Donnerstag, 19. Februar 2015

[Buch] Theodor Storm: Der Schimmelreiter #LLBC

Diesen Monat habe ich ein Lieblingsbuch von Kerstin gelesen. Der Schimmelreiter von Theodor Storm gehört ja zu den großen deutschen Klassikern, aber ich bin mir fast sicher, dass ich ihn zuvor noch nie gelesen hatte. 

Ich kopiere mal diesen, wie ich finde, sehr treffenden Klappentext der Novelle hierher: 
Der Schimmelreiter ist viel mehr als ein klassisches Stück deutscher Literatur - auf knappsten Raum nutzt er eine Gespenstergeschichte, um vom Kampf des Menschen gegen die Natur und gegen den Menschen zu erzählen. Hauke Haiens Versuch, dem Meer neue Grenzen zu ziehen, führt in einen Abgrund, dessen Ausdeutung den Leser verschlingt wie die Sturmflut das neugewonnene Land.

Der Schimmelreiter spielt in Friesland in einer Ortschaft an der Küste, in der man dem Meer mit Respekt und Furcht begegnet und der Deichgraf der wichtigste Mann am Ort ist. Da ich viele Sommer meiner Kindheit auf einer Nordseeinsel verbringen durfte, konnte ich mir die Landschaft, das Wetter und die örtlichen Zusammenhänge, die Storm beschreibt, bildhaft vorstellen. Der Deich, die Marschen, Priele, reetgedeckten Häuser, bis hin zu der umspukten Hallig, entstanden sehr lebendig vor meinem inneren Auge. Die Atmosphäre und Mentalität der deutschen Küste einzufangen, gelingt Storm meisterhaft. 

Allerdings hatte ich anfangs Mühe, in die Geschichte hinein zu finden, was wohl auch an der zunächst etwas sperrigen Sprache lag. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Erstveröffentlichung der Novelle bald 130 Jahre her ist. Auch wurde ich mit Hauke Haien, dem brillanten Deichgrafen im Mittelpunkt des Geschehens, lange nicht so recht warm, was sich erst änderte, als ich ihn in Beziehung zu seiner Frau und Tochter erlebte. 

Möglicherweise spürte ich die Abneigung seines Umfeldes ihm gegenüber etwas stärker nach, als vom Autor beabsichtigt, doch gerade zu Beginn war ich latent genervt von diesem zahlenvernarrten Denker und verständig der feindseligen Gemeinschaft gegenüber, in der er von Anfang an immer wieder aneckt. Möglicherweise hat Storm genau das beabsichtigt, um die - für mich - wichtigste Moral der Geschichte anzubringen:

Das Misstrauen, die Feindseligkeit und unterschwellige Furcht dem "Anderen" gegenüber. Dem Fremdling, dem Querdenker, dem Andersfarbigen, dem übermäßig Intellektuellen oder unterdurchschnittlich Begabten, dem Sonderling, dem Einzelgänger gegenüber - die Xenophobie war schon immer ein zentrales Problem der Menschheit, scheint mir. 

Und so nehme ich für mich aus dem "Schimmelreiter" vor allem eine Mahnung an mich selbst mit, tagtäglich mehr Akzeptanz und Toleranz in meinem Umfeld zu üben. 

Danke Kerstin, dass du mir dieses Buch vorgeschlagen hast :)






#LLBC-Teilnehmer: Mögt ihr euch mit euren Leserlieblingsbüchern unten verlinken? Ich komme euch gern besuchen, damit ich auch den Punktestand hier aktuell halten kann :) 









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Kommentare:

  1. Das Buch habe ich auch noch nie gelesen. Vor Klassik habe ich so viel Respekt, dass ich diese Bücher immer ganz verdränge.
    Ich habe mir gar nicht aufgeschrieben, wer welches Buch vorgeschlagen hat. Das werde ich dann 2016 besser machen :)
    Lg Lara

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    1. :)

      Ja, mit den Klassikern ist es so eine Sache... Manche lesen sich ganz flüssig und easy, andere sind so sperrig, dass man sich richtig durchkämpfen muss. Der Schimmellreiter lag für mich irgendwo dazwischen :)

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  2. Puh, da bin ich ja beruhigt, dass Du das Buch doch nicht so schlimm fandest, wie ich nach dem Rating bei Goodreads befürchtet hatte.

    Hauke Haien ist wirklich nicht so der sympathischste Mensch. Das ging mir auch so; ist aber, glaube ich, wirklich beabsichtigt.

    Am Sonntag rezensiere ich mein zweites Leserlieblingsbuch: "Tanz auf Glas" und lass Dir dann den Link hier.

    Alles Liebe
    Kerstin

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    1. Ich war auch unsicher, ob 3 oder 4 Sterne, aber da ich mich mittlerweile recht eng an deren Rating orientiere (3 Sterne = I liked it) fand ich dann doch, dass es so passt. :)

      Bin gespannt auf die Rezension zu Tanz auf Glas !

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