Dienstag, 24. März 2015

#Schreibzeit (3) Mein Blog – ein privates Tagebuch?

Die Frage stellt sich Bine diesen Monat in der #Schreibzeit und reicht sie wie immer auch weiter an die Bloggergemeinschaft.

Mein Blog war von Anfang an nicht dazu gedacht, privat zu sein. Allerdings war es auch nicht wirklich darauf ausgelegt persönlich  zu werden, denn eigentlich fing damals alles damit an, dass ich eine leere Fläche brauchte, mir meinen Frust über die Israelberichterstattung im Ausland von der Seele zu schreiben. Natürlich schrieb ich auch damals schon mit dem Gedanken im Hintergrund, dass möglicherweise andere Menschen lesen würden, was ich veröffentliche, aber ich erwartete keinen phänomenalen Ansturm. Weitgehend anonym wollte ich bleiben, nüchtern und hauptsächlich über Nachrichten und Sachverhalte informieren. Weniger aus meinem persönlichen Leben preisgeben. 

Womit ich allerdings überhaupt nicht gerechnet hätte, war, dass ausgerechnet meine Mutter gleich in den ersten Tagen, als noch keiner etwas davon wusste, dieses Blog über Google entdecken würde. Irgendwie hatte ich es wohl mit Facebook verknüpft und zack, war es unter meinem Realnamen googlebar. (Wobei ich bis heute nicht genau nachvollziehen kann, was Mama damals genau gegoogelt hat, aber das will ich vielleicht lieber gar nicht wissen *grins*). Die verhängnisvolle Verknüpfung löschte ich danach natürlich sofort wieder, aber mit der Anonymität war es dann erstmal vorbei und mir auch ziemlich schnell egal, denn irgendwie will man letztlich ja auch gelesen und ab und an zu seinem geistigen Eigentum beglückwünscht werden, nicht? (Ich gebe zu, ich habe Mühe, es Bloggern abzunehmen, wenn sie sagen, sie würden nur für sich selbst bloggen....)  




Die ersten beiden Blogjahre drüben bei Wordpress veröffentlichte ich also eher trockene, mit der Zeit zunehmend sporadischere Israelbeiträge mit ab und zu einer persönlichen Anekdote, aber ohne richtigen roten Faden. Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich eigentlich doch nicht nur über aktuelle Nahostthemen schreiben will. Ich hatte nämlich gemerkt, dass es a) dafür unzählige andere Blogger gibt, die das ganz spitze machen, mich b) dieser &$#!?* Konflikt oft viel zu sehr belastet, als dass ich einigermaßen sachlich darüber schreiben könnte und ich c) dem Rest der Welt meistens viel lieber ganz andere Sachen erzählen würde. Zum Beispiel von Büchern, die ich gelesen oder Rezepten, die ich ausprobiert habe oder kleinen Alltagsdingen, die sich fast genauso auch überall sonst zutragen könnten, aber eben nur fast, weil das Leben in Israel eben doch ein wenig anders ist. Also überlegte ich mir einen neuen Namen, zog von Wordpress zu Blogger, erhöhte meine Veröffentlichungsfrequenz deutlich, wurde persönlicher und weniger israelausschließlich. 

Ziemlich zeitgleich ging ich unter die Androidenbesitzer und konnte fortan ganz easy meine beschriebenen Erlebnisse auch mit Fotos untermalen. Denn es ist einfach viel schöner, ein Foto von weißem Ginster zu zeigen, als nur in Worten von dessen Schönheit zu schwärmen. 

Mit der Zeit kristallisierte sich immer mehr heraus, dass dieses Lifestylebloggen aus einer anderen Kultur genau die Nische ist, die für mich am meisten Sinn macht. Das ganz alltägliche Leben in Israel zeigen, das wir alle hier, gleichwohl manchmal am Rand des Wahnsinns, führen. Für meine Leser und Leserinnen, die sonst keine reale Verbindung zu diesem Land haben, der eine "echte" Mensch sein, an den sie denken, wenn die Nachrichten mal wieder über Israel berichten. Nicht aus Mitleid, sondern als Referenz dafür, dass es hier überwiegend ganz normale Menschen gibt, die Kindergeburtstage feiern, wandern gehen und bei IKEA einkaufen. Ja, für meine Leser mache ich gerne mal ein Fensterchen ins Private auf, stets darauf bedacht, natürlich, vor allem das Mädchen nicht "vorzuführen", aber auch meine gelegentlichen Tiraden über des Gatten Schwächen nicht gehässig und lieblos werden zu lassen. Ebenso wenig wird man bei mir "Auskotzpostings" über echte Personen aus meinem Bekanntenkreis lesen, selbst wenn ich mir bei einigen sehr sicher bin, dass die es niemals lesen würden. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, dass mich der eine oder andere Lieblingskollege auf aktuelle Beiträge anspricht, im Gegenteil, ich finde es gut, dass mich Freunde und Bekannte lesen, denn dadurch klopfe ich meine persönlicheren Beiträge oft vor der Veröffentlichung auf Real-Life-Kompatibilität ab. Das schränkt zwar minimal ein (ein detailliertes Loblied auf meine Lunette werde ich hier in absehbarer Zeit nicht singen), bewahrt aber auch vor impulsivem Entblößen, das sich hinterher nicht rückgängig machen lässt...

Bine sagt in ihrem Beitrag, dass sie ihr Blog so persönlich wie möglich und so privat wie nötig schreibt. Das ist eine wertvolle Richtlinie, die ich für mich so unterschreiben kann. 



/// Unter der Überschrift #Schreibzeit lädt Bine (was eigenes) einmal im Monat alle Bloggerkolleginnen ein, wild im Kopf herumschwirrende Gedanken zu einem bestimmten Thema in Worte zu fassen und aufzuschreiben. ///



Follow on Bloglovin


Kommentare:

  1. Tja, und nun bin ich über Biene zu Dir gestossen, habe mich ein wenig eingelesen und festgestellt, dass ich Deinen Blog wirklich interessant finde. Ich hab Dich mal abonniert :)

    Liebe Grüsse
    Susi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich, vielen Dank für deinen Besuch bei mir :)

      LG,
      Hadassa

      Löschen
  2. hallo,
    nun probleme habe ich nicht damit, wenn blogger das mit dem "für sich bloggen" so schreiben. pobleme sind anders.
    ich denke mir halt dann meinen teil. wenn ich für mich blogge, dann kann ich das auch in einem word dokument tun und brauche nicht die welt dazu.
    ich bin sowieso immer der meinung, warum müssen die menschen überall dabei sein. twitter, facebook, instagram usw.
    aber vielleicht bin ich einfach zu alt dafür.
    genauso komisch finde ich diese kommentargeilheit. ich habe meine abgestellt und lebe sehr gut damit. ich sehe meinen blog inzwischen als zeitung und wer mir einen leserbrief schreiben will, kann das tun. da kommt vielleicht soviel zusammen, aber ich finde es weitaus effektiver, denn hier schreiben die menschen auch, das, was sie öffentlich niemals schreiben würden und vor allem auch mit ihrer email und namen.
    diese ganz kommentarfunktionen dienen doch dazu einen blog bekannt zu machen. mag ja sein, aber ich lebe inzwischen mit meinem kleine blog und ohne kommentarfuktionen mit den mails besser als je zuvor und ja, ich habe es gerne, wenn er gelesen wird auch ohne kommentarfunktion und ich habe mehr von den mails als von kommentaren,
    die sich auf

    schön gemacht,
    das ist doch schön
    usw. beschränken.

    lieben gruß eva

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Eva, danke für deinen Besuch bei mir, Ludwigsburg, bzw. das BlüBa ist ein Lieblingsort meiner Kindheit :)
      Die Kommentarfunktion abzuschalten habe ich auch schon öfter erwogen, aber andererseits würden mir ja dann solche wie deiner durch die Lappen gehen und das wäre doch schade.... Ganz liebe Grüße, Hadassa

      Löschen
    2. Da hast du nun auch wieder recht.
      Aber ich hätte das auch per Mail tun können.
      Das mach ich aber das nächste Mal.
      LG Eva

      Löschen
  3. Vielen lieben DANK, dass Du wieder bei #Schreibzeit mitgemacht hast.
    Interessant zu lesen, wie sich Dein Blog-Leben mit der Zeit geändert hat...
    und wie schön, dass Du für Dich Deine Nische gefunden hast!
    Ich würde, glaube ich, nicht gerne auf Kommentare verzichten. Auch, wenn es mal
    mehr und mal wenige sind.
    Liebe Grüße, Bine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wie nett, dass du reinschaust :) Ich mache sehr gerne bei der #Schreibzeit mit, "gezwungenermaßen" Gedanken sortieren macht mir nämlich echt Spaß.

      Ich kann mir zur Zeit auch nicht vorstellen, auf die Kommentare zu verzichten, mit den meisten entwickeln sich immer richtig nette Dialoge.

      Ganz liebe Grüße und frohe Ostern!
      Hadassa

      Löschen