Montag, 29. Juni 2015

Alles Glück der Erde.... #Schreibzeit


Seit ich denken kann, liebe ich Pferde. Schon als Kleinkind führten Spaziergänge mit meiner Oma, die selbst ein ganz großer Tierfreund und Pferdenarr war, oft am Reiterhof vorbei, wo es immer ein paar neugierige Pferdenasen zu streicheln gab. Als ich alt genug für Reitunterricht war, scheiterte das leider zunächst daran, dass ich gegen das meiste Fellgetier allergisch bin, auch gegen Pferdehaar. Außerdem gegen Heu und Staub und damit so ziemlich gegen alles, was Reitställe ausmacht. Dazu kam die grundsätzliche Abneigung meiner Mama gegen den elitären städtischen Reitverein mit den teuren Privatpferden in ganzjähriger Boxenhaltung - "Pferdegarage" nannte sie den.

Als Kompromiss durften ich und meine Schwester immer im Urlaub an der Nordsee Reitunterricht nehmen. Dort leben die Pferde, hauptsächlich Isländer, den ganzen Sommer über auf der Weide, der Unterricht fand auf offenen Reitplätzen statt. Das, in Verbindung mit der guten Nordseeluft, vertrug sich mit meiner Allergie. Die Reitstunden und Ausritte dort waren jedes Jahr ganz große Highlights unserer Ferien und haben mich sogar dazu inspiriert, ein Buch zu schreiben mit eigenen Illustrationen. Das Manuskript kam leider nie über die ersten Kapitel hinaus, liegt aber sicher noch irgendwo in einer Kiste....

Zwischen den Urlauben las ich pausenlos Pferdebücher (mag ich übrigens bis heute) und träumte den Traum vom eigenen Isländer. Als Jugendliche nahm ich dann doch noch eine Zeitlang Reitunterricht im städtischen Reitverein, aber mir fehlten die Ausritte und so gab ich es bald wieder auf. Den letzten Versuch unternahm ich schließlich schon hier in Israel, auf einem Westernhof, ich musste also grundsätzlich umlernen, was aber auch einen gewissen Reiz hatte. Dann kam mir meine Schwangerschaft dazwischen und beendete meine Reitkarriere endgültig.

Heute lebt das Mädchen den Traum vom Reiten für mich mit. Natürlich ist das in Israel, wie vieles andere auch, irre teuer und hätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, dass ich das Mädchen zum Reitunterricht anmelden würde, ich hätte ihn lauthals ausgelacht. Aber was soll ich sagen, das Thema hat sich so perfide an uns angeschlichen, dass wir letztlich praktisch keine andere Wahl hatten. Es fing schon damit an, dass wir feststellen mussten, dass offenbar auch dieses Kind das Pferdegen der Frauen in unserer Familie geerbt hat. Ponyreiten war jedenfalls schon früh ein "must" bei jeder Gelegenheit und die Playmobilpferde wurden und werden oft und gerne wiehernd bespielt.

Bei einer Geburtstagsparty auf einem Reiterhof (ihr erinnert euch?) hier in der Nähe waren fatalerweise die Eltern mit eingeladen, ich hatte also über zwei Stunden Zeit, mich gründlich in genau diesen Hof zu verknallen.

Nach deutschen Standards wirkt er eher wie eine Jugendfarm, frei von schnieker Atmosphäre und arroganten Pferdemädchen, die eine kühle Stallgasse dominieren. Neben den Pferden gibt es ein Kamel, Esel, Meerschweinchen, Kaninchen, Hühner, Ziegen und einige große freundliche Hunde. Der ganze Hof ist ein Ort der Friedfertigkeit und Ruhe und hilft auch mir jede Woche mich zu erden und den Alltag abzustreifen.

Schwerpunkte der Arbeit liegen auf Therapiereiten und einem Förderprogramm für gefährdete Jugendliche, manche der Helfer und sogar Reitlehrer wurden hier früher selbst behandelt, das spürt man. Aber es wird auch "normaler" Reitunterricht angeboten. Der Ton auf dem Reitplatz ist freundlich, fast liebevoll, die Kinder werden begeistert gelobt und Kritik wird immer respektvoll angebracht. Möglicherweise liegt das daran, dass die meisten Lehrer eine Zusatzausbildung in therapeutischem Reiten haben, ich finde es jedenfalls sehr angenehm und kein Vergleich zu der Ruppigkeit mancher deutscher Reitlehrer, die mir früher so begegnet sind...

Ich war also schon von diesem Hof überzeugt, bevor das Mädchen ernsthaft daran dachte, Reitunterricht nehmen zu dürfen. Als ich sie Monate später zum Probereiten anmeldete, wurde daraus dann - natürlich - viel mehr. Angeblich hat das Kind nämlich auch noch Talent und ihre Reitlehrerin ist ganz vernarrt in sie.

Während ich diesen Artikel hier tippte, saß ich schniefend vor dem Rechner. Die Reitlehrerin hatte diese Woche nämlich eine Überraschung für uns und nahm mich und das Mädchen anstelle des normalen Unterrichts mit auf eine Fahrt über die Felder im leichten Einspänner. Für meine Allergie ganz schlecht, für die Seele ganz toll.




Ein wundervolles Video über die Arbeit der Farm ist hier zu finden. Auf Hebräisch, klar, aber man bekommt von der Atmosphäre viel mit.


/// Unter der Überschrift #Schreibzeit lädt Bine (was eigenes) einmal im Monat alle Bloggerkolleginnen ein, wild im Kopf herumschwirrende Gedanken zu einem bestimmten Thema in Worte zu fassen und aufzuschreiben. ///


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Kommentare:

  1. Witzig, diese Pferdeliebe hege ich auch, allerdings war ich elterlicherseits nicht vorbelastet. Den Reitunterricht habe ich auch nur kurz als Erwachsene auf einem Isländer genossen. Wie Du habe ich dann wenigstens den Töchtern das Reitenlernen ermöglicht. So was wächst mit den folgenden Generationen, jede bekommt etwas mehr von den Träumen der Vorfahren erfüllt. ;-) Eine Tierhaarallergie wäre mein Albtraum.... Liebe Grüße
    Andrea

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    1. eine Tierhaarallergie ist ein Albtraum.... :( Aber immerhin zeigt das Mädchen bisher keine Anzeichen dafür.

      LG,
      Hadassa

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    2. eine Tierhaarallergie ist ein Albtraum.... :( Aber immerhin zeigt das Mädchen bisher keine Anzeichen dafür.

      LG,
      Hadassa

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