Mittwoch, 29. Juli 2015

[Buch] Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel #LLBC

Ich bin fast durch mit meinem Leserinnenlieblingsbuch für diesen Monat. Andrea Holunder hatte mir für die Challenge "Das Glasperlenspiel" von Hermann Hesse empfohlen


Das GlasperlenspielDas Glasperlenspiel by Hermann Hesse
My rating: 4 of 5 stars

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...

Ich war sehr dankbar für die Gelegenheit, diesen deutschen Klassiker, dessen Titel und Cover der neueren Suhrkamp-Ausgabe mich schon lange reizen, endlich einmal zu lesen. Bisher habe ich nämlich nur Siddhartha gelesen, als Teenager aus Eigeninteresse, und leider nur wenig davon behalten, in der Schule ging Hesse hingegen vollkommen an mir vorbei. Scheinbar war er just als ich in der Oberstufe war gerade nicht im Lehrplan vorgesehen.

Als ich "Das Glasperlenspiel" jetzt zur Hand nahm, war ich also sehr gespannt darauf, denn ich hatte mich mit der Handlung bisher gar nicht auseinandergesetzt. Die Idee, die Vision einer gesellschaftlichen Utopie, in der die Künste und Wissenschaften einen Sonderstatus einnehmen und in der alles intellektuelle ineinander fließt und zu immer größerer Vollkommenheit strebt, finde ich faszinierend. Außerdem fand ich den Gedanken sehr spannend, einen Zukunftsroman zu lesen, der lange vor meiner Geburt und lange vor all den technologischen Errungenschaften der letzten Jahre entstanden ist. Hatte Hesse etwa ein wenig Science-Fiction einfließen lassen? Ich lese ja sehr gerne Jugendliteratur, die sich Gesellschaftsformen in der nahen oder ferneren Zukunft ausdenkt, Dystopien und postapokalyptische Romane werden ja in letzter Zeit geradezu inflationär auf den Markt geworfen. Dass Hesse schon damals in diese Richtung gedacht hat, fand ich dann doch zweifelhaft, aber auf jeden Fall war ich sehr gespannt. Wie gesagt.

"Das Glasperlenspiel" erzählt die Lebensgeschichte von Josef Knecht, einem Meister des Spiels und Zögling Kastiliens, jenes intellektuellen Ordens, dem in Hesses Gesellschaft ein ganz besonderer Stellenwert zukommt. Das "Glasperlenspiel" wenn ich das wenige, das im Roman erklärt wird, richtig verstanden habe, wird dort als hohe Kunst zelebriert, verschiedene intellektuelle Disziplinen der Wissenschaften und Künste zusammenwirken zu lassen. Es gilt als die höchste Kunst Kastiliens, nach der es sich zu streben lohnt und man merkt von Anfang an, dass hier nur die besten der Besten eine Chance haben, sich zu verwirklichen. Das Wesen des Spiels, das laut Knechts Biografen viel zu komplex ist, um es Laien zu erklären, bleibt dadurch leider sehr undurchsichtig, was ich schade fand.

Auch war mir persönlich der biografische Aufbau ein wenig zu sperrig, ich glaube, mir hätte Knechts wirklich erstaunliche Biografie als lebendige Geschichte im Stil eines historischen Romans besser gefallen. So blieben die Geschehnisse zum Teil ein wenig zu sachlich-distanziert für mich.

Abgesehen davon steckt "Das Glasperlenspiel" voller wertvoller Ideen und philosophischer Ansätze, über die es sich immer wieder nachzudenken lohnt. Sehr spannend fand ich auch die Schriften Knechts im Anhang, seine frühen Gedichten und die drei Lebensläufe, obwohl sie zunächst scheinbar mit der eigentlichen Handlung nicht zusammenhängen.

Und Science-Fiction? Kommt überhaupt nicht vor. Im Gegenteil lässt Hesse Fragen, wie sich die Welt äußerlich verändert hat, gar nicht erst aufkommen. "Das Glasperlenspiel" könnte ebenso gut im Mittelalter oder in unserer Zeit angesiedelt sein und würde trotzdem "funktionieren".


Danke Andrea für diesen Buchtipp :)




@LLBC-Teilnehmer: Schreibt ihr mir wie immer in den Kommentaren, was ihr diesen Monat gelesen habt? 



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Kommentare:

  1. Hesse habe ich das letzte Mal in der Schule gelesen. Ist also auch schon seeeehr lange her. Vielleicht sollte man die alten Klassiker wirklich mal wieder hervorkramen.

    Ganz liebe Grüsse
    Susi

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    1. Ich finde, die Klassiker lohnen sich, schon weil sie sich ganz anders lesen, als zeitgenössische Literatur, aber man muss sich schon reinfinden.

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  2. Ich tue mich mit Klassikern meist eher schwer ... mein Juli-Buch war ein dt. Krimi, der mir ueberraschend gut gefallen hat, weil so gar und ueberhaupt nicht mein Genre: http://cherryandbones.blogspot.com/2015/08/review-milchgeld.html
    LG

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    1. Ich habe alle "Kluftis" bisher gerne gelesen, auch weil ich in den letzten Jahren regelmäßig im Allgäu (Kurz-)Urlaub mache :)

      Mit den Klassikern ist es so eine Sache... sie bereichern mich eigentlich immer auf irgendeine Weise, aber ich muss mich meist dazu aufraffen.

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  3. Hallo Hadassa,
    im Juli habe ich "Erzähler der Nacht" von Rafik Schami gelesen. Ich fand es ganz nett, vor allem wegen der Sprache. Aber mir fehlte die inhaltliche Substanz. Daher sind es nur 3 Herzchen geworden. Die Rezension gibt es hier: http://kerstin-scheuer.de/?p=3711

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    1. Von Rafik Schami habe ich vor einigen Jahren "Reise zwischen Nacht und Morgen" gern gelesen. Ich hatte damals auch das Gefühl, man muss es eher als eine Sammlung von Geschichten nehmen, als als rund aufgezogenen Roman. :)

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