Donnerstag, 19. Mai 2016

#BloggerAlphabet - Individualität und Journalismus



Zugegeben, hätte ich nicht die Frist für Individualität verpasst, wäre mir die Verknüpfung der beiden Reizwörter für I und J wie Journalismus nicht wirklich in den Sinn gekommen. Aber als ich ein bisschen darüber nachgedacht hatte, fand ich dann doch, dass man daraus was stricken kann. Also lasst euch ruhig mal darauf ein :)

Als ich vor sechs Jahren meinen ersten Blogbeitrag verfasste, hatte ich nicht dieses Lifestyle-Gemischtwarenladen-Konzept im Sinn, nach dem ich die Fragmente heute zusammen puzzle. Vielmehr war ich davon überzeugt, dass die Welt unbedingt noch eine deutschsprachige Bloggerin braucht, die einigermaßen ordentlich recherchiert und semi-journalistisch über das aktuelle Geschehen in Israel berichtet. Vorbilder gibt es für solche Blogs genug, eines der besten wird leider seit einiger Zeit nicht mehr aktualisiert, dafür twittert LilaR jetzt. Aber ich schweife ab.

Jedenfalls dachte ich mir das damals so und habe dann ziemlich schnell gemerkt, dass das nicht wirklich das ist, was ich machen will. Zu deprimierend, zu trocken, zu wenig aus dem "normalen" Leben, womit ich bei der Individualität wäre. Was nicht heißt, dass ich, wenn ich mal über das aktuelle Tagesgeschehen hier blogge oder über ein anderes Sachthema, diese Artikel nicht sauber recherchiere. Da habe ich einen ziemlich hohen Anspruch an mich und verbringe mitunter Stunden mit der Suche nach guten Quellen, um alles wasserdicht zu unterlegen. Das gilt auch für Reiseberichte und überhaupt alles was ich hier so zu Papier bringe, geschludert wird nicht.

Soviel zum Journalismus, jetzt aber wirklich zur Individualität:

Naiverweise dachte ich am Anfang, dass allein die Tatsache, dass ich als blonde Deutsche in Israel lebe, als Killermerkmal in Sachen Individualität genügen würde, das halbe Internet als treue Leser hierher zu locken. Das hat leider so nicht funktioniert, weswegen ich zusätzlich zu diesem Alleinstellungsmerkmal, an einem individuellen Bloggesicht arbeiten muss, so wie alle anderen Kollegen auch.

Ich mag Blogs, denen man sofort abspürt, das dahinter eine ganz eigene Person steckt. Blogs, die das gewisse Etwas haben, Details und Nuancen, die nur diesem Blog alleine gehören und die es dadurch einzigartig machen. Einen individuellen Touch eben. Das heißt nicht, dass man den gesunden Bloggerverstand über Bord werfen soll. Es nützt keinem Leser, wenn ihn - total individuell - zwischen neongrüner Flimmerschrift auf dunkelblauem Hintergrund Feen anblinken, oder wenn der Font so außergewöhnlich ist, das er kaum noch zu entziffern ist, womöglich in Kleinbuchstaben, ohne Zeilenabstand, wenn man sich dieses Blog dann als Leser nur merkt, weil man dorthin ganz sicher nicht mehr zum Lesen zurückkommen möchte. Nein, es macht viel mehr Sinn, gewisse Regeln einzuhalten (darüber habe ich bei Design schon mal ein paar Worte verloren), und im Rahmen derer einen individuellen Stil zu entwickeln, der nicht zu aufdringlich ist und dennoch Wiedererkennungswert hat.

Das gilt auch für die Inhalte. Ich habe mich, nachdem ich von Israel-Blog auf Gemischtwaren-Blog umgeschaltet hatte, begeistert auf allerlei Linkparties, Bloggerthemen und Paraden gestürzt. Gebasteltes am Mittwoch, Lückentexte am Freitag, Lieblingsbücher am Sonntag, Regalselfie am Donnerstag, ihr kennt das..

Ich finde diese Bloggerparties auch wirklich nett, weil sie regelmäßig Content generieren, der dann von ziemlich vielen Leuten gesehen wird, weil im Idealfall die teilnehmenden Blogger auch mal bei ihren neuen Nachbarn vorbeischauen und so auf einen aufmerksam werden. Zudem hänge ich sehr an Strukturen, und eine vorgeplante Woche mit bereits vorgegebenen Content-Slots, die man nur noch zu füllen braucht, ist für mich sehr verlockend. Aber letztlich ist es nicht das, was ich für mein Blog möchte, jedenfalls nicht überwiegend, weil mir darunter zu sehr die Individualität leidet. Ich merke das, wenn ich über Feedly meine abonnierten Blogs durchblättere: An manchen Tagen haben eine ganze Reihe Blogartikel die gleiche Überschrift und ich achte gar nicht mehr darauf, wer jetzt wirklich hinter dem dritten "Fahrrad am Freitag"-Post steht. Versteht ihr?



Was andere Blogger zum Thema Individualität und Journalismus zu sagen haben, könnt ihr hier und hier nachlesen. Das nächste Thema lautet wie Kommentare und gilt ab dem 23. Mai.


// 52 Wochen – 26 Buchstaben – 26 Themen. Alle zwei Wochen stellt Anne auf neontrauma.de ein neues Stichwort in den Raum, das mit dem Bloggen verknüpft ist. //



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Kommentare:

  1. Blonde Deutsche?! Deutsche wusste ich schon, aber vor meinem inneren Auge warst du immer dunkelhaarig, mit Locken :D
    Stimmen denn wenigstens die Locken?
    glg Petra

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  2. Na ja, auf dem Profilfoto sieht man schon, dass nicht dunkel. Aber dann rothaarig mit Locken.
    :)

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    1. Naturwellen :) und rötlich nur manchmal, das hängt immer am Licht.

      LG,
      Hadassa

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  3. An manchen Bloggeraktionen hänge ich schon. Z.B. an den Himmelsbildern, der Blick nach oben ist mir ans Herz gewachsen. Aber auf jeder Party mag ich auch nicht mehr mittanzen. Da geb ich Dir recht. Es muss zu einem passen oder zu dem, was einen gerade bewegt.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Genau, es muss passen. Ich mache ja auch noch bei den 12v12 mit und hänge wöchentlich meinen Samstagspost beim Kaffeeplausch von Karminrot an. Es geht mir um das inflationäre, bei dem man dann kaum noch Zeit hat, sich ganz eigene Beiträge auszudenken, weil man schon so verplant ist mit den 'festen Terminen' :)

      Aber dass man auch Mottobeiträge individuell gestalten kann, ist vollkommen klar. Mir hat zum Beispiel sehr gefallen, dass du in einem Jahr die 12v12 immer unter ein eigenes Motto gestellt hast, da war für mich immer sofort klar, das bist du. Und bei den Himmelsbilder weiß ich auch immer auf einen Blick, wo ich gerade bin, weil du sie individuell gestaltet. Aber zusätzlich hast du ganz eigenen Themen, die wunderbaren Sonntagsperlen, zum Beispiel, die nur dir gehören. Das ist toll. :)

      LG!

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  4. Hallo Hadassa,
    stimmt. Ich werde mich künftig auch ein wenig zurückhalten mit den Bloggerpartys. Aber mir ist z.B. der Blumenfreitag an das Herz gewachsen und es gibt noch ein paar, wie der 12-tel Blick. Aber einige andere werde ich auch abstellen, weil ich gar nicht mehr zu meinen eigenen Themen komme. Früher habe ich mich nicht so sehr an den Aktionen beteiligt. Ich aber auch sagen, dass man in manche Aktionen schon auch ein Individalität einbringen kann. So ist das nicht.

    Lieben Gruß Eva

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    1. Klar, kann man auch Mottobeiträge individuell gestalten! Wenn ich z.B. einen Beitrag über die Entstehung von einer tollen genähten Eigenkreation irgendwo lese und dann ganz unten, quasi im Kleingedruckten den Hinweis, dass der jetzt auch noch irgendwo verlinkt wird, stolpere ich da viel weniger drüber, als - wie ich manchmal sehe - eine generische Überschrift und dann ein paar Fotos ohne individuellen 'Mehrwert', verstehst du? (Bei dir weiß ich eh immer gleich, dass du es bist, wegen dem Heimatfaktor, der aus deinen Beiträgen spricht!). Und ich war auch mal an dem Punkt, wo ich eine eigene Idee zurück gestellt habe, weil an dem Tag eine Linkparty dran war und morgen wieder eine - total crazy :)

      Viele Grüße,
      Hadassa

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