Donnerstag, 22. Oktober 2015

6 Wochen und eine Stunde ...

... habe ich auf einen Maxibrief aus Deutschland gewartet.

Aufgegeben wurde er am 9. September, am 19. Oktober hatte ich die Abholnachricht im Briefkasten und ging gleich am nächsten Tag zur Filiale, um ihn abzuholen. Dort musste ich eine Nummer ziehen. Es war kurz nach sieben und 58 Personen warteten noch vor mir.

Also nutzte ich die Zeit, um Schuhe für das Mädchen zu kaufen (praktischerweise ist die neue Post im Einkaufszentrum). 

Zurück in der Post waren immer noch fast 30 Personen vor mir und hätte ich dort nicht die Mama einer Schulkameradin getroffen, hätte ich an dieser Stelle wohl aufgegeben, so blieb ich auf ein Schwätzchen. 

Eine gute Dreiviertelstunde später hielt ich meinen Maxibrief endlich in Händen, nicht ohne zuvor mit Gleichgesinnten lautstark die Probleme der Post diskutiert zu haben, die, seit der Israeli das Onlineshopping in Asien entdeckt hat und dort von Rasierklingen bis zum Heimtierbedarf alles bestellt, weil es sooooo billig ist, unter dem zusätzlichen Paketaufkommen fast zusammen bricht. Das kombiniert mit Sparmaßnahmen und Personalkürzungen führt zu riesigen Engpässen. 

Gemeinsam mit meinem Abholschein lagen nämlich auch noch Briefe aus Jerusalem von Anfang September und einige Rechnungen aus unserer Stadt von vor drei Wochen. 

Absurd: Man schafft es, revolutionäre Durchbrüche bei Microchips und Co. zu erzielen, aber nicht, zeitnah die analoge Post auszuliefern...






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Kommentare:

  1. Ganz so schlimm ist es hier noch nicht, aber auch gemächlich. Meine Pakete in die USA gebe ich übrigens immer in der nahen Schweiz auf. Teurer, aber verlässlicher und viel schneller. Von Deutschland aus konnte sich die Reise über Wochen (und auch schon mal über Monate) hinziehen.
    Ich bewundere Deine Geduld - wenn ich 58 Leute zwischen mir und meinem Päckchen wüsste, wäre ich - hhmmm, bestimmt etwas ungeduldiger als du, freundlich ausgedrückt (da bin ich dann wieder froh über unsere kleine Dorfpostagentur).
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ja, es ist echt anstrengend mit dem Postversand an Verwandte im Ausland :(

      LG,
      Hadassa

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  2. Eines Tages wird die Post wohl auch bei euch einführen, was an meinem Wohnort in der Nähe von Jerusalem letzter Schrei ist: Ein Teil unserer 28 000 Einwohner holt jetzt Pakete und eingeschriebene Sendungen im kleinsten Tante-Emma-Laden alias Makolet des Ortes ab. Dort sind die Schalterzeiten kundenfreundlicher, nämlich von 15 bis 19 Uhr. Warten müsse man scheint´s nie länger als zehn Minuten und kann inzwischen noch den Hüttenkäse oder ein paar Tomaten einkaufen, sofern um diese Stunde noch nicht ausverkauft.

    Aber ohne ein bisschen "Chelm" geht ja in diesem Lande nichts: Wer bekommt seine Postsachen in "unserem" Lädchen? Natürlich die Bewohner des weit entfernten Yasmin-Viertels, die keine Busverbindung hierher haben und für deren Autos kein einziger Parkplatz vorgesehen ist. Wir aber pilgern weiterhin in die kleine Agentur, die nur für kurze Stunden mitten am Tag offen steht.

    Übrigens: Wer sein Paketchen im Lädchen abholt und auch noch ein paar Marken möchte, muss nachher trotzdem noch entweder zur Agentur (zu andern Zeiten, wie gesagt) oder in der grösseren Filiale im Einkaufszentrum eine Nummer nehmen und waaaaarten..

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    1. Ich habe auch schon gehört, dass die Paketannahme aus den Poststellen ausgelagert werden soll. Wäre ja auch keine dumme Idee, wenn es denn funktioniert. Wir hatten hier vor Jahren einen Paketautomaten, aus dem man zu jeder Tages- und Nachtzeit seine Pakete abholen konnte. Der stand da einige Monate, dann war er zunächst vorübergehend außer Betrieb, danach stand er noch eine Weile "tot" da und war irgendwann spurlos verschwunden. Ich habe munkeln gehört, er hätte ein Ersatzteil gebraucht, das nirgends zu beschaffen war.

      Israel ist und bleibt eine Bananenrepublik. High-Tech hin oder her ;-)

      Liebe Grüße zu dir,
      Hadassa

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