Donnerstag, 4. Dezember 2014

[DonnerstagsErinnerung] Hochzeiten in Israel

Der Gatte und ich haben sehr bescheiden geheiratet. Kurzfristig, mit relativ wenigen Gästen, einem improvisierten Kleid (hier verbirgt sich ein Foto) und überhaupt nicht "typisch israelisch". Einerseits, weil mir das Drumherum einfach nicht wichtig war. Meine Schwester, die damals schon mit den Vorplanungen für ihre eigene Hochzeit (über ein Jahr vor dem Termin) begonnen hatte, war entsetzt, meinte, ich würde es später bereuen, dass ich den "schönsten Tag meines Lebens" so profan begangen hatte und überhaupt.

(Ich bereue nichts.)

Andererseits wusste ich damals auch schlicht nicht, wie so eine typisch israelische Hochzeitsfeierlichkeit überhaupt abzulaufen hat (und das ist auch gut so). Zwar war ich einmal auf einer Hochzeit eingeladen gewesen, aber das war für mich ein so krasses Erlebnis, dass ich es offenbar gar nicht als normal abgespeichert, sondern sofort als exotische Besonderheit einer kleinen Bevölkerungsnische verdrängt hatte.

Es fängt schon damit an, dass man bereits satt ist, bevor die Zeremonie begonnen hat. Häppchen und leichte Speisen werden beim Stehempfang gereicht und zwar in einem Überfluss, bei dem man als sparsamer Deutscher nicht im Traum daran denken würde, dass danach noch ein komplettes Abendessen mit mehreren Gängen ansteht. Ist aber so. Ebenso, dass die Zeremonie in der Regel etwa zwei Stunden später stattfindet, als auf der Einladung angegeben, und dass jeder sich so kleidet, wie er mag. Manche im extra angefertigten Abendkleid, andere in Jeans und Oberhemd und wieder andere in Flipflops und Shorts.

Die Zeremonie wird in der Regel von einem Rabbi nach jüdischen Bräuchen durchgeführt, da es in Israel die Zivilehe nicht gibt (hatte ich schon mal erwähnt). Das heißt, es wird der jüdische Ehevertrag, die Ketubba, unterzeichnet, die Braut wird verschleiert und umkreist den Bräutigam sieben Mal, das Brautpaar schließt die Ehe unter der Chuppa und am Ende zertritt der Bräutigam das symbolische Weinglas. Sehr ergreifend, vor allem, wenn man es zum ersten Mal miterlebt.

Warum mir das gerade dieser Tage einfällt? Nun, Freunde haben kürzlich ihre Tochter verheiratet und ein Video davon ins Netz gestellt. Zwei Klicks weiter landete ich auf dem Vimeo-Kanal des Kamerakünstlers Avichai Wechsler und verbrachte daraufhin den Rest des Abends mit dem Anschauen von Hochzeitsclips. Kitschig, ja und immer wieder irgendwie gleich, so vom Aufbau her. Aber die Filmchen zeigen eben auch sehr gut, wie echte Israelis echt israelisch heiraten, und da dachte ich mir, vielleicht hat hier der/die eine oder andere hier auch Spaß an diesem geballten Glück :)

Auswahl:



Maayan & Nitzan - Wedding Day Highlights - הנחלה בית עובד from אביחי וקסלר צילום on Vimeo.



Tal & Yaron - Wedding Day Highlights - חגיגה בכפר from אביחי וקסלר צילום on Vimeo.



Liron & Amir - Wedding Day Highlights - שרונית from אביחי וקסלר צילום on Vimeo.



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Kommentare:

  1. So witzig! Wir haben auch so spontan wie möglich geheiratet, im allerkleinsten Kreis. Die weitere Verwandtschaft erfuhr es erst nachher und hat es uns bestimmt bis heute nicht verziehen. Wir fanden es wunderschön und haben es auch bis heute nicht bereut. Dein "spontanes" Hochzeitsoutfit finde ich sehr romantisch! Jeder hat halt seine eigene Vorstellung vom "schönsten Tag im Leben".
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Total witzig! Und absolut richtig, dass jeder da andere Ansprüche anlegt. Ich bin dennoch sehr froh, dass ich damals noch nicht voll sozialisiert war hier. Man gerät doch in einen gewissen Zugzwang, wenn "man" es eigentlich ganz anders macht.
      LG!

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