Sonntag, 2. November 2014

Auf der Überholspur

Ich musste heute außer der Reihe nach Tel Aviv zu einem Termin, und da um diese Zeit meine reguläre Pendlerbuslinie nicht operiert, habe ich mich für Park & Ride entschieden. Ein relativ neues Angebot, da muss ich direkt etwas weiter ausholen....

Staus zur Berufsverkehrszeit sind, wie wahrscheinlich überall auf der Welt, auch in Israel ein großes Problem, und führen zu chronischen Verstopfungen rund um die Ballungszentren des Landes. 

Die Autobahn zwischen Jerusalem und Tel Aviv ist besonders betroffen: Wenn man morgens gegen 8 vor den Toren der weltcoolsten Stadt im Stau steht, kann man ringsum andere Autofahrer beim Zeitung lesen, rasieren oder Präsentationen vorbereiten beobachten. Kein Witz. 

Früher, als ich (noch kinderlos) im israelischen Silicon Valley arbeitete, tat ich mich mit einigen Kollegen zusammen und bildete eine Fahrgemeinschaft. Das sparte allen Benzin, Nerven und kurzweiliger als allein war es sowieso. Ein Konzept, das den Berufsverkehr deutlich entspannen könnte, würde es in der pendelnden Bevölkerung mehr umgesetzt. Wird es aber nicht. Viel zu viele Israelis fahren am allerliebsten allein im eigenen Auto, Stau und horrende Benzinkosten hin oder her. 

Vor einigen Jahren hat man daher beschlossen, auf der Strecke eine mautpflichtige Schnellspur einzurichten und damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

1) Jederzeit freie Fahrt für  den öffentlichen Nahverkehr und Taxis. (Denn nichts ist ätzender, als brav die ÖV zu nutzen und dann trotzdem im Stau zu stehen.)

2) An die Verkehrslage angepasste Maut: Grundgebühr für eine Fahrt bei freier Straße = 7 Schekel (knapp 1,50 Euro), im Berufsverkehr steigt der Preis auf das zehnfache. Der aktuelle Preis wird auf einer digitalen Anzeigetafel vor der Auffahrt auf die Schnellspur angezeigt. Wer am Stau vorbei fahren will, zahlt. 

3) Freie Fahrt für Fahrgemeinschaften: Sitzen mindestens drei (im Berufsverkehr vier) Personen im Auto, entfällt die Maut komplett. Diese Regelung hat in meiner Stadt zu mindestens einem, über eine WhatsApp-Gruppe organisierten, Mitfahrernetzwerk geführt. Der Deal: Kostenlos nach Tel Aviv mitgenommen werden, weil das den Fahrer viel günstiger kommt, als die volle Maut zu berappen oder ewig im Stau zu stehen. 

4) Kostenloses Park & Ride, um den Verkehr in der Stadt zu entspannen. Um diesen Service zu nutzen, fährt man auf der Schnellspur einen riesigen Parkplatz an, stellt dort sein Fahrzeug ab und steigt in einen Shuttlebus ins Tel Aviver Zentrum um. Die Shuttles fahren alle 5-15 Minuten, und wenn man die Parkplatzauslastung betrachtet, scheint dieses Angebot sehr gut anzukommen. 

Bonus: die wunderbare Aussicht auf den Stau vom Shuttle aus :)







Kommentare:

  1. Das ist doch eigentlich eine gute Idee! Wie wird dann die Mautgebühr entrichtet?
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Man kann entweder bar an einer Sevicestation bezahlen, dort wo auch festgestellt wird, ob man genug Mitfahrer hat, um befreit zu werden, oder sich vorab als Nutzer registrieren und die Gebühr von der Kreditkarte abbuchen lassen. Die Erfassung erfolgt über Kameras, die das Nummernschild fotografieren. Wenn man unregistriert fährt, ermittelt die Schnellspurfirma einen über die Zulassungsstelle :)

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