Samstag, 18. April 2015

Zypern 2015/03 - Lemesos (Limassol)

Weiter geht es mit Fotos von unserem Zypern-Urlaub Anfang April. Einer unserer Tagesausflüge führte uns in die alte Hafenstadt Lemesos. Sie ist die zweitgrößte Stadt der Insel und beherbergt einen der wichtigsten Mittelmeerhäfen. In Lemesos hatten wir uns mit einem Klassenkameraden des Mädchens verabredet, der mit seiner Familie just zur gleichen Zeit wie wir auch Urlaub auf Zypern machte. Da der Israeli auch im Ausland gerne nach seiner Herde Ausschau hält, sind solche Treffen nicht ungewöhnlich und es tat dem Mädchen gut, mal nicht nur mit uns allerlei öde Dinge anzusehen.

Im alten Stadtkern hätte ich ewig fotografieren können, die engen Gässchen, farbenfrohen Fassaden und kleinen Lädchen dort bieten wunderhübsche Motive für mehr als einen kurzen Spaziergang. Zu dieser Jahreszeit wirkt das Viertel noch recht verschlafen und hat dadurch einen besonderen Charme, in der Hauptsaison bekommt es wahrscheinlich ein ganz anderes Gesicht.

Historiker können vermutlich aus den Baustilen die Einflüsse der verschiedenen geschichtlichen Perioden herauslesen, wir haben uns damit begnügt, diese Vielfalt - manche Häuser erinnerten uns an Akko oder Jaffa, andere an Strasbourg - einfach interessant zu finden :)





Für den Gatten und mich ist dieser Ausflug auch eine kleine Reise in die Vergangenheit. Wie viele Israelis vor uns mussten wir zum Heiraten ein Standesamt außerhalb Israels aufsuchen und entschieden uns für Zypern. Die Eheschließung selbst fand in der Hauptstadt Lefkosia (Nicosia) statt, doch wir machten auch damals einen Ausflug nach Lemesos. Vieles hat sich seither in der Stadt getan, aber diesen Laden, so bilde ich es mir jedenfalls ein, gab es auch damals schon: 


Ob er vor 12 Jahren noch ein richtiger Buchladen war, weiß ich nicht, heute verkauft er hauptsächlich touristischen Krempel, vermutlich konnte er sich als Buchladen nicht behaupten. Dafür hatte er hübsche Sommerkleider "gerade erst aus Griechenland eingetroffen", von denen ich eins unbedingt haben musste. Wer mich auf Insta verfolgt, hat es vermutlich schon entdeckt ;)

Ansonsten findet man in der Altstadt von allem etwas: Schmuck, Tischwäsche aus Lefkara, Keramik, Lederwaren, landestypische Süßwaren und Delikatessen  und Souvenirs. Überall Souvenirs.



Mitten im alten Stadtkern besuchen wir das Kastell, das heute auch ein kleines mittelalterliches Museum beherbergt. Richard Löwenherz soll dort 1191 Berengaria von Navarra geheiratet haben und es gibt das echte Skelett eines verstümmelten Soldaten zu bestaunen, für die Kinder das Highlight des Besuchs (ich erspare euch ein Foto davon). Das Kastell ist eher klein, aber hat einige "geheime" Gänge und Winkel zu erkunden. Ich finde, der Besuch lohnt sich, gerade, wenn man kleine Rabauken im Schlepptau hat. Zum Versteckspielen ist es geradezu ideal. *hust* 

Außerdem hat man von oben einen schönen Blick über die Stadt, die Marina und das Hinterland. 




Vom Kastell aus sind es nur wenige Schritte ans Wasser. Die Kinder haben inzwischen kostenlose Stadtpläne organisiert und vertreiben sich die Wegzeit mit einer Art selbst ausgedachten Schatzsuche. Unterwegs gehen wir noch an der Agia Napa Kathedrale vorbei, ein imposantes Bauwerk eingekeilt zwischen allerlei anderen Gebäuden und leider geschlossen, sodass wir uns hier gar nicht weiter aufhalten müssen. 


Die palmengesäumte Promenade ist ideal für lange Spaziergänge und Radtouren am Wasser entlang. Von neuen breite Holzbrücken aus kann man den Schiffsverkehr beobachten und immer einige große Containerschiffe vor der Küste liegen sehen. Es ist unglaublich, wie klar und sauber das Wasser sogar hier in der Hafenstadt ist, auf ihre Wasserqualität können die Zyprioten wirklich mit Recht stolz sein. Als ein Stadtplan ins Wasser fällt ("aus Versehen, Mama! Echt!) kann man ihn noch minutenlang sinken sehen, bis er letztlich ganz verschwindet. 



Wir biegen auf der Promenade rechts ab und landen im kleinen Fischer- und Yachthafen. Ein Angler erregt die Aufmerksamkeit der Kinder.


Dieser Teil Lemesos' wurde in den letzten Jahren einer grundlegenden Inwertsetzung für den Tourismus und ausländische Investoren unterzogen. Alles wirkt so "frisch gestrichen" und steril, dass es teilweise wie ein Themenbereich im Europapark anmutet. Ein Café grenzt ans andere, feine Restaurants wechseln sich mit internationalen Fastfoodketten ab und wenn man wollte, könnte man hier Mitglied in einem schnieken Fitnessclub werden und sich eine Villa auf der Mole mit Anlegeplatz kaufen. Landestypischen Charme findet man hier nicht wirklich und statt dem Mittagessen bei "Fridays" wäre es mir eigentlich lieber gewesen, man hätte irgendwo einen Kebab gegessen. Schön saß man da schon, doch, aber das Essen - Burger und co. - war doch recht hochpreisig, klar, bei der Location. 

Foto: Gatte

Nach dem Essen geht es zurück in die Altstadt (wir hatten uns kaum von dort entfernt, obwohl wir das Gefühl hatten eeeeewig unterwegs gewesen zu sein... Kinderfüße und so...), wo wir alle ein leckeres Eis essen, bevor wir uns von den Freunden verabschieden und unserer Wege ziehen.

Sehr gerne hätte ich mir in Lemesos noch das Weinmuseum angesehen, aber das ist mit Kindern eher schwierig, dafür muss ich wohl mit dem Gatten mal allein herkommen. 

Vielleicht zur Silberhochzeit oder so und dann sollten wir auf jeden Fall dieses Foto nachstellen:

12 Jahre zuvor... 

Die Tage kommen noch 1-2 Fotobeiträge zu Zypern, dann ist erstmal wieder gut mit "Travelblog" :) 

***

Mehr Zypern-Beiträge findet ihr hier: 

Zypern 2015, Teil 1 - Blumen ohne Ende im April
Zypern 2015, Teil 2 - Wandern und stranden mit Aphrodite
Zypern 2015, Teil 4 - "Königsgräber" Paphos
Zypern 2015, Teil 5 - Die letzten Reste


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Kommentare:

  1. Danke fürs Mitnehmen! So kommt man auch rum. Hach, ich würde gerade so gern verreisen... Geht aber derzeit wegen der beiden alten Hunde nicht.
    Keine standesamtliche Heirat in Israel? Eigentlich unvorstellbar!
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Wie schön, dass man heutzutage auch virtuell so toll die Welt entdecken kann, gell?

      ich wünschte mir trotzdem, dass du bald mal wieder in Echt reisen darfst :)

      LG!

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  2. Latha math, Hadassa.
    Irgendwer sagte über die Geschichte Zyperns, es hätte sich nie gelohnt die Tür zu schließen, weil permanent Eroberer auf der Durchreise waren. Von wegen Türklinke in die Hand geben...

    Die Religionen dieser Erdkugel pflegen schon seltsame Blüten auszuprägen; daß in Israel selbst keine zivile Eheschließung möglich ist, schließt mir jetzt eine Wissenslücke. Und es wirkt in der Tat anachronistisch.

    Ohja, wenn internationale Investoren anlanden (siehe die historischen Invasoren), dann hat ein Ort nach der Kahlsanierung wie ein Fließband der Wertschöpfung zu funktionieren. Je einheitlicher, desto kostengünstiger. Warum Investoren unisono immer noch als Heilsbringer angesehen werden!?

    Auch von meiner Seire, danke fürs mitnehmen! :-)

    bonté

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    1. Ja, da ist wohl was dran. Zypern ist aber auch ein eroberungswürdiges hübsches Inselchen ;)

      Das mit der Zivilehe in Israel ist eine düstere Angelegenheit, die hoffentlich irgendwann der Vergangenheit angehören wird.

      LG!

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