Freitag, 5. Februar 2016

[Buch] Ray Bradbury: Fahrenheit 451

Ich habe kürzlich begonnen, mich durch eine Liste bedeutender Weltliteratur zu lesen. 100 Werke der Gegenwart und 50 Klassiker, die man gelesen haben sollte. Etwa die Hälfte davon habe ich in meinem Bücherleben schon gelesen, den Rest werde ich jetzt ein bisschen aktiver angehen.

Eingestiegen bin ich mit Fahrenheit 451 von Ray Bradbury, einem Titel, den ich schon länger im Visier hatte, weil er zu den ganz frühen Dystopien gehört, also rund ein halbes Jahrhundert vor dem großen Boom des Genres in der Jugendliteratur.


Fahrenheit 451Fahrenheit 451 by Ray Bradbury
My rating: 4 of 5 stars

In einer nicht allzu fernen Zukunft ist der Konsum und Besitz von Büchern verboten, stattdessen sorgen deckenhohe Fernsehbildschirme dafür, die Bürger rund um die Uhr mit personalisierten, aber stupiden, Realityprogrammen zu beschallen. Die Feuerwehr, so wie wir sie kennen, ist obsolet geworden, denn Gebäude werden aus nicht entflammbaren Baustoffen gebaut, Hausbrände gehören also der Vergangenheit an. Die neue Funktion der Feuerwehr ist es, verbotene Bücher zu verbrennen und die Besitzer ihrer gerechten Strafe zuzuführen. In dieser neuen Zeit ist Bradburys Hauptperson Guy Montag als Feuerwehrmann tätig. Er mag seine Arbeit und hätte sie wohl nie ernsthaft hinterfragt, hätte er nicht eines Abends seine junge Nachbarin getroffen, die höchst verstörende Ansichten zum Leben hat.

Fahrenheit 451 ist 1953 erschienen, liest sich dafür aber sehr flüssig weg. Mich hat besonders erstaunt und auch ein bisschen schockiert, wie scharfsinnig Bradbury den kulturellen Verfall der Gesellschaft, insbesondere in Bezug auf den TV-Konsum, schon vor über 60 Jahren vorausgesehen hat. Durch Montag konfrontiert er die Leser mit vielen philosophischen Gedanken und Fragen, die ich nicht beim ersten Lesen gänzlich durchdringen und aufnehmen konnte. Ich werde Fahrenheit also noch ein- oder mehrmals lesen müssen. Die Merkmale der totalitären Gesellschaft, wie sie für dystopische Romane charakteristisch ist, sind deutlich erkennbar, aber werden nicht in Einzelheiten ausgeführt. Das fand ich persönlich ein wenig enttäuschend, weil mich an diesem Genre die Beschreibung der Welt und des Alltags in der Gesellschaft immer mit am meisten interessiert.


Im Ramen der oben erwähnten Bücherkulturchallenge hat Franzi eine Leserunde zu Fahrenheit 451 durchgeführt. Ihre und weitere Rezensionen findet ihr auf ihrem Blog.



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Kommentare:

  1. Das ist eines der Bücher, die ich auch mal wieder in die Hand nehmen möchte. Einfach auch mal als Vergleich, in wie weit, wir uns der geschilderten Zukunftsgesellschaft schon angenähert haben *grusel*
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ich fand es weniger beklemmend als 1984. Vielleicht weil ein generelles Bücherverbots doch weit entfernt scheint, trotz all dem Mist, den die Menschheit sonst so baut.

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  2. Yum tuv, Hadassa.
    Wenn Dich Einzelheiten des Fahrenheit-Totalitarismus näher interessieren, dann wäre Truffauts eigenständige Verfilmung den Blick wert. Einmal davon abgesehen, daß Oskar Werners Darstellung schlicht dieser "Montag" ist.
    Und wie man/frau am europäischen Rechtsruck sehen kann, gehen Menschen Heilsversprechungen & Feindbildern auch im 21. Jahrhundert noch willigst auf den Leim.

    bonté

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    1. Den Truffaut-Film will ich dringend sehen. Muss ihn mir unbedingt besorgen. Und dass das Gespenst des totalitären Regimes immer nur so weit weg ist, wie wir schaffen, es zu verdrängen, wird mir immer klarer.

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    2. ...ich denke dieser Film war der wirklich erste, der mir zeigte, daß SF nicht einzig mit Weltraum zu tun haben muß. Tatsächlich geht es um die Menschheit, wie ihre zukünftige Erinnerung an sich einmal sein wird. Sagen wir in 5000 Jahren!
      Astronauten erklären gern, daß der Blick auf die blaue Kugel, den auf all die Hausgemachten Konflikte zu relativieren versteht; in ganz ähnlicher Weise tut dies auch ein Blick auf die bisherige Existenzgeschichte des Planeten (4,5 Mrd Jahre) - hier wird die menschliche Egozentrik (Ideologien, Macht, Reichtum) zum Nichts.

      bonté

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  3. Das ist eines dieser Bücher, die ich auch unbedingt nochmal lesen möchte. Auch wenn ich es immer sehr unheimlich finde, wenn man Bücher wie dieses (oder auch 1984) in der heutigen Zeit liest und, wie du ja auch schon erwähnt hast, sehen kann, wie nahe wir diesen Zuständen mittlerweile schon gekommen sind. Ich hätte mir bei dem Buch nur gewünscht, dass es etwas länger und gewesen wäre, da so irgendwie einige Dinge zu kurz gekommen sind.

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    1. Schön, dass du vorbeischaust :)

      Ich fand 1984 noch eine ganze Ecke beklemmender als Fahrenheit 451. Hier bleibt doch vieles nur angedeutet und das Ende lässt, fand ich, mehr Raum für Hoffnung. Aber die Verdumpfung der Gesellschaft kommt schon extrem gruselig rüber, und in der Hinsicht sind wir heute bei all dem Wissen, das prinzipiell jedem frei zugänglich ist, nicht wirklich erhellter.

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