Mittwoch, 23. November 2016

Mein Sauerteig ♡


Wie die Jungfrau zum Kinde bin ich vor einigen Monaten zu meinem ersten Sauerteig gekommen, jedenfalls wenn man die Hermannkuchen meiner Kindheit nicht mitzählt, die sind ja streng genommen auch eine Art Sauerteig. Alles fing damit an, dass eine Freundin für mehrere Wochen in den Urlaub fuhr und einen Babysitter für ihre Sauerteigkultur (Heb. Machmetzet, wörtlich "die sauer macht") suchte, denn, so ließ ich mich belehren, so ein Sauerteig muss alle paar Tage gefüttert und gerührt werden, sonst geht er ein. Wie sie ausgerechnet auf mich kam, kann ich nur vermuten, möglicherweise, weil ich in ihrem Bekanntenkreis die einzige bin, die annähernd in die Hippie-Öko-Ecke passt? Oder weil Deutsche hier in Israel allgemein als sehr zuverlässig, ordentlich und pünktlich (das bringt mich ja immer wieder zum Lachen!) wahrgenommen werden, wahrscheinlich hatte sie Sorge, dass ihre geschätzte Kultur in einem durchschnittlich stressigen israelischen Haushalt kippt, weil sie schlicht vergessen wird. Es ist ja eigentlich auch egal, denn Fräulein Machmetzet und ich wurden dicke Freundinnen, jedenfalls nach einigen Anlaufschwierigkeiten...

Die Anleitung meiner Freundin, zwischen Tür und Angel in mein Notizbüchlein gekritzelt, lautete folgendermaßen: 

Zum Füttern:
Alle 4-5 Tage 1 Becher Mehl und 3/4 Becher Wasser in die Kultur rühren. 
Zum Brot backen:
1 Becher Sauerteig, 3 Becher Mehl, 1,5 Becher Wasser, 2 TL Salz zusammenrühren
und in einer Silikonkastenform mindestens 6 Stunden gehen lassen. Danach etwa 45 min. backen. 

Weil ich nicht kapierte, dass die Sauerteigkultur zwar im Kühlschrank stehen, der angerührte Brotteig aber bei Zimmertemperatur gehen muss, wurden meine ersten Brote nicht wirklich brotartig. Außen sahen sie zwar aus wie Brot, aber innen blieben sie schwer und feucht. Da ich bisher nur Erfahrung mit Hefeteig gemacht hatte, wusste ich auch nicht, wie "richtig" gegangener Sauerteig aussehen muss. Ein weiterer Ausflug ins Internet brachte wertvolle Erkenntnisse und beim nächsten Mal sah mein Teig dann schon viel mehr aus wie der hier:




Außer Mehl, Wasser und Salz knete ich Sonnenblumenkerne und Leinsamen unter, mit Haferflocken und Kürbiskernen habe ich auch schon erfolgreich experimentiert. Nach einigen geglückten Versuchen habe ich die olle Silikonform in den Schrank verbannt und knete stattdessen den gegangenen Teig jetzt vor dem Backen noch einmal von Hand ordentlich durch. Je nach Tagesform von Fräulein Machmetzet muss ich nach Augenmaß Mehl zugeben, damit ich einen stabilen Leib formen kann. Den stecke ich in den kalten Backofen, stelle ihn auf 200°C und den Timer auf 60 Minuten, so wird das Brot für uns perfekt. Besonders toll finde ich, dass es sich so gut schneiden lässt, das war bei meinen früheren Brotbackversuchen mit Hefeteig nämlich immer das Hauptproblem: Die Brote krümelten beim Schneiden und taugten dem Gatten nicht für seine geliebten belegten Brote.





I ❤ Miss Machmetzet  


Wie sieht es bei euch aus? Backt ihr Brot selbst? Wenn ja, wie? 

Kommentare:

  1. Da musste ich jetzt aber grinsen. Hierzulande gehört man mittlerweile eigentlich nicht mehr in die Hippie-Öko-Ecke, wenn man sich einen Sauerteig hält und selber Brot bäckt. Brotbackbücher und -kurse verkaufen sich ganz gut. Wir haben derzeit übrigens 3 Sauerteige im Kühlschrank stehen, Roggen-, Weizen- und Dinkelsauerteig, je nachdem, was für ein Brot wir gerade backen wollen. (Was für ein Sauerteig deiner ist, hängt davon ab, mit welchem Mehl du ihn fütterst )
    Irgendwie erinnert mich dein Pflege-Sauerteig tatsächlich an den Hermann-Teig aus meiner Jugend (bzw. unserer hieß "Hermine", weil meine feministische Studienkollegin ihn uns schenkte ;-) ich hab ewig gebraucht, bis ich begriffen habe, dass Hermine und Hermann verwandt bzw. identisch sind ;-))
    Wenn Du brotbackmäßig Lust auf mehr bekommen hast, schau mal hier hinein (www.ploetzblog.de).
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Verwirre mich nicht mit Fakten!!! Das Ploetzblog ist große Klasse, aber damit geht es mir wie mit toll gestylten Wohnblogs - ich stiere staunend hinein und sehe es eher wie ein Kunstwerk jenseits meiner eigenen Möglichkeiten ;-) Nach deiner Erklärung weiß ich jetzt aber, dass ich hier einen Weizensauerteig hege. Beziehungsweise ist er wieder einer geworden, denn als er zu mir kam, war er ein Roggenteig.

      LG,
      Hadassa

      Löschen
    2. Ja, unsere Ausgangsgrundlage war auch ein Roggenteig. Ich bin gespannt, ob Dich die Neugierde zu weiteren Backexperimenten lockt. Der Geschmack wartet als Belohnung. Und nicht entmutigen lassen, wenn mal was schief geht. Denk dran, der Herr des Plötzblogs ist eigentlich Geologe, der Spaß am Brotbacken gefunden hat. (Deshalb hat bei uns daheim mein Mann die Sauerteigpflege übernommen ;-)))
      Liebe Grüße
      Andrea

      Löschen
  2. Boah, trau ich mich das auch nochmal? Du machts mir Mut, es scheint nicht wirklich allzuviel Hexerei dabei zu sein.

    Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zum Sauerteig (zum Selberbacken). Ich verbringe nicht viel Zeit in der Küche; meine Rezepte müssen immer einfach und schlicht und aus wenigen Zutaten sein. WENN bei mir was ganz sicher klappt, dann Gebäck. Nur Sauerteigbrote - die habe ich noch niemals so hingekriegt, wie ich mir das vorstellte. Meist sind sie gar nicht aufgegangen *hoil*

    Inzwischen - mit verfressenem jungem Mann (Großsohn, 15) - im Hause, backe ich täglich ein großes Hefebrot (im Brotbackautomaten, Arbeitszeit für mich: 5 Minuten einschließlich Spülen und Wegräumen). Und das reicht kaum. Der Automat könnte auch mein Sauerteigbrot gehen lassen und backen, müsste es halt fertig geknetet in die Form packen.

    So, jetzt: Wo kriege ich brauchbaren Sauer her? Ich versuch das noch mal...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit 5 Minuten kommst du mit meinem Sauerteig leider auch nicht weg, aber richtig viel Zeit verbringe ich damit nicht, ich würde dir also klar Mut machen wollen :)

      Löschen