Donnerstag, 10. März 2016

U-Bahn? U-Bahn!

1863 

Die Tube wird in London eingeweiht. Sie ist die erste Untergrundbahn der Welt und geht mit Dampflokomotiven an den Start. Bereits am ersten Tag nutzen 38.000 Menschen das neue Fortbewegungsmittel. (150. Fakten zum 150. Geburtstag). 

Quelle: Wikipedia

1900

Die Linie 1 der Pariser Métro macht ihre erste Fahrt. Die schönen, bis heute erhaltenen Art Nouveau Stationsaufgänge sind Schmuckstücke und gehören untrennbar zum Pariser Flair. 

© Steve Cadman

1904

Die New Yorker Subway nimmt ihren Betrieb auf. Keine U-Bahn hat so viele Stationen und die Subway ist eine der wenigen U-Bahnen weltweit, die rund um die Uhr operieren. 

1935

Stalin ist der erste Passagier in der neu eröffneten Moskauer Metro. Die Legende sagt, dass zuvor tagelang Testfahrten mit einer Stalin-Puppe gemacht werden mussten. Die prachtvollen unterirdischen Bahnhöfe werden auch als "Paläste des Volkes" bezeichnet.  

Kievskaya station © unknown

2016 

In Tel Aviv ist Verkehrschaos. 

Läppische 153 Jahre nach der Eröffnung der Tube möchte die kulturelle Hauptstadt der High-Tech-Nation Israel nun auch eine eigene U-Bahn haben. Ich bin begeistert über dieses Vorhaben, denn ich liebe öffentliche Verkehrsmittel und U-Bahnen ganz besonders. Allerdings ist so ein Projekt gar nicht so leicht umzusetzen in einer Stadt, die immer in Bewegung ist und in der Busse, Taxis und Autos den größten Teil der Fortbewegungsmittel ausmachen. So eine U-Bahn gräbt sich ja auch nicht über Nacht und von Planungen für das Tel Aviver Straßenbahnnetz habe ich schon gehört, seit ich vor über 10 Jahren hier angekommen bin. Letzten August ist das Projekt aber tatsächlich in die Bauphase eingetreten. Angeblich wird schon gebohrt und gegraben unter der Stadt, die niemals schläft, die Eröffnung der ersten Linie ist für 2021 geplant. Das halte ich zwar für sehr optimistisch, aber ich will nicht unken. 

Selbst wenn der Zeitplan eingehalten würde, kann man ja aber nicht wirklich die gesamte Tel Aviver Innenstadt über mehrere  Jahre lahmlegen, denn dass weiträumige Sperrungen böse ausgehen, vor allem für Ladenbesitzer, hat man während des Baus der Jerusalemer Straßenbahn gemerkt. Dennoch musste die Verkehrsführung an und um die Baustellen herum drastisch geändert und teilweise für PKWs komplett gesperrt werden. Park&Ride-Parkplätze vor der Stadt bieten aber Shuttleservice in die Stadt an und in Tel Aviv selbst wird alles dafür getan, den öffentlichen Nahverkehr und die Geschäfte so wenig wie möglich zu behindern. Business as usual, soweit das eben möglich ist. 

Sogar Fußgänger müssen sich an manchen Kreuzungen neu orientieren: Ich zum Beispiel kann morgens nicht mehr dort über die Straße gehen, wo ich es immer gewohnt war, da soll nämlich eine Station entstehen. Ein Umweg von mehreren Minuten, den ich lächelnd in Kauf nehmen soll, denn, wie heißt der Slogan des Projekts so schön: 

Jetzt ist es schwer, aber hinterher wird alles leichter

Schauen wir mal, wann "hinterher" beginnt.  


U-Bahn Bauzaun in Tel Aviv



Mehr über die U-Bahnen der Welt könnt ihr in dieser Bildergalerie lesen :) 



Kommentare:

  1. Ein schöner Rückblick in die U-Bahn-Geschichte (am liebsten fahre ich in Lissabon mit der Metro oder der Straßenbahn...). Dann bin ich mal gespannt, wann Du zuerst in die Tel Aviver U-Bahn einsteigen kannst. Ich wünschte mir ja sehr, hier bei uns würde in den öffentlichen Nahverkehr investiert werden, anstatt in einen monströsen Bundesstraßenmoloch am See entlang.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. In Lissabon bin ich ja zur Zeit zumindest gedanklich viel unterwegs - der Held aus Nachtzug nach Lissabon fährt sehr viel mit der Straßenbahn, das macht richtig viel Lust! Ich hätte noch viel mehr interessante Straßenbahnen aus aller Welt aufnehmen können, aber ich wollte mich nicht vergaloppieren damit :)

      LG,
      Hadassa

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