Montag, 17. August 2015

[Buch] Alina Bronsky: Baba Dunjas letzte Liebe


Baba Dunjas letzte LiebeBaba Dunjas letzte Liebe by Alina Bronsky
My rating: 5 of 5 stars

Die hochbetagte Baba Dunja hat sich vor Jahren entschieden, in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Das wäre an sich nichts Ungewöhnliches, läge das Dorf nicht in der Todeszone eines verunglückten Kernkraftreaktors. Die ganze Gegend ist radioaktiv verstrahlt, keiner darf sich hier dauerhaft aufhalten, geschweige denn ansiedeln, doch die kleine Dorfgemeinschaft von Tschernowo kümmert sich nicht um Vorschriften. Die Bewohner sind alle alt, manche krank und wollen nichts weiter, als ihr Leben in der Heimat zu Ende leben. Baba Dunja, die von den anderen als eine Art Bürgermeisterin angesehen wird, baut Gemüse in ihrem Garten an und versorgt sich weitgehend selbst. Die beschwerliche Fahrt in die nächste Stadt nimmt sie nur selten auf sich, um Post abzuholen, ihre Rente abzuheben und das Nötigste einzukaufen. Es ist ein idyllisches Leben, doch dann tauchen Fremde auf und bringen die Gemeinschaft in Gefahr.

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An den Super-GAU von Tschernobyl werde ich mich wohl mein Leben lang als die größte Katastrophe meiner Kindheit erinnern und noch heute läuft es mir kalt den Rücken herunter, wenn ich daran denke, wie nachhaltig uns das damals auch in Deutschland traumatisiert hat. Als ich vor einigen Jahren eine Reportage über Tschernobylheimkehrer las, faszinierten und gruselten mich die Schicksale der Menschen gleichermaßen, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand freiwillig in dieser geradezu postapokalyptischen Realität lebt.

Auf Alina Bronskys neuen Roman war ich daher besonders gespannt und setzte hohe Erwartungen in ihre Erzählkunst. Ich wurde nicht enttäuscht, denn sie schafft es mit scharfsinnigem Wortwitz und dabei unheimlich einfühlsam, auf engstem Seitenraum diese unwirkliche Welt entstehen zu lassen und jedem einzelnen der greisen Heimkehrer ein Gesicht zu geben. Es fiel mir nicht leicht, das kleine Bändchen am Ende zuzuklappen und Tschernowo zurückzulassen, so liebens- und lebenswert war mir die kleine Dorfgemeinschaft geworden.

Vielen Dank an den KiWi-Verlag für das Leseexemplar!


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