Dienstag, 5. Mai 2015

Liebes Tagebuch.... #WMDEDGT



... heute war ein ganz normaler Alltagstag. Nicht der Rede wert, nicht aufregend, nicht besonders erfreulich, aber auch nicht unerfreulich, ein ganz schnöder, völlig normaler Dienstag. Zufällig der 5. Tag in diesem Monat, an dem Frau Brüllen jeden Monat zum Tagebuchblogging aufruft. Da dachte ich, ich könnte ja mal wieder diesen ganz normalen israelischen Alltag hier schildern. Vielleicht merke ich dann ja auch selbst, dass doch das eine oder andere interessante passiert ist, wer weiß?

Unsere Routine geht zur Zeit so: Mein Wecker (das heißt die Alarmfunktion unseres uralten drahtlosen Festnetztelefons) klingelt zum ersten Mal um 6:15 und wird manuell von mir um genau eine Viertelstunde vorgestellt. Das kriege ich meistens ganz gut hin, nur selten verpeile ich das mit dem Umstellen und verschlafe, also wirklich selten. Im Halbschlaf höre ich meist den Gatten rumoren, das Radio anstellen und so weiter... Wenn der Wecker um 6:30 das zweite Mal klingelt, stelle ich ihn noch ein letztes Mal um 10 Minuten vor. Um 6:40 springe ich aus dem Bett. Der innere Schweinehund verliert. Jeden Morgen, weil ich sonst meinen engen Takt zwischen Aufstehen und Bus vergessen kann.

Als nächstes wanke ich in die Küche, prüfe ob der Wasserkessel voll ist, beziehungsweise fülle ihn auf und schalte ihn ein. Dann mahle ich genau drei Löffel Kaffeebohnen und gebe den gemahlenen Kaffee in unsere Kaffeepresskanne. In letzter Zeit versuche ich auch, ein Glas Wasser zu trinken, für einen gesünderen Start in den Tag. Sobald das Wasser kocht, gieße ich den Kaffee auf, setze den Deckel auf die Kanne und wanke ins Bad für meine Morgentoilette. Meistens höre ich um diese Zeit die Überleitungsmusik auf die 7:00 Nachrichten. Dann bleiben mir noch 15 Minuten.

Im Blitzschminken und Anziehen bin ich inzwischen echt gut und einigermaßen sicher. Inzwischen ist der Kaffee fertig und kommt in den Thermosbecher. Aufgeschäumte Milch dazu, Deckel drauf und ab in die Tasche. Als nächstes mache ich mir mein Mitnehmmüsli fürs Büro: eigene Hafer-Körner-Mischung + kleingeschnittener Apfel + Buttermilch im ausgemusterten Marmeladenglas. Das ist auch eine Maßnahme der letzten Zeit für einen gesünderen Start in den Tag. Früher habe ich nämlich oft gar nichts zum Frühstück gegessen, weil immer die Zeit fehlte, gar nicht gut. Wenn ich am Vorabend warm gekocht habe (passiert nicht jeden Tag, aber ich arbeite daran), packe ich mir meist auch einen Rest davon zum Mittagessen ein. Auswärts "lunchen" gönnen wir uns nur selten, es ist leider, so hip es auch sein mag, viel zu teuer auf Dauer.

Ich verabschiede mich von der Familie, die langsam auch in die Pötte kommt. Montag bis Donnerstag bringt der Gatte das Mädchen zur Schule und ist auch für Pausenbrot und co. zuständig. 
Mit Sack und Pack stehe ich um 7:15 an der Haltestelle um die Ecke und warte auf den Bus. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel man in 35 Minuten packen kann, um noch 10 Minuten unter der Bettdecke zu gewinnen ;)

Um kurz nach 8 steige ich in Tel Aviv aus und bringe auf dem kurzen Fußweg zur Arbeit noch ein kleines Päckchen an die "Auntie" in Australien zur Post. Dann arbeite ich im Büro. Da gibt es nichts spannendes zu erwähnen.

Nachmittags hole ich das Mädchen ab, verbringe einige Zeit mit ihr und dem Hundeding im Park und mache es mir dann mit ihr gemütlich. Wir probieren ein Rüblitorten-Rezept aus, dass ich schon mal für unser "Seder" im Auge hatte, weil es mehlfrei ist. Schmeckt sehr lecker, aber die Konsistenz wurde nicht wirklich so, wie ich erwartet hatte. Ich bin im Nachhinein ganz froh, dass ich der Familie zum Festdessert erprobte Leckereien angeboten habe.

Als das Mädchen schon schläft schaffe ich es, den neuen Roman von Eshkol Nevo "Schalosch Komot" (wörtlich: Drei Etagen, bisher nicht auf Deutsch erschienen) fertig zu lesen. Der erste, den ich von Anfang bis Ende mit Genuss auf Hebräisch gelesen habe. Das ist doch ein Erfolg. Und wertet diesen ganz schnöden Tag noch ein wenig auf. Die Rezension schaffe ich heute Abend nicht mehr, vielleicht morgen. Morgen Abend werde ich mich nämlich einsam verschanzen, während der Gatte und das Mädchen dem Lag BaOmer-Treiben fröhnen. Der einen israelischen Tradition, die ich leidenschaftlich verachte.


(Hui, jetzt ist es nach Mitternacht geworden, aber in der Schweiz, wo die Frau Brüllen wohnt, noch nicht. Glück gehabt.)



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Kommentare:

  1. Bei Interesse stelle ich gerne mein Rüblikuchen-Rezept zur Verfügung. Auch ohne Mehl (aber mit Speisestärke).

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    1. würde ich gerne nehmen :) die Karotten sind hier grade sooooo gut, das muss man ausnutzen.

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  2. Dein Morgentempo finde ich bewundernswert. Das schaffe ich nicht...Da muss ich früher aufstehen, Temposteigern geht nicht... Liebe Grüße
    Andrea

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    1. manchmal finde ich es auch etwas anstrengend. aber ich kriege mich meistens nicht früher aufgerafft..

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  3. Kia ora, Hadassa.
    Ein normaler Alltags-Tag. Also mitunter ein schöner Tag... :-)

    Scheint doch eine beliebte Routine zu sein, das unvermeindliche Aufstehen um Parzellen hinaus zu rücken. Selber wache ich in der Regel gegen 5 auf, weil ich liebend gern noch eine Stunde nur daliege & dem Radio lausche. Sofortiges sich erheben ist nicht meine Welt.

    "Blitzschminken" erinnert mich jetzt an eine Linda Lee, die die Telefonzelle betritt um in blitzesschnelle als Supergirl wieder herauszufliegen. Voila!

    Den Nachmittag mit der Tochter und den Abend mit einem guten Buch verbracht - schnöde kann so ein Tag im Alltag nicht werden.

    Feinen Spaß, beim "einsamen Verschanzen" heute abend!

    bonté

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    1. da hast du auch wieder recht, ein langweiliger tag ist ja auch nicht gut :)

      LG!

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