Montag, 22. August 2016

[Buch] Dorit Rabinyan: Wir sehen uns am Meer

Eines der stärksten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe, Dorit Rabinyans Liebesroman, der vor einigen Monaten hier Schlagzeilen machte, weil ihn das Bildungsministerium von der Lektüreliste der Oberstufe streichen ließ, ist nun auf Deutsch bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Ich habe mich wirklich gefreut, dass der Verlag mir ein Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat, denn ich war sehr auf die Übersetzung gespannt. Das war natürlich auch eine wunderbare Gelegenheit für mich, das Buch noch einmal ganz entspannt zu lesen, denn hebräische Originalliteratur muss ich mir immer etwas härter erarbeiten, sogar nach 14 Jahren in Israel. Am Ende habe ich "Wir sehen uns am Meer" regelrecht verschlungen, so sehr hat mich die poetische Liebesgeschichte um eine Israelin und einen Palästinenser auch beim zweiten Mal mitgerissen. 

(Meine erste Rezension zum hebräischen Original lest ihr hier)




Helene Seidler hat die Geschichte um Liat und Chilmi, die sich in New York verlieben und einen kalten, aber wunderbaren Winter zusammen verbringen, bevor die unbarmherzige Realität des Nahostkonflikts sie unweigerlich trennen muss, souverän und stimmig übersetzt. Falls ich daran etwas aussetzen müsste, wäre das höchstens ein bisschen phonetische Pedanterie, was die Übertragung der arabischen Aussagen in Lautschrift angeht. Die fand ich im hebräischen Original überzeugender, was an der phonetischen Nähe der beiden Sprachen liegen mag. 

Positiv überrascht war ich über die Wahl des deutschen Titels. Normalerweise bin ich ja sehr dafür, Buchtitel so nah wie möglich am Original zu übersetzen, aber in diesem Fall finde ich “Wir sehen uns am Meer” sogar gelungener als den etwas sperrigen hebräischen Titel "Gader Chaya - Lebende Hecke". 

Eine wunderschöne Geschichte über zwei Menschen, die sich gegen alle Vernunft so sehr lieben, dass ich mich beim Lesen immer wieder gefragt habe, wie um alles in der Welt die Autorin die beiden trennen will, ohne mir dabei das Herz zu brechen. 



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