Freitag, 21. August 2015

London, Tag 2: Streik - Southwark - Sightseeing mit den "Locals"

am Streikmorgen
Nach unserem ersten ausgefüllten Tag in London, verbringen wir eine richtig gute Nacht in kuscheligen Hotelbetten. (Trotz englischen Bettdecken). Wir schlafen etwas länger als geplant und wollen es ruhig angehen lassen, schließlich streikt die Tube und der Berufsverkehr unter unserem Fenster brummt wie verrückt.

Im Frühstücksraum wird uns von zwei Hotelmitarbeitern in blütenweißen Hemden und gestärkten Schürzen ein echt englisches Frühstück serviert. Mit Tea oder Coffee, Orangensaft, frischer Grapefruit, Toast - natürlich - und Orangenmarmelade. Das Mädchen bekommt eine Kinderportion, die so groß ist, dass wahrscheinlich manch Erwachsener Mühe gehabt hätte, sie zu verdrücken.

Der Gatte macht uns noch schnell ein paar Sandwiches zum Mitnehmen, Käse, Baguettes und Wurst gibt es bei Tesco 24h am Tag zu erschwinglichen Preisen an jeder Ecke. 

Original English Breakfast


So gestärkt mit Stadtplan und Oystercards ausgestattet, machen wir uns alsbald auf den Weg zur Bushaltestelle, wo wir erstmal ziemlich lange auf eine bestimmte Buslinie warten, die einfach nicht kommen will, während ein Bus nach dem anderen der Linien 188 und 168 an uns vorbei schaukelt, bis wir feststellen, dass wir auch ganz einfach einen von denen nehmen können, um unserem Ziel ziemlich nahe zu kommen. Wir ärgern uns also kurz über unsere eigene Blödheit, steigen dann flugs in den Doppeldecker Richtung Waterloo und ergattern sogar einen Platz ganz vorne mit bester Aussicht auf Londons Straßen. 


Doppeldeckerfahren hat auch was

Stockend geht es quer durch die Innenstadt über die Themse bis zum Waterloo-Bahnhof, wo wir aussteigen und uns auf den Weg Richtung Tate Modern machen.  

Spaziergang durch Southwark


So eine gemütliche Bummelei durch das "echte" bürgerliche London hat ihren ganz eigenen Charme und die kleinen Gässchen und Querstraßen hätten wir glatt verpasst, wären wir underground gefahren. So hatte der Tube-Streik am Ende auch sein Gutes. Der Windmill Walk mit seinen identischen Reihenhäusern, der Konditorei an der Ecke, den quietschbunten Türen und mittendrin dem Pub "The King's Arms" hat es uns besonders angetan.


mit bunten Türen
so viel zu sehen...
alte Gässchen
The King's Arms

Tate Modern - Surrealisten / Pop Art


Im Tate Modern angekommen sind wir erstmal überwältigt von der Größe des berühmten Kunstmuseums. Der Eintritt in die gigantische Sammlung ist frei (ebenso in viele andere staatliche Museen in London wie British Museum, National History Museum, National Gallery u.a.) und so lassen wir es uns nicht nehmen, wenigstens kurz an der Kunst zu schnuppern.

Tate Modern 

Foto: Gatte

Mehr als ein kurzer Gang durch die Pop Art-Galerie und ein Besuch bei den Surrealisten ist zeitlich nicht drin, aber auch dafür hat es sich schon gelohnt.


Georg Baselitz
Andy Warhol
Roy Lichtenstein


An der Themse lang zu Shakespeare's Globe


Raus aus der Tate finden wir uns an der Themse Promenade wieder, wo es sich herrlich an allerlei Straßenkünstlern vorbeiflanieren lässt.


Seifenblasenartist
"Bobbies"

Wenige Schritte weiter ist schon Shakespeare's Globe, genau wie er damals ausgesehen haben muss, als der Barde selbst dort Theater machte. Führungen gibt es meist nur vormittags, da nachmittags und abends echter Theaterbetrieb stattfindet. Stehplatzkarten kosten erschwingliche 5 Pfund, durch das "Groundling Gate" am Seiteneingang kommt man abends direkt in den Hof vor der Bühne. Es hätte mich schon sehr gereizt, hier ein Stück von Shakespeare auf der Bühne zu sehen, aber dafür muss ich wohl eines Tages ohne Kind wiederkommen. Vor Jahren habe ich in Stratford-upon-Avon Hamlet im Theater gesehen und war sehr beeindruckt, wie toll muss das Theatererlebnis da erst im Globe sein?


Shakespeare's Globe

Groundling Gate

Hier in dieser Ecke der Stadt sieht alles aus, wie im Europapark, die Gebäude wirken wie aus Pappmaché und alles ist so strahlend sauber und gepflegt, als wäre es gar nicht echt. Wir spazieren an einem Nachbau von Sir Francis Drake's Segelschiff vorbei, einigen malerischen Pubs und an dem Eingang in die Gewölbe des gruseligen Clink Gefängnisses, das man natürlich auch besichtigen kann, wenn man denn will. Überhaupt kann man hier an jeder Ecke irgendetwas besichtigen, aber wir wollen jetzt schnell weiter zum Borough Market, das Mädchen nölt schon, wir seien bereits viel zu viel gelaufen heute und muss dringend aufgetankt werden. 

Borough Market


Den farbenprächtige Lebensmittelmarkt unter der London Bridge hat mir eine Freundin sehr dringend ans Herz gelegt, als sie hörte, dass wir nach London wollen. Ein goldwerter Tipp, denn hier gibt es so viel zu sehen, riechen und schmecken, dass man sich wohl mehrere Tage lang durch all die internationalen Leckereien fressen könnte, ohne dass es jemals langweilig wird. Von Eiscreme aus Ziegenmilch, über kalt gebrauten Kaffee aus Äthiopien bis hin zur deutschen Bratwurst ist alles dabei. Wir lassen uns einen sehr feinen italienischen Cappuccino schmecken, das Mädchen bekommt Eistee und darf am Nachbarstand Brownies probieren. Lecker!


Kaffee
Riesencookies
Törtchen
Foccaccia
Brot
Cupcakes
Pralinen
Torten
Auf Wiedersehen

Southwark Cathedral und The Shard


Unmittelbar neben dem Markt erhebt sich die über 1000 Jahre alte Southwark Cathedral, die wir - da wir nun schon mal da sind - ebenfalls besuchen. Der Eintritt ist frei und das Bauwerk zwar kleiner als Westminster Abbey aber ebenfalls ziemlich beeindruckend mit seiner alten gotischen Struktur und den wunderschönen Glasfenstern. Im Hof ist gerade ein Bastelnachmittag für Kinder, bei dem das Mädchen einen Wasserspeier aus Ton anfertigen darf. Eine kleine Ruheoase in diesem intensiven sonnigen Tag.

Cool und trendy
trifft auf alt und ehrwürdig

Inzwischen ist es 14:00 und wir sollten uns langsam auf den Rückweg machen, denn eine alte Bekannte hat auf Facebook gesehen, dass wir in London sind und uns spontan zu sich eingeladen. Am London Bridge Bahnhof direkt am Fuße des Shard warten wir auf den Bus. 

Zu diesem Zeitpunkt haben wir uns an dem neuen Londoner Wahrzeichen, das sich ungefragt in jedes Panoramafoto drängt, schon fast satt gesehen, aber es sieht aus dieser nahen Perspektive schon sehr imposant aus. Für etwa 25 Pfund pro Nase kann man hoch auf eine Aussichtsplattform fahren und hat dort angeblich die allerbeste Aussicht über die Stadt. Höher, weiter, besser eben...


neuestes Wahrzeichen 
auch imposant von unten

Unser Bus ist diesmal kein Doppeldecker und schon voll als wir einsteigen. Es ist heiß und stickig, der Verkehr stockend und so quält sich die Fahrt zurück nach Bloomsbury ziemlich. Von der Haltestelle sind es noch etwa 15 Minuten zu Fuß zum Hotel, die wir versuchen zu genießen, obwohl unsere Freundin wohl schon wartet. Blöder Tube-Streik! 


öfter mal die Gebäude ansehen und fotografieren


Russell Hotel 
ehrwürdiges Haus am Platz




Litte Venice und Paddington


Letzten Endes kommen wir aber doch noch, leicht außer Atem am Russell Square an und steigen direkt in das klimatisierte Auto unserer Freundin um. Die Fahrt geht ans gefühlt andere Ende der Stadt, nach Little Venice, wo der neue Paddington Bär-Film gedreht wurde, den das Mädchen und ich lieben. Unsere Freunde, die erst am Morgen aus dem Urlaub gelandet und ziemlich gejetlagged sind, bewirten uns zuerst mit Kaffee und selbstgebackenem Brombeerkuchen und führen uns dann an die Originalschauplätze des Films, an der Villa des Paddington-Autors Michael Bond und unterwegs auch an Alan Turings Geburtshaus vorbei. Unterwegs bestaunen wir die hübschen Hausboote auf dem Kanal und lernen, dass das berühmte St. Mary-Krankenhaus, in dem all die "Royal Babies" zur Welt kommen, ganz in der Nähe ist und dass die Bahnsteigszene im Paddington-Film morgens um 4:00 gedreht werden musste, weil sonst immer zu viele Menschen am Bahnhof sind. Sightseeing mit "Locals" ist doch am besten! 

Das Highlight unserer kleinen Walking Tour für das Mädchen ist eindeutig der Besuch im Paddington-Laden am Bahnhof, wo sie sich einen Bären als Andenken aussuchen darf. 

(Hätten wir gewusst, wie viel Merchandise hier angeboten wird, wir hätten uns möglicherweise nicht darauf eingelassen, denn das Kind war von der Auswahl vollkommen überfordert und brauchte eine halbe Ewigkeit, sich für den perfekten Bären zu entscheiden.)


Bahnhofsuhr Paddington

genau hier kam der Bär an :) 

Nach einem sehr leckeren Abendessen bei unseren Freunden (ich kann immer noch nicht richtig fassen, wie fantastisch sie uns so spontan bewirtet und bespaßt haben), sitzen wir noch länger gemütlich beisammen und können uns nur schwer wieder gen Hotel aufraffen. Dort angekommen duschen wir ausgiebig im - ich muss es noch mal betonen - blitzsauberen Etagenbad und gehen dann bald ins Bett. 

Während Mann und Mädchen schnell einschlafen, liege ich noch lange wach und frage mich, wie wohl das Sightseeing-Programm des nächsten Tages klappen wird. Ich habe viel geplant und plötzlich Bedenken, ob alles so klappen wird, wie gedacht....

Paddington




Weiterlesen:

London, Tag 1 - Stuttgart - Horley - London !
London, Tag 3 - Sightseeing extreme


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Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Mein lieber Herr Gesangsverein,
    da habe ich doch den Herrn Baselitz mit dem Herrn Barlach verwechselt.
    Ich bin aber auch doof. Damit es nicht so schlimm ist, habe ich den Kommentar von mir gelöscht.
    Baselitz kenne ich zwar auch, aber es ist halt kein Barlach, den habe ich schon im Dom zu Güstrow gesehen.
    Man, das ist ja eine Blamage.

    Lieben Gruß Eva

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    1. Das kann doch mal passieren, der Name klingt ja auch wirklich sehr ähnlich :)

      Ganz liebe Grüße,
      Hadassa

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