Freitag, 21. Oktober 2016

Camping. Meh.



Ich werde in diesem Leben kein Camper mehr. Nicht, dass ich es nicht immer mal wieder versucht hätte, aber wir scheinen einfach nicht kompatibel zu sein. So wie eine Android-App niemals auf des Gatten iPhone laufen wird, werde ich mich niemals wirklich entspannen können, wenn ich auf trockenem israelischen Boden, unter einer dünnen Decke, Zeltwand an Zeltwand mit massenhaft lärmenden Menschen kampieren muss.

Dabei bin ich unseren kleinen Kurztrip in den israelischen Norden letzte Woche wirklich sehr motiviert und (vorsichtig) optimistisch angegangen, weil die Location sich, im Vergleich zu anderen Zeltplätzen hier, nachgerade zauberhaft angehört hat. Die Fotos in diesem Beitrag zeigen meine positive Einstellung und das Bemühen, die Realität so schön wie möglich abzubilden.



Aber allein das ganze Gerät und Geraffel, das man mitschleppen muss, selbst wenn man Zelt und Matratzen vor Ort mietet und es dort sogar Kühlschränke, Kochstellen und ordentliche sanitäre Anlagen gibt (und das waren sie wirklich!), steht doch in keinem Verhältnis zu knapp 48 Stunden reiner Camping-Zeit. Vor allem der typisch israelische Zwang, immer Lebensmittel für mindestens dreimal so viel Personen einzuplanen, als faktisch mitessen werden, führte dazu, dass unser kleiner Yaris auf der Hinfahrt bis unter das Dach beladen war und wir auf der Rückfahrt das meiste davon wieder mit nach Hause nehmen mussten.

Die ersten 24 Stunden waren noch richtig nett. Wir waren mit einer befreundeten Familie unglaublicherweise in der ersten Nacht die einzigen Gäste auf diesem wirklich nett gelegenen Platz in einem kleinen Weingut hoch oben in Galiläa. Nach einer ätzenden Autofahrt mit Staus und zähem, stressigen Verkehr herrlich entspannt. Der Gatte schleppte zwar leider eine fiese Erkältung mit, die er später noch an mich weitergeben sollte, aber Menschen- und Hundemädchen hatten richtig viel Freude und wir Erwachsenen genossen die Ruhe.



Ein Ausflug mit der Gondel auf die beeindruckende Felswand Tzuk Manara bei etwas diesiger Sicht rüber in den Libanon und auf die Golanhöhen, dafür aber frischem Wind und wenig Menschenaufkommen, war ebenfalls sehr nett. Eine richtig tolle Schienenrodelbahn konnten wir dort auch runtersausen, fast wie in Deutschland - fehlt nur noch ein Kletterwald :)




Zurück im Basislager holte uns dann die Realität ziemlich kalt ein: Der zuvor menschenleere Zeltplatz pulsierte vor Leben, Zelt an Zelt wuselten Kinder in verschiedenen Größen herum, Eltern waren mehr oder weniger ausgeglichen mit dem Aufbau von Zelten, ebenfalls in verschiedenen Größen, beschäftigt. Auch unsere Gruppe hatte sich mit dem Eintreffen einer weiteren Großfamilie verdoppelt und ich musste ziemlich schnell feststellen, dass die Konstellation aus überwiegend Alpha-Israelis und deren Kindern für die Freizeitgestaltung und Mahlzeitenplanung fatal ist. Da kann man sich noch so sehr zurücknehmen, man hat dennoch das Gefühl Sand im Getriebe zu sein und zusätzlich das schlechte Gewissen, man tue womöglich nicht genug dafür, das ganze Rudel satt zu bekommen, obwohl hinterher viel zu viel Essen übrig bleibt. Anstrengend.

Und was für eine Energie die alle haben! Für mich ist Camping ja eigentlich auch, gemütlich im und ums Zelt abhängen, lesen, ausruhen, die Natur genießen, aber nein - man muss Wanderungen und Ausflüge mit einbauen, wenn man schon in den Norden gefahren ist. Natürlich kann man auch nicht zum nächstbesten Ziel fahren, sondern muss erstmal stundenlang im Kreis diskutieren, um dann am Ende kaum noch Zeit für die eigentliche Aktivität zu haben. Oder kurzfristig was ganz anderes zu machen, wie beispielsweise schnell mal in den Jordan hüpfen, weil - hey! - das ist der Jordan, das ist doch cool, egal wie suboptimal die Uferstelle oder die Umgebung (ich sag nur Staub, Müll und Schlamm) sind.

Sehr schön war, eine persönliche Führung durch das Weingut mit Verkostung der neuen Weine zu bekommen und zu sehen, was für einen Wahnsinnsspaß die Kinder in dieser freien, natürlichen Umgebung haben. Beim nächsten Mal suche ich aber doch wieder vier befestigte Wände für uns, die können ja durchaus einfach gestaltet sein, aber diese Zelterei ist nichts für mich.



Kommentare:

  1. Eigentlich sieht es wunderschön aus! Aber mir geht es mit dem Camping im Zelt so wie Dir. Im Wohnmobil unterwegs sein, finde ich angenehmer.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Wohnmobil könnte ich mir auch noch vorstellen, eigene vier Wände sind doch was nettes :)

      Viele Grüße,
      Hadassa

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  2. Mit den Fotos hättest du uns dein Campingwochenende auch als megatoll verkaufen können!!
    Aber ich kann dich ja verstehen: Mir geht's, wie dir, Camping, zumal im Zelt ist auch nie meine Art des Urlaubs, weder in Jugendzeiten, noch später.
    Aber ich habe mich sehr amüsiert beim Lesen und wollte doch endlich mal wieder eine Lebenszeichen via Kommentar von mir geben.
    Ein komfortables, gemütliches Wochenende zu Hause wünsche ich dir und sende LG,
    Monika

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    1. Gut, dass ich so eine ehrliche Haut bin und die unschöne Realität beschreibe, wenn sie auf den Fotos schon nicht raus kommt :D

      Nein, so schlimm war es tatsächlich nicht. Nur halt nicht als entspannter Erholungsurlaub geeignet.

      Vielen Dank für dein Lebenszeichen und liebe Grüße,
      Hadassa

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