Sonntag, 20. September 2015

From Israel with love.... Babytragen für Flüchtlinge

Während gefühlt die ganze Welt (ich auch) begeistert nach Deutschland schaut und sieht, wie kreativ, herzlich und engagiert dort die normale Bevölkerung ihren Beitrag zur Flüchtlingshilfe leistet, ist hier in Israel fast unbemerkt eine kleine Hilfsaktion gestartet, die in ihrer Schlichtheit so überwältigend ist, dass ich sie unbedingt hier erwähnen muss.

Angelehnt an das amerikanische Vorbild "Slings for Refugees" hat sich auf Facebook eine Gruppe israelischer Eltern gebildet, die gespendete Tragehilfen für Babies und Kleinkinder sammeln und über Freiwillige und IsraAID, eine israelische Hilfsorganisation, an Brennpunkten auf den Flüchtlingsrouten verteilen lassen. Da die Flüchtlinge mit Babies und kleinen Kindern oft lange Strecken zu Fuß zurücklegen müssen, sollen diese Tragen ihnen helfen, ihre Kinder auf der Flucht immer sicher und geborgen am Körper zu haben. Ich gestehe, ich empfand diese Aktion sofort als unheimlich lieb, aber auch ein bisschen naiv und wie einen Tropfen auf den heißen Stein. Ich kann aus meiner nüchternen deutschen Haut halt nicht wirklich raus.

Schnell musste ich aber einsehen, dass ich die israelische Durchsetzungskraft und Kreativität mal wieder unterschätzt habe: Kaum hatte ich mich nämlich in die Gruppe einladen lassen und überlegte noch, was ich sinnvollerweise aus meinem Fundus spenden könnte (in meinem früheren Leben war ich mal Trageberaterin und hatte immer noch ein paar Tragen im Keller, von denen ich mich nicht trennen konnte.. jetzt nicht mehr, wie schön!), da tauchten schon die ersten Fotos von strahlenden Eltern und ihren Babies auf, die im ungarischen Grenzgebiet von IsraAID-Freiwilligen Tragehilfen bekommen hatten.


Quelle: IsraAID

Quelle: IsraAID

Quelle: IsraAID

Ist das nicht einfach wunderbar?

Dieser Tage geht es in der Facebook-Gruppe Schlag auf Schlag, fast täglich werden Sammlungen verschickt oder mit Freiwilligen auf die Reise gebracht, und es finden sich immer mehr Eltern ein, die ebenfalls mitmachen wollen.

Heute hat ein freiwilliger Helfer auf Lesbos ein Bild von einem Ergo-Carrier eingestellt, der "meinem" gespendeten zum Verwechseln ähnlich sieht. Ob er es ist werde ich nie wissen können, aber es ist schon toll, wenn man so unmittelbar sieht, dass die praktische Hilfe genau dort ankommt, wo sie hin sollt.



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Kommentare:

  1. Bore da, Hadassa.
    Noch die kleinste Geste wirkt auf ihre Weise, denke ich. Von daher gesellt sich jeder Tropfen zu einem anderen.
    Den feinen Bildern aus hiesigen Bahnhöfen zum Trotz, gibt es auch in diesem Deutschland von Unkereien, Verbalentgleisungen bis hin zu offener Gewalt alles zu erleben. Tumbheit wird stolz präsentiert & der selbsternannte "Wutbürger" baut sich seine Sandsackstellung gleich hinter dem Gartenzaun.

    Die Fotos veranschaulichen, daß flüchtende Menschen Individuen sind - nicht die gern beschwörene "Flut".

    Schöner Post. Tudah.

    bonté

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    1. So denke ich auch. .. obwohl ich schon meine, dass man die Sorgen und Bedenken der Bevölkerung ernstnehmen und thematisieren muss, bevor miese Stimmungen zu weit um sich greifen.

      Viele Grüße,
      Hadassa

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