Mittwoch, 27. Mai 2015

Cool bleiben.

Wenn man mich fragt, was um alles in der Welt ich in Israel verloren hätte, gebe ich gerne zurück: "Es ist immer schönes Wetter". Und tatsächlich ist das einer der Gründe dafür, dass ich mich damals in das Land verliebt habe: Nach einer Kindheit in Deutschland mit unzähligen grauen, nasskalten Novembern, Dezembern und Januaren, und auch dem einen oder anderen verregneten Sommer, fand ich die Vorstellung fantastisch, in einem Land zu leben, in dem an durchschnittlich 330 Tagen im Jahr die Sonne scheint. Wenn der Gatte und andere Israelis jammern, wie schrecklich der Sommer hier sei, amüsiert mich das in erster Linie. Ab und an werde ich aber auch ein bisschen ungehalten über das Gejammer, vor allem wenn der Gatte behauptet, dass er von der Sommerhitze depressiv wird und diesen Gemütszustand mit skandinavischen Winterdepressionen gleichsetzt, was ich für völlig übertrieben halte, abgesehen davon, dass dieser Vergleich wissenschaftlich kaum haltbar sein dürfte :)

Tage wie dieser sind selbst mir aber ein bisschen zu viel. Google zeigt für unsere Gegend aktuell 42 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 13%. Atmen fühlt sich an, als inhaliere man mit Staub angereicherte Fönluft, und ich war tatsächlich froh, dass ich den Rat meiner Kollegin befolgt und mir für den Heimweg eine Wasserflasche in die Tasche gesteckt hatte. Zwar sind es kaum 10 Minuten zur Bushaltestelle, aber danach fühlte ich mich seltsam angestrengt und ausgedörrt. Besonders der Kontrast zwischen künstlich temperiertem Raumklima, je nach Büro von angenehm bis kühlschrankkalt, und 40 Grad heißer Wüstenluft ist für den Kreislauf wirklich nicht ohne.




Zuhause angekommen holte ich wie immer sofort das Hundeding aus der Wohnung und machte mich auf den Weg, das Mädchen abzuholen. Normalerweise ist diese Hunderunde ein großes Highlight für das Tier, heute hatte ich das Gefühl, es hebt nur mit großer Anstrengung die Pfoten, von dem sonst speziestypischen Enthusiasmus keine Spur. In unserem Park, der seit ein paar Wochen um diese Uhrzeit voller Leben ist, weil gefühlt die ganze Nachbarschaft nach Feierabend dort mit den Kindern hingeht, war heute Nachmittag keine Menschenseele zu sehen, dafür entdeckte ich einen Leguan, der, von uns aufgeschreckt, schnell den Weg überquerte und zwischen den Steinen verschwand.

Für Echsen mag dieses Wetter ideal sein, für Menschen und Hunde eher weniger, weswegen wir dann auch schnell wieder nach Hause gingen und die Klimaanlage anwarfen. Inzwischen hatte ich zum Hundeding noch zwei Mädels im Schlepptau, die ich erstmal mit eiskalter frischer Limonade abfüllte. Die "tolle" Idee, sich mit doppelseitigem Klebeband Eiswürfel an den Körper zu kleben, konnte ich im letzten Moment dadurch abwenden, dass ich ihnen alternativ mit Eiswasser getränkte Waschlappen für eine kühle Abreibung anbot. Mir selbst machte ich einen israelischen Eiskaffee und konnte schließlich, nachdem ich die zwischenzeitlich wegen einer Nichtigkeit erhitzten Mädchengemüter beruhigt hatte, ein bisschen gemütlich werden.

Gleich werde ich mich wappnen, auf den Balkon gehen und Wäsche aufhängen. Denn eins muss man dem "Sharav" lassen: Wenn nicht zu viel Sand in der Luft ist, ist er zum Wäsche aufhängen ideal - man hat das letzte Wäschestück noch nicht aufgehängt, da ist das erste schon wieder trocken. Ob ich später zum Sport gehe, überlege ich mir allerdings noch und werde es wohl davon abhängig machen, ob der Sharav bis dahin bricht, im Moment sieht es ja eher nicht so aus...




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Kommentare:

  1. Der Sharav bricht laut Arutz 2 erst morgen. Die Nacht wird heftig. Unsere mazgan oben ist kaputt, ich kampiere auf der Couch unten, wo es schön kühl ist...

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    1. Uuuuuuufffff. Das wollte ich jetzt nicht unbedingt hören, aber es nimmt mir die Entscheidung für oder gegen Sport ab - gegen.

      Wir werden heute Nacht wohl tatsächlich die Klimaanlage im Schlafzimmer laufen lassen. Normalerweise bin ich da ja strikt dagegen, weil es oft mit Erkältung endet, aber heute werde ich von diesem Prinzip mal abrücken, glaube ich.

      LG in den Norden!

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  2. Da wird mir ja allein vom Lesen schon heiss. Kühlende Grüsse ;)
    Lara

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  3. Puuuh.. ok, das wär mir dann auch zu warm. Schick mal so 15 Grad in den Ruhrpott :-) Mir ist nämlich kalt. Sogar die Heizung geht... brrr. Aber immerhin ist es halbwegs trocken und meist scheint sogar die Sonne. Lg und eine halbwegs erträgliche Nacht!

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  4. Ohoh, das wäre mir entschieden zu warm. Die älteren hiesigen Hundedinger jammern ja schon bei 15 Grad und Sonne nach kühlendem schattigen Wald, womit geklärt ist, warum ich im Sommer meist vornehme Blässe trage...
    Bei 42 Grad hinge ich aber auch nur noch schlaff in der Ecke...
    ich schicke Dir eine kühlenden Wind (der Schweizer Rundfunk sprach von einer Nacht mit Bodenfrost in manchen Gegenden...)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. So extrem ist es zum Glück, außer vielleicht im August, zum Glück nur selten. Der Umschwung kam am Donnerstag Nachmittag, als ich aus dem Büro ging wehte schon ein angenehmes Lüftchen und abends konnten wir einen richtig starken Wind durch die Wohnung pusten lassen, der fast schon wieder kühl war. So könnte es jetzt erstmal wieder ein paar Wochen bleiben, diese stehende Hitze ist schon anstrengend.

    Liebe Grüße an euch und eine Portion Sonne!
    Hadassa

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