Freitag, 24. April 2015

[Buch] Ein Buchladen, wie er sein soll

Gestern war Welttag des Buches. Zum 20. Mal seit ihn die UNESCO 1995 als "World Book and Copyright Day" zur Leseförderung und Würdigung von Autoren in aller Welt ausrufen ließ. In den letzten Jahren habe ich im Rahmen von "Blogger schenken Lesefreude" jeweils Bücher verlost, dieses Jahr ist dieser Zug an mir vorbeigefahren. Ganz sang- und klanglos möchte ich den Buchtag dennoch nicht vorbeiziehen lassen und da ich gestern nicht mehr dazu kam, kommt jetzt ein kleiner Beitrag für Bücherfreunde :)

Manchmal stößt man ganz überraschend auf seelenverwandte Büchermenschen. Mir ging es vor etwa einer Woche so, als ich unvermittelt mit einem jungen Kollegen in ein Gespräch über Bücher verwickelt wurde. Genauer gesagt, ein Gespräch über einen besonderen Buchladen in Jerusalem, von dem er so begeistert schwärmte, dass mir ganz warm ums Herz wurde. Er kaufe Bücher nur noch in diesem Buchladen und fahre dafür sogar extra nach Jerusalem. (Dazu muss gesagt werden, dass ein echter Tel Aviver kaum jemals einen Fuß aus der "besten Stadt" setzt, schon gar nicht, um nach Jerusalem zu fahren.)

Nun gehe ich, seit ich einen Kindle besitze und darüber hinaus Zugang zu mehreren Bibliotheken habe, nur noch höchst selten in Buchläden, um für mich Bücher zu kaufen, aber ich nahm mir fest vor, bei nächster Gelegenheit diesen sagenhaften Laden aufzusuchen. Wer so viel Begeisterung auslöst verdient einen Besuch, dachte ich mir.

Die Gelegenheit ergab sich dann tatsächlich recht kurzfristig (eine glückliche Fügung), als ich letzte Woche ohnehin in Jerusalem war.

Um den Buchladen zu finden, ist es gut, die genaue Adresse zu kennen, denn er fügt sich unauffällig in eine Seitenstraße im ehrwürdigen Jerusalemer Rechavia-Viertel ein. Es gibt sie kaum noch, die kleinen Läden, in denen wirklich nur Bücher verkauft werden, denn auch in Israel beherrschen heutzutage die großen Ketten beinahe den ganzen Büchermarkt.

Adraba - "im Gegenteil" 



Und so war ich zunächst überrascht, als ich entdeckte, dass "Adraba Bücher*" kaum drei Meter breit und nur wenige Meter lang ist, man ist heutzutage einfach mehr Fläche gewöhnt, aber beim genaueren Hinsehen merkt man sofort, dass hier jeder Zentimeter für hochwertige Bücher genutzt wird. Es gibt von allem etwas. Neuerscheinungen, Klassiker, Hebräisch, Englisch, Kinder- und Jugendliteratur, neu und gebraucht.


Die freundliche Büchermenschin hinter dem Ladentisch wusste auf alle Fragen nach bestimmten Titeln eine Antwort, und fand die gesuchten Bücher sofort, beziehungsweise konnte mir sagen, warum sie den oder jenen gerade nicht da hat. Wertvolle Tipps für lesenswerte Bücher jenseits der üblichen Standardwerke gab es auch noch dazu.

Und im englischen Second-Hand-Regal entdeckte ich auf Anhieb drei Bücher, die ich schon länger auf der Wunschliste habe, und letztlich schleppte ich einen ganzen Stapel nach Hause, obwohl ich eigentlich nur ein bisschen "rumkucken" wollte.

So ist das mit den Büchermenschen. Sie sind unverbesserlich.



Beute:

Eugenides: Middlesex
José Saramago: Blindness
Jonathan Franzen: The Corrections
Amos Oz: Yehudim VeMilim (Juden und Wörter)
Astrid Lindgren: Madicken (Madita)


Gestern habe ich dann noch schnell bei "Vorsicht Buch! ein Herzbuch von mir hochgeladen. Die Chroniken von Narnia begleiten mich schon so lange, dass sie den Titel allemal verdienen. Bei der Herzbuchaktion zum 20. Welttag des Buches kann man Büchergutscheine gewinnen :)


Habt ihr zum Welttag des Buches etwas besonderes büchermenschiges unternommen?




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Kommentare:

  1. Ohoh, so ein toller, atmosphärischer Bücherladen könnte mir auch sehr gefährlich werden...
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Buchläden ja generell. Aber wenn es so ein kleiner, in liebevoller Herzblutarbeit geführter ist...

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  2. Ich liebe solchen kleinen Buchläden, die ja leider vom aussterben bedroht sind. Insofern war es ein total uneigennütziges Werk, dass Du gleich etwas mitgenommen hast.
    "Middlesex" fand ich übrigens gut.

    Neben der Buchverlosung auf meinem Blog habe ich den Welttag des Buches dazu genutzt, um mein Bücherregal neu zu sortieren. Nach Farben. Sieht hübsch aus. Mal sehen, ob ich mich auch noch zu Recht finde...
    Ich habe nun ein eigenes Brett für ungelesene Bücher. So auf einer Stelle sind es schon sehr viele.
    Außerdem habe ich auch einige aussortiert. Mal sehen, was ich mit denen nun mache. Bücher wegzuwerfen kommt für mich jedenfalls nicht in Betracht.

    Alles Liebe.
    Kerstin

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    1. Yum tuv, Hedassa.
      Den "Tag des Buches" habe ich dieses insofern mitfgemacht, als daß ich in den Tagen rund um den Termin Bücherpäckchen an einige Bloggerinnen verschicke. Nicht innerhalb der Aktion der hiesigen Verlage, aber ich denke meine persönliche Wahl ist auch nicht schlecht. :-)

      Wie Du - live & in Farbe - erleben konntest ist schlichte Größe nicht ausschlaggebend, wenn ich Deine Ausbeute in Relation zu den verfügbaren Quadratmetern sehe. Und gibt es nicht einige Romane/Erzählungen, die genau dies zum Thema genommen habe!?
      Es bleibt wohl ein Unterschied, ob man/frau Bücher mit etwas Liebe verkauft, oder darin nur einen Durchlauferhitzer für angepeilte Umsätze sieht.

      Merci für den Einblick.

      Weil mir der Verlag letztens erst wieder in den Sinn kam: Das Haus kümmert sich u.a. in wirklich vorbildlicher Weise um die Wiederveröffentlichungen von vergessenen Schriftstellerinen, die vor dem Nazi-Terror litten, noch fliehen konnten oder ermordet wurden. Nicht immer die hohe Literatur, aber Erzählungen, Kurzgeschichten, Romane & Gedichte, die vom Hoffen & Träumen eines bald zerstört werdenden Europas berichten. Einen Blick wert.

      http://www.aviva-verlag.de/

      Wann auch immer - ein gutes Buch in Griffweite!

      bonté

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    2. ...bei meiner Tippfehlerdichte hätte ich besser nochmal gegengelesen. :-)

      bonté

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    3. Kerstin, das habe ich mir auch gesagt und das mahnende Schwabenherz ist dadurch besänftigt, dass ich diese Bücher für Kindle entweder gar nicht oder nicht günstiger bekommen hätte ^^

      Hast du eine Liste deiner Aussortierten? Möglicherweise könnte ich da ja mal einen Blick ....

      LG,
      Hadassa

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    4. RoM, danke für den Tipp, der Verlag sagt mir spontan nichts, aber ich habe bestimmt schon Titel von denen gesehen oder gelesen.

      LG!

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  3. Hallole,
    solche speziellen Tage sind nicht so meines. Muttertag, Buchtag, Valentinstag. Weniger!
    Der Buchladen passt richtig gut rein. Da würde ich mich auch wohlfühlen, allerdings tu ich mich mit
    Hebräisch sehr schwer, bzw. ich kanns gar nicht.
    Wir hatten neulich im Chor hebräische Noten. Unsere Chorleiterin zeigte uns das und sang auch etwas vor.

    Leicht hatte sie es nicht, denn es ist wie beim lesen,
    man singt dann von rechts nach links.
    Ganz schön schwer, wenn man es andersrum gewöhnt ist.

    ;-))

    Am 7. Mai besuchen wir die Synagoge in Stuttgart. Ich bin so sehr gespannt darauf und werde berichten.

    Lieben Gruß Eva

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    1. oh ja, lesen auf Hebräisch fällt mir selbst nach wie vor immer schwer.. das Auge gewöhnt sich einfach nur ungern an ein völlig neues Schriftbild.

      Gehst du mit einer Gruppe in die Synagoge? Ich bin gespannt, was du berichtest, ich selbst war vor Jahren im Rahmen meines allerersten Ivritkurses mal dort...

      LG,
      Hadassa

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  4. Sowas gab es hier früher auch. Und dann noch die Antiquariate. Alles weg und den grossen Ketten gewichen. Ein Buchladen ist noch übrig. Alle anderen wurden geschluckt. Gut, ich lese auch viele eBooks. Aber es gibt Bücher, die will ich in Papierform haben. Da geht einfach nix drüber.

    LG Susi

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    1. mir fehlt einfach der Platz für viele Bücher und der israelische Staub macht große Bücherrsammlungen ohnehin zum Horrortrip hier. Aber das Gefühl eines echten Buches hat schon was unvergleichliches und bei gebrauchten kommen dann noch die Spekulationen dazu, wem es wohl vorher gehört haben mag ...

      LG,
      Hadassa

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