Montag, 30. Juni 2014

Und dann höre ich plötzlich das -

"Man hat die Jungen gefunden!"

Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht durch die sozialen Medien und über die Krankenhausflure. Die drei israelischen Teenager sind tot aufgefunden worden. Ganz in der Nähe der Bushaltestelle an der sie in das Auto ihrer Mörder stiegen, sind sie wohl unmittelbar nach ihrer Entführung ermordet worden.

Ich kann am Handy schlecht verlinken, aber Haaretz.com, Jerusalem Post und Times of Israel haben laufend neue Informationen (auf Englisch)

Ein bisschen Med-Talk

Dieser Eintrag kommt aus dem Tel Aviv Medical Center zu euch, wo ich, zwar auf sehr hohem Niveau selbst für israelische Verhältnisse (das Gesundheitssystem ist grundsätzlich sehr gut, doch nicht alle Häuser gleich komfortabel), aber dennoch im Krankenhaus, die heutige Nacht verbringen muss.
Manche wissen vielleicht, dass ich seit einigen Jahren einen Defibrillator trage, den anderen sei hiermit kurz erklärt, dass es sich dabei um eine Art Herzschrittmacher handelt, der mein Herz im Notfall (bei drohendem Stillstand zum Beispiel) mit einem gezielten Elektroschock wieder in den richtigen Rhythmus bringt.

Wie es dazu kam ist eine lange Geschichte, daher nur so viel: Ich habe ein seltenes medizinisches Los gezogen, mit dem ich aber in der Regel echt gut lebe. Einer der Haken am Defibrillator (abgesehen davon, dass er das Dekolleté versaut) ist allerdings, dass alle paar Jahre die Batterie leer ist und das Gerät gewechselt werden muss. Deswegen bin ich hier.

Der Eingriff war heute Morgen und ist gut verlaufen. Vorher hatte ich noch Gelegenheit, mit dem OP-Team über Gott und die Welt ("Woher kommst du?" "Wie viele Kinder?" "Wie hältst du es als Deutsche bloß in Israel aus?" etc.) und die WM zu fachsimpeln, nicht ohne versehentlich Salz in die Wunde des italienischen Chirurgen zu streuen. (Nein, ich hatte wirklich nicht mehr auf dem Schirm, dass Italien schon rausgeflogen ist....).

Das lustige Geplänkel (u.a. für diese Lockerheit liebe ich Israel) setzte sich auch auf der OP-Liege fort, bis mich die sedierenden Medikamente unvermittelt in einen farbenfrohen und sehr skurrilen Chemietraum zerrten, an dessen Details ich mich leider hinterher nicht mehr  erinnern konnte. Aber es war heftiger Stoff :)

Ein paar Stunden nach diesem kleinen Wartungseingriff ist mir ziemlich öde.  Zwar durfte ich vor einer halben Stunde endlich aufstehen und auf Toilette (stundenlang die Blase zusammen kneifen, nur um der peinlichen Bettpfanne zu entgehen, ist ganz schön ätzend, vor allem, wenn man sich kaum ablenken kann), aber da ich noch am Monitor hänge, ist mein Radius trotzdem stark eingeschränkt. Fußball einsam auf dem Smartphone schauen bringt's auch irgendwie nicht so richtig, obwohl ich das Deutschlandspiel später wohl schon so verfolgen werde. Oder ich schlafe einfach, das soll nach chirurgischen Eingriffen ja durchaus angeraten sein.


Samstag, 28. Juni 2014

Samstagskaffee und Gebäck :)


Backen mit Kind gehört nicht gerade zu meinen absoluten Stärken im Elternalltag.

Überhaupt habe ich in der Küche am allerliebsten 0 Helfer, weil ich meistens lieber schnell fertige Erzeugnisse auf den Tisch bringen will, als soziale Interaktion zu pflegen. Nein, ich bin im Delegieren nicht wirklich groß - wieso andere machen lassen, wenn ich es selbst schneller und besser kann? (Überheblich und dumm, ich weiß, ich arbeite dran.)

Manchmal habe ich aber doch das Bedürfnis, eine "gute" Mama zu sein und gemeinsam etwas zu backen. Meistens will die Lieblingstochter gerade dann nicht, wahrscheinlich weil sie instinktiv spürt, dass mein Vorschlag höchstens dreiviertelherzig ist, und ich bleibe alleine auf meinem Backvorhaben sitzen. Heute wurde die Idee aber positiv aufgenommen, jedenfalls zu Beginn. Folgende Dinge musste ich nämlich lernen:

1.) Erdnussbutter lässt sich nicht durch Sesampaste substituieren. Jedenfalls nicht 1:1 und ohne das Rezept für Erdnussbutterkekse irgendwie anzupassen (wie muss ich noch rausfinden). Daraus resultiert, dass 2.) helfende Kinder nach wenigen geformten Keksen die Nase voll haben, weil der Ekel vor öltriefenden Händen (Sesampaste zieht Öl ohne Ende, überraschenderweise) den Spaß am Backen weit übersteigt und 3.) die formschönen Rohkekse im Ofen zu einer undefinierbaren Masse zusammenlaufen.

Tja. 

So viel zu meiner grandiosen Idee, zum heutigen Samstagskaffee doch mal eben schnell ein paar Tahinikekse zu backen. (Nicht dass das Internet nicht genügend Rezepte genau dafür hergäbe, aber nein, ich musste ja experimentieren....)

Seltsamerweise blieben die Kekse vom zweiten Blech besser in Form und glücklicherweise sind sie geschmacklich absolut in Ordnung, befand auch der Gatte :)


+++ Nachtrag +++

Da ich jetzt mehrmals nach dem Rezept gefragt wurde,  hier der Link: 

  
Werden mit Erdnussbutter super, wenn auch recht süß (amerikanisches Rezept eben). Ich habe die Erdnussbutter 1:1 durch Sesamrohmasse (Tahini) ersetzt. Das wurde in der Verarbeitung ätzend und man muss darauf achten, die Kekse sehr fest zu formen, damit sie einigermaßen in Form bleiben. Bröselig sind sie dann aber immer noch ;)
+++


Direkt nach dem Kaffee erhielten wir noch eine Spontaneinladung zum Kaffee bei einer Freundin britischer Herkunft. Dort griff ich zum Tee mit Milch und Zucker, den ich stilecht in der Union Jack-Tasse serviert bekam - nett, oder?





Samstagskaffees und Geplauder gibt es immer wieder samstags (logischerweise) auf Ninjas Blog.



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Donnerstag, 26. Juni 2014

Mein Wegwerfgatte

Nach einer wahren Begebenheit.


Seit einigen Tagen kann ich meine Sandalen nicht tragen. Der Grund: Der Riemen mit der Schnalle ist rausgerutscht und nicht aufzufinden. Ich stelle mehrmals morgens halbherzig die Wohnung auf den Kopf, wirklich Zeit zum Suchen habe ich nicht, aber das Teil wird schon wieder auftauchen, nicht wahr? Das Haus verliert ja bekanntlich nichts.

Gestern haben wir alle drei kollektiv verschlafen. Präziser gesagt: Ich wachte um 7:59 auf, was ziemlich schlecht ist, denn normalerweise steige ich um diese Zeit bereits in Tel Aviv aus dem Bus, die Schule beginnt um 8:00. Also ganz ungünstig. Trotz verschärftem Morgenstress suchte ich wieder nach meinem Sandalenriemchen, diesmal schon ziemlich entnervt, und fragte schließlich auch den Gatten, ob er es womöglich irgendwo gesehen hat. Er verräumt nämlich gerne mal Schuhe. Einzelne Schuhe, wohlgemerkt, d.h. wenn einer meiner Schuhe einsam im Schlafzimmer liegt, ist nicht gesagt, dass das passende Gegenstück in unmittelbarer Nähe zu finden ist. Jedenfalls nicht, wenn der Herr mal wieder seinen "Ihr habt viel zu viele Schuhe, wir sollten einen Laden aufmachen!"-Anfall hatte, in deren Folge er alle Schuhe aus seiner Aussicht schafft, die ihm vor den Besen kommen. (Er fegt für sein Leben gern.)

So fragte ich ihn also nach diesem blödsinnigen Riemchen. Zur Antwort kam ein undefinierbares Grummeln. Gut, dachte ich mir, er ist halt im Stress. Verschlafen ist doof. Ich also wieder mit geschlossenen Schuhen zur Arbeit. (Ja, es ist tatsächlich so. Ich besitze nur ein Paar bürotaugliche Sandalen. Andere Gatten haben viel mehr Schuhchaos auszuhalten, behaupte ich mal.)

Viel später, mitten am Tag, ich saß im Büro und hatte das unselige Sandalenriemchen schon wieder verdrängt, rief mich der Gatte an. Folgende Konversation folgte:

Du, ich muss dir was sagen... 
Ja?
Wir sollten zum Schuhladen gehen. Wir können's uns leisten...
Häh?!
Also... es ist so.... dieses Ding, das du suchst.... äh... es ist wohl so, dass ich es entsorgt habe. 
WAS !!!???!
Ja, also, das war so, dass ich mich beim Fegen gefragt habe, was das wohl ist und es dann weggeworfen habe, weil ich dachte, das kann weg. 
(Ich atme tief ein und aus.)

Bist du sicher? Oder vermutest du das nur?
Absolut sicher. Ich bin sogar noch runtergegangen, aber die Tonne wurde schon geleert. 
(Ächz.)


Ich muss an dieser Stelle anmerken, dass es mitnichten zum ersten Mal passiert, dass der Gatte wichtige Dinge wegwirft. Zum Beispiel muss ich regelmäßig Teelöffel nachkaufen, weil die immer mit Küchenabfällen entsorgt werden und einen Kochtopf hat er auch schon mal in die Tonne gehauen. Ansonsten verschwinden öfter mal Dinge, von denen ich ziemlich sicher bin, dass sie versehentlich im Hausmüll gelandet sind.

Sein neuer Spitzname: Zarkan = Wegwerfer. (Von lizrok = wegwerfen). Morgen rufe ich die Akademie der Hebräischen Sprache an und melde meine neue Wortschöpfung an. Und dann gehe ich Sandalen kaufen.







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Mittwoch, 25. Juni 2014

[Buch] Julie Kagawa: Blood of Eden - Trilogie


(Julie Kagawas Geschichten werden auf Deutsch von Heyne fliegt verlegt)


Allison (Allie) Sekemoto lebt in einer kaputten Welt. Seit ein brutaler Virus einen Großteil der Menschheit ausgelöscht hat und zombieartige Mutanten nachts ihr Unwesen treiben, werden die ehemaligen USA von abgeriegelten, streng bewachten Vampirstädten beherrscht. Die wenigen Menschen genießen den Schutz der Vampire, jedoch nur wenn sie sich bereit erklären, sich als "Blutvieh" zu registrieren und regelmäßig Abgaben zu leisten. Tun sie das nicht, erhalten sie keine Nahrungsmittel und sind gezwungen, sich auf der Straße durchzuschlagen. Das ist Allies Alltag. Mit drei anderen Straßenkindern trotzt sie als Unregistrierte stolz den immer schärferen Restriktionen und Gefahren durch die Vampire. Richtig satt war sie schon lange nicht mehr. In einer verzweifelt-wagemutigen Aktion verliert sie ihre Freunde und ihr eigenes Leben, denn ein Vampir rettet sie zwar in letzter Sekunde schwer verletzt, doch nur für den Preis ihrer Menschlichkeit. Gezwungen, als Wesen zu leben, für das sie stets nichts als abgrundtiefen Hass empfand, muss Allie schon bald entscheiden, was für einen Weg sie einschlagen will.

Ich habe diese Trilogie innerhalb weniger Tage verschlungen. Julie Kagawa hat mich ja schon mit ihrer Iron Fey-Saga sehr gut unterhalten und jetzt bin ich gar nicht mehr sicher, ob mir Blood of Eden nicht sogar noch besser gefällt. Die Frau denkt sich einfach spannende Geschichten aus. Es fällt mir schwer, die Einzelbände losgelöst zu betrachten,  weswegen ich mich entschieden habe, hier meinen Gesamteindruck (spoilerfrei) abzugeben. 

Ich lese ja aus Prinzip keine Vampirbücher. Eigentlich. Die erste Ausnahme habe ich damals mit Twilight gemacht mit verheerenden Folgen ;-). Jetzt ist es mir mit Blood of Eden (das ich trotz unzähliger Empfehlungen letztlich nur auf den Kindle geladen habe, weil Teil 1 grade umsonst zu haben war) ganz ähnlich ergangen. Ich sollte es also besser wissen oder zumindest dahingehend präzisieren, dass ich manche Vampirbücher offenbar doch lesen sollte. Jedenfalls wenn es sich um Vampire handelt, die ihre Existenz hinterfragen und trotz Blutdurst versuchen, im Einklang mit ihren Mitmenschen zu leben, statt diese nur als primäre Nahrungsquelle zu sehen. Kagawas Helden tun genau das: Obwohl sie ständig gegen den inneren Drang ankämpfen müssen, ihrer Natur nachzugeben und ein seelenloses Monster zu werden, halten sie mit aller Willenskraft an ihrer Menschlichkeit fest. Selbst wenn sie selbst nicht immer genau wissen, was davon noch übrig geblieben ist.

Blood of Eden ist aber kein zweites Twilight. Zwar hat mich manches ein wenig daran erinnert, das lässt sich bei diesem überstrapazierten Genre wohl kaum vermeiden, Story und Hintergrund sind aber vollkommen neu. Wichtigster Unterschied: Die optisch zierliche Allie (Asiatin übrigens) ist stark, unabhängig und selbstbewusst. Umgeben von starken männlichen Charakteren steht sie als vollwertige Partnerin ihre Frau, lässt sich nichts vorschreiben und ist vor allem niemals in einer hilflosen "Rette mich wer kann"-Position. Eine bewegende Liebesgeschichte kommt trotzdem (oder gerade deshalb?) zustande und - zweitwichtigster Unterschied:  Julie Kagawa verzichtet vollständig auf eine nervige Dreieckskiste.

Einziger Kritikpunkt: Die Trilogie ist mitunter sehr nah an Horror, dafür habe ich weder Magen noch Nerven, weniger wäre hier für mich eindeutig mehr gewesen. Ansonsten habe ich die Geschichte wirklich rundum genossen, das Ende (das muss ich den deutschen Lesern schon mal vorwegnehmen!) ist der Hammer. So rund und schlüssig, das gelingt nicht bei jedem Trilogieabschluss.


(Diesen Beitrag reiche ich bei der Lesenden Minderheit ein. Dort war für dieses Quartal ein Jugendbuch vorgegeben.)


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Dienstag, 24. Juni 2014

[Buch] Gemeinsam lesen #66

אשמת הכוכבים
Gemeinsam lesen ist eine Aktion von Asaviels Bücher-Allerlei.


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" (wer denkt sich nur immer diese deutschen Titel aus?!) von John Green in der hebräischen Übersetzung. Da bin ich auf Seite 102, aber auch nur, weil mir auf Hebräisch bekanntermaßen das Lesen nach wie vor schwer fällt. Wörtlich übersetzt heißt es "Die Sterne sind schuld", was dem englischen Originaltitel "The Fault in our Stars" sehr nahe kommt, finde ich. 


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

Dieses Kapitel beginnt damit, dass Hazel mitten in der Nacht schreiend mit furchtbaren Kopfschmerzen aufwacht und von ihren Eltern ins Krankenhaus gebracht wird. Auf Hebräisch sieht der erste Satz so aus:

צרחתי כדי להעיר את ההורים שלי והם התפרצו לתוך החדר אבל לא יכלו לעשות דבר כדי לעמעם את הסופרנובה שהתפוצצה לי בתוך המוח, שרשרת אינסופי של זיקוקים פנים-גולגולתיים שגרמו לי לחשוב שזהו, הגיע הסוף, ואמרתי לעצמי- כמו שאמרתי לעצמי בעבר- שהגוף מכבה את עצמו כשהכאב מחריף מדי, שהמודעות היא זמנית, שזה יעבור 
  אשמת הכוכבים, עמוד 102


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Ich hatte dieses Buch schon lange "auf dem Schirm": In der Buchblogosphäre kam man ja eine Zeitlang praktisch nicht daran vorbei und im Laden ist mir das hübsche Cover des öfteren im Vorbeigehen aufgefallen, ohne allerdings eine Verbindung zwischen den beiden herzustellen. Als jetzt der Film in die Kinos kam und ich es mal wieder in der Hand hatte, schlug ich spontan zu. Zunächst kaufte ich die Sonderausgabe zum Film und dann, als mir zuhause klar wurde, dass ich damit auf das hübsche Cover verzichten würde, rannte ich wieder in den Laden, beziehungsweise drei Läden, es war nämlich fast überall ausverkauft, um die Originalausgabe aufzutreiben. (Andere Bibliomanen werden mich verstehen.) Ich bin erstaunt, wie gut mir das Buch wirklich gefällt. Es hat Humor, es zeichnen sich herzzerreißende Entwicklungen ab und es gibt - wie ich meine - einen ziemlich realistischen Einblick in das alltägliche Leben von jungen Menschen mit Krebs. 

4. Was wäre der Grund, aus dem du dein aktuelles Buch innerhalb der nächsten 50 Seiten abbrechen würdest. Was müsste passieren? Oder wäre das undenkbar und warum?


Das wäre ziemlich undenkbar. Ich breche allerseltenst Bücher ab, dieses gefällt mir aber schon längst so gut, dass es mich eher ärgert, dass ich nicht viel schneller voranlesen kann :) 





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Montag, 23. Juni 2014

12tel-Blick Juni 2014

Im Juni richtet sich der israelische Hochsommer so langsam auf einen längeren Aufenthalt bei uns ein.

Das heißt: Kein Regen mehr, dafür eine stark erhöhte Luftfeuchtigkeit besonders in Küstennähe, die dafür sorgt, dass man schon morgens klebrig aufwacht und nach dem Duschen unmittelbar wieder das Gefühl hat, man hätte sich das eigentlich auch sparen können, weil man schon wieder schwitzt.

Auf der anderen Seite ist dieser Monat auch eine böse Erkältungsfalle, denn die Klimaanlagen laufen in Bus und Bahn bereits auf Hochtouren, weswegen man eigentlich immer eine Strickjacke oder einen Schal bei sich haben müsste, damit man sich - verschwitzt wie man einsteigt - nicht verkühlt. Das Mädchen und ich haben unsere erste fette Sommererkältung gerade hinter uns gebracht. Hässlich ist das, wenn man sich vergrippt fühlt, aber nicht schön unter die Bettdecke kuscheln kann wie im Winter, weil es dafür auch wieder zu heiß ist.

Schön ist im Juni, dass es abends immer noch ein wenig abkühlt. Diese angenehmen Sommernächte werden zum Juli und August hin immer weniger werden. Der liebe Gatte hat schon seit Wochen den Horror davor.





Alle meine 12tel Blicke sammle ich hier. Die Fotos der anderen Teilnehmer gibt es bei Tabea zu bewundern.



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Samstag, 21. Juni 2014

"Sie werden so schnell groß..."

Über diesen Satz habe ich zugegebenermaßen immer ein wenig die Augen verdreht, als ich noch nicht so lange Mutter war. Wenige Jahre später geht es mir ganz genauso.

Mein Kleinchen kam soeben vom ersten Übernachtungsdate bei einer Schulfreundin zurück. Ein seltsames Gefühl des Loslassens, irrational, wenn man bedenkt, dass wir nur einen Steinwurf entfernt wohnen, genau gegenüber auf der anderen Straßenseite, aber dennoch: War ich damals auch so jung, womöglich noch jünger? Was, wenn sie nun mitten in der Nacht aufwacht und Angst bekommt? Was, wenn die beiden in einen fetten Streit geraten und sie plötzlich nach Hause will? Ganz abgesehen von der Schrecksekunde, die mich gestern Abend ereilte, als ich bei einem Routineblick aufs schlafende Kind das Bett leer vorfand...

Natürlich ist alles gut gegangen. Zwar ist das Mädchen hundemüde, weil die beiden angeblich "durchgemacht" haben, aber es war insgesamt eine positive Erfahrung, erspüren wir. Überhaupt ist dieses Kind in den letzten Monaten echt groß geworden, und während ich meinen Samstagskaffee schlürfe (das Mädchen ist inzwischen an Papas Schulter eingepennt) ist eigentlich ein ganz guter Zeitpunkt, das letzte Jahr mal ein bisschen Revue passieren zu lassen.


Die erste Klasse ist praktisch gelaufen, dabei habe ich doch erst "gestern" von der Einschulung berichtet, oder? Sie haben lesen gelernt (zu meinem Leidwesen will sich der Spaß daran bisher nicht richtig einstellen, aber das kommt bestimmt noch, oder?), schreiben in Druck- und Schreibschrift und was sie im Rechnen alles abgedeckt haben, haben wir damals bis zur dritten Klasse nicht gelernt. Das Lerntempo war streng, stellenweise zu streng, wie ich finde, die Masse an Hausaufgaben haben uns mitunter echt runtergezogen, obwohl das meiste natürlich im Hort erledigt wurde. Alle zwei Wochen durften sie raus aus dem Klassenraum in den ökologischen Schulgarten und dort alles möglich pflanzen und ernten.

Im Rahmen eines Recyclingprojekts wurden das ganze Jahr über Pfandflaschen in der Klasse gesammelt, deren Erlös einem wohltätigen Verein gespendet werden sollte. Aber nicht einfach nur so, nein, den Kindern wurden mehrere Möglichkeiten vorgestellt (Tierschutz, Kinder in Not, etc..), und in einer hoch demokratischen Wahl, die detailgetreu den Wahlen zur Knesset nachempfunden waren, inklusive Wahlkabine, fiel die Wahl auf Akim, eine große Stiftung zur Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung in Israel.

Zwei Schulausflüge, mehrere außerschulische Veranstaltungen zu Feiertagen und zum gemütlichen Beisammensein (sowas liiiiiiebe ich ja...), ein Kinoabend, viele Kindergeburtstage mit der ganzen Klasse (inklusive unserem) und unzählige Nachmittagsbesuche wahlweise von oder bei Freundinnen ließen das Jahr irre schnell an uns vorbeiziehen. Und dabei habe ich noch nicht mal den Turnunterricht zweimal die Woche erwähnt oder den Schwimmkurs, den sie gerade - zum Glück nur wenige Wochen lang - auch noch besucht. Wie Mehrkindfamilien das machen gibt mir immer wieder Rätsel auf.

Stichwort Turnunterricht: Letzte Woche war Abschlussaufführung der Turnschule. Bei den Vorbereitungen wurde nichts dem Zufall überlassen: Drei große Hauptproben von jeweils drei Stunden im Vorfeld, eine strikte Kostümordnung und sogar die Frisur wurde bis auf die Haarklammer genau festgelegt. All das für eine knapp einstündige Veranstaltung, die zwar ganz nett und sicherlich altersgemäß, aber - unter uns - nicht so "wow" war, wie ich nach all dem Aufriss erwartet hätte. Aber das ist halt ein Risiko das man eingeht, wenn man derartig Spannung aufbaut. Die Mädchen (und Jungs, wer entdeckt sie im lila Glitzermeer?) waren so stolz und freudig bei der Sache, dass alles andere sowieso völlig nebensächlich war. Und Medaillen gab's auch, was will man mehr?




Was jetzt noch aussteht, bevor das Schuljahr am 30. Juni offiziell zu Ende geht, sind die Abschlussfeier in der Klasse mit Zeugnisausgabe, die Abschlussfeier im Schwimmkurs und die Abschlussfeier im Hort. Dann ist rum.



Samstagskaffees und Geplauder gibt es immer wieder samstags (logischerweise) auf Ninjas Blog.


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Freitag, 20. Juni 2014

Schreibblockiert und ratlos.

Seit 7 Tagen fahndet die israelische Armee nach Eyal (19), Gilad (16) und Naftali (16). Die drei Teenager waren letzten Donnerstag an einer Bushaltestelle auf dem Weg nach Hause zu ihren Familien von Terroristen gekidnappt worden. Seither fehlen mir die Worte, über die Entführung zu schreiben und ich bewundere einmal mehr Lila aus Rungholt dafür, dass sie immer die Zeit und Kraft findet, die hiesigen Krisen in genau die richtigen Worte zu packen, so dass man es auch im Ausland versteht, wo sich die Journaille gerade wieder mal in Ignoranz und Arroganz übertrifft, sofern man überhaupt etwas über das Thema liest. Einfach ohne ein Wort fluffig-lifestylig weiterbloggen kann ich aber auch nicht, das fühlt sich nicht richtig an.

Schon länger nehme ich mir vor, mal wieder meine Gedanken sortieren, wie dieser vermaledeite Nahostkonflikt mich und mein Umfeld ganz persönlich und direkt beschäftigt, wie es mir mit jedem Jahr, das ich hier verbringe schwerer fällt, eine eindeutige Meinung zu bilden. Schwarz-Weiß ist hier schon lange nichts mehr für mich. Aber auch dafür ist im Augenblick nicht der richtige Zeitpunkt.

Nicht solange drei Schüler wer weiß wo gefangen gehalten werden, ihre Familien bereits den zweiten Schabbat ohne sie feiern müssen und man nicht mal mit Sicherheit weiß, ob sie überhaupt noch am Leben sind. Dafür gibt es keine Rechtfertigung, keine mildernden Erklärungen - es ist was es ist. Ein feiger Terrorakt gegenüber unschuldigen Zivilisten. Dabei spielt es an dieser Stelle überhaupt keine Rolle, wo sie unterwegs waren oder zur Schule gehen, und auch nicht, wo ihre Familien wohnen (zwei davon übrigens im Kernland und nicht, wie so oft pauschal behauptet wird, in den Siedlungen). Zu sagen, die Jungs oder auch die Familien seien selbst Schuld, weil sie im Westjordanland getrampt sind (was, so unvorstellbar das für mich mit meiner gutbürgerlichen Erziehung auch ist, für religiöse Jugendliche vollkommen normales Verhalten ist) ist als würde man sagen, Frauen, die nachts alleine durch dunkle Parkhäuser gehen, seien selbst schuld, wenn sie vergewaltigt werden.

Also nein. Die israelische Siedlungspolitik (Mir liegt sie auch im Magen. Sehr.) ist mitnichten schuld an dieser Entführung. Der radikale Islam wird immer versuchen, Israel zu bekämpfen. Das ist leider so. So sehr ich mir auch was anderes wünschen würde. Menschen, die feiern, wenn anderswo Jungs in Todesangst festgehalten werden und die süße Kinderbilder ins Netz stellen, die diese Entführung glorifizieren, werden ihren generationenalten Hass nicht von heute auf morgen ablegen (können). Ganz gleich, was Israel für Zugeständnisse macht. Und nein, damit meine ich nicht alle Palästinenser, ich bin ganz sicher, dass es dort unzählige Menschen gibt, die mit dem Status Quo (zu Recht!) frustriert sind und deshalb trotzdem nicht zu Terroristen werden. Ich denke an die Unschuldigen in Hebron, die dieser Tage sicher massiv unter der intensiven Militäroperation leiden und mein Herz wird schwer, wenn ich mir vorstelle, was diese gerade bei den Kindern und Heranwachsenden auslöst - eine grässliche Vorstellung. Noch grässlicher die Vorstellung, was sich die Eltern der Entführten ausmalen müssen in diesen Tagen, Entführungen sind ja in Israel leider schon öfter vorgekommen - mit schrecklichem Ausgang.

Bleibt nur die Hoffnung, dass dieser Albtraum ein baldiges und gutes Ende nimmt.





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Mittwoch, 18. Juni 2014

[Buch] Lieblingsbuch 5/2014 - Eclipse


Buch Nummer 8 für die Lieblingsbücher-Challenge, das ich eigentlich bereits im Mai hätte lesen sollen-wollen, ist Stephenie Meyers Eclipse

Vor vier Jahren bin ich nämlich völlig unvorbereitet mit Haut und Haaren dem damals weltweiten Twilight-Hype verfallen: In wenigen Tagen hatte ich alle 4 Bände durchgeackert (Essen und Schlafen mussten hinten anstehen) und danach nahtlos bei Band 1 wieder angefangen, so gefesselt war ich. Stephanie Meyer hat mir unzählige wunderbare Lesestunden beschert, das macht Lieblingsbücher aus :) 

Allerdings habe ich mich wohl über die Jahre ein wenig entwöhnt, denn der Zauber von damals stellte sich beim Wiederlesen vier Jahre später dann doch nicht ein. Klar, meine Lieblingsszenen von damals haben mich schon erfreut, aber insgesamt hatte ich danach jetzt nicht das Bedürfnis, sofort Breaking Dawn anzuhängen oder gar direkt ganz von vorne bei Band 1 anzufangen, weil ich wieder voll "drin" war.
Lieblingszitate:

"I used to think of you that way, you know. Like the sun. My personal sun. You balanced out the clouds nicely for me."He sighed. "The clouds I can handle. But I can't fight with an eclipse."

“You're really not that good a mechanic, Edward. Maybe you should have Rosalie take a look at it tonight, just so you look good if Mike decides to let you help, you know. Not that it wouldn't be fun to watch his face if Rosalie showed up to help. But since Rosalie is supposed to be across the country attending college, I guess that's not the best idea. Too bad.”  

***

Die Lieblingsbücher-Challenge wird von der Bücherphilosophin ausgerichtet. Im Laufe eines Jahres soll jeden Monat ein Lieblingsbuch gelesen und besprochen werden. Meine bisher gelesenen Lieblingsbücher sind hier aufgelistet.



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Dienstag, 17. Juni 2014

Gemeinsam lesen #65

Coppenrath
Gemeinsam lesen ist eine Aktion von Asaviels Bücher-Allerlei.

1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

 Kjetil Johnsen: Dark Village (1), 39% im eBook auf readfy


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
"Hat Nick in der Schule nichts gesagt?" Nora schaute in die Runde. 
- Kjetil Johnsen


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Vor einigen Jahren habe ich sehr gerne und viel skandinavische Krimis gelesen. Mit der Zeit wurde mir das Genre dann allerdings ein bisschen arg blutig und extrem in seiner perfiden Kreativität, immer krassere Mordszenarien zu erdenken - ich brauchte eine Pause. Dark Village, die Krimi"soap" aus norwegischer Feder, hat mich aber genau aus meiner früheren Affinität zum skandinavischen Crime heraus dann aber doch sehr interessiert, obwohl mich auch Serien inzwischen eher nerven. Aber ich dachte mir, ich lese mal rein (u.a. motiviert von einer Empfehlung von Aleshanee), auf readfy ist das ja vollkommen risikofrei weil kostenlos, und sehe mal, wie es sich anlässt. 

Jetzt bin ich etwa bei der Hälfte und noch nicht richtig überzeugt. Es ist schon sehr jugendlich geschrieben, dafür aber auch ziemlich vulgär im Stil, das ist für mich gewöhnungsbedürftig. Auf der anderen Seite ist die Handlung sehr spannend aufgebaut, und ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht!  

Das eBook hat Formatissues - oft hängen mehrere Wörter ohne Leerzeichen zusammen zum Beispiel - über die ich aber sogar als verwöhnte Kindlenutzerin hinwegsehen kann.

4. Heute eine knifflige Frage ganz im Zeichen der Fußball-WM: Versetze dich in den Protagonisten deines aktuellen Buches hinein: Wie steht sie zum Thema Fußball? Ist er ein Fan? Würde sie sich mitreißen lassen? Versuch eine Antwort auf die Frage zu finden, egal in welcher Welt dein Buch spielt!

Das ist bei diesem Buch einfach: Eine der Hauptpersonen spielt begeistert Fußball und ihre Freundin beneidet sie manchmal darum, da sie selbst kein Hobby hat, in dem sie so aufgehen kann.





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Samstag, 14. Juni 2014

Samstagskaffee


Fast so leer wie diese Tasse Kaffee heute Morgen noch im Schlafanzug (Ausschlafen war immerhin toll, nachdem gestern der Nachbar schon um 7 in der Früh mit Rasenmäher und Laubbläser zugange war....) fühlte sich dieser ganze Samstag für mich an. Aber das ist ja auch ok, kann ja nicht jeder Samstag ein Knaller sein wie der letzte Woche...

Zum Teil waren wir wohl noch etwas angeschlagen von unserem gestrigen WM-Abend mit Freunden (war das Niederlande/Spanien-Spiel nicht fantastisch?), zum Teil hatten wir keinen richtig zündenden Plan fürs Tagesprogramm, blöd war auch, dass sich das Mädchen gestern wohl in der zu stark klimatisierten Turnhalle erkältet hat, und nicht zuletzt war unser Gemüt auch überschattet von den derzeitigen Schlagzeilen bei uns:

Seit Donnerstagnacht sucht die Armee fieberhaft nach drei jüdischen Jugendlichen. Sie waren so leichtsinnig, in der Westbank auf dem Weg ins Wochenende zu trampen, seither fehlt jede Spur, man geht von einer Entführung durch eine Terrororganisation aus. Das ist scheiße, es weckt Erinnerungen an andere entführte und ermordete Soldaten, an Gilad Shalit, der nach 5 Jahren Hamas-Gefangenschaft 2011 freigelassen werden konnte, und an den Terroranschlag auf unsere Freundin Kay, die bis heute nicht in ein wirklich normales Leben zurückgefunden hat. Wenn solche Dinge in Israel geschehen, leiden alle mit. Und selbst mir, die ich mich immer dafür schäme, dass ich viele Schrecknisse eher nüchtern und abgeklärt sehe, fällt es schwer, einfach lustig weiter vor mich hin zu bloggen. Das mache ich dann morgen wieder. Oder so.

Euch allen einen schönen Sonntag mit viel gutem Fußball, die leere Kaffeetasse stelle ich mal zu Ninjas Sieben, die hat heute was zu feiern :)


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Donnerstag, 12. Juni 2014

12 von 12 im Juni - Halbzeit 2014

Manchmal denke ich, ich sollte bei den 12 von 12 pausieren. Mein Alltag sieht irgendwie jedes Mal mehr oder weniger gleich aus. Hmpf.

Um 8:03 steige ich aus dem Bus in Tel Aviv und mache mich auf zur Arbeit, wo ich knapp 10 Minuten später eintreffe. Meinen Bürokram wollt ihr nicht wirklich im Bild verewigt sehen und sogar mein Mittagessen gegen 12:45 ist heute sehr, sehr unspannend. Langweilig. Um 15:20 bin ich schon im Feierabend und auf dem Weg zur Bushaltestelle. Zweimal täglich muss ich einen Umweg um das hochgesicherte Hauptquartier der israelischen Armee machen, das mitten im Zentrum liegt. Mein Bus fährt um 15:36 ab, um kurz vor halb Fünf hole ich das Mädchen aus dem Hort ab und mache mit ihr einen Abstecher zum Minimarkt. Dort gönnen wir uns ein Eis. Um halb sieben ist Schwimmkurs. 7 von 10 Stunden haben wir schon geschafft, gerade rechtzeitig zur Hauptbadesaison. Aus Langeweile knipse ich im Freibad ein bisschen durch die Gegend (das zweckmäßige Plastestuhlmodell muss hierzulande eine Auflage von mehreren Millionen haben, wir haben einen auf dem Balkon...) und schmökere ein wenig im Lieblingsbuch. Es ist angenehm draußen. Nicht unerträglich heiß und als die Sonne untergeht sogar etwas frisch. Zuhause gibt es was einfaches zum Abendessen. Wir sind alle platt von der Woche.

1 - 8:04
2 - 8:06
3 - 8:08
4 - 12:46
5 - 15:25
6 - 15:26
7 - 16:46
8 - 18:32
- 18:34
10 - 18:35
11 - 18:56
12 - 20:23


Alle Fotostreifen von heute sammelt wie immer Caro auf Draußen nur Kännchen!





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Mittwoch, 11. Juni 2014

[Buch] Lost in Westeros

Oder: meine 2 Cent zu Game of Thrones und Co....


gesehen bei thesaucywenches.tumblr.com

Ich mag Fantasy. Schon als Kind liebte ich Märchen über alles und spätestens seit ich mit 13 oder so zum ersten Mal Die Nebel von Avalon verschlang, bin ich dem Genre mal mehr, mal weniger rettungslos verfallen. Es muss aber schon High Fantasy sein, mit dem ganzen neumodischen Urban-Fantasy-Zeug kann ich nicht so viel anfangen.

In den letzten Jahren kommt man als Fantasyleser an George R. R. Martin praktisch nicht vorbei. Sein schon jetzt rund 5000 Seiten starkes und längst nicht vollendetes Lied von Eis und Feuer gilt längst als neuer Klassiker in einer Liga mit Tolkien und erfreut sich einer wachsenden Fangemeinde, was auch der erfolgreichen Fernsehserie Game of Thrones zu verdanken ist, die heuer bereits in die vierte Staffel gestartet ist.

Ich selbst bin erst relativ spät eingestiegen; A Game of Thrones, Band 1 der Serie, die ich auf Englisch lese, war 2011 eines der ersten Bücher,  das ich auf dem Kindle las. Da zu diesem Zeitpunkt bereits alle 5 Bücher auf dem Markt waren, war ich in der komfortablen Situation, alle am Stück lesen zu können, wenn ich es gewollt hätte. Allerdings war ich nach A Game of Thrones und A Clash of Kings erstmal ein wenig ernüchtert und legte das Leseprojekt auf Eis.

Anders als bei Tolkien und anderen Fantasyautoren hält sich GRRM nämlich überhaupt nicht an die Regeln, dass "den Guten" nichts wirklich schlimmes passieren darf, im Gegenteil scheint es mitunter so, dass es gerade die immer dann erwischt, wenn man sie gerade so richtig ins Herz geschlossenes hat. Das tut weh, obwohl viele Fans als besonders tolle Eigenschaft der Serie nennen, dass es das klassische Gut-Böse-Schema bei Martin nicht gibt. Alle Charaktere sind vielschichtige Personen, die sich entwickeln und wandeln, platte Schablonengestalten sucht man vergebens. Das ist schon faszinierend, braucht aber ein gewisses Maß an Gewöhnung, wenn man sich, wie ich, im klassischen Märchenmuster am wohlsten fühlt. Inzwischen, nach 4 Bänden, bin ich leidlich immunisiert. Ich erwarte von Martin nicht mehr, dass irgendwann "alles gut wird" in seiner Welt und habe mich damit abgefunden, dass sein Westeros eher einer mittelalterlichen Realität entspricht, so hässlich die ganz sicher tatsächlich war.

Jetzt frustriert mich, dass es wohl für keinen der Charaktere jemals wirkliches Glück geben wird. Ich fürchte fast, letztlich wird das Werk irgendwie zu Ende gehen (in 12 Jahren oder so, GRRM ist berüchtigt für seine langen Schreibphasen) und trotzdem vieles verstörend ungelöst bleiben. Mitunter habe ich sogar den Eindruck, Martin lebt seine sadistische Seite aus, wenn er wieder und wieder beim Leser (berechtigte!) Hoffnungen weckt, nur um diese, wenige Seiten oder Kapitel weiter, mit einem genüsslichen "Ätsch!" nachhaltig zu zerstören.     

gesehen auf: robbinsrealm.wordpress.com
In der Fernsehserie, das sehe ich an den Reaktionen meines Gatten, der die Bücher nicht kennt, ist das fast noch schwerer auszuhalten. Die Gewaltszenen sind nämlich so brutal, blutig und teils schlicht abartig, dass sogar er, der im Gegensatz zu mir Stephen King liebt, also Horror aushalten kann, mitunter an seine Grenzen stößt. Dazu kommen regelmäßige, ebenfalls sehr graphische, meist frauenfeindliche Sexszenen, die für den Handlungsverlauf in 9 von 10 Szenen keine Bedeutung und in der Buchvorlage in dieser Intensität keine Entsprechung haben. Besonders in der ersten Staffel ist mir das extrem unangenehm aufgefallen, seither scheinen die Macher sich die Kritik zu Herzen genommen und den Porn eingeschränkt zu haben. Oder aber ich habe mich bereits an meine häufigen "ich mache mir mal einen Tee" oder "ich gehe dann mal kurz auf Toilette"-Pausen gewöhnt. Ist durchaus möglich.

Ärgerlich nur, dass abgesehen davon die Serie wirklich hochwertig und außergewöhnlich gut gemacht ist. Fantastische Bilder, aufwändige Kulissen und Kostüme, tolle Dialoge und teils herausragende Schauspieler (ich sag nur Peter Dinklage!) sieht man sonst in dieser Kombination nur auf der großen Leinwand. Das hält uns derzeit bei der Stange, trotz der bereits erwähnten Minuspunkte. 

Denn, und das kann ich einfach nicht anders sagen, der Faszination von Westeros kann man sich, wenn man einmal eingestiegen ist, kaum entziehen. So umfangreich einem so ein 1000-Seitenband anfangs erscheint, so schnell gerät man in einen Sog und taucht ab in diese fantastische Welt mit ihren vielen Personen mit den komplizierten Namen und Familienverhältnissen, die mitunter fast schon Kopfschmerz auslösen, und will unbedingt immer wissen, wie es weitergeht. A Dance with Dragons steht jetzt noch aus. Ich bin hin- und her gerissen, ob ich es jetzt lesen oder lieber warten soll, bis endlich ein verbindlicher Erscheinungstermin für Band 6 feststeht.

Ich glaube, ich warte noch etwas. 



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Dienstag, 10. Juni 2014

[Buch] Gemeinsam lesen #64

Gemeinsam lesen ist eine Aktion von Asaviels Bücher-Allerlei.


1. Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?

Mal wieder ein Lieblingsbuch für die Challenge der Bücherphilosophin und zwar Stephenie Meyer: Eclipse, Seite 48


2. Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?
I took a deep breath and tried to make my tone more reasonable. 
- Stephenie Meyer


3. Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden?

Es gab eine Zeit, da habe ich außer Twilight praktisch nichts gelesen. Und auch nicht wirklich gegessen, weil mich die Geschichte so gefangen genommen hat. Das ist jetzt etwa 5 Jahre her und ich frage mich, ob sich der Zauber wieder einstellt, wenn ich jetzt mein Lieblingsbuch der Serie wieder zur Hand nehme. Ich fürchte ja (leider?), dass sich das völlig irrationale Twilight-Fieber bei mir inzwischen verwachsen hat.  

4. Welchem Charakter würdest du aus deinem aktuellen Buch gerne eine Ohrfeige geben und aus welchem Grund?


Edward. Weil mich doch ziemlich nervt, wie er Bella kontrolliert und ihr vorschreibt, was sie zu tun und zu lassen hat. Ja, er tut es, um sie zu beschützen, aber in einer gleichberechtigten Beziehung sollte es doch möglich sein, sich gegenseitig etwas mehr Freiraum zu lassen. 




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Montag, 9. Juni 2014

Israelische Vornamen

Quelle

Als ich nach Israel kam, dachte ich naiverweise, dass jüdische Kinder alle biblische Namen haben. Und tatsächlich gibt es sie, die Moshes, Yaakovs, Sarahs und Avrahams, allerdings werden diese Namen heutzutage hauptsächlich im religiösen Bevölkerungssegment vergeben. Allgemein haben sie einen eher altmodischen Klang, obwohl einige biblische Namen in letzter Zeit auch unter säkularen Israelis wieder modern werden.

Überhaupt nicht vorbereitet war ich auf all die modernen hebräischen Namen, die für ausländische Ohren sperrig klingen und meist völlig offen lassen, ob sie männlich oder weiblich sind. Abgesehen von der Aussprache, die nur wenige instinktiv richtig machen. Während meiner Zeit in einem Start-Up-Unternehmen bekam ich oft die Verzweiflung europäischer Kunden mit, die nie wussten, ob sie es mit einem Programmierer oder einer Programmiererin zu tun haben, was denn nun der Vor- und was der Nachname ihres israelischen Ansprechpartners ist, geschweige denn, wie sie den Namen bei der Telefonkonferenz aussprechen sollen.

Und als Israelbesucher von mir einst bei Noa und Roni eine Ferienwohnung buchten, war die Verwirrung groß, als der freundliche Vermieter sich als Roni vorstellte, denn sie waren fest davon überzeugt, Noa müsse der Mann sein. Dass der biblische Archenbauer im Hebräischen "Noach" heißt und der weibliche Vorname "Noa" einen ganz anderen, fast gegenteiligen Wortstamm (ruhen vs. bewegen) hat, hört und sieht man in lateinischer Schreibweise nicht.

Als sprachverliebter Mensch finde ich die modernen israelischen Namen aber wirklich spannend. Sie haben oft einen Naturbezug und sind "ganz normale" hebräische Vokabeln. Was Deutsche bei Promis gerne als exzentrische Macke belächeln (Apple, Clementine, Peaches...) ist in Israel völlig normal, Beispiele:

Shaked = Mandel
Or/Ori = Licht/mein Licht
Shir/Shira/Shiri = Lied/Gesang/mein Lied/Sing!
Nitzan = Knospe
Oren = Pinie
Alon = Eiche
Erez = Zeder
Noam = Lieblichkeit, Milde
Kfir = junger Löwe
Hallel = Lobgesang
Eyal/Ayala = Reh
Geffen = Weinstock
Shay = Geschenk
Ofek = Horizont
Shachar = Morgendämmerung
Yam = Meer
Tal = Tau
Tamar = Dattel
Agam = See

Die meisten Vornamen sind unisex und einige in bestimmten Jahrgängen so beliebt, dass es in Kindergartengruppen oder Schulklassen mehrere Kinder mit dem gleichen Namen gibt, was oft dazu führt, dass Kinder über den Zusatz "haBen" (der Junge) oder "haBat" (das Mädchen) auseinander gehalten werden, zum Beispiel Tal haBat oder Nitzan haBen. Da wir das eher nicht so schön finden, haben wir uns sehr gründlich überlegt, wie unsere Tochter heißen soll. Einen biblischen oder religiös klingenden Namen wollte mein Mann auf keinen Fall, weswegen es letztlich eine "Alltagsvokabel" geworden ist, die als Vorname allerdings eher ungewöhnlich ist. Außerdem einer der wenigen Namen, der eindeutig weiblich und auch außerhalb von Israel ohne große Pannen auszusprechen ist. Das alles war uns wichtig, denn man weiß heutzutage ja nie, ob das Kind nicht eines Tages sein Glück in Berlin machen wird. 



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Samstag, 7. Juni 2014

Samstagskaffee in Ruinen

Unseren Samstagskaffee haben wir heute auf einen Ausflug nach Caesarea mitgenommen.

In dieser faszinierenden Hafenstadt hat Herodes einst Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen und römisches Theater abgehalten. Das byzantinische Reich, die Kreuzfahrer und die Mamelukken haben diesem kleinen Örtchen über die Jahrhunderte ebenfalls ihren Stempel aufgedrückt. Eine Badeanstalt, viele Marmorsäulen, Teile der Kreuzfahrerfestung, einer Arena und des römischen Aquädukts sind erhalten und lösten bei mir im Gehirn Filme aus längst vergangenen Zeiten aus (Asterix anyone?).

Das Amphitheater ist heute eine der angesagtesten Locations für Freiluftkonzerte israelischer und internationaler Künstler.


ein perfekter Tag


moderne Kunst und antike Gemäuer


die Farbe des Meeres


byzantinischer Whirlpool


uralte Steine


Wildblumenwuchs

Neubau auf jahrhundertealtem Ruinengeröll 
zauberhafte Mosaike




Alle Samstagskaffees sammelt auch heute Ninja auf ihrem Blog.



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