Sonntag, 15. Mai 2016

Samstagsfragmente #42 - Entschleunigung und zelebrierter Pomp



Gestern 



war ich wie jedes Jahr so blöd, das ESC-Finale bis zum bitteren Ende durchzuhalten, weswegen ich heute kaum aus den Augen schauen kann. Und wofür? Um zu sehen, dass die mittelmäßigsten Darbietungen am Ende doch wieder viel mehr Punkte kriegen, als sie verdienen? Nee, nee, nächstes Jahr tue ich mir das nicht mehr an. So. Fein war aber, dass die Australierin verdient den zweiten Platz holen konnte. Und die schwedische Show war richtig cool mit einigen humorigen Einlagen, zum Beispiel die Formel für einen erfolgreichen ESC-Song (Ansehen!) Als die Übertragung schon dem Ende entgegen ging und ich eigentlich schon fast hätte schlafen können, fiel zu allem Überfluss der Strom aus und damit unsere Ventilatoren - mitten in einer Hitzewelle an der 40°-Grenze. Leider passiert es häufiger, dass die Stromversorgung lokal immer wieder zusammenbricht, wenn es so heiß ist, weil dann praktisch jeder Haushalt in Israel durchgängig nicht nur Ventilatoren, sondern die Klimaanlage laufen lässt. Aber das Wissen über diese Schwachstelle macht es in so einer heiß-klebrigen Nacht natürlich nicht besser. *schwitz*

Ich hoffe schwer, dass ich das Mädchen dazu kriege, später einen kleinen Mittagsschlaf zu machen, denn heute Abend sind wir auf einer Hochzeit eingeladen, da möchte ich ungern ein nöliges Kind mitnehmen.  

Abgesehen von der Hitze, war das Wochenende sehr entspannt und vor allem richtig lang, weil es durch den Unabhängigkeitstag bereits am Mittwoch begann. Über den Feiertag habe ich die Woche schon ausführlich im Rahmen der "12 von 12" berichtet. Am Freitag besuchten wir einen netten kleinen Bio-Bauernmarkt in Abu Gosh, wo wir ein bisschen Gemüse und einen sündhaft guten Käse kauften und uns in einem lauschigen Schatteneck eine steinofenfrische Pizza teilten.  


Luisa b'Gan, Abu Gosh
Bauernmarkt
Schattenplatz

Gestern war es schon so heiß, dass es unklug gewesen wäre, große Unternehmungen im Freien zu machen und so ließen wir uns hauptsächlich zu Hause hängen. Ich probierte aus Lust und Laune allerlei Leckereien in der Küche aus (das passiert mir manchmal) und das Mädchen war zu einem Pfadfindertreffen eingeladen, das Lust auf eine regelmäßige Teilnahme ab der vierten Klasse machen soll.


Pasta, Basilikum, Tomaten und Käse
Blaubeermuffins
Hugo ohne Sekt 

Die Woche 


Erfreulichkeiten 


  • kurz war die Woche! Ich habe tatsächlich nur zwei Tage gearbeitet, was für ein Luxus! 
  • das Hundeding hat ein Buch gefressen, aber so, dass ich die wichtigen Seiten wieder zusammenkleben konnte 
  • zweimal so effektiv Pilates gemacht, dass die tiefen Bauchmuskeln noch zwei Tage später daran erinnern *autsch*
  • mit dem Mädchen einer meiner Lieblingsbeschäftigungen von früher nachgegangen: "Malen nach Zahlen" :) 
  • bei einer der Reitmuttis zum Kaffee eingeladen worden. In deren Moshav-Zuhause - ein erfrischender Kontrast zu unserem Stadtleben


Erlesenes 


The Rosie Project von Graeme Simsion wollte ich schon lange lesen. Ich weiß überhaupt nicht, warum ich damit so lange gewartet habe. Es ist herzerfrischend, witzig, spannend und hat in Don einen Anti-Helden, den man einfach liebgewinnen muss. Absolute Empfehlung an alle, die es noch nicht gelesen haben. 


Foto der Woche 


Zum Gedenktag trägt man in Israel als Symbol die "Red Everlasting"-Blume, die auf Hebräisch "Dam HaMakkabim" - Blut der Makkabäer heißt. Mein Foto einer dieser Blumen von unserem letzten Auflug hat diese Woche am meisten Herzen generiert:



Webfragmente 


In einer gemeinsamen Zeremonie verschiedener Organisation für Dialog und gegen die andauernde Gewalt des Konflikts, haben Israelis und Palästinenser am Gedenktag gemeinsam derer gedacht, die sie während der jahrzehntelangen gewalttätigen Auseinandersetzungen verloren haben. (Artikel) Bassem und Rami, beide Väter, die eine Tochter verloren haben, sind prominente Figuren dieser wichtigen Inititative geworden. (Video-Interview)

Eine der Traditionen zum Unabhängigkeitstag sind Formationsflüge der Air Force über ganz Israel hinweg. Auf YouTube gibt es ein 360°-Video aus einem der Cockpits (auf dem Handy noch intuitiver zu bedienen), das so beschaulich und nett aussieht, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie ruckelig es auf so einem Flug abgeht. Ein Fotograf für Times of Israel hat einen Erfahrungsbericht geschrieben. (Englisch mit tollen Fotos)

Ich mag mir gerne raffiniert ausgetüftelte Dominobahnen anschauen und Murmelbahnen haben auf mich etwas unheimlich beruhigendes. Dieses Video, das Murmeln und Kettenreaktionen a là Dominos verbindet fand ich sehr schön anzusehen.

Rezept für die Blueberry-Maple-Muffins aus dem Foto oben. Ich habe die Buttermenge nicht genau abgemessen und dadurch wohl ein etwas trockeneres Ergebnis erzielt, das in der Konsistenz eher an Scones erinnert.



// Einmal die Woche lädt Andrea auf ihrem Blog Karminrot zum Samstagsplausch ein. Da passen meine Samstagsfragmente ganz gut dazu.// 


Kommentare:

  1. Ich scheue den ESC gar nicht erst, weil ich mich am Ende doch darüber ärgere.
    Puh, ganz schön warm bei euch.
    Hast du dem Hundeding die Ohren langgezogen? Ich hätte es getan. Bücher sollte man achtsam behandeln. (Kann das Hundele ja nicht wissen, es liest ja bestimmt nicht!)
    Hab noch einen schönen Abend,
    Andrea

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    1. Das Hundeding tat natürlich ganz unschuldig :)

      ESC ist für mich wohl auch rum. Allein die (Uhr-)Zeit, bei uns ist es weit nach 1:00, wenn die Ergebnisse endlich feststehen!

      Dir eine schöne Woche,
      Hadassa

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  2. Ich hab nur mal kurz über einen Live-Ticker im Internet beim ESC reingeschaut. Der deutsche Beitrag hat mir eigentlich gefallen. Ansonsten habe ich dann lieber wieder abgeschaltet.
    Dein Hundedings kann ja ganz schön frech werden. Mir wurde ja vorausgesagt, dass mein Lockenhund zu einer Rasse der Mobiliarzerstörer gehören würde. Davon weiß Löckchen gottseidank nichts. Das "Rosie-Projekt" wurde hier so gehypt, dass ich lieber die Finger davon ließ.

    Sooo warm habt Ihr es? Und ich habe wieder Wollunterhemd und Winterjacke rausgekramt, samt dicker englische Gummistiefel...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Das Hundeding ist nicht gern allein zu Haus. Manchmal ist der Frust so groß, dass Dinge zerstört werden müssen. Leider kann man das gar nicht richtig analysieren, mal ist über Stunden alles gut, mal reicht es, wenn ich eine Stunde weg bin. Seufz. Gut, dass der Lockenhund seine Bedienungsanleitung nicht selbst gelesen hat :)

      Projekt Rosie ist wirklich charmant. Teil 2 soll aber nichts sein, habe ich gehört.

      Liebe Grüße,
      Hadassa

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