Freitag, 9. September 2016

Hallo vierte Klasse !

"Shalom Kita Aleph! - Hallo, erste Klasse!" so werden hier in Israel die Schulanfänger an ihrem ersten Schultag begrüßt. Mit einer Zeremonie, vielen mutmachenden Worten und ganz viel guten Wünschen nimmt man sie in den Schoß der Einrichtung "Schule" auf. Das ist natürlich sehr aufregend und ein einmaliges Ereignis für die Erstklässler.

Bei uns hingegen war der erste September in diesem Jahr fast schnöde Routine. Als Viertklässlerin hat man schon einen ganzen Regenbogen voll Schul-Shirts in der Schublade, einen Rucksack auch, der zwar geschrubbt, aber halt nicht mehr brandneu ist. Sogar Hefte, Stifte, Etiketten und vieles andere liegt zuhause vorrätig und muss nur um Einzelteile ergänzt werden, man weiß nämlich schon ziemlich genau, was für ein Heft man für jedes Fach braucht, was unbedingt nötig ist und was nicht. Klar, ein paar "nice-to-haves" gab es neu - schicke Federmäppchen und ein Timer von der Savta und ein neues Sortiment an Filz- und Buntstiften. (Die ausgemusterten habe ich mir für meine Malbücher unter den Nagel gerissen.)




Eine große Veränderung brachte in diesem Jahr die Entscheidung, das Mädchen aus dem Hort zu nehmen und nachmittags zum Schlüsselkind zu machen. Die meisten ihrer Klassenkameraden gehen schon lange nicht mehr in den Hort, und obwohl es vor allem uns sorgenden Eltern sehr schwer fiel, denn sie war bei einer ganz außergewöhnlich liebevollen Mama hier um die Ecke untergebracht, fanden wir, dass man mit neun durchaus schon einige Stunden alleine zuhause sein kann. (Außerdem ist das Hundeding ja auch noch da, so können sie sich gegenseitig Gesellschaft leisten.) 

Die konkrete Ausgestaltung der Nachmittage üben wir noch, denn unser Idealmodell - 1. Hunderunde, 2. Essen, 3. Hausaufgaben und erst danach 4. Spaß - stößt naturgemäß auf etwas Unmut und klappt noch nicht reibungslos. Die ersten zwei Tage verschwand das Mädchen direkt nach der Schule zu einer Freundin und ward bis zum Abend nicht mehr gesehen. Aber es wird sich schon alles einpendeln, wir haben uns vorgenommen, an jedem Wochentag ein anderes Schulfach etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, damit auch wir Eltern nicht den Anschluss an den Stoff verlieren. Mal sehen, ob das so läuft, wie wir uns das vorstellen.

Zweimal die Woche wird sie nach dem Unterricht in der Schule bleiben und eine AG besuchen. Sie hat sich Basteln mit Perlen und Elektronik ausgesucht und letzteres hört sich besonders spannend an, weil man mit Stromkreisen tüftelt und elektronische Zusammenhänge verstehen lernt. Außerdem bekommt man einen kleinen Werkzeugkasten wie ein echter Elektriker. Sehr cool.

Das Reiten werden wir im kommenden Jahr - das war gar keine Frage - auch weiter verfolgen und die örtlichen Pfadfinder rühren zur Zeit kräftig die Werbetrommel, um viele neue "Stammesmitglieder" aus den vierten Klassen der Gegend zu rekrutieren. Auch das gehört wohl zu einer israelischen Kindheit irgendwie dazu und wir halten es grundsätzlich für keine schlechte Sache, nur müssen wir mal sehen, wie wir all die Termine koordiniert bekommen. Ich frage mich mal wieder, wie das Familien mit 3, 4 oder 7 Kindern alles auf die Reihe kriegen. Puh.




Wie läuft das bei euch? Hattet ihr Kinder einzuschulen, beziehungsweise wieder aufs richtige Gleis für das neue Schuljahr zu bringen? Erzählt doch mal..

Kommentare:

  1. Für mich war es mit Wehmut verbunden, denn meine Jüngste hat ihr letztes Schuljahr angefangen - yud bet! Ich stand also etwas trübselig vor den Läden mit aufgeregten Familien, die viel einkaufen - sie braucht nichts, hat alles, und bald ist es eh vorbei :-(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wow, yud bet! Ich kann mir gut vorstellen, dass man da ein bisschen wehmütig wird, vor allem, wenn man wie du über so eine lange Zeit Kinder im System hatte. Wobei wir, wie gesagt, dieses Jahr diese Einkaufmanie auch nicht hatten. Wir haben in letzter Zeit einiges an Schulkleidung geerbt, dann in Deutschland ein bisschen Schulzeug mitgenommen (Heftschoner von Aldi, z.B.) und dann erstmal die Vorräte durchforstet, was wirklich noch gebraucht wird. Denn wenn ich eins hasse sind es diese "she ihiye"-Hamsterkäufe, weil es ja überall Einschulungsangebote gibt..

      Alles Gute deiner Jüngsten für das letzte Schuljahr,
      Hadassa

      Löschen
  2. Ab Montag geht es in die 4. Klasse! Das Aufstehen fällt meinem Mädchen sehr schwer, seufz. Sie ist auch so ein Kind, das alles machen möchte. 2x Musikschule, 3x Leichtathletik (nicht dass sie so wahnsinnig sportlich wäre, sie sind 4 Freundinnen, die miteinander viel Spaß haben). Die Brüder hatten gar keine Termine, da genügend gleichaltrige Nachbarskinder ihre Zeit beansprucht haben, für mein "Einzelkind" sind das Treffen mit Freundinnen. Und ich habe Glück, dass Musikschule und Turnhalle (im Winter) an meiner Schule sind, da kann ich prima vorbereiten.
    Meine Tochter war schon in der ersten Klasse seelig, wenn sie alleine mit ihrem Schlüssel, heim kommen konnte. Der Papa war jedoch 15 Minuten später daheim. Sie ist auch von Anfang an mit dem Bus hin und her gefahren, ab und zu gelaufen (eine besorgte Bekannte hat mich angerufen, eine 6 jährige alleine auf der Straße. Mit Gehwegen und wie man Straßen überquert wusste sie natürlich auch). Wenn ich dran denke, dass sie am Ende der 4. Klasse den Fahrradschein machen wird und dann natürlich auch alleine herumradeln will und darf, wird mir schon etwas komisch, aber da müssen wir Eltern durch. Und wenn sie nach ihren Brüdern kommt, wird sie mit 15 auch dringend Moped fahren wollen. Die Kinder wachsen an der Verantwortung und die Eltern auch :)
    glg

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Unsere möchte Klavier leider nicht weiter machen.. ein schwerer Schlag vor allem für den Gatten, der ja so ein Musikmensch ist und beim Kind auch ein talentiertes Gehör vermutet :( Aber sie will partout nicht und mit Zwang geht gar nichts, ich hoffe, dass sie sich vielleicht später noch besinnt. Oder wir eine richtig tolle Lehrerin finden, bei der der Funke besser überspringt, als bei der vom letzten Jahr. Seufz.

      Mit der Verantwortung hast du absolut recht. Kinder und Eltern wachsen daran gleichermaßen.

      Alles Gute für die vierte Klasse,
      Hadassa

      Löschen
  3. Da meine Kinder altersmäßig sehr dicht aufeinander sind, bekam die Große wohl eher später diese Freiheiten, aber schon früher Verantwortlichkeiten, während das bei der Jüngsten genau andersherum war.
    Aber Mamas Taxi war immer nötig hier auf dem Land...
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wobei das mit den Freiheiten und Verantwortlichkeiten ja immer so ein bisschen ein schief ausbalanciertes Gefüge ist, stimmt's? Nachmittags allein zu Haus und frei zu sein, um nach Lust und Laune zu Freundinnen zu flattern, ist toll, aber die Verantwortung für den Hund und die Schulaufgaben, die damit einhergehen unheimlich lästig.

      Viele Grüße,
      Hadassa

      Löschen