Donnerstag, 1. September 2016

Thessaloniki - unverhofft nice

Ja... da sitze ich nun also in Thessaloniki und musste ein paar Tage nach meiner Ankunft erstmal nachsehen, wo genau ich mich eigentlich auf der Karte befinde. Denn wenn ich von Griechenland höre, dann meistens nur von Kreta, Santorini, selten Athen, Mykonos - den Lieblingsurlaubsorten der Israelis und Europäer eben. Als es hieß, ich solle zu einem Seminar nach Thessaloniki, dachte ich an ein kleines, unbedeutendes Städtchen ohne größeren Unterhaltungswert. Hier vor Ort fällt auf: Thessaloniki ist nicht nur total nett, sondern vielleicht sogar ein Geheimtipp.

Einen Strand gibt es halt nicht. Wer Strandtourismus sucht, muss auf die Inseln oder anderswo an die Küste, in Thessaloniki ist das Erlebnis urban und weitgehend unverfälscht vom Tourismus. Die lebhafte Hafenstadt hat aber eine endlos lange Promenade, die am Abend so belebt und voll wird, dass es rund um den Aristotelous Square, an dem ich direkt untergebracht bin, bis spät in die Nacht förmlich vibriert.



Typisch blau-weiß griechisch, also so, wie ich Lieschen mir Griechenland immer vorgestellt habe, ist Thessaloniki aber auch nicht - mein spontaner Eindruck war, dass es sich eher um eine Mischung aus Lemesos und Tel Aviv handelt. Eine lebendige Handels- und Universitätsstadt, in der echte Griechen das Stadtbild bestimmen, nicht Strandbuden und Touristenentertainment.

Dabei hat Thessaloniki historisch ziemlich viel zu bieten - das hellenistische, römische, byzantinische und osmanisches Reich haben alle ihre Spuren hinterlassen und im “Kulturbus” der Stadt kann man für 2 Euro an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei, bis auf die Hügel der Stadt fahren, von wo aus man einen tollen Blick auf die Bucht hat.

Wenn man ein bisschen mehr Zeit hat, und nicht wie ich den lieben langen Tag in Vorträgen ausharren muss (aber ich beschwer mich gar nicht, echt nicht!), kann man sich mit diesen vielen verschiedenen Bauwerken und Museen locker mehrere Tage beschäftigen. Auch die lange Geschichte des jüdischen Lebens in Thessaloniki ist unheimlich faszinierend und ruft danach, weiter erkundet zu werden.


Gut essen kann man in Griechenland natürlich auch. Überrascht war ich darüber, wie moderat die Preise auch mitten im schicken Stadtzentrum sind - vom günstigen Mittagstisch, den wir ein wenig ab vom Zentrum in kleinen, netten Lokals nehmen, ganz zu schweigen. Das eine Abendessen, das ich mit Kollegen auf der poshen Dachterrasse unseres kontinental-angepassten Hotels serviert bekam, war dagegen nur mäßig und rund dreimal so teuer.

Angeblich soll es ein bewegtes Nachtleben geben, das glaube ich sofort, obwohl ich es selbst nicht ausprobieren werde. Offensichtlich ist aber, dass Thessaloniki voller junger Leute ist, die Spaß zusammen haben. Auf der Promenade, auf den Straßen, dem Square, am Hafen - überall tobt das Leben.

Und freundlich sind sie hier, diese Menschen, auch wenn viele kein oder nur sehr wenig Englisch sprechen. Freundlich, hilfsbereit und entspannt, das ist das Bild, das ich von den Thessaloniken gewonnen habe. (Außerdem folgen sie einem gern auf Insta, wenn man Fotos mit #thessaloniki hochlädt.)

Ich fühle mich jedenfalls sehr wohl und kann mir gut vorstellen, dass ich eines Tages mal "richtig" Urlaub in dieser Gegend machen werde.




Nachtrag: Ouzo ist mit Vorsicht zu genießen. Apéritif heißt in diesem Fall nicht leichtes alkoholisches Getränk. You have been warned.



Kommentare:

  1. Oh ja, Thessaloniki würde mich auch unbedingt locken! Hoffentlich hast Du noch Zeit und Gelegenheit, dich ein bisschen umzuschauen.
    Du hast Dir doch Wasser in den Ouzo getan, oder? (Ena ouzo parakalo! beherrschten sogar unsere Töchter damals, was nicht heißt, dass sie ihn trinken durften ;-)
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Das hat der Kellner.. glaub ich. Außerdem Eis. Ist ja auch Wasser ;) aber er hat trotzdem gut gebrannt :)

      LG,
      Hadassa

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