Freitag, 30. Oktober 2015

12tel Blick Oktober

Als ich Anfang der Woche (am ersten Tag des großen Regens) auf meinen Hügel stieg, um das Foto des Monats zu machen, sah es dort zu meiner Ernüchterung leider noch fast exakt genau so aus, wie im September und August. 

Also nahm ich mir vor, es zum Wochenende hin noch einmal zu versuchen. Eine gute Entscheidung, denn die paar Tage Regen haben gereicht, die Natur dort aufzuwecken: Es grünt und sprießt allerorten und aus "Ich gehe mal eben mein Monatsfoto machen, bin gleich wieder da!" wurde eine große Runde um den Hügel, sehr zur Begeisterung des Hundedings. Was gab es zu schnüffeln und zu entdecken! Schmetterlinge, Libellen, Bienen, die ersten Blüten... 

Hach. 






Alle Blicke könnt ihr hier ansehen.

// Der 12tel Blick ist eine Fotoaktion von Tabea Heinicker, die jeweils am Ende des Monats die Monatsblicke der teilnehmenden Blogger bei sich sammelt. //



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Donnerstag, 29. Oktober 2015

Winterzeit - Winterschlaf

Seit am Sonntag die Zeit zurückgestellt wurde fühle ich mich, als würde ich mich am liebsten in eine dunkle, warme Höhle verkrümeln und Winterschlaf machen. Es wird so früh dunkel, noch früher als sonst, und mir fehlt jeglicher Antrieb für alles, was über das absolut Notwendige hinaus geht.

Außerdem ist es urplötzlich Winter geworden, mit heftigem Dauerregen und allgemeiner Ungemütlichkeit. Ja, wir wollten den Regen. Natürlich wollten wir ihn, ich ja auch, aber es ist trotzdem immer wieder ein kleiner Schock, wenn er dann auf einmal da ist. So als hätte man ihn plötzlich angestellt. In einigen Städten waren die Regenfälle so stark, dass es innerhalb kürzester Zeit zu meterhohen Überschwemmungen und Stromausfällen kam. In unserer Stadt kommt der Strom aus unterirdisch verlegten Leitungen, denen dieser erste große Herbststurm nichts anhaben konnte, andernorts waren teilweise ganze Stadtteile über mehrere Tage ohne Strom. Weil die israelischen Ablaufsysteme alt und schlecht sind, verwandelten sich Straßen in reißende Flüsse und bei manchen Bildern konnte ich kaum glauben, dass sie echt sind (etwa hier und hier). Laut lachen musste ich über die surfenden Mülltonnen, aber insgesamt war ich diese Woche einfach nur schrecklich dankbar, dass wir trocken geblieben sind...

Den Jetlag nach der Zeitumstellung scheine ich so langsam zu überwinden (immerhin ist es jetzt schon nach 22:00 und ich bin immer noch wach!) und womöglich kommt dann auch wieder etwas mehr Schwung in meine Bloggerei. Es gäbe so einiges zu erzählen.





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Donnerstag, 22. Oktober 2015

6 Wochen und eine Stunde ...

... habe ich auf einen Maxibrief aus Deutschland gewartet.

Aufgegeben wurde er am 9. September, am 19. Oktober hatte ich die Abholnachricht im Briefkasten und ging gleich am nächsten Tag zur Filiale, um ihn abzuholen. Dort musste ich eine Nummer ziehen. Es war kurz nach sieben und 58 Personen warteten noch vor mir.

Also nutzte ich die Zeit, um Schuhe für das Mädchen zu kaufen (praktischerweise ist die neue Post im Einkaufszentrum). 

Zurück in der Post waren immer noch fast 30 Personen vor mir und hätte ich dort nicht die Mama einer Schulkameradin getroffen, hätte ich an dieser Stelle wohl aufgegeben, so blieb ich auf ein Schwätzchen. 

Eine gute Dreiviertelstunde später hielt ich meinen Maxibrief endlich in Händen, nicht ohne zuvor mit Gleichgesinnten lautstark die Probleme der Post diskutiert zu haben, die, seit der Israeli das Onlineshopping in Asien entdeckt hat und dort von Rasierklingen bis zum Heimtierbedarf alles bestellt, weil es sooooo billig ist, unter dem zusätzlichen Paketaufkommen fast zusammen bricht. Das kombiniert mit Sparmaßnahmen und Personalkürzungen führt zu riesigen Engpässen. 

Gemeinsam mit meinem Abholschein lagen nämlich auch noch Briefe aus Jerusalem von Anfang September und einige Rechnungen aus unserer Stadt von vor drei Wochen. 

Absurd: Man schafft es, revolutionäre Durchbrüche bei Microchips und Co. zu erzielen, aber nicht, zeitnah die analoge Post auszuliefern...






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Sonntag, 18. Oktober 2015

Samstagsfragmente #17

Graffiti in Florentin

Samstag


Unser Samstag war ziemlich unspektakulär. Ausschlafen, rumgammeln, ein kleiner Ausflug in die Nachbarstadt, um uns dort ein Stadtviertel anzusehen, das möglicherweise als Option für günstigere Wohnpreise in Frage käme, eine daraus resultierende emotionale Katastrophe, weil das Mädchen sofort in Panik geriet, wir könnten es morgen aus der Schule nehmen, den Freundinnen entreißen und gewaltsam wegverpflanzen. Uff.


Die Woche


Erfreulichkeiten


1. Die erste "lange" Woche nach den vielen Feiertagen ging kurzweilig und schnell vorbei

2. Mal wieder die einzig "richtige" Pride & Prejudice Verfilmung gesehen - mit Colin Firth als Mr. Darcy *schmacht

3. Liebe Freunde getroffen und in Jaffa superlecker bei Abulafia gegessen

4. Einen kleinen Spaziergang in unserem alten Viertel in Tel Aviv gemacht und zu unserer allerersten Wohnung "Hallo" gesagt

5. Schokolade aus Deutschland bekommen



Erlesenes


Snow on the Golden Horn von Walt Breede.

Ein Krimi-Thriller um einen bodenständigen Mathelehrer aus Virginia, der auf einer Recherchereise in Istanbul etwas zu viel Staub aufwirbelt und so unvermutet zwischen die Fronten gerät. Nette Idee, aber leider Schwächen in Stil und zahlreiche Logikbrüche. Aber die Kulisse ist toll beschrieben und hat mir gleich wieder Fernweh beschert. :) 

The Haj von Leon Uris:

Das habe ich schon länger als Hörbuch, aber irgendwie fesselt es mich nicht so richtig. Außerdem finde ich den Sprecher und die übertriebenen Nahostakzente ziemlich nervig. 



Und bei euch so?



// mehr Samstagsgeplauder gibt es wie immer bei Frau Karminrot //




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Samstag, 17. Oktober 2015

Liebster Award im Doppelpack :)

Ich habe in letzter Zeit zweimal das gleiche Stöckchen gefangen und gehöre tatsächlich zu der (aussterbenden) Sorte Blogger, die sowas gerne bearbeiten. Eines kam schon vor einiger Zeit von Little B. mit Fragen, für die ich teils weit ausholen musste, das andere - kurz und knackig - von Frau Stadtlandjob aus der Heimat. Danke für's Zuwerfen :)


Hier sind die Fragen und Antworten ...

[Little B.] Wie sehr trennst Du Web und Wirklichkeit?

Gar nicht. Ich halte das Web für einen Teil meiner persönlichen Wirklichkeit. Ich habe darüber auch vor einiger Zeit mal recht ausführlich meine Gedanken dargelegt. In meiner Welt sind die zwischenmenschlichen Kontakte im Netz schon längst nicht mehr von denen im "Real Life" zu trennen. Viele davon sind über die Jahre "echte" Beziehungen geworden, meine beste Freundin hier in Israel habe ich vor 8 Jahren in einem deutschen Elternforum kennengelernt. Schwieriger finde ich es, die Balance zwischen dem Leben 0.1 und dem Leben 0.2 zu finden, sprich darauf zu achten, dass meine zwischenmenschliche Interaktion nicht nur noch aus dem Netz kommt oder aber die Netzbeziehungen über Wochen "ins Regal zu stellen", weil mich gerade der Familien und Arbeitsalltag voll in Anspruch nimmt. Das empfinde ich als große Herausforderung.

[stadtlandjob] Fahrrad oder Auto?

Hm... zur Arbeit pendle ich mit dem Bus, sonstige Besorgungen erledige ich meist mit dem Auto oder auch mit dem Bus.

[Little B.] Arbeitest Du angestellt oder freiberuflich?

Angestellt. Ich war früher freiberuflich tätig und habe festgestellt, dass ich für meinen persönlichen Seelenfrieden die Sicherheit eines festen monatlichen Geldeingangs brauche. Außerdem mag ich die Interaktion mit anderen Menschen in meinem Büroalltag. Andererseits beneide ich alle glücklichen Freiberufler um ihre Freiheit :)

[stadtlandjob] Torte oder Kuchen?

Kuchen, am liebsten Apfelkuchen, Brownies und Hefegebäck.

[Little B.] Möchtest Du mit Deinem Blog Geld verdienen? Oder tust Du es schon?

Nein, ich verdiene mit meinem Blog kein Geld und bin auch da immer wieder sehr hin- und hergerissen. Einerseits finde ich "werbebloggen" total blöd, andererseits kenne ich einige tolle Blogs, die neben persönlichen Artikeln, wie unsereiner sie auch schreibt, ihren Lesern - aus meiner Sicht durchaus authentisch - Produkte empfehlen, die sie selbst toll finden und dafür eine Gegenleistung bekommen. Manche sollen von ihrer Bloggerei sogar leben können. Das finde ich schon bewundernswert.

[stadtlandjob] Meer oder Berge?

Berge. Meer höchstens am Abend oder im Winter, ich kann mit Strand nichts anfangen.

[Little B.] Warum hast Du keine eigene Domain?

Ich habe mich damit ehrlich gesagt noch nie so richtig auseinandergesetzt, weil ich mit der Oberfläche von Google eigentlich sehr zufrieden bin und bisher immer dachte, dass Blogspot keine eigenen Domains unterstützt. Dass das gar nicht stimmt, habe ich jetzt gerade erst herausgefunden und ich werde mir vor diesem Hintergrund mal überlegen, ob eine eigene Domain für mich Sinn macht.

[stadtlandjob] Pop oder Rock?

Rock!

[Little B.] Kannst Du Dir vorstellen auch noch in 10 Jahren zu bloggen?

Grundsätzlich ja, aber 10 Jahre sind schon eine echt lange Zeit. Ob es bis dahin überhaupt noch Blogs gibt, so wie wir sie kennen?

[stadtlandjob] Instagram oder Flickr?

Instagram

[Little B.] Welche Apps sind auf dem Startscreen von Deinem Smartphone zu finden?

Facebook, Twitter, Audible, Onleihe, Feedly, Fotogalerie, Camera, WhatsApp, Calendar, Gmail, Chrome, eine ÖV-App, Instagram, Messenger, Goodreads

[stadtlandjob] Haus oder Wohnung?

Wohnung mit keinen Ambitionen auf ein Haus. Viel zu viel Treppen und Putzerei für zu wenig mehr Lebensqualität.

[Little B.] In welchen Social-Media-Kanälen bist Du noch zu finden?

Öffentlich auf Instagram, Goodreads und Twitter, auf Facebook nur mit meinem persönlichen Account. Wer sich dort mit mir befreunden bin, darf mir gerne eine Anfrage schicken.

[stadtlandjob] Dialekt oder Hochdeutsch?

Ich kann beides :)

[Little B.] Wie wichtig ist Dir Deine Statistik (Leser- und Besucherzahlen, Suchbegriffe etc.)?

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass mich das überhaupt nicht tangiert, denn so sehr ich mein Blog schätze, allein um des Bloggens und des Gedanken sortierens willen, bin ich manchmal doch ganz schön gefrustet, wenn ich sehe, wie um mich herum die Neublogs aus dem Boden schießen und "sofort" viel mehr Leser und Aufmerksamkeit bekommen, als ich nach vielen Jahren. Dafür, dass ich (wie ich finde) authentisch blogge und doch ziemlich viel Zeit investiere, um diese Ecke nett zu machen, würde ich mir manchmal ein bisschen mehr wünschen. Mehr Zugriffe, mehr Interaktion, mehr Feedback, mehr externe Erwähnung, mehr .... Aufmerksamkeit einfach. Ausführlich habe ich mich über dieses Thema vor einiger Zeit auch schon mal ausgelassen.

[stadtlandjob] Mathe oder Deutsch?

Deutsch.

[Little B.] Was würdest Du mit Deiner Zeit machen, wenn Du nicht bloggen würdest?

Im besten Fall mich mehr mit meiner Familie beschäftigen, im schlechtesten Fall irgendein doofes Online-Spiel zocken.

[stadtlandjob] WordPress oder Blogger?

Blogger. Habe vor bald 4 Jahren von WordPress gewechselt und bereue nichts.

[Little B.] Wie steht Dein Partner zu Deinen Social-Media-Aktivitäten?

Geht so. Grundsätzlich positiv und unterstützend, obwohl ihm für vieles einfach Verständnis fehlt. Aber er lässt sich alles bereitwillig erklären, das hilft.

[stadtlandjob] Choleriker oder Stoiker?

eher Choleriker, denke ich ... (aber nur, wenn man mich aufregt.)

[Little B.] Was hast Du durch Bloggen (über Dich) gelernt?

Dass Schreiben doch nicht so einfach ist, wie ich immer dachte. Und dass man eben doch nicht alles so unverblümt rauslassen kann, wie es einem manchmal so passen würde, weil man nie richtig anonym oder inkognito ist. Eine gewisse Mäßigung hat ja aber auch ihr gutes, denn ich will mich auch in 10 Jahren nicht für das schämen müssen, was ich heute, möglicherweise im Affekt, schreibe, auch wenn sich meine Meinung zum einen oder anderen Thema geändert hat. So sehe ich heute vieles anders, als in meiner Blogneulingszeit, dennoch finde ich meine Beiträge von damals nach wie vor sachlich.

***

Da ich ja (s.o.) weiß, dass die Stöckchenmöger so langsam aussterben, werde ich keinen nominieren, aber wer möchte, darf sich gerne diese 10 Fragen nehmen und beantworten :)


1. Star Trek oder Star Wars?

2. Bier oder Wein?

3. OV oder synchronisiert?

4. Süß oder salzig?

5. Pauschalurlauber oder Backpacker?

6. Lego oder Playmobil?

7. Mac oder PC?

8. iPhone oder Android?

9. Fisch oder Fleisch?

10. Outdoor oder Indoor? 





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Mittwoch, 14. Oktober 2015

und wenn ich weine, weine ich um uns alle


mehr habe ich zur Zeit nicht zu sagen.. :´(






Textauszüge:

Your eyes say 
A day will come and all fear will disappear
In your eyes a determination
That there is a possibility
To carry on the way
As long as it may take
For there is no single address for sorrow
I call out to the plains
To the stubborn heavens 
There must be another way
And when I cry, I cry for both of us
My pain has no nameAnd when I cry, I cry
To the merciless sky and say
There must be another way


und ein bisschen mehr über die beiden Frauen ist hier.




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Sonntag, 11. Oktober 2015

Samstagsfragmente #16 - Kunst!

Umm el-Fahem, Israel

Samstag


Gestern war ich zu einer Vernissage im Norden Israels. Die Tourneeausstellung moderner deutscher Kunst seit 1949 "Weltreise" des IfA wird hier im Land für mehrere Monate gastieren und in zwei Teilen zeitgleich im Kunstmuseum des Kibbutz Ein Harod und in der Kunstgalerie der arabischen Stadt Umm el-Fahem ausgestellt. Beide Standorte sind auf ihre Weise bedeutungsvoll: Das Kunstmuseum in Ein Harod wurde 1948 mitten im Unabhängigkeitskrieg gegründet und ist damit eines der ältesten Museen in Israel.

Die Kunstgalerie in Umm el-Fahem besteht seit 20 Jahren und fördert aktiv die arabische und palästinensische Kunstszene. Die Vision, dort in Zukunft das erste arabische Kunstmuseum in Israel zu bauen ist stark, die Baupläne ambitioniert. In der Galerie werden Kunstworkshops für Jugendliche und Kinder angeboten und sie wird regelmäßig von Schulklassen und Kindergärten besucht. Im Obergeschoss hat die jüdische Keramikkünstlerin Rina Peleg ihr Studio und veranstaltet dort auch Workshops für arabische Hausfrauen, die unter ihrer Anleitung wunderschöne Keramikarbeiten herstellen. Eine zauberhafte Oase des kulturellen Dialogs zwischen Juden und Arabern also, in einer Stadt, die der gemeine Israeli sonst nur aus den Nachrichten kennt, wenn es mal wieder zu gewalttätigen Protesten und Unruhen gekommen ist.

Und so verrückt es klingt, am Ende einer derart von Gewalt geprägten Woche zu einer Kunstausstellung mitten in einer arabischen Stadt zu fahren, entschieden wir uns gerade deshalb nach einigem Abwägen dafür.

Zugegeben, ein bisschen zaghaft manövrierte ich durch die engen, steilen Straßen bis zur Galerie, nicht ohne mich trotz Navi einmal im typisch arabischen Verkehrschaos zu verfahren, und atmete erstmal tief durch, nachdem ich das Auto unbeschadet geparkt hatte. Die aufrichtige ungläubige Freude der Veranstalter darüber, dass wir uns in diesen Tagen auf den Weg hierher gemacht haben, räumte dann aber die letzten Zweifel im Handumdrehen aus. Und die Atmosphäre war, obwohl bedingt durch die angespannte Lage viel weniger Besucher erschienen waren als geplant eine ganz besondere. Der Galeriegründer Said in seiner Eröffnungsrede:

Zu einer solchen Eröffnung erwarten wir normalerweise 1000 Besucher. Aber heute sind die, die gekommen sind, so viel wert wie 2000!

Der Vizebürgermeister der Stadt war besonders überschwänglich und herzlich und die Frau des Galeriegründers untröstlich darüber, dass sie uns nicht direkt zu sich nach Hause zu Kaffee und Kuchen einladen konnte. Aber beim nächsten Mal, ja? "Anytime", ihr seid willkommen bei uns, jederzeit. Auf Nachfrage empfahl sie uns ein Restaurant zum Mittagessen. Wir sollen einen Gruß von ihrem Mann ausrichten, am Wochenende gäbe es dort manchmal besondere Kleinigkeiten zu essen.

Als wir dort ankamen, wurden wir zunächst etwas kritisch beäugt (zwei offensichtlich ortsfremde Frauen verschlägt es sicher nicht oft her), aber umgehend höflich und professionell bedient. Als wir unseren Gruß ausrichteten, leuchtete das ganze Gesicht des jungen Obers auf - ja, den kenne man natürlich! Das "schnelle" Mittagessen wurde zu einem Festmahl, fast war es uns unangenehm, wie königlich wir hier behandelt wurden, und die Festreden in Ein Harod, wo etwas später am Tag der zweite Teil der Ausstellung eröffnet wurde, verpassten wir auch.

Aber so ist das eben im nahen Osten - wenn man zu Gast ist, darf man nicht auf die Zeit achten.







Die Woche



5 Erfreulichkeiten:


Meine Erfreulichkeiten suche ich ja immer in meiner sehr privaten, ganz persönlichen "Bubble", aber diese Woche, in der ich oft wie gelähmt war vor lauter Elend, ganz besonders. 


1. Der erste Regen !

2. Das Laubhüttenfest ist mit einem wunderschönen Raclette-Abend bei Freunden ausgeklungen.

3. Unser Hundeding hat sich wieder fast vollständig erholt. (Da fällt mir ein, dass ich von ihrem Unfall hier gar nichts erzählt habe vor lauter Schreck, oder? Egal, es ist glimpflich ausgegangen und unser Bankkonto wird sich auch wieder erholen. Mit der Zeit.)

4. Ein Sodasprudler ist diese Woche bei uns eingezogen! Bye, bye Flaschenschlepperei und Plastikmüll :)

5. Den plötzlichen Wintereinbruch (ha!) habe ich zum Anlass genommen, meine kuschelige Daunendecke aus dem Schrank zu holen. Und schon schläft es sich viel besser.


Erlesenes:



"Blindness" / "Die Stadt der Blinden" von José Saramago hat mich diese Woche sehr beeindruckt und auch ein wenig erschüttert. Ich muss mal sehen, ob ich meine Gedanken dazu noch in einen richtigen Beitrag sortiert bekomme.




"Sherlock Holmes and the Chilford Ripper" von Roger Jaynes ist ein Krimi angelehnt an den Kanon von Conan Doyle. Sowas mag ich ja und dieser las sich flüssig und angenehm, obwohl ich ihn etwas vorhersehbar fand.





Webfragmente:



Noch mal Sherlock Holmes: Der Trailer für das Christmas Special der BBC-Serie Sherlock ist online...

Fotogalerie mit Fotos von Büchermenschen im frühen 20. Jahrhundert - sehr sehenswert :)

Erstaunlich: Deutsche "Lehnwörter" im Hebräischen.





// der Post geht wieder ganz schnell noch zu Frau Karminrots Samstagsplausch //






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Montag, 5. Oktober 2015

Jordanien - wundersames Nachbarland

Ich hatte ja schon das eine oder andere Mal erwähnt, wie sehr ich (euch) Europäer darum beneide, dass ihr einfach ins Auto steigen und ganz unkompliziert in eure Nachbarländer reisen könnt. In Israel sind die Grenzen zu unseren beiden Nachbarn im Norden komplett dicht und mit Jordanien und Ägypten gibt es zwar Friedensabkommen, richtig "normal" sind die nachbarstaatlichen Beziehungen aber nicht. Und wir sind leider weit entfernt davon, mal eben über's Wochenende zum Shopping nach Amman zu fahren oder zum Badeurlaub nach Sharm El-Sheikh. So war ich, als sich mir die Chance bot für ein paar Tage nach Jordanien zu reisen, ziemlich gespannt.

Da der Landweg über einen der drei Grenzübergänge schwierig und langwierig ist, mache ich die Reise über den Jordan mit Royal Jordanian - reine Flugzeit 25 Minuten. Mit mir sitzen nur eine Handvoll Passagiere im Flieger, es fühlt sich surreal an. Erst geht es über urbanes Gebiet Richtung Jerusalem und dann sehe ich plötzlich nur noch unendliche Wüste. Ab und an ein paar vereinzelte Bauten oder eine Tierherde, sonst nichts. Als ich gerade darüber nachsinnen will, wie weit es wohl noch bis zur irakischen Grenze ist, gehen wir in den Sinkflug und setzen kurz darauf nicht im Wüstensand, sondern auf der Landebahn des neuen Queen Alia Flughafens auf. 

Welcome to Jordan.

An der Passkontrolle lässt man mich, nachdem ich ein Touristenvisum für rund 40 Euro erworben und in eine Hightechkamera gestarrt habe, ohne weitere Fragen passieren. Mir bleibt kaum Zeit, die moderne Ankunftshalle zu bestaunen, denn wenig später rollt schon mein Gepäck vom Band und draußen erwartet mich ein freundlicher junger Taxifahrer, der mich nach Amman bringen wird. Ob ich das WiFi-Passwort will? Klar! Wie nett, von dieser Seviceattitude könnten sich die israelischen Taxifahrer mal eine Scheibe abschneiden. 

Überhaupt werde ich in den nächsten Tagen feststellen, dass in Sachen Service und Höflichkeit gegenüber Touristen die Jordanier ganz weit vorne sind. Ich wurde regelrecht überwältigt von all dem "Yes Madam", "May I help you, Madam?", "Good morning, Madam", "Thank you, Madam".

Auf der Fahrt in die Hauptstadt frage ich meinen Fahrer ungeniert aus und erfahre schon einiges interessante über Jordanien und Amman. Außerdem entdecke ich, dass IKEA auch hier Wurzeln geschlagen hat. Das Logo erkenne ich in jeder Sprache. Schneller als gedacht sind wir an meinem Konferenzhotel angekommen, ich bedanke mich herzlich bei meinem Fahrer, nehme von ihm noch den wichtigen Hinweis entgegen, mich in den kommenden Tagen keinesfalls von lokalen Taxifahrern übervorteilen zu lassen und checke ein. In meinem Zimmer läuft die Klimaanlage auf Hochtouren und ein Blick aus dem Fenster zeigt mir Gebäude aus hellem Stein, die mich an Jerusalem erinnern. Die nächsten Stunden verbringe ich in einem ebenso wohltemperierten Konferenzsaal, ich bin nicht (nur) zum Spaß haben hier, aber am späten Nachmittag stürze ich mich in das Getümmel in Downtown Amman. Mit dem Taxi geht es schnell und der Preis ist sehr moderat, vorausgesetzt man erkundigt sich vorher, was ein angemessener Preis ist und verhandelt entsprechend.  

Downtown Amman


Fotos: 1) Straße in Downtown, 2) historisches Gebäude, 3 und 6) Minarette der al-Husseini Moschee, 4) Gewürzhändler, 5) Schaufenster eines Schmuckladens, 7) Fenster 


Mitten im Geschehen lässt uns der Taxifahrer unweit der al-Husseini-Moschee raus und ich brauche einen Moment, mich zu orientieren. Es ist viel los um diese Uhrzeit und man weiß nicht so recht, wo man überhaupt anfangen soll. Fast fühle ich mich wieder so wie bei meinem allerersten Besuch in Jerusalem, so viele Eindrücke, Gerüche, Farben und über allem der geschäftige Lärm eines orientalischen Stadtkerns. Und doch ist die Atmosphäre wieder ganz anders. Selbstbestimmter, weniger unter Strom, freier und "zurückgelehnter". Aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein...

Gewürzhändler verkaufen buchstäblich bergeweise Zatar, Sternanis, Kardamom, Zimtstangen, Kräutermischungen, Käsepulver und losen Tee. In Parfümerien gibt es viele Sorten Olivenölseifen, Parfüms in hübschen Flakons und wer keines entdeckt, das ihm gefällt, kann sich aus feinen Duftölen einen eigenen Lieblingsduft anmischen lassen. In vielen Läden gibt es traditionelle Gewänder zu kaufen, aufwändige Festkleidung von Hand bestickt für mehrere hundert Euro oder einfache Alltagskleider, deren Maschinenstickerei für den Laien nur auf den zweiten Blick als solche erkennbar ist.


Waren wie aus 1001 Nacht

Sehr angenehm ist in allen Läden die unaufdringliche Freundlichkeit der Händler. In keiner Situation hatte ich das Gefühl, etwas kaufen zu müssen, im Gegenteil durchstreiften wir viele verschiedene Läden und konnten diese jederzeit wieder verlassen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn wir nichts gekauft hatten. Das habe ich in Jerusalem schon ganz anders erlebt, gerade als unbedarfter Tourist.

Highlight #1


In der "Gold- und Silberstraße", wo die Schaufenster voll Geschmeide hängen und der Preis für Schmuckstücke nach Gewicht bestimmt wird, möchte ich dem Mädchen ein Armkettchen als Mitbringsel kaufen. Filigran soll es sein, nicht zu teuer, hübsch und "made in Jordan". Vor allem "made in Jordan". Diese Mission stellt sich als schwieriger heraus, als gedacht, denn die zarten Silberkettchen sind alle entweder italienische oder thailändische Importware, der jordanische Schmuck ist wunderschön, aber schwer und für ein Mädchen zu massiv. Einen Laden nach dem anderen klappern ich und meine Begleiterinnen ab, ich glaube, ich habe noch nie so viel Gold gesehen, es wirkt unwirklich und künstlich, so massenhaft wird es hier ausgestellt.

Am Ende, im allerletzten Laden, hat ein hilfsbereiter Verkäufer die rettende Idee: Er individualisiert mir ein einfaches Silberkettchen mit kleinen Charms, die ich mir aus einer großen Auswahl selbst aussuchen darf. "Made in Italy - designed in Jordan" quasi, das gefällt mir. Wir einigen uns auf einen Preis für ein Kettchen mit fünf Charms und er macht sich an die Arbeit. Es ist herzig zu sehen, wie dieser coole junge Kerl mit seiner Juwelierszange winzige Schmetterlinge, Blumen und Ornamente an dem zarten Kettchen anbringt. Als er fertig ist, stellt er stirnrunzelnd fest, dass die Charms nicht gleichmäßig verteilt sind. So kann er mir das Kettchen unmöglich verkaufen, es geht gegen seinen ästhetischen Anspruch. Deshalb soll ich mir noch zwei Charms aussuchen - "same price, don't worry" - und danach noch einen, bis er endlich das Ergebnis erreicht, das ihn zufriedenstellt.

Er weiß, dass ich das Kettchen für meine Tochter kaufe und so packt er es liebevoll in ein rosanes Glitzerschächtelchen und steckt das zusätzlich in einen roten Schmuckbeutel. Rund 15 Euro bezahle ich dafür, keinen Piaster mehr als vereinbart, das Erlebnis ist unbezahlbar. Ich frage ihn wie er heißt und verspreche ihm, meiner Tochter zu erzählen, dass er diesen Schmuck extra für sie gefertigt hat. Wie gern würde ich ihm erzählen, dass es ein israelisches Mädchen ist, das ihn tragen wird, aber das ginge wahrscheinlich zu weit. So lasse ich ihn lediglich ein wenig überrascht darüber zurück, dass ich seinen Namen spontan beinahe akzentfrei aussprechen kann.


Flagge am Königspalast in Amman (Foto: Shannon Hobbs)


Nach Einbruch der Dunkelheit erwacht in Amman langsam das Nachtleben. Junge Jordanier treffen sich in der Stadt in Cafés und Restaurants zum Essen, oft begleitet von einer Shisha, die fast überall angeboten werden und mich total faszinieren. Mädchen wie Jungen treffen sich zum gemeinschaftlichen Wasserpfeifchen, es sieht unheimlich entspannt und gemütlich aus.

An meinem ersten Abend in Downtown Amman essen wir auf der Dachterrasse eines Restaurants, das außer uns hauptsächlich von Einheimischen gut besucht ist. Wir bestellen Kofta, in einer tiefen Pfanne gebackenes Hackfleisch mit Kartoffeln und Sesamsoße, und essen leckeren Hummus dazu. Von der Straße weht der Lärm der Stadt zu uns herauf und im Gastraum unter uns hören wir die fröhlichen Gespräche der anderen Gäste.

Highlight #2 

An einem anderen Abend verschlägt es uns in eine andere Ecke der Stadt: Die Rainbow-Street könnte auf den ersten Blick auch in einem angesagten Berliner Kiez oder in Tel Aviv zu finden sein: Hippe Cafés, Boutiquen und Restaurants reihen sich hier aneinander und der Showroom der Jordan River Foundation ist ebenfalls hier zu finden. Dort kann man wunderschönes Kunsthandwerk bewundern (auch auf Instagram übrigens) und kaufen. Der Erlös kommt den wohltätigen Projekten der Stiftung für jordanische Kinder und Familien zugute.

In einem Buchladen findet sich von Twilight, über Kamasutrabücher, christliche Erziehungsratgeber bis hin zu einem Reiseführer zum Jesus-Trail in Galiläa so ziemlich alles, was man nicht vermuten würde. Und das angeschlossene Café im bunten Retrolook, in dem wir leckerste geeiste Pfefferminzlimonade trinken, hat hausgemahlenen Kaffee, Cocktails und leckere Kleinigkeiten wie Pizza auf der Karte. Außerdem Steckdosen im Fußboden an denen die Gäste unkompliziert ihre Smartphones und Laptops aufladen können. Ich schaue mich um, beobachte datende Pärchen, zwei plaudernde Freundinnen und eine Gruppe albernes Jungvolk mit Laptop, und sinne darüber nach, wie einfach alles sein könnte, wenn man sich in unserer Region über die Landesgrenzen und Ethnien hinaus mehr als Individuen und nicht immer als "Araber vs. Juden" wahrnehmen könnte. Seufz.

Es sind laue Sommerabende in Amman, die Probleme des Nahen Ostens weit weg, und ich hätte noch viel länger verweilen, Land und Atmosphäre aufsaugen mögen, wohl wissend, dass sich mir so bald wohl keine Chance mehr auf einen Besuch bieten wird.


Abends in Amman 

Highlight #3


Ein Ausflug führt uns zu den Überresten der antiken römischen Stadt Jerash im Norden Jordaniens. Es ist unglaublich, wie fantastisch die typisch römischen Bauwerke erhalten und über die Jahre restauriert worden sind. Das Gelände ist riesig und man bräuchte eigentlich einen ganzen Tag, um alles in Ruhe zu bestaunen.

Kapelle
Wir haben leider nur wenige Stunden zur Verfügung, und so legt unser Führer ein recht zügiges Tempo vor, um den Rundgang im vorgesehenen Zeitrahmen zu schaffen. Wir starten am großen säulenumstandenen Forum und steigen dann hoch in Richtung Amphitheater, das bis heute unter anderem als Konzertbühne genutzt wird. An diesem Tag ist es nahezu menschenleer, dennoch geben uns drei traditionell gekleidete Musiker ein fröhliches Ständchen.

Wir spazieren an mehreren Tempeln und einer byzantinischen Kirche vorbei bis zum Nordtheater mit Blick auf das Nordtor. Der Rückweg geht über den römischen Cardo, vorbei am Nymphäum, massenhaft Überresten von weiteren kunstvoll gemeißelten Säulen bis zum alten Markt. Ich finde Archäologie ja wahnsinnig faszinierend und so kam ich aus dem Fotografieren gar nicht heraus. Inmitten all der Bauwerke und Reste dieser großen Zivilisation ist es leicht, sich vorzustellen, wie das Leben damals hier pulsiert haben muss, und unwillkürlich wünscht man sich eine Zeitmaschine herbei, um sich das alles einmal "in echt" ansehen zu können.


Jerash - Gerasa


Über das Forum spazieren wir schließlich Richtung Hadriansbogen zum Ausgang, wo verschiedene Händler traditionelle Waren und Andenken verkaufen. Es ist deprimierend zu sehen, wie ausgestorben an dieser wichtigen Sehenswürdigkeit hier alles ist: Der Tourismus in Jordanien ist in den letzten Jahren massiv zurückgegangen, und es bricht mir das Herz zu sehen, wie dieses Land, das es geschafft hat, sich aus den Unruhen und Kriegen der umliegenden Länder bisher weitgehend rauszuhalten und dabei gleichzeitig wahnsinnig viele Flüchtlinge aufzunehmen, unter dem Chaos leidet.

Dabei hat Jordanien so viel zu bieten (das Essen!) und ich hatte bei meinem kurzen Besuch das Gefühl, nur mehr an der Oberfläche gekratzt zu haben. Wadi Rum, Petra, die alten Wüstenschlösser und das Dana Naturreservat würde ich zu gerne auch einmal sehen. Wie ich neulich bei einem Reiseblogger gelesen habe: Jordanien ist die Wundertüte der arabischen Welt. 




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Freitag, 2. Oktober 2015

12tel Blick September.... (immer noch kein Regen)

Mehr gibt es dazu eigentlich gar nicht zu sagen.

Es ist immer noch ziemlich warm hier, es hat immer noch nicht geregnet, und die Landschaft ist immer noch dürr und trist.

Aber die Dattelpalme hängt voll dicker roter Früchte. Wie die das wohl macht? Das finde ich ja schon fast wieder faszinierend...





Alle Blicke könnt ihr hier ansehen.

// Der 12tel Blick ist eine Fotoaktion von Tabea Heinicker, die jeweils am Ende des Monats die Monatsblicke der teilnehmenden Blogger bei sich sammelt. //



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