Mittwoch, 8. Juli 2015

[Buch] John Irving: The Cider House Rules / Gottes Werk und Teufels Beitrag

The Cider House RulesThe Cider House Rules by John Irving
My rating: 5 of 5 stars

Als ich kürzlich beim Stöbern auf Goodreads an "Gottes Werk und Teufels Beitrag" hängenblieb und es mir auf meine Leseliste setzte, fiel mir auf, dass ich auf Englisch schon seit längerem auf dem Kindle horte und fing direkt an zu lesen.

Der Roman beginnt in den 1920er Jahren mit der Geburt des Waisenjungen Homer Wells. Das Waisenhaus von St. Cloud's, das von dem Gynäkologen Dr. Larch und einigen Schwestern geleitet wird, ist eine Anlaufstelle für ungewollt schwangere Frauen, denn in einer Zeit, in der an eine Lockerung des Abtreibungsverbots noch gar nicht zu denken war, lässt Dr. Larch den Frauen in seiner Klinik die Wahl. Bei ihm können sie sich zwischen einer professionell durchgeführten Abtreibung und der Geburt eines Waisen entscheiden. Für die meisten Waisen findet Dr. Larch schon früh ein neues Zuhause, nur Homer Wells scheint unbedingt bleiben zu wollen. Nach vier fehlgeschlagenen Adoptionsversuchen erkennt Dr. Larch, dass der Junge wohl in St. Cloud's bleiben wird und beschließt, ihn zu seinem Assistenten zu machen. Homer ist ein aufmerksamer Schüler, der schon bald Geburten betreuen kann. Allerdings ist er nicht bereit, Abtreibungen vorzunehmen, sein Gewissen lässt es nicht zu, und obwohl er Dr. Larch's Beweggünde nachvollziehen kann und weder ihn noch seine Patientinnen verurteilt, bleibt er bei diesem Entschluss und verlässt schließlich St. Cloud's, um sein Glück in einem anderen Tätigkeitsfeld zu suchen.

"The Cider House Rules" hat mich auf verschiedenen Ebenen bewegt. Es ist ein schöner breit angelegter Bildungsroman, in den ich mich gerne vertieft habe. Homer Wells ist ein Charakter, den man gerne auf seinem Weg begleitet, so schwer der mitunter auch ist. Daneben steht Homers Vaterfigur Wilbur Larch, der als Charakter ebenfalls sehr interessant und auf seine Art grundgütig und liebenswert ist.

Das Abtreibungsthema, das sich durch den ganzen Roman zieht, hat mich natürlich ebenfalls beschäftigt. Ich bin kein Mensch, der Abtreibungen leichtfertig gegenüber steht, sondern der Meinung, dass eine Abtreibung immer die letzte Wahl sein sollte, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind und es für die Frau wirklich keinen anderen Ausweg gibt. Andererseits halte ich es für wichtig, dass Abtreibung als legale Option zur Verfügung steht, und Irving beschreibt die Realität der Frauen, bevor es diese Option gab, entsprechend drastisch. Dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass er mit seinem Roman massiv Pro-Choice-Propaganda macht, vielmehr nutzt er seine Protagonisten dazu, das Dilemma zu zeigen, ob es wirklich immer das richtige ist, Leben um jeden Preis zu ermöglichen, ganz egal wie hoch dieser Preis für die Frau und möglicherweise später das Kind ist.

Insgesamt ein sehr lesenswerter Roman, der auf Deutsch im Diogenes-Verlag erschienen ist.




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