Donnerstag, 22. Januar 2015

[Buch] Elif Shafak: Der Bastard von Istanbul #LLBC

Das erste Lieblingsbuch, das ich diesen Monat für die Lieblingsbücherchallenge 2015 lesen durfte, ist "Der Bastard von Istanbul" von Elif Shafak. Es wurde mir von einer lieben Freundin aus der Türkei vorgeschlagen, was mich sehr gefreut hat, da ich mit türkischer Literatur bisher gar nicht in Berührung gekommen war. Ich habe die englische Originalversion auf dem Kindle gelesen, auf Deutsch wird "Der Bastard von Istanbul" im März als Taschenbuch und eBook bei Kein & Aber neu aufgelegt.


The Bastard of IstanbulThe Bastard of Istanbul by Elif Shafak
My rating: 5 of 5 stars

Die preisgekrönte türkische Bestsellerautorin Elif Shafak verwebt in ihrem zweiten Roman in englischer Sprache die Schicksale zweier Großfamilien, indem sie jeweils eine junge Frau in den Mittelpunkt des Geschehens stellt.

In Istanbul ist die neunzehnjährige Asya vaterlos in einem Dreigenerationenhaushalt aufgewachsen. Ihre Mutter, die sich, damals in Asyas Alter, im letzten Moment gegen eine Abtreibung entschieden hatte, nennt sie ebenso Tante, wie deren drei Schwestern. Eine männliche Bezugsperson gibt es nicht, denn aus ungeklärten Gründen sterben die Männer in dieser Familie alle jung und Asyas einziger Onkel Mustafa ist schon vor Jahren nach Amerika ausgewandert. Dort lebt er mit seiner amerikanischen Frau und deren Tochter aus erster Ehe in Arizona.

Armanoushs Vater, bei dessen Familie sie viel Zeit verbringt, wiederum ist Armenier, der Völkermord von 1915 überschattet die Familiengeschichte, der Hass auf die Türken und alles türkische ist auch zwei Generation später immer präsent. In einem Internetforum tauscht sich Armanoush mit anderen armenischstämmigen Amerikanern aus, doch richtige Antworten auf ihre Fragen und Identitätskonflikte findet sie dort nicht. Als sie eines Tages entschließt, nach Istanbul zu Mustafas Familie zu reisen und dort ihren eigenen Wurzeln nachzuspüren, setzt sie eine Kettenreaktion in Gang, die beide Familien verändern wird.

Ich kann schwer in einem Satz beschreiben, was alles in diesem farbenfrohen Roman steckt und warum er mich so berührt hat. Da sind natürlich die beiden Protagonistinnen Asya und Armanoush, die, jede auf ihre eigene Art, Mühe haben, ihre Identität und den Platz in ihrem Familiengefüge zu finden. Sie haben mich überzeugt darin, dass sie Gemeinsamkeiten in ihrer Unterschiedlichkeit finden und repräsentieren eine neue Generation, die ohne die Belastung von Eltern und Großeltern Brücken bauen und in die Zukunft schauen kann.

Aber auch die anderen Personen sind sorgfältig entwickelt, ich konnte sie mir alle bildlich vorstellen, denn der unerschütterliche Familienzusammenhalt, die Bedeutung guten Essens zu jeder Gelegenheit und die stolzen Haltung gegenüber dem Rest der Welt erinnerten mich auch sehr an die Israelis. Auch der Umgang mit dem Genozid (auf beiden Seiten) kam mir ziemlich bekannt und sehr realistisch vor.

Was aber den besonderen Charme dieses Romans für mich ausmacht, ist die Leichtigkeit mit der Elif Shafak sich den vielfältigen schwierigen Thematiken annimmt. Stellenweise wirkt "Der Bastard von Istanbul" wie eine leichte Frauenkomödie, so verrückt-humorvoll ist er, und man vergisst die bearbeiteten Problematiken, nur um sie immer wieder unvermittelt präsentiert zu bekommen. Das Ende kommt dann auch genau so: Unvermittelt krass, aber, beim zweiten Reflektieren, auch absolut stimmig.

Ich kann "Der Bastard von Istanbul" all jenen weiterempfehlen, die realistische Geschichten aushalten können und sich gleichzeitig nicht an einer Prise Übersinnlichkeit stören.




#LLBC-Teilnehmer: Mögt ihr euch mit euren ersten Leserlieblingsbüchern unten verlinken? Ich komme euch gern besuchen, damit ich auch den Punktestand hier aktuell halten kann :)  




Das Linkup bleibt bis zum 20. Februar offen, also kein Stress :)



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