Mittwoch, 3. Dezember 2014

[Buch] David R. Gillham: City of Women

City of WomenCity of Women by David R. Gillham
My rating: 4 of 5 stars

Dieses Buch lag schon eine Weile bei mir auf dem Stapel, weil ich mich lange nicht richtig aufraffen konnte, schon wieder einen Roman über den zweiten Weltkrieg zu lesen. Da meine beste Freundin es aber so richtig gut fand, nahm ich es, als ich letztens verreist war, neben einigem anderen Lesestoff "mal" mit, und las letztlich nichts anderes. Diese Geschichte um eine Hausfrau im Berlin der letzten Kriegsjahre ist überraschend anders.

Sigrid Schröder lebt mit ihrer ewig an ihr herum nörgelnden Schwiegermutter in einem gutbürgerlichen Berliner Mietshaus. Ihr Mann dient, wie unzählige andere deutsche Männer, an der Ostfront, in der Hauptstadt sind die Frauen mittlerweile auf sich allein gestellt. Tagsüber arbeitet Sigrid in einem Büro als Schreibkraft, für ihre Lebensmittel stellt sie sich in die langen Schlangen vor zunehmend leereren Geschäften, und wenn nachts der "Tommy" kommt, geht Sigrid wie alle anderen in den Keller.

Nach außen ist Sigrid eine mustergültig Kriegsfrau, ihr einziges Laster sind die regelmäßigen Kinobesuche, scheinbar. Denn es gibt noch eine andere Sigrid. Eine scharfsinnige, leidenschaftliche Frau, die Erinnerungen an ihren verschwundenen Liebhaber quälen, und die das System zunehmend kritisch hinterfragt.

Als sie unvermittelt Zeugin "krimineller Handlungen gegen das Reich" wird, muss sie sich entscheiden, ob sie die Scharade der guten Kriegsfrau weiterleben oder alles für ein paar Menschenleben aufs Spiel setzen will.

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Die Geschichte um Sigrid hat mich gefesselt und berührt. Nicht die Liebesgeschichte, die fand ich zuletzt nicht wirklich überzeugend, aber dieser andere Blick auf die ganz normale bürgerliche Gesellschaft der Nazizeit. Auf die einfachen Menschen, auf die, die selbst keine Verbrechen begingen, aber auch nichts dagegen sagten, dass andere sie im Namen des Reiches begingen. Wenn man sich hineinfühlt in die Realität der ständigen Überwachung und der Angst vor Denunziation auch wegen Nichtigkeiten, wird für mich greifbarer, warum es nicht mehr Menschen gab, die es wagten zu helfen. Diesen anderen Blickwinkel auf "die Deutschen" schafft dieses Buch, ohne das Verbrechen des kollektiven Wegsehens zu verharmlosen, und es zeigt auf nüchterne Art und Weise, dass man Dinge bewegen kann, wenn man es wagt, den ersten, kleinen Schritt zu gehen.


City of Women ist leider bisher nicht auf Deutsch erschienen. 



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