Mittwoch, 31. Dezember 2014

2014 in Wort und Bild

Heute ist Silvester und alle Blogger veröffentlichen (oder haben schon längst) Jahresrückblicke. Ich will keinen mit Text überfrachten, daher machen wir das mit Stichworten und ein paar Fotos, ja? 

Meinen kleinen Bücherjahresabschluss gab es die Tage schon hier, meine gesamte Bücherbilanz findet sich auch bei Goodreads, obwohl ich immer noch hoffe, dass ich heute noch eins dazu zählen kann, ganz werde ich mein Challengeziel aber leider nicht erreichen in diesem Jahr *schnief* 

Aber jetzt zu den anderen Dingen, die in 2014 so passiert sind. Bücher sind ja nicht alles, gell? 

Januar 

In Instagram eingestiegen mit obigem Foto, das danach fast ein ganzes Jahr mein Bildschirmhintergrund auf dem Handy sein durfte.

Zu einem riesengenialtollen Kindergeburtstag des  Mädchens mitgedurft. Ganz anders als andere und mit unendlich vielen Fotomotiven.

Im Fernsehstudio als Zuschauer eine Folge unserer liebsten Comedyshow aufgezeichnet. Sehr cooles Erlebnis.

Das Pizzageheimnis entschlüsselt.

Poznanski gelesen.

Februar

DAS Feenkostüm für Purim erdacht, ausgetüftelt und genäht. Ich bin immer noch ganz stolz auf mich.

Erstes Zeugnis für das Mädchen bekommen.  Ein halbes Jahr erste Klasse ist damit rum und es war ein gutes halbes Jahr.

Die wunderschöne Mandelblüte erlebt und fotografiert.

März

Schreibstärkster Monat 2014 mit 23 Blogartikeln.

Purim gefeiert.

7. Geburtstag gefeiert inklusive Oma und Opa aus Deutschland. Und Erdbeertorte.

Nach München gereist. Business, not pleasure, obwohl es schon auch nett war, doch.

Frank Schätzings Israelwälzer Breaking News verschlungen.

April 

Kindergeburtstag überlebt.

Über den Holocaust nachgedacht.

Pessach gefeiert.

Urlaub in Israel gemacht, auch schön hier :)

Mai

Lesefreude verschenkt.

Erstmalig beim Samstagskaffee mitgemacht und interkulturelle Kaffeepräferenzen erörtert.

Blackout von Marc Elsberg verschlungen.

Jerusalem-, Gedenk- und Unabhängigkeitstag gefeiert und auch noch Lag BaOmer ertragen.

Erste Zahnlücke, ja erst mit 7, bejubelt.

Juni

Eshkol Nevo gelesen.

Ausflug nach Cäsarea.

Sandalendrama.

Batterie wechseln lassen (stationär).

Erschüttert über die Entführung und Ermordung der Teenager Eyal, Gilad und Naftali.

Juli 
Krieg

Krieg

Krieg

Krieg

Krieg

Deutschland gewinnt die Fußball-WM.

Unsere allerbesten Freunde verlassen Israel und schenken uns Sally.

August

Urlaub in Deutschland mit kurzen Abstechern nach Österreich, Frankreich und in die Schweiz. Wunderbar!

September 

Schulanfang zweite Klasse.

Neujahrsfest gefeiert.

Der erste Regen.

Späte Strandbesuche.

Höhlenwanderung.

Oktober

Best Jom Kippur ever!

Laubhüttenfest.

Gone Girl verschlungen (auch im Kino sehenswert!).

Müllberg bestiegen.

November

über Mehrsprachigkeit sinniert.

schon wieder München...  (aber einige sehr liebe Menschen dort getroffen)

12 Jahre Israel gefeiert.

die Wüste bewandert.

Lock in verschlungen (Rezi kommt irgendwann...).

Mockingjay im Kino gesehen.

Dezember

Stressigster Monat 2014.

12tel Blick abgeschlossen.

Android verschwunden und nicht wieder aufgetaucht.

in Deutschland Chanukka, bzw. Weihnukka gefeiert ... mit Schnee!

Klassentreffen fast 16 Jahre nach dem Abitur.

Beste Geburtstagsüberraschung der Welt bekommen.



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Zum Abschluss noch ein paar Statistiken, weil ich Statistiken mag und weil ich es trotz eher bescheidener Gesamtklickzahlen doch schön finde zu sehen, dass meine kleine Ecke hier Jahr für Jahr besser besucht wird: 

2014 wurde Fragmentage 26.552 mal besucht und dabei insgesamt 51.794 Seiten angeklickt. Im Vergleich zu 2013 entspricht das einer Steigerung von fast 50%, das ist schön :)

Der beliebteste Artikel war "Märchengeburtstag ohne Disney", den ich bereits 2013 verfasst habe. Unerklärlicherweise erscheint mein Blog, wenn man bei Google "Märchengeburtstag" eingibt, an erster Stelle der Suchergebnisse. Ach, was wäre das schön, wenn das auch für Suchwörter meiner Kernthemen gelten würde, denn Kindergeburtstage sind ja nun eigentlich gar nicht meins....  

"Mama machst du manchmal Diät?", ein nachdenklicher Artikel aus diesem Jahr, wurde ebenfalls mehrere hundert Mal gelesen und unser "aufgeräumtes Kinderzimmer" landete auf dem dritten Platz. 

Beliebt waren auch meine monatlichen 12-von-12, die Tagebucheinträge und der Samstagskaffee.

Insgesamt war 2014 für mich ein sehr schnelles Jahr. Ich kann kaum glauben, dass seit meinem letzten Jahresüberblick 12 Monate vergangen sein sollen.

Für 2015 wünsche ich mir, dass es etwas gemütlicher angeht und dass wir uns hier wieder lesen. Natürlich.

Ein frohes Neues Jahr euch allen! 

Dienstag, 30. Dezember 2014

Schneeglück

Ich muss gestehen, dass ich dazu neige, Schnee zu idealisieren. Schnee hatte für mich schon immer eine ganz besondere Faszination, und auch heute noch kann ich mich daran freuen, wie damals als Kind. (Und den Schnee schmerzlich vermissen, weil es in Israel ja nun eigentlich nie schneit und wenn doch, dann höchstens in Jerusalem und das ist dann meist eher ein Problem.)

Das mag paradox klingen, wenn man weiß, dass ich andererseits Kälte nur sehr schlecht aushalten kann (in dieser Hinsicht hat Israel mich echt zum Weichei gemacht), was dazu führt, dass ich Schnee am liebsten anschaue, vorzugsweise aus der Wärme, aber auch warm eingepackt als Spaziergang geht es. Trotzdem. Ich liebe Schnee. Meine Tochter auch, weswegen es auch ganz wichtig war, dass meine Prophezeiung, wir würden in Deutschland ganz sicher welchen zu sehen kriegen, sich bewahrheitete.

Bei unserer Ankunft in der Heimat sah es nämlich leider gar nicht danach aus. Bei Temperaturen bis in den zweistelligen Bereich hat Schnee schlechte Karten, aber die weihnachtliche Festbeleuchtung ist ja auch schön.

Am ersten Weihnachtstag machen wir uns auf Richtung Allgäu. Dort würden wir auf jeden Fall Schnee finden, zur Not auf einem der etwas höheren Berge. Als wir im schönen Oberstaufen ankommen, sieht es auch dort nicht nach Schnee aus. Gar nicht.


Wir versichern dem Mädchen wieder und wieder, dass es sicher in der Nacht schneien wird. Und tatsächlich: Am Abend kommt der erste Schnee, die Wetter-App kündigt "leichten Schneefall" für die nächsten Tage an. (Leichten Schneefall! Hah!) Vor dem Zubettgehen verspreche ich, dass wir aufwachen und draußen alles weiß vorfinden würden. Als das Mädchen mitten in der Nacht wach wird und nachsehen will, zittere und zage ich, weil ich selbst unsicher bin, doch tatsächlich: Ihr gejubeltes "Jesh" (Hurra! wörtlich: es gibt da ist) sagt mir, was wir schon tagelang hoffen. Es hat tatsächlich ziemlich viel geschneit und schneit noch.


Das Kind ist kaum zu halten, rennt im Schlafanzug auf den Balkon, um sich zu vergewissern, dass das Wunder tatsächlich echt ist, danach zieht sie sich in Windeseile an, um mit Oma einen Schneemann bauen zu gehen. 

Danach sehen wir unseren Lieblingswinterfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", denn - siehe oben - am warmen Fenster lässt es sich den Schnee auch gut genießen. 

Auf unserem Spaziergang später ist der Ort nicht wieder zu erkennen, über Nacht ist die Welt zu einem Winterwunderland geworden. 




Es schneit und schneit weiter, am nächsten Tag kommt noch mehr Schnee dazu, die Sonne sehen wir kaum, nur zwischendurch klart es ein wenig auf. Unzählige Schneebälle werden produziert, im Ort sehen wir viele frierende Hunde und wenig Autos.




Am Nachmittag finden wir einen Schlittenhang und wäre es nicht dunkel geworden, hätte das Mädchen dort wohl noch lange viel Spaß gehabt. Müdigkeit? Kälte? Davon ist überhaupt keine Rede. 




An unserem Abreisetag schneit es immer noch. Auf dem Balkon steht mittlerweile etwa ein halber Meter Schnee, das Mädchen braucht gar nicht mehr vor's Haus zu gehen, um Schneespiele zu machen. Ich packe schweren Herzens unsere Koffer, die paar Tage Deutschland gingen viel zu schnell vorbei.

Aus unserem Plan, mit dem Zug zum Flughafen zu fahren, wird leider nichts. Wir stehen bereits gut zwanzig Minuten am Bahnsteig, als eine Durchsage kommt, dass unser Zug wetterbedingt ausfällt. Es gäbe Schienenersatzverkehr (ich liebe dieses Wort, fast so sehr wie "Spannmuffenfederung"), aber darauf wollen wir uns lieber nicht verlassen. Am Ende fährt uns der Opa mit dem Auto, was auch nicht ganz einfach ist, weil es wesentlich länger dauert als sonst. Nachteile des Schnees, die man über die Jahre verdrängt, wenn man ganzjährig ein warmes Klima genießt.




Schön war's. Kurz, aber schön, mit nur minimalen Unstimmigkeiten.

Danke liebe (Groß-)Eltern :) 




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Freitag, 26. Dezember 2014

Be careful what you wish for....

Meine Schwester ist ein bisschen durchgeknallt. (Auf eine sehr lässige Art). Das wusste ich ja schon, aber dieses Jahr hat sie den Vogel abgeschossen.

Als vor einigen Wochen raus war, dass das Mädchen und ich heuer über Weihnachten ein paar Tage in der Heimat sein würden, teilte sie mir mit, ich solle mir doch bitte am 23.12. ein paar Stunden für eine vorgezogene Geburtstagsüberraschung (ich habe heute) freihalten. Ich hatte keine Ahnung, dachte aber an irgendwas mit Wellness oder so. Als ich Ende November in München war, hörte ich, dass meine Mama auch mit dabei sein soll, aber genauso wenig weiß wie ich. Papa war eingeweiht, weigerte sich aber standhaft, etwas zu verraten.

An dieser Stelle sollte ich als Fußnote erwähnen, dass ich Überraschungen eigentlich gar nicht mag (tatsächlich habe ich regelrecht Panik davor, ich Kontrolltier, ich), und wenn in Filmen irgendwer eine Überraschungsparty plant, bedaure ich immer den Überraschten, der sich nen Ast freuen muss, obwohl er vielleicht überhaupt keine Lust dazu hat. Meine Schwester beteuerte zwar, dass ich diese Überraschung ganz sicher lieben würde, aber ich war dennoch ganz erleichtert, dass Papa sich einige Tage vor dem Termin etwas verplapperte. Das geheimnisvolle Event musste etwas mit meinem Lieblingsfilm "Vom Winde verweht" zu tun haben, was genau blieb aber im Dunkeln.

Auf der Fahrt zu meiner Überraschung kehrte die Panik kurz zurück, als die Schwester verlauten ließ, dass sie einige alte Freunde von mir eingeladen hatte. Als ich vehement nachhakte, wer genau, denn vor meinem inneren Auge erschienen allerlei schräge Gestalten aus längst verdrängten Lebensabschnitten, sagte sie zu meiner Erleichterung, dass aufgrund des Termins so kurz vor Weihnachten nur eine liebe Freundin zugesagt habe. (Die Panik wäre aber auch unbegründet gewesen, denn auch die anderen hätte ich sehr gerne gesehen! Da hat sie also nicht daneben gelegen...)

Unser Ziel war schließlich das Arsenal-Kino in Tübingen und langsam wurde mir das Unfassbare klar: Meine verrückte Schwester erfüllt mir einen Herzenswunsch! Einmal Scarlett und Rhett auf großer Leinwand sehen! Das hatte ich vor einiger Zeit mal hier verlauten lassen. Dass dieser Wunsch aber in einem kuscheligen Programmkino ganz für mich allein (und eine Handvoll netter Frauen) in Erfüllung gehen würde, hätte ich nie für möglich gehalten! 

Meine Schwester hatte Sekt zum Anstoßen vor der Vorstellung dabei und eine Pause mit Brezeln, natürlich genau an der richtigen, nämlich der Originalpausenstelle. 

Und es ist natürlich wirklich so: Scarlett, Rhett, Ashley, Melanie, Mammy, Bilder, Action und Emotionen wirken im richtigen Kino natürlich viel überwältigender als zuhause vor dem Fernseher! 

Ich fand es jedenfalls einfach nur großartig und habe an dieser Stelle das dringende Bedürfnis, lauthals in die Welt rufen: 

Ich liebe dich und deine verrückten Ideen, kleine Schwester! 




Dienstag, 23. Dezember 2014

[Buch] BuchSaiten Jahresabschluss in Sachen Bücher #BSBP




Diese Blogparade von BuchSaiten, die offenbar schon lange Tradition hat, habe ich grade erst entdeckt und sie kommt mir gerade recht :)


* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?
Da gab es einige. Am meisten meisten überrascht hat mich aber wohl die "Blood of Eden"-Reihe von Julie Kagawa, an die ich mich lange nicht gewagt habe, obwohl ich die Autorin sonst eigentlich sehr mag.
 
Andere sehr gute Bücher, von denen ich eher wenig erwartet hatte, waren City of Women und Eine Nacht, Markowitz

* Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?
Das waren wohl Spiegelkind und Spiegelriss von Alina Bronsky. Die haben mich leider nicht überzeugt.

* Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?
Eshkol Nevo. Weil er einfach fantastische Romane über uns Israelis schreibt.

* Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?
Schwierige Frage. Ich lese ja hauptsächlich Kindle, da spielen Cover praktisch keine Rolle. Wunderschön finde ich aber die neuen Cover der Bücher von Haruki Murakami, die 2014 erschienen sind.

* Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?
Ken Folletts Edge of Eternity / Kinder der Freiheit. Das hätte ich schon längst gelesen haben wollen, werde es dieses Jahr aber wohl nicht mehr schaffen. 






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Samstag, 20. Dezember 2014

12tel Blick im Dezember

Als Abschluss der diesjährigen 12tel-Blick Fotochallenge zeige ich euch das Azrieli Center bei Nacht. Alle Fotos findet ihr hier auf einen Blick



Obwohl sich in der urbanen Wüste Tel Aviv, Natur und Umgebung übers Jahr kaum verändert haben, fand ich doch interessant und überraschend, dass meine Monatsbilder immer etwas anders aussahen.

Dennoch werde ich mir nächstes Jahr für die Challenge, sollte Tabea sie noch einmal ausrichten, wohl einen Platz außerhalb der Stadt suchen (und ich habe auch schon eine Idee, welchen).


Danke Tabea, für dieses schöne Projekt und danke euch, dass ihr immer wieder reingeschaut habt :)



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Donnerstag, 18. Dezember 2014

[Buch] Unrezensierte Lesehighlights 2014 (Minis)

Gelistet als Kurzeindrücke, wie ich sie manchmal bei Goodreads hinterlasse, wenn ich sofort nach dem Lesen unbedingt was dazu loswerden muss.


SaeculumSaeculum by Ursula Poznanski
My rating: 4 of 5 stars

Sauspannend, wenn auch stellenweise etwas unlogisch. Trotzdem absolut lesenswert (wie eigentlich alle Poznanskis)




BuddenbrooksBuddenbrooks by Thomas Mann
My rating: 3 of 5 stars

Ein großartiges Stück deutscher Literatur. Für mich der erste von Anfang bis Ende gelesene Thomas Mann.





Into the Still Blue (Under the Never Sky, #3)Into the Still Blue by Veronica Rossi
My rating: 4 of 5 stars

Runder Abschluss einer lesenswerten, wenn auch nicht wirklich "neuen" Dystopie

Ich habe 2014 alle drei Bände gelesen, aber irgendwie nie eine Rezension dazu geschafft.



Eine Nacht, Markowitz (German Edition)Eine Nacht, Markowitz by Ayelet Gundar-Goshen
My rating: 4 of 5 stars

Wunderbarer Roman aus der Zeit der israelischen Staatsgründung. Tragisch, komisch, herzzerreißend, skurril. Ich kann's gar nicht beschreiben.





Und einer auf Englisch:


Soulless (Parasol Protectorate, #1)Soulless by Gail Carriger
My rating: 4 of 5 stars

Alexia is a spinster in her mid-twenties living in Victorian London with her mother, stepfather and two stepsisters. She doesn't fit in with the other ladies because of her exotic looks passed on to her by her late Italian father and has resigned to her fate of staying "on the shelf" forever. As if that's not enough she's also "preternatural" which means that she's got no soul at all. When she accidentally kills a vampire in self-defence the Queen sends Lord Maccon a messy loud alpha werewolf to investigate. At the same time Alexia does some investigating of her own and soon they realise that something is very much amiss in London's paranormal society.

"Soulless" is the first instalment of a Steampunk mystery series full of hilarious humour involving vampires, werewolves and other supernatural beings. Fun read I thoroughly enjoyed indeed.



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Denkt ihr an meine Lesechallenge? Ich und meine Mitleserinnen brauchen teilweise noch einige Vorschläge von euchLeserlieblingsbücher 2015
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Mittwoch, 17. Dezember 2014

Zwangsabstinenz: Drei Tage ohne ...

Am Sonntagmorgen war noch alles in Ordnung. Es regnete zwar in Strömen, als ich morgens mit dem Mädchen aus dem Haus ging, aber mein freier Tag lag vor mir und ich war mit meiner Freundin bei IKEA verabredet. Dort tranken wir einen Kaffee und machten dann eine Runde durch die heiligen Hallen der Schwedenmöbelwelt. In der Kinderabteilung machte ich mit dem Handy ein paar Fotos von Dingen, die ich vielleicht irgendwann anschaffen will und wenige Minuten später, da waren wir gerade durch die Küchenabteilung, merkte ich, dass mein Android fehlt.

Ich natürlich sofort zurück in die Kinderwelt und dort alle Stellen abgesucht, an denen ich war war - nichts. Danach noch mal bei den Töpfen und Pfannen geschaut - auch nichts. Die Mitarbeiter gefragt, ob sie ein Handy gefunden haben und zur Antwort bekommen, ich solle bei der Sicherheit nachfragen. Die Kollegen dort hatten es auch nicht, nahmen aber meine persönlichen Daten auf und versprachen, sich zu melden, sollte es noch auftauchen.

In der Zwischenzeit hatte meine Freundin natürlich auch schon versucht, meine Nummer anzurufen, doch da ging nur noch die Mailbox dran. Ein sehr schlechtes Zeichen. Wir suchten trotzdem alles noch mal gründlich ab, fragten noch mal bei der Sicherheit und in allen Abteilungen nach, ohne Erfolg.

Mein treuer Android blieb verschwunden.

Niedergeschlagen schlich ich schließlich nach Hause, ließ die SIM-Karte sperren, änderte alle meine Passwörter (in Smartphones ist man ja immer irgendwie überall eingeloggt und blind auf das Bildschirmschloss verlassen, wollte ich mich nicht wirklich...) und ärgerte mich über meine eigene Blödheit. Nicht nur, dass dieses Gerät noch absolut in Ordnung war, nein, ich mache auch mittlerweile wirklich fast alles mit dem Smartphone.


Ein Leben ohne ist schwer vorstellbar, obwohl ich die Telefonfunktion ziemlich selten nutze, aber für Notfälle brauche ich sie natürlich auf jeden Fall, schon falls mit dem Mädchen mal was wäre. Erstaunlicherweise verfiel ich aber nicht in wilde Panik, im Gegenteil: Der Sonntagnachmittag war "ohne" herrlich entspannt, kreativ und produktiv und auch die folgenden Tage ging mir mein ständiger Begleiter nicht wirklich ab.

Nur das Blog musste ein bisschen leiden, denn wenn ich viel auf Achse bin, und zur Zeit ist echt eine hektische, bereite ich oft meine Artikel (gerade Buchbesprechungen) unterwegs vor und bearbeite sie zuhause nur noch kurz nach, bevor sie online gehen.

Richtig schlimm fand ich den Instagram-Entzug. Ich stelle mindestens ein Foto pro Tag ein und nehme auch an einer "Photo-a-Day"-Challenge teil, die ich gezwungenermaßen aussetzen musste, das war bitter.

Doch all das wird jetzt anders, denn - tataaaa- ich habe ein neues Smartphone und mich bereits ein bisschen damit vertraut gemacht. Ab morgen wird wieder fotografiert, geteilt, gewhatsappt und, ja, telefoniert vielleicht auch ein bisschen.

(Außerdem muss ich mal anfangen, meine ganzen Kontakte nachzutragen, die sind nämlich, und das ist richtig ätzend!, mit dem Telefon verschwunden. Hmpf.)




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Dienstag, 16. Dezember 2014

Happy Hanukkah ! חנוכה שמח

Heute Abend zünden wir hier in Israel und Juden auf der ganzen Welt die erste Kerze auf unserem Chanukkaleuchter an.

Die märchenhafte Geschichte des kleinen Ölkrugs, der dazu ausreichte, den Leuchter des jüdischen Tempels acht ganze Tage am Brennen zu halten, nachdem die Makkabäer ihn von der hellenistischen Tyrannei befreit hatten, bewegt und begeistert bis heute als eines der vielen Wunder, die das Volk Israel im Laufe der Jahrhunderten erlebt hat.

Zur Feier des Tages hier mal wieder ein musikalisches Filmchen für euch :)





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Freitag, 12. Dezember 2014

12 von 12 im Dezember 2014

Es ist schon wieder der 12. des Monats! Noch 12 Tage bis Weihnachten, seid ihr nervös? Ich muss ja sagen, dass mir die Hektik und der Stress der Vorweihnachtszeit hier in Israel überhaupt nicht abgehen. Im Gegenteil, als ich neulich in München war, fand ich es fast ein bisschen extrem, wie krass die Leute schon Ende November drauf waren. Hm....

Unser Freitag war heute gut gefüllt. Das Mädchen war fies erkältet, daher musste sie ausnahmsweise nicht zur Schule, sondern stattdessen mit uns ins langweilige Café zum Frühstück. Da ich an meinem Geburtstag in zwei Wochen nicht hier sein werde und frühstücken gehen zu unseren Geburtstagsritualen gehört, wollten der Gatte und ich das gerne vorholen. Im sehr überfüllten Café ging dafür der größte Teil des Vormittags drauf, aber es lohnt sich immer sehr.

Insider-Tipp: Wenn ihr mal in Israel seid, geht unbedingt in eines der hiesigen Cafés frühstücken! Bestellt das Frühstück für zwei Personen "Aruchat Boker zugit" (also wenn ihr zu zweit seid, sonst reicht das für eine Person...) und ihr werdet den ganzen Tag kaum noch Hunger haben. Bei diesen Arrangements bekommt in der Regel jeder ein Omelette (so zubereitet wie man es am liebsten mag), Salat, ein Heiß- und Kaltgetränk nach Wahl, Brot, Brötchen und jede Menge frischen Käse, Aufstriche und Marmelade. Manche Cafés servieren auch noch für jeden ein Mini-Müsli mit Joghurt.

Im Einkaufszentrum werden derzeit an jeder Ecke fancy "Sufganiot" (Berliner) für das nahende Chanukkafest verkauft. Zuckerschock inklusive. Wir ließen uns trotzdem breitschlagen und schenktem dem Mädchen einen, wo es ihr doch nicht so gut geht....

Im Winterschlussverkauf gab es für den Gatten einen ganzen Stapel neuer Shirts und sogar eine Hose, der er aber nur unter Androhung von Gewalt zustimmte, weil er meinte, schon zu viel ausgesucht zu haben. Aber ich kenne ihn: Wenn er jetzt wieder gezögert hätte, wäre die nächste Gelegenheit erst wieder in drei Jahren gekommen. Er ist, was seine Klamotten angeht, ein bisschen phlegmatisch.

Unser Nachmittag zuhause war eher gemütlich. Der Gatte war ein wenig mit seinen Pflanzprojekten auf dem Balkon zugange, das Mädchen videofonierte mit Oma, ich buk angespornt durch meinen Erfolg von letztem Samstag, noch eine Ladung Chocolate Chip Cookies und machte das Abendessen klar, (zwischen ein bisschen Wäsche), ging für ein Stündchen zum Pilates und brachte schließlich den kränklichen Käfer früher als sonst ins Bett. Morgen soll es zu Schwiegers gehen, wir hoffen sehr, dass das Kind bis dahin wieder ganz fit ist.





Alle 12 von 12 der deutschen Bloggerszene gibt es wie immer bei Caro Kännchen zu bestaunen.


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Mittwoch, 10. Dezember 2014

[Buch] Update: Leserlieblingsbücherchallenge (#LLBC) 2015


Huhu, ihr Lieben!

Bald ist es soweit: Die Leserlieblingsbücherchallenge (kurz: #LLBC) startet am 1.1.2015.


Zwei wichtige Updates dazu:

1.)

Zur Teilnahme an der Challenge haben sich zu meinem Entzücken bereits angemeldet:



Julia - 1001 Julia

Kristine - Kristine liest


Ich hoffe sehr, dass ich niemanden übersehen habe, bitte meldet euch sonst einfach, damit ich euch umgehend in die Liste aufnehmen kann!

Natürlich würde ich mich freuen, wenn noch mehr mitmachen - the more the merrier ;)


2.)

Lieblingsbücher, die ich nächstes Jahr lesen soll, haben mir bis jetzt neun liebe Blogleser gemeldet. Da fehlen mir also auch noch mindestens 3x3 Lieblingsbücher, damit ich das Jahr voll kriege und nicht im Oktober aufhören muss, Lieblingsbücher zu lesen. Das sollte doch zu schaffen sein, oder?

Aus den bisher gemeldeten habe ich einige sofort und spontan ausgewählt, aber bei vielen bin ich noch nicht sicher, die klingen einfach alle so spannend, und tatsächlich habe ich nur sehr wenige bereits gelesen. (Zur Erinnerung: Für jeden Monat muss ich aus den drei Vorschlägen einer Leserin mindestens ein Lieblingsbuch auswählen. Alle Regen hier)


Stephen Fry: Making History
Paul Auster: Smoke
Annemarie Selinko: Desiree
(vorgeschlagen von Christa)

Alex Capus: Leon und Louise
Elke Heidenreich: Nero Corleone und Nero Corleone kehrt zurück
Patricia Kölle: Wer nur Frösche küsst, verpasst die Drachen
(vorgeschlagen von Chutzpi)

Benjamin Alire Saenz: Aristotle and Dante Discover the Secrets of the Universe
C.S. Pacat: Captive Prince
Tabitha Suzuma: Forbidden
(vorgeschlagen von Janina)

Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel
Haruki Murakami: Kafka am Strand
Raquel Palacio: Wunder
(vorgeschlagen von Holunder)

Theodor Fontane: Der Schimmelreiter
Paolo Giordano: Die Einsamkeit der Primzahlen
Sara Gruen: Wasser für die Elefanten
(vorgeschlagen von Kerstin)

Willy Russell: The wrong boy
Willy Freese: Mir selber seltsam fremd. Russland 1941-44
Roald Dahl: The BFG
(vorgeschlagen von Alex)

Tanja Kinkel: Die Puppenspieler
Jeannette Walls: Schloss aus Glas
Judith W. Taschler: Roman ohne u
(vorgeschlagen von Petra)

Jean Paul Sartre: Das Spiel ist aus
Walther Moers: Die Stadt der verlorenen Bücher
Rafik Schami: Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat
(vorgeschlagen von Julia)

Tom Finnek: Unter der Asche
Susanna Kearsley: Mariana
Lisa Genova: Mein Leben ohne gestern
(vorgeschlagen von Lara)



Also: Ran an die Tasten und mir Lieblingsbücher vorgeschlagen! Oder ihr richtet selbst noch schnell eine Challengeseite auf eurem Blog ein und macht mit. Oder beides. (Das ist überhaupt die allerbeste Option!)



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Sonntag, 7. Dezember 2014

Froher 2. Advent !

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich muss in der Weihnachtszeit die passende Musik dazu hören. Ja, ich lebe in Israel und nein, da kommt im Allgemeinen keine Weihnachtsstimmung auf, aber das hält mich nicht davon ab, es mir selbst - zumindest im Herzen - ein wenig weihnachtlich zu machen.

Zwei wundervolle A-cappella-Versionen von Lieblingsweihnachtsliedern habe ich dieser Tage im Netz gefunden und dachte, ich stelle sie mal hier rein. Wer mag, kann sie sich ja mitnehmen :)








Außerdem schalte ich jedes Jahr wieder gerne "Accu Radio" ein und klickere mich durch die Weihnachtskanäle. Da ist für jeden der passende Mix dabei :)



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Samstag, 6. Dezember 2014

Samstäglicher Backflash

Nach einer sehr vollen Woche, in der ich zum Glück nicht zu viel Zeit hatte, mir über die aktuelle Tagespolitik hier Gedanken zu machen (kurz gesagt: es wird Wahlen geben und wieder wird keiner hingehen und dann werden wir eine noch miesere Regierung haben als bisher, also nicht wirklich tolle Aussichten...), war heute ein Tag zum hauptsächlich zuhause bleiben und gammeln. Ok, heute Vormittag war ich eine Stunde beim Pilates, sonst auf dem Sofa. Dessen Tage übrigens gezählt sind. Gestern haben wir ein neues bestellt, auch grau, ähnlicher Stil, aber nicht über 7 Jahre alt, durchgesessen und versifft, sondern, ja, neu eben. Mitte Januar soll es geliefert werden.


Besinnliche Adventsstimmung kommt hier bei 25 Grad ja nicht wirklich auf, aber am Nachmittag überfiel mich ein Backflash, der fast als Weihnachtsbäckerei hätte durchgehen können. Es fing damit an, dass ich ein paar angeschrumpelte Äpfel endlich mal in einen Kuchen umwandeln wollte und als der im Ofen war (Rezept hier), wollte das Mädchen plötzlich Kekse backen, am liebsten Ausstecher. Das kommt davon, wenn man im Hintergrund "Ritter Rost feiert Weihnachten" hört... Da ich auf Ausstecher heute überhaupt keinen Nerv hatte (wer Kinder hat, kennt das Gefühl, da bin ich sicher) schlug ich als Kompromiss Chocolate Chip Cookies vor. Wollte ich schon immer mal machen und neulich im Supermarkt habe ich endlich mal einen Packen Bitterschokoladenchips mitgenommen, an der Zutat sollte es also nicht scheitern. An Rezepten auch nicht, wie sich herausstellte: Das Internet ist voll davon, ich ging auf Nummer sicher und griff zu Martha Stewarts Version. Deren Rezepte sind ziemlich idiotensicher und schmecken garantiert, kein Wunder bei all dem Fett und Zucker :)

Dazu gleich noch mal einen Kaffee!



Und ihr so?

Ich gehe gleich mal schauen, wer bei Ninjas Samstagskaffee heute so alles eingetrudelt ist.



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Langsam wird es knapp mit der Teilnahme an meiner Lesechallenge! 
Bitte meldet mir unbedingt noch schnell eure Lieblingsbücher!
Oder noch besser, ihr meldet euer Blog dafür an: Leserlieblingsbücher 2015
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Donnerstag, 4. Dezember 2014

[DonnerstagsErinnerung] Hochzeiten in Israel

Der Gatte und ich haben sehr bescheiden geheiratet. Kurzfristig, mit relativ wenigen Gästen, einem improvisierten Kleid (hier verbirgt sich ein Foto) und überhaupt nicht "typisch israelisch". Einerseits, weil mir das Drumherum einfach nicht wichtig war. Meine Schwester, die damals schon mit den Vorplanungen für ihre eigene Hochzeit (über ein Jahr vor dem Termin) begonnen hatte, war entsetzt, meinte, ich würde es später bereuen, dass ich den "schönsten Tag meines Lebens" so profan begangen hatte und überhaupt.

(Ich bereue nichts.)

Andererseits wusste ich damals auch schlicht nicht, wie so eine typisch israelische Hochzeitsfeierlichkeit überhaupt abzulaufen hat (und das ist auch gut so). Zwar war ich einmal auf einer Hochzeit eingeladen gewesen, aber das war für mich ein so krasses Erlebnis, dass ich es offenbar gar nicht als normal abgespeichert, sondern sofort als exotische Besonderheit einer kleinen Bevölkerungsnische verdrängt hatte.

Es fängt schon damit an, dass man bereits satt ist, bevor die Zeremonie begonnen hat. Häppchen und leichte Speisen werden beim Stehempfang gereicht und zwar in einem Überfluss, bei dem man als sparsamer Deutscher nicht im Traum daran denken würde, dass danach noch ein komplettes Abendessen mit mehreren Gängen ansteht. Ist aber so. Ebenso, dass die Zeremonie in der Regel etwa zwei Stunden später stattfindet, als auf der Einladung angegeben, und dass jeder sich so kleidet, wie er mag. Manche im extra angefertigten Abendkleid, andere in Jeans und Oberhemd und wieder andere in Flipflops und Shorts.

Die Zeremonie wird in der Regel von einem Rabbi nach jüdischen Bräuchen durchgeführt, da es in Israel die Zivilehe nicht gibt (hatte ich schon mal erwähnt). Das heißt, es wird der jüdische Ehevertrag, die Ketubba, unterzeichnet, die Braut wird verschleiert und umkreist den Bräutigam sieben Mal, das Brautpaar schließt die Ehe unter der Chuppa und am Ende zertritt der Bräutigam das symbolische Weinglas. Sehr ergreifend, vor allem, wenn man es zum ersten Mal miterlebt.

Warum mir das gerade dieser Tage einfällt? Nun, Freunde haben kürzlich ihre Tochter verheiratet und ein Video davon ins Netz gestellt. Zwei Klicks weiter landete ich auf dem Vimeo-Kanal des Kamerakünstlers Avichai Wechsler und verbrachte daraufhin den Rest des Abends mit dem Anschauen von Hochzeitsclips. Kitschig, ja und immer wieder irgendwie gleich, so vom Aufbau her. Aber die Filmchen zeigen eben auch sehr gut, wie echte Israelis echt israelisch heiraten, und da dachte ich mir, vielleicht hat hier der/die eine oder andere hier auch Spaß an diesem geballten Glück :)

Auswahl:



Maayan & Nitzan - Wedding Day Highlights - הנחלה בית עובד from אביחי וקסלר צילום on Vimeo.



Tal & Yaron - Wedding Day Highlights - חגיגה בכפר from אביחי וקסלר צילום on Vimeo.



Liron & Amir - Wedding Day Highlights - שרונית from אביחי וקסלר צילום on Vimeo.



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Mittwoch, 3. Dezember 2014

[Buch] David R. Gillham: City of Women

City of WomenCity of Women by David R. Gillham
My rating: 4 of 5 stars

Dieses Buch lag schon eine Weile bei mir auf dem Stapel, weil ich mich lange nicht richtig aufraffen konnte, schon wieder einen Roman über den zweiten Weltkrieg zu lesen. Da meine beste Freundin es aber so richtig gut fand, nahm ich es, als ich letztens verreist war, neben einigem anderen Lesestoff "mal" mit, und las letztlich nichts anderes. Diese Geschichte um eine Hausfrau im Berlin der letzten Kriegsjahre ist überraschend anders.

Sigrid Schröder lebt mit ihrer ewig an ihr herum nörgelnden Schwiegermutter in einem gutbürgerlichen Berliner Mietshaus. Ihr Mann dient, wie unzählige andere deutsche Männer, an der Ostfront, in der Hauptstadt sind die Frauen mittlerweile auf sich allein gestellt. Tagsüber arbeitet Sigrid in einem Büro als Schreibkraft, für ihre Lebensmittel stellt sie sich in die langen Schlangen vor zunehmend leereren Geschäften, und wenn nachts der "Tommy" kommt, geht Sigrid wie alle anderen in den Keller.

Nach außen ist Sigrid eine mustergültig Kriegsfrau, ihr einziges Laster sind die regelmäßigen Kinobesuche, scheinbar. Denn es gibt noch eine andere Sigrid. Eine scharfsinnige, leidenschaftliche Frau, die Erinnerungen an ihren verschwundenen Liebhaber quälen, und die das System zunehmend kritisch hinterfragt.

Als sie unvermittelt Zeugin "krimineller Handlungen gegen das Reich" wird, muss sie sich entscheiden, ob sie die Scharade der guten Kriegsfrau weiterleben oder alles für ein paar Menschenleben aufs Spiel setzen will.

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Die Geschichte um Sigrid hat mich gefesselt und berührt. Nicht die Liebesgeschichte, die fand ich zuletzt nicht wirklich überzeugend, aber dieser andere Blick auf die ganz normale bürgerliche Gesellschaft der Nazizeit. Auf die einfachen Menschen, auf die, die selbst keine Verbrechen begingen, aber auch nichts dagegen sagten, dass andere sie im Namen des Reiches begingen. Wenn man sich hineinfühlt in die Realität der ständigen Überwachung und der Angst vor Denunziation auch wegen Nichtigkeiten, wird für mich greifbarer, warum es nicht mehr Menschen gab, die es wagten zu helfen. Diesen anderen Blickwinkel auf "die Deutschen" schafft dieses Buch, ohne das Verbrechen des kollektiven Wegsehens zu verharmlosen, und es zeigt auf nüchterne Art und Weise, dass man Dinge bewegen kann, wenn man es wagt, den ersten, kleinen Schritt zu gehen.


City of Women ist leider bisher nicht auf Deutsch erschienen. 



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