Ostküste schon bekannt werden, während in Kalifornien noch nicht fertig gewählt ist. Das beeinflusst den Wähler doch auch?

      Viele Grüße an dich und danke für den tollen Rogue-Trailer, ich freue mich schon darauf :)

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    2. ...you're welcome!

      Vielleicht liegt es ja am gesellschaftlich verbreiteten Grundtenor in den Staaten, daß Veränderungen mit Einmischung gleichgesetzt sind; und das Wahlsystem ist definitiv nicht im 21.Jahrhundert angekommen.

      Hier noch ein weiterer Trailer zu 'Rogue One':

      https://www.youtube.com/watch?v=II2CSoM43wY

      Mir zerreißt es das Herz wenn die junge Jyn darin "FATHER!" schreit...

      "We'll take the next chance...and the next. Until we win...or the chances are spent."
      (Jyn Erso)

      bonté

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    3. Das Zitat mag ich. Sehr!

      Danke dir :)

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  4. Es ist politisch gesehen nicht mein Jahr. Zuerst das Wahlergebnis der Landtagswahl in Baden-Württemberg und das Unbehagen darüber, welch ein Rechtsruck in meinem Wohnort stattgefunden hat. Dann der Brexit, der auch meine Familie betrifft und nun das Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten. Ich komme aus dem Kopfschütteln nicht heraus, Allerdings fand ich heute einige ganz interessante Gedanken zu den Hintergründen auf hbr.org "what so many people don't get about the U.S. working class" - ließ sich über mein Tablet leider nicht verlinken ohne sich zu registrieren. Die Gedanken kann ich von der Vaterseite her als studiertes Arbeiterkind nachvollziehen. Auch für meinen Großvater war ich als als Studierte eher eine Nestbeschmutzerin, als dass er meine Leistungen anerkannte. Interessant fand ich zudem das Interview auf "Zeit im Bild" mit Christoph Waltz, der nicht einsehen mag, warum man nun Trumps Aussagen im Wahlkampf einfach akzeptieren soll.
    Auf jeden Fall bin ich mir nun nicht mehr sicher, ob ich meinen 60sten tatsächlich in New York City verbringen möchte.
    Dir eine schöne Woche,
    Karin

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    1. Auf jeden Fall solltest du nach New York fahren und deinen Geburtstag dort feiern! New York ist nicht Trumpland, obwohl es ihn wahrscheinlich sehr ankekst, dass man dort in großer Mehrheit nicht ihn gewählt hat, trotz Trump Tower 😊

      Liebe Grüße an dich, das nächste Ziel heißt AfD 2017 ausbremsen - ich mach mir einen dicken Reminder, dass ich die Briefwahlfristen nicht verdussele...

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