Dienstag, 15. März 2016

Flickenteppich - meditative Handarbeit für Nähdeppen



Kennt ihr das auch, dass ihr aus dem Netz unendlich viel mehr Ideen aufschnappt und zum "unbedingt bald ausprobieren" abspeichert, als ihr realistischerweise zu euren Lebzeiten tatsächlich nachmachen könnt? Allein aus Zeitgründen? Das "Pinnen, statt machen"-Syndrom quasi, was bei mir dazu geführt hat, dass ich inzwischen recht zurückhaltend geworden bin mit dem reflexartigen Bookmarken und Abspeichern. Manchmal läuft mir aber eine Idee über den Schirm, die ich spontan so genial finde, dass ich sie sofort umsetzen muss. Das ging mir zuletzt mit den armgestrickten Schals so, dieses Mal war das Bild von einem selbstgemachten Flickenteppich auf Instagram schuld daran, dass ich mich sofort ans Werk machen wollte.

Ein zwei Klicks später fiel mir auf, dass es im Wesentlichen zwei Arten von Flickenteppichen ("Rugs") aus alten Stoffen ("Rags") gibt: Gehäkelte und geflochtene. Da man für die Häkelvariante eine extragroße Häkelnadel braucht und ich immer nicht weiß, ob und wo man so was in Israel überhaupt kaufen kann, entschied ich mich für die geflochtene Variante und las mir die Anleitungen auf Little House Living und Moda Bake Shop gründlich durch.

Bettwäsche habe ich ohnehin im Überfluss, denn außer den zwei-drei Sets, die ich am liebsten habe, bleiben die meisten immer im Schrank. Diese Überlegungen stellte ich noch im Bus auf dem Weg nach Hause an, direkt nach dem ich das Auslöserfoto entdeckt hatte. Zuhause fand ich dann einen ganzen Stall voll tadelloser Babybettlaken in Pastell, die wir damals im Nestbauüberschwang für das Mädchenbettchen gekauft und bei jedem Umzug mitgeschleppt haben. Außerdem einen halben Hjärta-Bettüberzug, der einst übrig geblieben war, als ich ihn auf die viel kleinere Kinderdecke zurecht nähen musste.. Das sollte für den Anfang doch erstmal reichen und wäre farblich auch ideal für das Mädchenzimmer.


Soweit so gut.

Ich hatte also 4-5 Babybettlaken aus Jersey und einen halben Bettbezug aus Baumwolle, die ich noch am gleichen Abend in Streifen riss. Vor lauter Eifer hätte ich dabei beinahe den "guten" Teil des Bettbezugs erwischt und nicht den Stoffrest. Ist aber gerade noch mal gut gegangen.

Das anschließende Flechten ging total easy. Nach knapp zwei Abenden (drei Outlander-Folgen, ähem) war der ganze Stoffhaufen verflochten und ich euphorisch. In einem Kreis ausgelegt ergab mein rund 25 Meter langer Stoffzopf einen potentiellen Teppich von knapp einem Meter Durchmesser, also ziemlich genau die Größe, die ich angepeilt hatte, und auch farblich kam es meinen Vorstellungen sehr nahe.

Aber: Das Zusammennähen des Dings stellte sich als zeitaufwändiger und anstrengender heraus, als ich dachte. (Eigentlich habe ich darüber im Vorfeld überhaupt nicht nachgedacht, muss ich sagen.) Ich nutze keine Maschine und in Handarbeit (mit dicker Nadel und festem Garn, ganz wichtig!) dauerte das noch mal mindestens sechs Outlander-Folgen, wobei ich verflixt aufpassen musste, dass der Teppich sich beim Nähen nicht zusammen zieht, sondern schön flach bleibt. Trotzdem habe ich am Ende mehrmals einzelne Abschnitte wieder aufgetrennt, bis ich den Bogen einigermaßen raus hatte. Vor dem Nähen feststecken und auf einer glatten Unterlage, am besten mit einem schweren Gegenstand auf dem bereits fertigen Teil, hat mir da sehr geholfen.




Alles in allem ist so ein Flickenteppich aber ein sehr simples Projekt, das jeder Anfänger hinkriegen kann. Ich würde beim nächsten Mal die Häkelvariante ausprobieren, weil dann das lästige Zusammennähen entfällt. Mein Endergebnis kann sich aber auch sehen lassen und vor allem ist der Teppich richtig schön weich und somit ideal fürs Kinderzimmer. Jetzt hoffe ich nur, dass das Mädchen das auch so sieht, sie soll das gute Stück nämlich zum Geburtstag kriegen :)





// Diese Projekt passt super zur "Machen, nicht pinnen"-Aktion bei "Geschwister Gezwitscher", da lade ich diesen Beitrag gleich mal ab.. //



Kommentare:

  1. Liebe Hadassa,
    ich habe mal die Häkelvariante ausprobiert aber so recht zufrieden war ich nie.
    Der Teppich war zu hoch und ich bin immer drüber gestolpert.
    Aber vielen Dank, das werde ich doch mal zeigen.

    Lieben Gruß Eva
    mein Teppich ist aber nich so schön geworden.

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  2. Ich habe eine laaaange Liste an Dingen, die ich ganz, ganz, GANZ dringend mal ausprobieren will. Ähem.. tja. So weit so gut :-) Dabei bleibt es auch meist. Dem Gedanken...
    Der Teppich ist klasse. Der wird ihr doch sicher gefallen! Ich glaube, ich wäre am Nähen gescheitert, da ich dann zwischendurch einfach keine Lust mehr gehabt hätte. Von daher: Respekt!
    Lg

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  3. Ein Glück gibts Outlander. Dein Teppich ist super geworden. Viel Freude damit wünscht Regula

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  4. Danke euch, ich bin auch ziemlich glücklich damit :)

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  5. Der sieht wirklich fein aus, besonders die Farbkombi. Da wird sich die Kleine sicher sehr drüber freuen. Ja, das Zusammennähen war bestimmt nicht einfach.
    Ich pinne natürlich auch mehr als ich mache. Aber ich schaue meine Sammlung regelmäßig an und lasse mich inspirieren. Irgendwie muss ich meine Tage stundenmäßig ausbauen...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Mehr Stunden am Tag wäre wirklich mal eine gute Erfindung ;)

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  6. Der Teppich ist toll geworden. Man denkt bei solch "großen" Projekten ja meist gleich an die Unüberwindbarkeit, doch vielleicht trau ich mich nun auch mal :)
    Liebe Grüße zu dir!

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    1. Es ist wirklich nicht so schlimm. Aber schau dir auch mal eine Anleitung für die Häkelvariante an :)

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  7. Schön, dass dir unsere Mitmach-Aktion gefällt und der Teppich ist wirklich ein perfektes Projekt dafür. Die Farben gefallen mir total gut. Und dann es ist auch noch eine Idee um überflüssig Gewordenes wunderbar weiter zu verwerten.
    Liebste Grüße
    Eva

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    1. Danke Eva :)

      Ich will mir wirklich vornehmen, öfter was tatsächlich zu machen, denn ich merke, dass mir das total gut tut, so als Ausgleich zu meinem ziemlich kopflastigen, unbunten Beruf :)

      Liebe Grüße,
      Hadassa

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  8. Die Arbeit hat sich auf jeden Fall gelohnt, der Teppich ist sehr schön geworden! Das Pinner Syndrom kenne ich ;)
    LG Mona

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    1. *lach*

      Ich glaube, das ist ein sehr verbreitetes Syndrom, aber man kann ja dagegen an :)

      Danke für deinen Besuch bei mir,
      Hadassa

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