Freitag, 3. Juni 2016

This time of year... (Jammerbeitrag)

Die Jahreszeit zwischen Pessach und unseren Sommerferien, ist für mich die ätzendste im israelischen Jahr.

Es fängt schon damit an, dass ab März/April die Regentage immer weniger werden, während man zeitgleich fast zusehen kann, wie das Thermometer klettert. Heute Nachmittag zeigte es im Auto 40° an - verlässt man den klimatisierten Raum schlägt einem der Wind wie aus einem Ganzkörperfön entgegen. Nimmt die Luft, legt den Kreißlauf lahm (meinen jedenfalls) und macht jeden Schritt zur Anstrengung.

Es ist die Zeit der trockenen Wüstenstürme, die Staub, Sand und Smog mit sich bringen, und die Zeit der gleißenden Sonne, gegen die selbst meine sehr dunkle Sonnenbrille nur wenig ausrichten kann. Die Landschaft stirbt, die Natur wird braun, Disteln und trockenes Gestrüpp bleiben übrig. Im Gegensatz zum Spätsommer und Herbst kann man sich nicht mal auf den ersten Regen freuen, sondern weiß ganz genau, dass noch rund ein halbes Jahr der Dürre und Gluthitze vor einem liegt. Wenn es nicht trocken ist, haben wir Luftfeuchtigkeit, in Tel Aviv oft über 70%, die ist fast noch schwerer auszuhalten, als der Wüstenwind, weil man die ganze Zeit das Gefühl hat, schon wieder duschen zu wollen.

Zuhause geht es einigermaßen, jedenfalls wenn man mich fragt, der Gatte leidet furchtbar und würde die Klimaanlage und sämtliche Ventilatoren rund um die Uhr durchlaufen lassen, wenn es nach ihm ginge.

Mich macht dieses Wetter antriebsschwach, ich kann mich nach der Arbeit gerade so für das Minimum aufraffen, alles was darüber hinaus geht muss liegen bleiben. Obwohl, vor ein paar Tagen hat mich der Rappel gepackt und ich habe unser Bunkerzimmer, das bei uns normalerweise als Mehrzweckrumpelkammer fungiert, gründlich ausgemistet. Schwitzend und schimpfend und danach war ich fix und fertig.

In der Schule geht es auf das Jahresende zu, und alles was die Lehrer bisher nicht geschafft haben, wird in die letzen Wochen gepresst, damit man dann auf den letzten Drücker noch eine Prüfung über den Stoff des ganzen Jahres durchziehen kann. Muss ich erwähnen, wie ätzend es ist, ein unwilliges Kind zu Matheaufgaben zu motivieren, wenn man sich selbst kaum zum Wäsche zusammenfalten aufraffen kann? (Abgesehen davon, dass ich es ohnehin unsinnig finde, Drittklässler mehrseitige Mathearbeiten schreiben zu lassen, aber das ist mein rebellischer Geist, schätze ich.)

Schwer gestresst sind wir in den letzten Wochen auch über das leidige Thema der Ferienbetreuung. Wie alle berufstätigen Eltern stehen wir jährlich vor der Herausforderung, das Mädchen vor und nach unserem Sommerurlaub irgendwo unterzubringen. Die brennende Frage bei uns: Kommt unsere präferierte Lösung - ein Sommerprogramm in der Schule - dieses Jahr zustande? Das zieht sich immer ewig hin und macht mich wuschig, weil ich nicht fassen kann, wie Behörden so schlecht organisiert sein können. Die Erfahrung zeigt ja ein ums andere Mal, dass am Ende meistens alles gut wird, aber ich kann nicht aus meiner Haut und reibe mich jedes Jahr wieder daran auf. Sollen wir optimistisch abwarten oder auf Nummer sicher gehen und sie in ein externes Programm mit einigen Freundinnen einschreiben? Oder was ganz anderes? Der Gatte hat ein Ferienlager gleich neben seinem Arbeitsplatz, DAS wäre bequem, aber wenn sie da gar keinen kennt? Man wälzt so alles mögliche hin und her und wird nervöser, je näher der Juli rückt. Aber alles wird gut, wie gesagt. Und im Moment bin ich schon allein dafür dankbar, dass meine Neurodermitis still hält. Die meldet sich in dieser Jahreszeit nämlich auch oft, aber (und das muss mal gesagt werden!) mit der Basispflege von Avène (Trixéra) bin ich offenbar echt gut eingestellt.

So geht mein Frühsommer mit allerlei lästigem Alltagskram dahin, im Büro ist es auch recht intensiv zur Zeit, und sogar zum Lesen fehlt mir die Lust. Ich müsste mich dringend wieder richtig hinter meinen Arabischkurs klemmen (oder wenigstens mal meine Vokabelkärtchen sortieren), damit es da ein bisschen vorwärts geht und vom Bloggen will ich gar nicht erst reden. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten.

Spätestens wenn wir in ein paar Wochen auf einer grünen Wiese im Allgäu stehen.


Kommentare:

  1. Ich fange ja schon an zu schwitzen, wenn ich das nur lese. Hier im Ruhrpott waren in den letzten 2 Wochen ein wenig Land unter wegen starker Regenfälle. Die Temperatur lag dabei so um die 20 Grad - es war richtiges Waschküchenwetter. Nicht meins. Da halte ich besser trockene 30 Grad aus. Ich kann das gut nachfühlen, dieses Antriebslose. Das ist echt schlimm und soooo anstrengend. Ich dürcke die Daumen, dass die Zeit bis zum Allgäuurlaub fix rum geht!
    Sonnige Grüße Haydee

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  2. Oh... Ich kann dich sehr verstehen... Ich liebe es zwar warm, aber dann am besten Urlaub. Ich graule mich schon vor morgen. Wenn ich wieder bei feuchtwarmen Wetter körperlich arbeiten muss. Wenn ich mir dann noch eure Temperaturen vorstelle...
    Ich wedel mal ordentlich mit meinem Fächer, ohne den ich das Haus gar nicht mehr verlasse.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Ich mag die Sonne ja auch und unterm Strich aufs ganze Jahr gesehen, ist mir unser Wetter hier lieber, als die langen grauen Herbst- und Wintertage in Deutschland. Aber der Sommer hier ist schon hart. Aber unsere Klimaanlage wird diese Woche endlich mal wieder gewartet, dann wird es auch ein bisschen besser :)

    Eine schöne Woche euch,
    Hadassa

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