Freitag, 1. Mai 2015

[Buch] Jeannette Walls: The Glass Castle / Schloss aus Glas #LLBC

Im April habe ich für meine Leserlieblingsbücherchallenge ein Lieblingsbuch von der Tagpflückerin Petra gelesen:


The Glass CastleThe Glass Castle by Jeannette Walls
My rating: 5 of 5 stars

Jeannette Walls ist eine erfolgreiche Journalistin, die sich in New York vor allem als Kolumnistin einen Namen gemacht hat. 2005 veröffentlichte sie mit "The Glass Castle" ihre Memoiren. Ein mutiger Schritt, denn ihre Kindheit verlief alles andere als gradlinig, weswegen sie Fragen nach ihrer Herkunft oft nur ausweichend beantwortet hatte.


Als zweite Tochter einer erfolglosen Künstlerin und eines Gelegenheitsarbeiters wächst Jeannette in einer rastlosen Familie auf. Der hochintelligente Vater verabscheut Anpassung und schafft es nicht, eine Arbeitsstelle dauerhaft zu halten, während die Mutter sich nur auf ihre künstlerische Karriere konzentriert, die einfach nicht in Gang kommen will. Alle paar Monate packt die Familie ihre Sachen und zieht zum nächsten Ort, oft mitten in der Nacht und mit wenig mehr als den Kleidern an ihrem Körper. Die Eltern sind nicht in der Lage, den Kindern ein geregeltes Leben zu ermöglichen, es fehlt immer an Geld für die nötigsten Dinge - eine Zeitlang schlafen die Kinder in großen Umzugskartons - und oft können sie sich über Tage nicht richtig satt essen. Gleichzeitig geben die Eltern ihnen wichtige Lebensinhalte mit auf den Weg, der Vater lehrt sie Physik, Geologie und dass sie niemals aufgeben sollen, die Mutter sorgt dafür, dass sie von klein auf viel lesen und sich künstlerisch betätigen. Das und der starke Familienzusammenhalt scheint vieles auszugleichen, doch letzten Endes musste ich mich immer wieder fragen, wie derartige Vernachlässigung und Kindeswohlgefährdung über eine so lange Zeit unbemerkt bleiben konnte. Das ist für mich - aus meiner gut bürgerlich geprägten Sicht - schwer vorstellbar. Daher fand ich es auch nicht immer ganz einfach, an dieser Lektüre dran zu bleiben, viele Schilderungen waren für mich schwer auszuhalten, gleichzeitig hielt mich die Bewunderung für die Kinder bei der Stange, die in all dem Chaos immer wieder diejenigen sind, die das wacklige Kartenhaus dieser Familie zumindest zum Schein zusammenhalten.

Noch erstaunlicher und bewundernswerter ist für mich aber, dass sie es geschafft haben, aus dieser Spirale der Perspektivlosigkeit auszubrechen und sich ein besseres Leben zu erkämpfen. Fast schon ein Wunder, wenn man die Umstände betrachtet, in denen sie aufgewachsen sind. Dabei schwingt in Walls nüchtern erzählter Geschichte kaum Bitterkeit mit. Im Gegenteil, es wirkt auf mich so, als hätte sie ihren Frieden mit ihrer Vergangenheit gemacht und trage ihren Eltern nichts nach.

Das alles macht "The Glass Castle" zu einem wirklich bemerkenswerten Lebensbericht, auf den ich wohl nicht aufmerksam geworden wäre, wenn ich diese Challenge nicht ausgerufen hätte. Danke Petra für diesen Tipp!




***

Liebe #LLBC-Teilnehmer! Schreibt mir doch bitte in die Kommentare, ob ihr im April ein Lieblingsbuch gelesen habt und verlinkt euren Beitrag, damit ich euch besuchen kommen kann :)




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Kommentare:

  1. Das Buch klingt gut. Ich lese gerne (Auto-)Biografien von interessanten Leuten.

    Ich habe im April gleich zwei Leserlieblingsbücher gelesen, um den März auszugleichen. Das erste war "Still Alice", zudem es auch schon eine Rezension gibt. http://kerstin-scheuer.de/?p=3047 Leider hatte ich mir mehr davon versprochen.
    Die Rezension zum zweiten - "Das Schneemädchen" - wird es am Sonntag geben. Dann lasse ich Dir auch dazu den Link hier.

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    1. super, ich habe dich schon upgedatet in meiner tabelle :)

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  2. Kia ore, Hadassa.
    Zum Unglück vieler Menschen können sich Kinder ihre Eltern nicht vorher aussuchen. Um Jeanettes Walls Eltern hätte jedes einen kontinantalgroßen Bogen gemacht. Wobei nicht die Armut, sondern die egozentrisch begründete Vernachläßigung dem Faß Boden & Wände auseinanderlegt. Schlimmer dürfte - neben der Gewalt an sich - eigentlich nur noch die ideologische Verblendung von Kindern sein.
    Anmerkenswert bleibt, daß Jeanette überhaupt die Anwesenheit & Arroganz Ihrer Mutter heute(!) zu ertragen versteht.

    Ein gutes Buch.

    bonté

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    1. Ja, das finde ich auch sehr bemerkenswert.

      Liebe Grüße!

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    2. Ja, das finde ich auch sehr bemerkenswert.

      Liebe Grüße!

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    3. ...noch ein Nachtrag zum Thema, den ich vergaß zu erwähnen. Ein Filmtip! :-)

      'Tideland' von Terry Gilliam. Eine dicke Empfehlung.

      bonté

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  3. Hallo,

    mein Aprilbuch liegt schon laenger zurueck, aber ich hab vergessen, es hier einzutragen.
    Die Unertraegliche Leichtigkeit des Seins war dran: http://cherryandbones.blogspot.com/2015/04/review-unbearable-lightness-of-being.html

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    1. danke dir, das liest sich ja jetzt nicht nach einer unbedingten leseempfehlung...

      lg!

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