Freitag, 29. Januar 2016

[Buch] Dorit Rabinyan: Gader Chaya / Borderlife

גדר חיהגדר חיה by Dorit Rabinyan
My rating: 4 of 5 stars

Romeo und Julia im Nahostkonflikt.

An einem kühlen Herbstnachmittag lernen sich Liat und Chilmi in New York kennen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt und so werden aus dem kurzen Treffen mehrere Stunden, am Abend landen beide in Chilmis Wohnung in Brooklyn, wo Liat am nächsten Morgen aufwacht. Eigentlich der klassische Auftakt zu noch einem beliebigen Liebesroman, einer romantischen Komödie vielleicht. Doch Gader Haya ist anders, denn Liat ist eine Jüdin aus Tel Aviv, Chilmi ein palästinensischer Künstler aus Ramallah. Ihre Liebesgeschichte, die so unkompliziert beginnt, ist nur möglich, weil beide sich fernab der Heimat begegnen, wo sie ihr kulturelles und historisches Gepäck zwar nie ganz ablegen, es aber immerhin erfolgreich verdrängen können. Durch die kalten New Yorker Wintermonate hindurch leben die beiden in einer Realität auf Zeit, einem Traum, in dem die Frage nach der Zukunft niemals konkret ausgesprochen wird, obwohl beiden vor der unausweichliche Trennung graut.

Dorit Rabinyan ist es mit ihrem Roman gelungen, ein, wie ich finde, realistisches Szenario zu zeichnen, wie eine Liebesbeziehung zwischen Israelis und Palästinensern aussehen könnte. Die Konflikte und Krisen, denen sich Liat und Chilmi in Gader Haya stellen müssen, sind für mich absolut vorstellbar, obwohl die beiden Protagonisten alles andere als (religiöse) Fanatiker sind. Getragen wird die Geschichte aber nicht von den Konflikten, sondern der Beschreibung dieser großen, mühelosen Liebe, die das Feindbild, das beide vom Volk des anderen haben, überwindet. Unüberwindbar scheint dagegen die Realität in der Heimat, nach der sich beide in diesem kalten Winter sehnen, und in der sie so nah und doch so weit voneinander entfernt aufgewachsen sind.

(Spoiler)

Ich habe Gader Haya wie viele Israelis dieses Jahr aus Protest und Neugierde gelesen, nachdem das Erziehungsministerium verlauten ließ, dass der Roman entgegen einer Empfehlung von Literaturexperten nicht in die Lektüreliste für die israelische Oberstufe aufgenommen wird, weil er Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden ermutige. (Mehr dazu) Außerdem, so legte man als Erklärung nach, nachdem ein Sturm der Entrüstung losgebrochen war, käme darin die israelische Armee schlecht weg und könnte Oberschüler so kurz vor ihrem Wehrdienst verunsichern. Beides kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil finde ich es unheimlich wichtig, dass Schüler auf beiden Seiten des Konflikts Geschichten wie diese lesen und vielleicht daraus mitnehmen, den anderen zuerst als Menschen zu sehen, der leben und lieben will.

Auf Deutsch wird Gader Chaya Mitte August im KiWi-Verlag erscheinen. 



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Kommentare:

  1. Servus, Hadassa.
    Der Roman zeigt eigentlich exemplarisch, daß wir - jeder Einzelne von uns - Menschen sind. Zuallererst und nichts weiter. Und Menschen verlieben sich. Also warum suchen, seit Jahrtausenden, andere Interessen hierbei hineinzureden...offensichtlich geht es einzig um die Ausübung von Macht hierbei. Denke ich.
    "...weil er Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden ermutige." sagt als "Argumentation" eigentlich alles über die schiefe Haltungslage dahinter aus.
    Gab es seither eine weitere Reaktion des Ministeriums, oder hat die zuständige Ministerin auf stur & die Ohren auf Durchzug gestellt!?

    Im Zusammenhang mit dem Plot im Roman - wie scheint Dir die Beziehung zwischen Rey & Finn angelegt?

    bonté

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    1. Rey und Finn ... hm... scheint mir bisher eher eine geschwisterliche Freundschaft zu schein und ich bin unsicher, ob ich die beiden als romantisches Paar sehen kann/will. Da muss man wohl abwarten, wo das noch hinführt :)

      Aber Luke ist Reys Vater, oder? Was denkst du?

      VG,
      Hadassa

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    2. ...Luke sollte definitiv Reys Vater sein. Sehr interessant wird hier bleiben, wann der von Schicksalen gezeichnete (wir kennen Reys Mutter nicht)Jedi seiner Tochter die Tasse Tee darüber einschenkt. "Hi, meine Tochter!", oder mehr ein "Ich bin dein Vater"-Momentum.
      Finn mag Rey vom allerersten Augenblick an sehr ("Noch nie hat mich jemand so angesehen wie du."). Und auch seine Reaktion auf ihre Verschleppung erscheint mir eindeutig in diese Richtung zu gehen. Bei Rey bin ich mir noch nicht wirklich sicher, zumal sie sich emotional mit den Grundsätzlichkeiten ihrer Herkunft konfrontiert sieht. Eine enge Verbindung hat aber auch sie zu Finn.
      Möglich, daß es die Macher dezent auf eine Romanze hinauslaufen laßen. Oder beide teilen ein frühes Schicksal, ohne die Erinnerung daran zu haben. Vielleicht beides.

      Tatsächlich kann ich Rey & Finn sehr gut als Paar sehen - zumal beide damit auch für eine Selbstverständlichkeit stehen würden.

      Aber im Dezember erwartet uns erst Geschichte & Schicksal der Truppe, die die Pläne des ersten Todessterns besorgte. Regisseur Gareth Edwards hat seit 'Monsters' einen ordentlichen Vorschuß bei mir eingefahren.

      bonté

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