Dienstag, 30. Dezember 2014

Schneeglück

Ich muss gestehen, dass ich dazu neige, Schnee zu idealisieren. Schnee hatte für mich schon immer eine ganz besondere Faszination, und auch heute noch kann ich mich daran freuen, wie damals als Kind. (Und den Schnee schmerzlich vermissen, weil es in Israel ja nun eigentlich nie schneit und wenn doch, dann höchstens in Jerusalem und das ist dann meist eher ein Problem.)

Das mag paradox klingen, wenn man weiß, dass ich andererseits Kälte nur sehr schlecht aushalten kann (in dieser Hinsicht hat Israel mich echt zum Weichei gemacht), was dazu führt, dass ich Schnee am liebsten anschaue, vorzugsweise aus der Wärme, aber auch warm eingepackt als Spaziergang geht es. Trotzdem. Ich liebe Schnee. Meine Tochter auch, weswegen es auch ganz wichtig war, dass meine Prophezeiung, wir würden in Deutschland ganz sicher welchen zu sehen kriegen, sich bewahrheitete.

Bei unserer Ankunft in der Heimat sah es nämlich leider gar nicht danach aus. Bei Temperaturen bis in den zweistelligen Bereich hat Schnee schlechte Karten, aber die weihnachtliche Festbeleuchtung ist ja auch schön.

Am ersten Weihnachtstag machen wir uns auf Richtung Allgäu. Dort würden wir auf jeden Fall Schnee finden, zur Not auf einem der etwas höheren Berge. Als wir im schönen Oberstaufen ankommen, sieht es auch dort nicht nach Schnee aus. Gar nicht.


Wir versichern dem Mädchen wieder und wieder, dass es sicher in der Nacht schneien wird. Und tatsächlich: Am Abend kommt der erste Schnee, die Wetter-App kündigt "leichten Schneefall" für die nächsten Tage an. (Leichten Schneefall! Hah!) Vor dem Zubettgehen verspreche ich, dass wir aufwachen und draußen alles weiß vorfinden würden. Als das Mädchen mitten in der Nacht wach wird und nachsehen will, zittere und zage ich, weil ich selbst unsicher bin, doch tatsächlich: Ihr gejubeltes "Jesh" (Hurra! wörtlich: es gibt da ist) sagt mir, was wir schon tagelang hoffen. Es hat tatsächlich ziemlich viel geschneit und schneit noch.


Das Kind ist kaum zu halten, rennt im Schlafanzug auf den Balkon, um sich zu vergewissern, dass das Wunder tatsächlich echt ist, danach zieht sie sich in Windeseile an, um mit Oma einen Schneemann bauen zu gehen. 

Danach sehen wir unseren Lieblingswinterfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", denn - siehe oben - am warmen Fenster lässt es sich den Schnee auch gut genießen. 

Auf unserem Spaziergang später ist der Ort nicht wieder zu erkennen, über Nacht ist die Welt zu einem Winterwunderland geworden. 




Es schneit und schneit weiter, am nächsten Tag kommt noch mehr Schnee dazu, die Sonne sehen wir kaum, nur zwischendurch klart es ein wenig auf. Unzählige Schneebälle werden produziert, im Ort sehen wir viele frierende Hunde und wenig Autos.




Am Nachmittag finden wir einen Schlittenhang und wäre es nicht dunkel geworden, hätte das Mädchen dort wohl noch lange viel Spaß gehabt. Müdigkeit? Kälte? Davon ist überhaupt keine Rede. 




An unserem Abreisetag schneit es immer noch. Auf dem Balkon steht mittlerweile etwa ein halber Meter Schnee, das Mädchen braucht gar nicht mehr vor's Haus zu gehen, um Schneespiele zu machen. Ich packe schweren Herzens unsere Koffer, die paar Tage Deutschland gingen viel zu schnell vorbei.

Aus unserem Plan, mit dem Zug zum Flughafen zu fahren, wird leider nichts. Wir stehen bereits gut zwanzig Minuten am Bahnsteig, als eine Durchsage kommt, dass unser Zug wetterbedingt ausfällt. Es gäbe Schienenersatzverkehr (ich liebe dieses Wort, fast so sehr wie "Spannmuffenfederung"), aber darauf wollen wir uns lieber nicht verlassen. Am Ende fährt uns der Opa mit dem Auto, was auch nicht ganz einfach ist, weil es wesentlich länger dauert als sonst. Nachteile des Schnees, die man über die Jahre verdrängt, wenn man ganzjährig ein warmes Klima genießt.




Schön war's. Kurz, aber schön, mit nur minimalen Unstimmigkeiten.

Danke liebe (Groß-)Eltern :) 




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Kommentare:

  1. Na, da hattet Ihr ja richtiges Schneeglück. Bei uns hat es gestern auch ununterbrochen geschneit. Soooviel war gar nicht bestellt!
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Mir gehts ähnlich wie dir.... ich liebe Schnee, kann aber Kälte sehr schlecht aushalten. Mit 20 gabs sogar eine Diagnose, wieso ich als Kind vor Kälteschmerz heulen musst. Nun hab ich meine Tochter, die geht zwar nicht mit mir zum Aufwärmen in Schihütten, muss zwischendurch jedoch stehenbleiben, um ihre Hände zu KÜHLEN - da kommt sie mir gerade recht. Also morgen gehts auf die Piste, während du schon wieder in der Wärme bist.
    Grüße aus der Ferne (die ganz nah an deinem Urlaubsort liegt) und einen guten Start ins Neue Jahr!
    lg Petra

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  3. Ich hoffe, dass du es gut angefangen hast

    Liebste Grüße zu dir :-)

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  4. Ja, das neue Jahr hat wirklich gut angefangen. Mit weniger Stress im Büro und einem Kind, das glücklich wieder zur Schule geht :) nur das "typisch israelische" Wetter schwächelt: morgen soll es in Jerusalem sogar schneien o.O

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